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Test
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07.10.2013

Audient iD22 Test

Audio-Interface / Monitor-Controller

Kleiner Studiomittelpunkt

Audient iD22 bei bonedo im Review: Als kombinierter Micpreamp, Audiointerface und Monitorcontroller kommt das iD22 dem Ideal eines Komplettpakets für das Home- und Projektstudio beeindruckend nahe.

Wäre das hart umkämpfte Marktsegment der integrierten Lösungen für kleine Studio-Zentralen ein Gewässer, so würden sich dort eine Menge Fischchen in allen möglichen Größen und Farben tummeln. Audient schickt sich nun an, einen sehr kapitalen Brocken in die freie Wildbahn zu entlassen. Uns ist er schon an die Angel gegangen!

Details

Die Gerätegattung ist notwendiger als je zuvor

Das Problem, um das es hier grundsätzlich geht, ist klar umrissen: Viele Musiker und Producer arbeiten heute überwiegend bis ausschließlich DAW-basiert, aber rein in den und raus aus dem Rechner müssen die Signale trotzdem, und ein Minimum analoger Peripherie bleibt auch heutzutage unverzichtbar – etwa Monitorlautsprecher und Kopfhörer, oder aber Mikrofone zur Sprach-, Gesangs- und Instrumentenaufnahme. Summiert man all diese Anforderungen und übersetzt das Ergebnis in den Funktionsunfang, den ein Setup zu leisten vermögen muss, so kommt man auf eine ganz schön beachtliche Anzahl unterschiedlicher Einheiten, die verkabelt und verschaltet werden wollen, Platz wegnehmen und mitsamt ihrer Verkabelung auch reichlich Raum für technische Problemchen bieten. Wir zählen: Micpreamp, Monitorcontroller, Audiointerface, Wandler, ggf. noch ein Mischpult oder Routingsystem... All diese Komponenten hat der britische Hersteller Audient in einem Gerät zusammengefasst, dem man diesen nachgerade gewaltigen Funktionsumfang auf den ersten Blick nicht einmal ansieht. Und das ist auch gut so, denn mit seinem übersichtlichen Layout lässt sich das iD22 nicht nur einfach bedienen, sondern es macht auf den Desktop auch eine schmucke Figur.

Audients bewährte Class-A-Preamps

Schauen wir einmal auf die vielen zahlreichen Details: Herzstück der Eingangssektion des iD22 sind zwei Mikrofonvorverstärker in bewährter Audient-Qualität. Es handelt sich hier um Class-A-Schaltungen auf Basis von Einzeltransistoren, die mit ±15V versorgt werden und sich demnach augenscheinlich an den Designs orientieren, die auch in Audients großen Konsolen-Flaggschiffen zum Einsatz kommen. Mit diesem Konzept geht der technische Kern der Inputs ziemlich weit über das hinaus, was in der Kompaktklasse Usus ist. Beide Preamps bieten, auf der Oberfläche des Pultgehäuses schaltbar, Phantomspeisung, ein 10dB-Pad, Phasendrehung sowie ein Trittschallfilter, das bei 100 Hz mit einer Flankensteilheit von 12 dB/oct greift. Leider gibt es hier keine LEDs zur optischen Kontrolle, was wenigstens bei der Phantomspeisung wünschenswert gewesen wäre, da diese unter Umständen angeschlossene Mikrofone beschädigen kann, wenn sie unabsichtlich aktiviert wird. Dafür verfügt der zweite Micpre zusätzlich noch über einen hochohmigen Instrumenten-Input auf Basis einer JFET-Transistorschaltung.

Monitoring-Features

Weitere auf den ersten Blick sichtbare Features sind die Monitorsektion mit dem großen, zentralen Poti zur Einstellung der Abhörlautstärke. Zusätzlich werden hier Dim- und Cut-Schalter geboten, deren Hardware sich definitiv eher nach „großer Konsole“ als nach „Homestudio-Desktop“ anfühlt – was auch nicht verwundert, denn Audient verbaut diese Teile auch in seinen großen Konsolen. Auch der Pegel des Kopfhörerausgangs kann per Poti eingestellt werden. Dazu gibt es noch drei Funktionstasten, die über die mitgelieferte Software frei konfiguriert werden können (dazu später mehr!). Mit jeweils vier Segmenten ist das LED-Metering der Eingangspegel nicht gerade außerordentlich detailliert. Für einen groben visuellen Überblick über das anliegende Signal reichen sie aber allemal aus; digitales Clipping wird man eh mit einem Blick auf die DAW-Meter vermeiden wollen.

Symmetrische Inserts

Bis hierher wirkt das iD22 wertig und vielleicht etwas unscheinbar. Drehen wir das Gehäuse jedoch um, so verrät die üppige Ausstattung an Anschlüssen, dass wir es hier mit einem wahren Feature-Wunder zu tun haben. Neben den Inputs für die Preamps, die als Kombibuchsen ganz rechts an der Gehäuseseite positioniert wurden, verfügt das iD22 (abgesehen vom Kopfhörerausgang und dem D.I.-Input) über acht weitere durchgehend symmetrische Klinkenbuchsen. An vieren liegen analoge Ausgänge an, dazu verfügt das Gerät noch über zwei Insertwege für die beiden Eingangskanäle, über die beispielsweise externe EQs und Kompressoren eingeschleift werden können, nachdem das Signal mit den Onboard-Micpreamps auf ein adäquates Niveau gebracht wurde. Jeder der beiden Insertwege ist nicht als ISR-Einzelbuchse vorhanden, welche mit einem (unsymmetrischen) Y-Kabel betrieben werden muss, sondern verfügt über eine eigene Aus- und Eingangsbuchse.

Über Lightpipe erweiterbar

Mit dem Kopfhöreranschluss und den vier individuellen Analog-Outputs bietet das Audient-Pültchen insgesamt sechs Kanäle, die über jeweils eigene, integrierte D/A-Wandler mit Signalen versorgt werden. Zusammen mit den beiden Recording-Channels kommen wir hier also auf eine 2/6-Wandlerarchitektur mit maximal 24 Bit und 96 kHz Auflösung. Anders als beispielsweise Audients Mico, der zwar über Wandler, nicht aber über ein Interface verfügt, kann das iD22 direkt über einen USB-2.0-Anschluss an die DAW gekoppelt werden. Im Zusammenspiel mit der Control-Software, die bis zum ersten Quartal 2014 leider nur für Mac OS X verfügbar ist, öffnet sich da ein kleines Universum an Schalt-, Kontroll- und Routingmöglichkeiten. Und dies erst recht, wenn man bedenkt, dass das iD22 über die optischen digitalen Anschlüsse (S/PDIF oder ADAT/ADAT-S/MUX) noch erweitert werden kann, etwa mit einem Audient ASP008, welches die Anzahl der verfügbaren Kanäle auf 10 Inputs und 14 Outputs erweitern würde. All diese Signale laufen im Mixer der iD22-Software zusammen, wo umfangreiche Metering- und Routingfunktionen zur Verfügung stehen.

In der Software: ausgefuchstes Routing möglich

Jeder Kanal kann mit Pegel- und Panningkontrollen auf die Cue-Busse A und B geschickt werden, etwa um individuelle Monitormischungen zu erstellen. Dazu vefügt jeder Kanal über die Michpult-Basics, nämlich einen Signalfader, ein Panpot sowie Solo- und Mute-Schalter. Komplettiert wir der Mixer durch eine Mastersektion, die Cue-Master-Fader mit Soloschaltern bietet und außerdem Zugriff auf die Beschaltung der drei Funktionstaster, die je nach Gusto belegt werden können. Man kann diese Schalter so konfigurieren, dass man Mono- und Seitensignale abhören kann, man könnte mit ihnen zwischen zwei Boxenpaaren umschalten oder die Talkback-Funktion aktivieren. Da sich verschiedene Mixer-Konfigurationen speichern und laden lassen, kann man sich auf diese Weise unterschiedliche Setups beispielsweise für (Vocal-)Recording und Mixdown bauen.

Schließlich bietet die Software noch ein umfangreiches Kontrollfeld, das Zugriff auf die analoge und digitale Routingmatrix bietet und außerdem noch zahlreiche Voreinstellungsmöglichkeiten. So können beispielsweise die Pegelabsenkung des Dim-Tasters oder der relative Pegel des zweiten Monitorausgangs konfiguriert und abgespeichert werden. Das iD22 verfügt über einen internen Wordclock-Generator, kann aber via optischen Eingang auch extern geclockt werden. Ein BNC-Wordclock-Input wurde – vermutlich aus Platzmangel – leider nicht vorgesehen.

Kein Dünnblech und keine Plastikkappen

Mit ca. 1,5 Kilo ist das Gerät kein Leichtgewicht, und das ist gut so: Es ist bemerkenswert, wie wertig das Gehäuse gefertigt wurde. Dieser Umstand zeigt sich beispielsweise im Ganzmetallgehäuse oder den Potiknöpfen, die aus massivem Aluminium bestehen und dementsprechend solide in der Hand liegen. Das fühlt sich rundum gut an und erweckt Vertrauen in die Haltbarkeit des Gerätes, zumal die Buchsen der Audioanschlüsse mit dem Gehäuse verschraubt sind und deswegen nicht die Platinen mechanisch belasten. Ein externes Netzteil ist hier mit Blick auf Kosten und Platzbedarf und die vornehm kleinen Dimensionen des iD22 unvermeidlich. Eine interne PSU wäre schöner, aber das kann in diesem Gesamtpaket einfach nicht mit drin sein, und deswegen wird es auch nicht als „harter“ Kritikpunkt gewertet. Anlass zu ein wenig Kritik bietet höchstens die Oberfläche der Software, die an einigen Stellen einen optisch etwas zusammengewürfelten Eindruck macht. Anstelle der pseudo-handschriftlichen Channelstrip-Bezeichnungen hätte ich beispielsweise lieber eine besser lesbare Schrift gesehen, die sich auch harmonischer in das Gesamtbild einfügt. So „jugendlich“ wie mit dieser Sprayer-Typo muss sich die Software gar nicht geben, denn Audients iD22 ist ein äußerst seriöses Werkzeug...

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