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05.11.2019

Atomix VirtualDJ 2020 Pro Infinity Test

DJ-Software

Digitales DJ-System für mobile DJs und Performer

VirtualDJ begleitet die digitale DJ-Szene schon etliche Jahre und kann auf eine wachsende Fangemeinde verweisen. Die Software bietet einen sehr weit ausladenden Funktionsumfang und spricht daher eine breite Nutzergruppe an. Die Anwender reichen von DJs, die elektronische Musik spielen und kreativ arbeiten wollen, bis hin zu mobilen DJs, die Hochzeitsfeiern und Firmenevents untermalen und dabei auch visuelle Zusatzinhalte einstreuen möchten.

Trotz dieser bereits großen Ausstattung geht die Entwicklungsarbeit bei Atomix stetig weiter. Für diesen Test habe ich mir die Neuheiten von VirtualDJ 2020 genauer angeschaut, wer sich über den kompletten Funktionsumfang der Software informieren möchte, findet hier den Test von VirtualDJ 2018 aus dem letzten Jahr

Details

Die Software VirtualDJ 2020 gibt es, ebenso wie die Vorgänger, in verschieden umfangreich ausgestatten Versionen, die per Einmalzahlung oder als Abo-Modelle angeboten werden. Privatanwender mit wenig Funktionsbedarf können die kostenlose „Home Free“-Version für die ersten Mixversuche nutzen, Profis greifen entweder zu VirtualDJ Pro (Infinity) oder Business und nutzen die integrierten Abonnements für Online-Kataloge, die Audio-, Video- und Karaoke-Material sowie einen Telefonsupport bieten.

Die verschiedenen Versionen sind auf dieser Website gegenübergestellt. Für den Praxistest habe ich die Pro-Infitiy-Version mit der Release-Nummer 5308 genutzt, die alle Funktionen beinhaltet.

VirtualDJ 2020 wirbt mit folgenden Neuerungen:

  • neu gestaltete Bedienoberfläche
  • verbessertes Harmonic Mixing
  • Beatport Kompatibilität
  • Event Scheduler

Streng genommen wurde die Harmonic-Mixing-Funktion zwar schon vorher implementiert, da das aber nach meinem letzten Test erfolgte, schaue ich mir diese natürlich auch gerne an, genauso wie Ableton Link und Soundcloud Go+.

Überblick

Für Anwender, die bislang noch keine Berührungspunkte mit VirtualDJ hatten, hier ein kurzer Funktionsüberblick. VirtualDJ ist per Skin-Selektion individuell anpassbar und bietet bis zu 99 Decks. Im kreativen Bereich verfügt die Software Hotcue-Punkte, Loops, Slicer, Beatjumps sowie Effekte und einen Sampler, also im Grunde genommen das, was die meisten Mitbewerber (Traktor, Serato, Cross) ebenfalls vorweisen können.

Zusätzlich lassen sich aber auch Videos mixen und Karaoke-Dateien nutzen, um die Gäste zu unterhalten, auch eine Lichtsteuerung ist enthalten. Wer möchte, kann Mixe aufzeichnen und per Broadcasting-Funktion streamen. Zur Steuerung der Software sind MIDI-Controller und Timecode-Medien nutzbar.

GUI

VirtualDJ 2020 ist mit einem Satz neuer Default-Skins ausgestattet, die Einsteigern, aber auch Profis, die keine eigenen Bedienoberflächen kreieren möchten, das Arbeiten mit der Software erleichtern. Diese Standard-Bedienoberflächen wurden neu gestaltet und bieten meiner Meinung nach mehr als nur eine gute Ausgangsbasis. Per Auswahlmenü kann zwischen Starter, Essential, Pro und Performance gewählt werden.

Je „professioneller“ das gewählte Layout, umso größer die Auswahl der Decks und zusätzlichen Einblendoptionen. Alle Default-Skins sind farblich gedeckt und eher zurückhaltend, was ich als sehr positiv empfinde, da man beim Mixen nicht durch grell blinkende Anzeigen abgelenkt wird.

Starter Layout

Das Starter-Layout beschränkt sich auf die Einblendung von zwei Decks und bietet zur Song-Kontrolle animierte Plattenspieler. Zum Beatmatching gibt es Pitchfader, aber natürlich auch einen Sync-Button. Wer als Einsteiger kreativ arbeiten möchte, kann auf Filter und Flanger und die Loop-Funktion zugreifen, für die Pads gibt es die vier Funktionen Beatgrid (würfelt die Beats durcheinander), Roll, Scratch und Sampler.

Essentials Layout

Das Essentials-Layout ist ebenfalls mit zwei Decks ausgestattet und bietet einen Effektslot mit einem frei wählbaren Effekt sowie acht Pads pro Deck. Die Pads können mit Hotcue-Punkten, Loop-Roll sowie Slicer und Sampler genutzt werden. Per Editor lassen sich diese Belegungen ändern. Gleiches gilt für die Loop-Funktion, auch hier gibt es erweiterte Möglichkeiten und Optionen zur Anpassung wie Loop-Richtung oder Quantisierung.

Das Essentials-Layout verfügt zudem über allgemeine Einstellungen wie Automatch BPM, KEY und Pitch Range, zudem ist das Verhalten der Transporttasten und des Jogwheels konfigurierbar. In der Kopfzeile der Decks kann die Tonart eines Songs geändert werden.

Das Layout-Menü erlaubt zudem die Modifikation der „Skinfarbe“, wobei hier keine Farbauswahl, sondern hell, dunkel und invertiert wählbar ist. Des Weiteren kann auch die Wellenformdarstellung verändert werden, hier stehen die Einträge „optimierter Rhythmus, „Gespiegelte Rhythm Wave“ und „Vollspektrum“ zur Auswahl. Die eigenartigen Schreibweisen und „Denglisch“-Kombinationen finden sich genau so in der Software, ich finde das wirkt etwas unprofessionell und sollte bei einem Produkt für ca. 300 Euro eigentlich nicht vorkommen, nun ja.

In die Wellenformen lassen sich optional die Grid-Linien des Beatgrids einblenden. Als letzten Auswahlpunkt bietet das Essentials-Layout verschiedene Jogwheel-Anzeigen. Hier kann zwischen „Aussehen des Turntables“ und „Spinner Look“ gewählt werden und zudem lässt sich die Cover-Darstellung selektieren (keine Covers, kleine Cover, große Cover), das Wording erscheint auch hier meiner Meinung nach etwas eigenartig.

Pro Layout

Das Pro-Layout kann mit zwei oder vier Decks genutzt werden, wobei die Decks 3 und 4 als Ergänzungsdecks dienen und einen deutlich reduzierten Funktionsumfang einblenden. Hier kann man allerdings per Klick auf ein Pfeilsymbol einen Tausch mit dem jeweils darüber liegenden Deck anstoßen und auf die kreativen Funktionen zugreifen – clever!

Die großen Decks im Pro-Layout sind mit drei Effekt-Slots ausgestattet. Die Effekt-Slots lassen sich nach eigenen Wünschen bestücken, in eine Ein-Effekt-Steuerung umwandeln, die eine detaillierte Parametersteuerung erlaubt oder als zusätzliche Pad-Bank mit acht Pads nutzen.

Unterhalb der Effektsteuerung sind acht Pads platziert, die Hotcues, Loop Roll, Slicer, Sampler, Scratch, Keycue, Cueloop, Beatjump, Loop, Saves Loops, Manual Loop, Remix Points, DMX (Licht) oder eigene (Custom) Funktionen steuern. Zudem gibt es Loop-Kontrollen, die ebenfalls konfigurierbar sind und vier weitere Pads die für erweiterte Steuerungen zur Verfügung stehen.

Das Pro-Layout bietet zudem eine direkte Aktivierungsmöglichkeit für den Vinyl- und Slip-Modus, in der Kopfzeile der Decks können die Mastertempo- und die Key-Match-Funktion aktiviert werden. Bezüglich der Anpassungsoptionen bietet das Pro-Layout eine noch größere Auswahl an. Bei der „Skinfarbe“ steht die Zusatzoption „dunkler Modus“ zur Verfügung und für die Wellenformendarstellung gibt es neben den verschiedenen Inhalten und Farben auch eine Positionswahl, sodass sich diese auch unter den Decks einblenden lassen.

Darüber hinaus können Wellenformen für alle vier Decks und ein Taktzähler (Bar Counter) als Mixhilfe angezeigt werden. Das Jogwheel ähnelt der Darstellung in Serato DJ Pro und lässt sich durch die Selektion von „Needle“, „Text“ oder „Needle + Text“ konfigurieren.

VirtualDJ unterstützt das Mixing durch einen Beatcounter, die Einblendung der Phrasen kann im Beatcounter oder als separate Kreise erfolgen. Wer mit vier Decks mixt, hat die Möglichkeit, den Mixer als zentralen Vierkanalmixer einzublenden oder aufgeteilt mit je zwei Kanälen zwischen den Decks. Die allgemeinen Einstellungen wie Automatch BPM und KEY etc. lassen sich hier natürlich ebenfalls modifizieren.

Performance Layout

Das Performance Layout bietet ebenfalls sehr zahlreiche Funktionen und drei verschiedene Deck-Größen mit entsprechend angepassten Inhalten. Die größte Darstellung „voll“ beherbergt den gleichen Funktionsumfang für die Decks wie das Pro-Layout, ist optisch aber etwas anderes gestaltet. In der Darstellung „Kompakt“ verschwindet das Jogwheel und es stehen acht Pads zur Verfügung, die sich mit typischen Pad-Funktionen (Hotcues, Slicer, Sampler etc.) oder mit drei Effekten belegen lassen. Dazu gesellen sich die obligatorische Loop-Kontrolle, die ebenfalls anpassbar ist und Beatjump- sowie Reverse-Taster. Neben dem Slip- und Vinyl-Modus kann die Funktion „Sperre“ aktiviert werden, die einen möglichen Beat-Versatz bei Scratch-Manövern korrigieren soll und die Quantisierungsfunktion.

Die Deckdarstellung „Klein“ wartet mit einem sehr reduzierten Funktionsumfang auf und bietet neben den Transporttastern einen Bereich, der sich per Pfeiltaste umschalten lässt und Loops, Effekte oder vier konfigurierbare Pads für kreative Mixe bereit hält. Die Anpassung des Layouts kann durch Änderungen im Bereich der Skin-Farbe und Wellenformanzeige erfolgen. Für letztere gibt es die Auswahloption vertikal, die nicht nur die Wellenformdarstellung modifiziert, sondern auch vier große Decks einblendet. Als weitere Besonderheit findet man in der Kopfzeile dieses Layouts den Bereich Rack mit den Auswahlmöglichkeiten Mixer, Effekte und Video.

Aktiviert man das Mixerrack, so werden unterhalb der Decks Equalizer, Filter und ein Crossfader angezeigt. Des Weiteren gibt es einen Masterbereich, in dem die Master-, Kopfhörer- und Mikrofonsignale kontrolliert werden. Selektiert man das Rack „Effekte“, so stehen zwei umschaltbare Effektracks für die Decks parat, die mit einer Effektkette aus drei Effekten oder einem detailliert konfigurierbaren Effekt bestückbar sind. Zudem gibt es noch einen Mastereffekt. Entscheidet man sich für das Videorack, so erscheinen drei kleine Kontrollbildschirme und Auswahlmöglichkeiten für Videoeffekte und ein Crossfader zum Mixen der visuellen Inhalte.

Harmonic Mixing

Beim Harmonic Mixing berücksichtigt man die Tonarten der Songs, um einen musikalisch stimmigen Mix anfertigen zu können. VirtualDJ 2020 bietet hierzu die Funktion „Smart Key Match“ an, die eine Anpassung der Songs per Knopfdruck vornimmt oder bereits beim Laden in die Decks aktiv wird. Diese Funktion arbeitet allerdings nur im Bereich von +/- 1 Halbton und blendet einen Warnhinweis ein, wenn größere Anpassungen nötig sind. In diesem Fall kann man die Änderungen der Tonart manuell vornehmen. Damit man bei der Auswahl eines passenden Tracks aber nicht im Dunkeln tappen muss, werden geeignete Songs mit einem Haken in der Spalte „Key“ im Songbrowser gekennzeichnet.

Beatport & Soundcloud Go +

Mit der Unterstützung von Beatport LINK und Soundcloud Go + steigt die Auswahlmöglichkeit im Bereich des Songnachschubs über Streaming-Anbieter. Die neuen Partner ergänzen die bereits vorhandenen iDJPool und Deezer und vergrößern somit die Songauswahl um Clubmusik-Ressourcen. Die beiden neuen Einträge sind im Bereich Online-Musik im Songbrowser zu finden.

Ableton Link

Ohne große Ankündigung wurde die Synchronisationsmöglichkeit Ableton Link ergänzt. Diese Netzwerk-basierte Sync-Option ist in vielen DJ-Programmen, Sequencern, Drummachine-Software etc. enthalten und erlaubt das Zusammenspiel von Software und Apps auf verschiedenen Geräten.

Event Scheduler

Der neue Event Scheduler, an manchen Stellen der Software auch als Event Planer bezeichnet, kann dazu genutzt werden, bestimmte Aktionen zu einem festgelegten Zeitpunkt nacheinander abzuarbeiten. Er kann Playlisten, Samples oder Slideshows starten sowie Texte einblenden. Anwender, die schon länger mit VirtualDJ arbeiten und sich mit dem Thema Scripting auseinandergesetzt haben, kommen hier auch auf ihre Kosten, denn VDJScript kann der Event Scheduler ebenfalls ausführen.

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