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Test
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19.05.2020

Ashun Sound Machines Hydrasynth Test

Digitaler Wavetable/Wavemorphing-Synthesizer

Der Monster-Wellen-Surfer

Wie aus dem Nichts, erschien Ende 2019 die chinesische Synthesizerschmiede „Ashun Sound Mashines“ und brachte zunächst die Dektop- und nun die Keyboard-Version ihres DSP-Wavetable Synthesizers „Hydrasynth“ auf den Markt. So ganz aus dem Nichts passiert so etwas natürlich nicht. Denn Firmengründerin „Fanny Cheng“ kann auf eine lange familiäre Traditionsline im Bereich der Musikequipment-Herstellung zurückblicken, Chef-Entwickler „Glen Darcey“ war schon bei Akai und Arturia an der Konzeption vieler erfolgreicher Produkte beteiligt und der Engineer „Chen Jiejun“ (kurz CJJ) arbeitete bereits bei „Medeli Musical Instruments“ (der Firma des Vaters von Fanny Cheng – James Cheng) als DSP-Entwickler. Die kleine, schlagkräftige Truppe hat es also im Alleingang gestemmt, einen achtstimmigen Wavetable-Synthesizer von Grund auf neu zu konzipieren und zur Marktreife zu bringen – Respekt. Und mit genau dem nähern wir uns auch der hier getesteten Keyboard-Version.

Details

Das Konzept hinter Hydrasynth

Auf die Fakten runter gebrochen, handelt es sich beim Hydrasynth um einen achtstimmigen DSP-Wavetable/Morphing-Synthesizer. Pro Stimme stehen drei Oszillatoren zur Verfügung von denen die ersten beiden Wave-Morphing und Scanning beherrschen. Das landet in zwei digitalen Filtern (mit unterschiedlichen Modellen) und wird durch fünf LFOs und Wellenformen moduliert. Zudem stehen auf der Frontplatte eine ganze Reihe von Echtzeit-Encodern bereit (darunter Cutoff, Resonance und Morph), sowie acht dynamisch adressierbare Makro-Encoder. Flankiert wird das von einem ausgefeilten Arpeggiator, vier Effekteinheiten (Delay/Reverb fix, zwei weitere frei wählbar) und einer kleinen (aber feinen) CV-Anschlussmatrix, die Kontrollspannungen empfangen und senden kann. In der hier getesteten Keyboard-Version ist eine vier Oktaven umfassende, anschlagdynamische Vollformat-Tastatur verbaut, die sogar polyphonen Aftertouch verarbeiten kann. Neben Pitchbend und Modwheel steht als zusätzlich Spielhilfe noch ein 4-Oktaven Ribbon-Controller bereit, der das stufenfreie, expressive Gleiten zwischen Noten ermöglicht. Im Speicher des Hydrasynth finden fünf Bänke mit jeweils 128 Sounds Platz, sodass in der Summe 640 Klänge im direkten Zugriff sind.

Auspacken

Aus dem Doppelkarton wuchte ich den Synthesizer selbst. Er ist durch voluminöse Kunststoffformteile gegen Transportschäden hinreichend geschützt. Begleitet wird er von einer sehr übersichtlichen, verständlich geschriebenen Bedienungsanleitung (leider nur in Englisch), einer Tüte Aufklebern und einem 12-Volt-Netzteil mit internationalen Adapteraufsätzen. 

Erster Eindruck

Schon die physische Präsenz des zehn Kilo Boliden scheint klar machen zu wollen, dass man es hier mit einem seriösen Klangerzeuger und keinem Spielzeug zu tun hat. Das stattliche Gewicht kommt nicht von ungefähr, denn das Gehäuse ist aus solidem Stahlblech gefertigt und die Seiten zieren effektvolle Aluminium-Wangen, die mit sichtbaren Kreuzschlitzschrauben befestigt sind. Der vier Oktaven-Synth beansprucht eine Grundfläche von 80 mal 35 cm und steigt nach hinten sanft bis auf eine Höhe von 10,3 cm an. In Verbindung mit den relativ großen, Gummi-ummantelten Potenziometer-Köpfen, der dunklen Farbgebung des Gehäuses, die lediglich durch die Akzentfarbe Orange aufgelockert wird, gibt das dem Hydrasynth eine sehr kompakte, fast schon bullige Anmutung. Natürlich nutzten die Designer den zur Verfügung stehenden Platz anders, als bei der Expander-Version.

Und entsprechend ist der Arpeggiator nun nach links, Filtersteuerung und Modulauswahl nach rechts gewandert. Das Zentrum bildet nun die Main System-Sektion und die Master-Control-Einheit. Das ist logisch und wirkt in der Gesamtheit stimmig und aufgeräumt. Alle Taster sind hintergrundbeleuchtet, die Encoder werden von einem LED-Leuchtkranz eingerahmt, zwischen ihnen siedeln vier hochauflösende, monochrome OLED-Displays. Derselbe Displaytyp kommt auf in der zentralen Master-Sektion zum Einsatz, über dem ein großer Rotary-Encoder sitzt, den ein mehrfarbig leuchtender Lichtkranz umgibt (die Farbe korrespondiert mit der gewählten Klangkategorie). Und obwohl in der Summe ziemlich viel am Hydrasynth blinkt und leuchtet, empfinde ich persönlich sein Design als sehr ansprechend, das – besonders aufgrund der Poti-Köpfe mit Riffelung und silbernem Zentrum, dem aufgedruckten Signalfluss und der Kontrollspannungsbuchsen – eine schönes Future-Retro Anmutung vermittelt.

Anschlüsse - Verbindung zur Außenwelt

Auf der Rückseite finden sich folgende Anschlüsse: Ein Klinken-Stereo-Ausgang, Buchsen für Sustain- und Expression-Pedale, das 5-Pol-Din-MIDI-Trio (Thru, Out, In), eine USB-Buchse, sowie Strombuchse, Kabel-Zugentlastungsschlaufe, Kensignton-Aussparung und ein Strom-Wippschalter. Die Kopfhörerbuchse der Expander-Version ist praktischerweise nach vorne, unter das Pitch- und Modwheel gewandert und ist nun sowohl als Mini- wie auch als Standard-Klinke vorhanden. Zusätzlich wurde ein kleines Lautstärkerädchen integriert mit dem sich die Kopfhörerleistung unabhängig vom Master-Volume steuern lässt. Auf Oberseite sitzt – wie auch bei der Expander-Version – das Steuerspannungsfeld: Zwei universelle Spannungs-Ein- und Ausgänge warten hier auf Verbindung mit der Außenwelt (Mod 1/2), daneben finden sich ein Pitch/Gate- und ein Clock-Ausgang.

Firmware-Update

Bei einem waschechten DSP-Synthesizer wie dem Hydrasynth, dessen Klangerzeugung und Funktionen allein von der im Flash-Rom hinterlegten Firmware definiert werden, empfiehlt es sich vor einem Test natürlich, das Betriebssystem auf den neuesten Stand zu bringen. Ein Blick in die letzte Menüseite (12 von 12) verrät mir nämlich, dass meine Demo-Unit noch mit „1.2.2.“ läuft. Die angebotene Version im Download-Bereich der Ashunsoundmaschines-Website ist dagegen schon die 1.4.0. und sie verspricht vier neue Rauschgeneratoren (Red, Blue, Violet und Grey – in der Summe sind es dann sieben), MPE-Support und einen „Warm Mode“ (1.3.1), daneben eine Vielzahl von Bugfixes.

Ich lade also zunächst den Updater (1.8.1.), wie auch die aktuelle Firmware herunter. Der Update-Vorgang ist nicht kompliziert, erfordert aber doch mehrere Schritte: Erst gilt es die Updater-Software zu installieren und zu starten, dann den Hydrasynth in den Update-Modus zu versetzen (Arpeg On + Latch-Taster beim Start gedrückt halten), dem Updater dann die richtige Firmware zuzuweisen und danach einen Neustart zu vollziehen.

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