Software
Test
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04.06.2019

Praxis

Installation

Die drei Plugins werden über Arturias Lizenz- und Softwareverwaltungssystem „Arturia Software Center“ heruntergeladen und installiert. Nachdem man die Seriennummer und den Unlock Code eingegeben hat, wird das Bundle aktiviert und der Download beginnt. Updates werden ebenfalls bequem über die Software heruntergeladen. Wer bereits im Besitz der drei Preamps und drei Filters ist, bekommt die Kompressoren übrigens vergünstigt.

Skalierbare Bedienoberflächen und interaktive Bedienhilfen

Die Interface-Auflösung sind 5K-fähig, weshalb man sie selbst in Auflösungen von 5.120 x 2.880 Pixel gestochen scharf vergrößern kann. In den Menüs der Bedienoberflächen lassen sich GUI-Größen von 60 % bis 200 % auswählen. Und selbst ohne 5K- (neueste iMacs) oder 4K-Display lässt sich das Detailreichtum erkennen, das die Interfaces in großen Skalierungen hergeben. 

In den Plugins lassen sich Tooltipps aktivieren, um Informationen über die Parameter zu erfahren. Diese werden angezeigt, wenn man sich mit der Maus darüber bewegt. Zudem wird beim ersten Start eines Plugins die Funktionsweise des jeweiligen Kompressors anhand der Parameter mittels interaktiver Tutorials erklärt. Diese lassen sich bei Bedarf auch manuell aufrufen. So lernt man auch als Neuling schnell mit den drei Kompressoren umzugehen.

Gewohnte Bedienkonzepte mit intuitiven Ergänzungen 

Optisch hat sich Arturia an die Vorbilder gehalten, was gut ist. Wer die Originale oder ihre Klone kennt, findet sich daher schnell zurecht. Arturia hat die essenziellen Bedienelemente weitestgehend originalgetreu untergebracht. Lediglich der Dry/Comp-Regler, mit dem sich die Komprimierung hinzumischen lässt, befindet sich als Zusatz auf den eigentlichen GUIs. Die komplette Sidechain-Geschichte wurde übersichtlich in der gesonderten Advance-Sektion untergebracht. Die 1176-Emulation besitzt noch eine zusätzliche Ratio, welche den All-Button-In-Mode emuliert. Dies ist eine „falsche“ Einstellung, die beim Original gerne verwendet wird, um extreme Klangfärbung zu erzielen. Dabei werden alle Kompressionsraten (4, 8, 12 und 20) gleichzeitig gedrückt.

Bei der Gates Sta-Level-Emulation wurde, wie bereits erwähnt, ein zusätzliches Triple-Setting untergebracht, wodurch der Kompressor mit drei statt zwei Attack-Einstellungen ausgestattet ist. Die dbx 165A-Nachbildung besitzt auf der Hauptbedienoberfläche (bis auf den Dry/Comp-Regler) keine Zusatzfeatures.

Automatic Gain Compensation

Der FET76 und der TUBE-STA verfügen über eine automatische Pegelkompensierung. Somit lassen sich die Inputs aufdrehen und der Output-Regler wird automatisch heruntergeregelt, wie auch bereits bei 3 Preamps YWAU.  Das funktioniert hier grundsätzlich auch, allerdings entstehen bei Kompressoren prinzipbedingt nunmal Pegelverluste, wenn man den Input aufdreht. Dieser regelt ja nämlich nicht nur den Input Gain, sondern ebenfalls den die Stärke der Komprimierung, weil man sich in den Threshold hinein bewegt. Daher muss man den Output-Pegel dennoch manuell anpassen – besonders dann, wenn man den Dry/Comp-Regler nutzt, um das komprimierte und das originale Signal zu mischen. Das ist nicht schlimm, aber durchaus verbesserungswürdig.

Hervorragender Sound meets einfache Bedienbarkeit

Die Kompressoren sind vielseitig einsetzbar, da jeder seine eigenen Soundmerkmale mitbringt. Alle drei Kompressoren sind Klangfärber, die dem Signal ihren Stempel aufdrücken – und zwar jeder Kompressor auf seine Art. Die typischen Klangeigenschaften der Originale schaffen es, die Signale einfach fetter klingen zu lassen. Die üppigen Preset-Librarys der Plugins bieten einen guten Überblick darüber, was sich mit den Emulationen anstellen lässt. Im Übrigen kommt jedes der Plugins mit einem Presetbrowser inklusive Attributen. So kann man sich schnelle Settings in den Tracks holen. So richtig Spaß macht es aber natürlich erst, wenn man selbst schraubt – besonders bei solchen Klangfärbern kommt man so oder so schnell zu druckvollen Ergebnissen. In den folgenden Klangbeispielen habe ich die Kompressoren in einem „Western-Blues-mäßigem“ Rocksong eingesetzt.

Einige Settings habe ich zusätzlich mit einer 75%-Einstellung des Dry-Comp-Reglers erstellt. Oftmals sorgt die New York Compression oder auch Parallel Compression nämlich für natürlichere Ergebnisse, da beispielsweise die Transienten besser erhalten bleiben und das Ergebnis weniger platt und hochgepuscht, sondern dynamischer und lebendiger klingen kann. Einige Engineers, allen voran Mixing-Guru Andrew Sheps, nutzen die parallele Kompression ständig. Und zwar nicht ohne Grund, aber nun macht euch lieber selbst ein Bild davon.

Zu guter Letzt hört ihr den gesamten Mix, in dem ich die Kompressoren in den Spuren eingesetzt habe, bei denen sie im Gesamtkontext die besten Ergebnisse abliefern konnten. Der gesamte Mix wird deutlich aufgemöbelt und klingt im Gesamten druckvoller, fetter und dennoch ausgewogener. Da sich jeder Kompressor auch ohne Weiteres auch auf Stereo-Signalen verwenden lässt, habe ich mir es natürlich nicht nehmen lassen, sie auch mal als Masterkompressor zu verwenden und somit den gesamten Mix, also alle Instrumente zusammen, zusätzlich zusammenzuschweißen – das wäre mit den originalen Mono-Geräten nicht ohne Weiteres möglich. Schon gar nicht ohne das nötige „Kleingeld“ – die Geräte liegen nämlich nicht nur im vierstelligen Bereich, sondern sind im Grunde Raritäten.

Qualität hat ihren Preis …

… und dieser wird in dem Fall in CPU-Ressourcen gezahlt. Die Kompressoren weisen nämlich einen recht hohen CPU-Verbrauch auf, was bei klanglich hervorragenden Emulationen allerdings keine Seltenheit ist. Verglichen mit ähnlichen Produkten der Hersteller Softube, Native Instruments, Waves und Co. verbrauchen die Arturia-Emulationen nicht gravierend mehr. Ich persönlich habe kein Problem damit, die Spuren eines Songs zwischenzeitlich mal zu „freezen“ oder die Bounce-In-Place-Funktion zu nutzen, wenn die Klangqualität stimmt. Würde man einen der Kompressoren als Hardware besitzen und auf mehreren Spuren nutzen wollen, müsste man die Tracks ohnehin zwischendurch bouncen (exportieren und importieren), um die Hardware wieder frei zu machen. Es sei denn, man legt sich die Hardware mehrfach zu, was bei sündhaft teuren Raritäten recht kostspielig ist. Wer den Rechner entlasten möchte und dennoch In-The-Box arbeiten möchte, kann natürlich auch auf UAD-Systeme umsteigen. 

Umfangreiche Sidechain-Sektion – Ein Traum für Experimente

Das Schöne an den Kompressor-Emulationen ist, dass sie wie auch ihre analogen Vorbilder eine einfache Bedienbarkeit aufweisen. In Kombination mit Sidechain, Parallel Compression und Parametererweiterungen der Plugins bekommt man bei Arturia deutlich mehr Features als bei der Hardware, und das zu einem Bruchteil des Preises. Mittels Sidechain sind beispielsweise Deesings auf Vocals, verzerrten Gitarren oder auch das Herausfiltern von störenden, tiefen Frequenzen in Bässen oder Bassdrums möglich. Und zwar ohne komplizierte Routings anlegen oder weitere Plugins einsetzen zu müssen. Auch externe Signale lassen sich einspeisen, um beispielsweise einen Bass durch eine Bassdrum herunterregeln zu lassen und so für einen aufgeräumteren Mix zu sorgen – das funktioniert natürlich auch mit anderen Konstellationen.

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