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Test
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13.02.2013

ART Pro VLA II Test

Stereo-Analogkompressor

Dubbel-Vla

Was kann der ART Pro VLA II leisten? Immerhin macht ein voll ausgestatteter 19“-Optokompressor zu diesem Preis ausgesprochen neugierig. Und wenn Erfolg an den Stückzahlen gemessen wird, dann ist das allein schon ein Indikator für die Qualitäten dieses Kompressors.

Bei einem Straßenpreis unter der 400-Euro-Marke gönnt sich der Kompressor des amerikanischen Herstellers ART (kurz für: Applied Research and Technology) ein erstaunliches Erscheinungsbild. Zumindest auf den ersten Blick versprüht das 19“-Gehäuse mit den zwei Höheneinheiten durchaus Highend-Charme. Die dicke, massive Aluminium-Frontplatte, die großen VU-Meter, die üppige Ausstattung – all das sieht zunächst einmal nicht nach einem Kaufpreis aus, für den man in der Highend-Liga gerade mal das Gehäuse ohne Inhalt bekäme. Auf den zweiten Blick sieht man zwar schon, dass hier nicht übermäßig viel Budget für die optische Detailgestaltung vorhanden war, aber das kann einem als preiswussten Anwender nur recht sein: Je mehr Ressourcen in die klanglichen Qualitäten eines Audioprozessors fließen, desto besser! Schließlich ist der Hauptzweck eines solchen Gerätes seine klangliche Leistung, der Look kommt erst danach. Aber nicht dass wir uns missverstehen: Seriös sieht der Pro VLA II durchaus aus, es handelt sich hier definitiv rein optisch bereits um ein sehr ernstzunehmendes Studio-Tool!

Der Hersteller aus dem Staat New York arbeitet eng mit der Designabteilung seiner kanadischen Mutterfirma, Yorkville Sound zusammen, die nicht weit enfernt auf der anderen Seite des Lake Ontario beheimatet ist. Es dürfte sich aber von selbst verstehen, dass – trotz des nordamerikanischen Designs – die Fertigung in Fernost erfolgt; anders ließe sich ein derart aufgebauter Prozessor nicht zu diesem Kaufpreis realisieren.

Details

Gain bis +20 dB, Ratio mindestens 2:1

Der Pro VLA II ist zweikanalig aufgebaut, kann also als zwei unabhängige Mono-Einheiten ebenso betrieben werden wie im Link-Modus, bei dem die Pegelreduktion beider Kanäle verkoppelt wird. Mit Bedienelementen wurde das Gerät großzügig ausgestattet, es sind alle Parameter vorhanden, die man heute standardmäßig bei einem zeitgemäßen Dynamiktool erwarten würde: Threshold, Output Level, Ratio, Attack und Release. Alle Parameter werden mit gerasterten Potis justiert, welche sich angenehm schwergängig anfühlen – das erhöht die „gefühlte Wertigkeit“ des Prozessors schon mal und ist nicht ganz unerheblich, denn wir wollen uns ja auch wohlfühlen bei der Arbeit.Praktisch allen Parametern ist zudem gemein, dass die Regelbereiche sehr weit abgestimmt wurden. Das erhöht zwar die Sorgfalt, mit der man beim Einstellen vorgehen muss, aber auf der anderen Seite eben auch die Flexibilität und Vielseitigkeit des Prozessors. Der Threshold lässt sich zwischen -30 und +20 dB einstellen, dazu bietet der Pro VLA II bis zu 20 dB Aufholverstärkung – das sollte also auch ausreichen für heftigere Einsätze. Das Attackpoti bietet Werte zwischen 0,25 und 50 Millisekunden, bei der Release sind Zeiten zwischen 0,15 und 3 Sekunden möglich. Beide Bereiche sind also in der Tat sehr weit abgestimmt: Diese Attackwerte erlauben gleichermaßen zuverlässiges „Halten“ von Transienten wie auch ordentlichen Punch bei längeren Zeiten. Analog dazu erlauben die Releasewerte einerseits heftig schnaufende Effektkompression auf Drums, andererseits aber auch sanfteres Leveling. Mit Werten zwischen 2:1 und 20:1 kann die Kompressionsrate zwischen sanfterer Kompression und brutalem Peaklimiting variiert werden. Einzig ganz sanfte Raten von 1,5:1 oder gar 1,2:1, wie sie gerne beim Mastering verwendet werden, bietet der Pro VLA II nicht.

Besser als VU oder LED-Kette: beides!

Und damit sind alle klanggestaltenden Parameter bereits beschrieben. Sidechain-Filter oder Wet/Dry-Mischpotis kann der ART-Prozessor nicht ins Feld führen, was aber angesichts des Kaufpreises zumindest mit einem verständnisvollen Nicken quittiert werden sollte. Dafür gibt es zwei andere Bereiche, in denen der Pro VLA II mit geradezu üppiger Ausstattung glänzen kann, von der sich auch deutlich teurere Geräte ein Scheibchen abschneiden könnten: Metering und Anschlüsse. Die beiden schönen, großen VU-Meter können sowohl den Ein- als auch den Ausgangspegel anzeigen. Dazu gibt es für den Ausgangspegel noch eine zusätzliche LED-Kette mit immerhin acht Segmenten. Da VU-Meter prinzipbedingt zu träge sind, um zuverlässig Peak-Pegel anzeigen zu können, dient dies der Übersteuerungssicherheit. Peaks hat man einfach auf den schnellen LEDs zuverlässiger und besser im Blick, laut Definition geht es beim VU-Standard eher um Lautheit, die sich am menschlichen Hörempfinden orientiert. Die Pegelreduktion schließlich wird über zwei weitere LED-Ketten mit jeweils zehn Segmenten angezeigt. Das bedeutet, man ist über den Betriebszustand des Pro VLA II rein visuell bestens informiert, man kann sich Input, Output und Pegelreduktion auch gleichzeitig anzeigen lassen. Das macht optisch auch einigen Alarm – beziehungsweise ordentlich was her.

Bypass-Buttons sollten als Selbstverständlichkeit gelten, der Link-Modus verbirgt jedoch eine kleine Besonderheit. Hier wird das Output-Level-Poti des linken Kanals zum Master, während man mit demjenigen des rechten Kanals die Balance beider Kanäle feintunen kann.

Verbindungssachen

Anschlüsse bietet der Prozessor reichlich: Alle Inputs und Outputs sind gleich doppelt vorhanden, nämlich mit symmetrischen XLR- und Klinkenbuchsen. Dazu kann der I/O-Referenzpegel zwischen -10 und +4 dB umgeschaltet werden, also zwischen semi- und professionellem Niveau. Das macht bei einem Gerät dieser Preisklasse Sinn, denn es wird wahrscheinlich in Setups betrieben werden, in dem beide Pegelniveaus eine Rolle spielen können.

Innereien

Das Innenleben macht einen nicht ganz so aufgeräumten Eindruck wie bei mancher handgefertigter Konkurrenz aus dem Hochpreis-Segment, aber das wird man diesem Gerät nicht ernsthaft vorwerfen wollen, zumal einfach viel Technik drinsteckt. Zudem ist das Innenleben des Pro VLA II keineswegs „billig“. Ein Ringkerntrafo im Netzteil gehört ebenso zur Ausstattung wie eine Audioschaltung, die größtenteils auf NE5532-OpAmps basiert. Diese ICs sind nichts übertrieben Feines, aber durchaus solide Qualität, die man durchaus auch in Geräten höherer Preisklassen findet – solider Industriestandard eben. Das wohl wichtigste Bauteil eines jeden Kanals ist der Optokoppler, der das Herzstück des Regelelementes ausmacht. Es handelt sich hier um einen Klassiker, und zwar um eine Vactrol-Zelle des Herstellers PerkinElmer, die auf einer LED und einem fotoelektrischen Widerstand basiert. Dieses Bauteil ist auch für die Softknee-Kompression des Pro VLA II verantwortlich, also für eine Eigenschaft, die ein besonders smoothes, natürliches Regelverhalten garantieren soll.

Triode in der Output-Stage

Ein- und Ausgangsübertrager bietet der ART-Kompressor nicht; das wäre bei diesem Preis auch zu viel verlangt. Dafür wurde in die Transistor-IC-Schaltung noch ein kleines Schmankerl integriert, das für den Klangcharakter des Pro VLA II ebenfalls nicht ganz unwichtig ist: Im Ausgangsverstärker jedes Kanals kommt eine 12AT7-Doppeltriodenröhre zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine Variante der weit verbreiteten 12AX7, die etwas weniger maximale Verstärkung zur Verfügung stellt, was bei dieser Anwendung aber kein Nachteil ist. Aber so trägt der Kompressor sein Namenskürzel zu Recht, denn „VLA“ ist schließlich eine Abkürzung für „Vactrol / Tube Leveling Amplifier“.

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