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Test
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01.02.2017

Apple Logic X 10.3 Update Test

DAW Software

Flaches Design, rundes Update!

Pünktlich zur NAMM spendiert Apple ein Logic X Update auf Version 10.3 sowie eine Aktualisierung der iOS-DAW Garageband. Neben einem komplett überarbeiteten Design soll es nun möglich sein, Logic-Projekte in Garageband auf iPhone oder iPad mobil weiterzubearbeiten und später wieder in die DAW zu importieren. Mit dem Garageband-Update erhält der Software-Synth Alchemy Einzug in Apples mobiles Betriebssystem iOS. 

Logic unterstützt nun auch die Touch Bar der neuen Macbook Pro-Serie, wodurch der direkte Zugriff auf Shortcuts, Smart Controls sowie Navigation innerhalb der Session ermöglicht wird. Hinzu kommen viele Verbesserungen für Arrangier-Fenster und Audiobearbeitung. Wir haben aktualisiert und sind überrascht, wie Apple mit dem Update den Workflow beschleunigt.

Details

Allgemeines

Mit Logic Pro X bleibt Apple seit 2013 beim „X“, also der Version 10. Trotzdem legt der IT-Riese aus Cupertino regelmäßig umfangreiche „10.X.X“ Updates nach – und zwar kostenlos! Innerhalb dieses Tests gehen wir deshalb auf die neuen Features ein. Einen ausführlichen Testbericht zur Major-Version 10 findet ihr hier.

Neue Benutzeroberfläche

Bereits in der Vergangenheit erhielten einige interne Plug-ins ein Facelift. Nun wurde die gesamte Bedienoberfläche der DAW optisch überarbeitet. Das hellere Interface soll bei schlechten Lichtverhältnissen für eine bessere Lesbarkeit sorgen. Auf mich wirkt das Flat Design eher verspielt und harmoniert optisch (abgesehen von Alchemy) nicht mehr mit Logics Klangerzeugern. Hier ist zu erwarten, dass diese als Nächstes angepasst werden könnten.

Bei der Arbeit im Arrangierfenster wurde sinnvoll nachgebessert: Der Auto-Zoom, mit dem selektierte Regionen im gesamten Arrangierfenster vertikal vergrößert werden, ist nun um einen horizontalen Auto-Zoom erweitert worden. 

Obwohl Logic bereits über eine große Farbpalette verfügte, wurden hier weitere Farbtöne hinzugefügt. Bei der Arbeit im Arrangierfenster sorgen farblich sortierte Regionen und Spuren für Übersicht und Ordnung innerhalb des Projekts. 

Touch me – I'm Logic!

Durch die Unterstützung der Touch Bar wird es möglich, einige Logic-Funktionen an der Touch-Oberfläche der neuen MacBook Pros zu bedienen. So erhält man direkten Zugriff auf Logics „Smart Controls“ und Shortcuts. Zudem erzeugt die Touch Bar eine „Timeline“, mit der das Navigieren in der Session erleichtert wird. Zum Aufnehmen von Softwareinstrumenten visualisiert die Touch Bar ein virtuelles Keyboard, das neben normalen Klaviertasten auch einen Tonleitermodus bereithält, mit dem perfekt in Skalen gespielt werden kann. Ähnlich ist es beim Spielen von Drums; hier dient die Touch Bar zum Steuern von Anschlagstärke und Note Repeat.

Mehr Audio!

Bisher verfügte Logic über 64 Audiobusse, was für den täglichen Produktionsbedarf absolut ausreicht. Je nachdem, wie umfangreich ein Projekt ist, können weitere Sammelschienen nicht schaden, weshalb Apple hier auf 256 aufgestockt hat. Besonders komplexe Produktionen, etwa Orchester-Ensembles sowie Vertonungen für Filme und Games, profitieren hier von mehr Flexibilität im Routing.

Auch die Audio Engine erhält ein Update: Die Summierung wurde von 32- auf 64-Bit erweitert. Achtung: nicht zu verwechseln mit der 64-Bit-Architektur-Unterstützung des Betriebssystems, durch die beispielsweise mehr als 4 GB Arbeitsspeicher genutzt werden können – das ist bereits seit Logic Pro 9 möglich. Hier ist tatsächlich die Bittiefe der Audio-Summierung gemeint, deren Präzision sich nun zwischen 32- und 64-Bit auswählen lässt. Ob zwischen 32- und 64-Bit-Summierung hörbare Unterschiede festzustellen sind, wird in so manchem Forum heiß diskutiert. Fakt ist, dass Projekte, die in 32- und 64-Bit exportiert werden, im Vergleich keine klanglich messbaren Unterschiede aufweisen. 

Logic X unterstützt ab sofort Multi-Mono-Plug-ins, wodurch linke und rechte Seite von Stereo-Aufnahmen getrennt voneinander bearbeitet werden können. Das ist praktisch, denn so muss die Datei nicht erst in zwei Mono-Tracks aufgesplittet werden, um daraufhin zweimal das gleiche Plug-in zu insertieren. 

Selection Based Processing

Auswahlbasierte Verarbeitung von Effekten, wie man sie seit jeher von der Audio Suite in Pro Tools kennt, ist endlich auch in Logic angekommen. Dabei werden Effekt-Plug-ins offline ins Audio eingearbeitet, statt das Signal eines Kanals live durch den Effekt laufen zu lassen. Das Schöne dabei: Der Effekt lässt sich auf einen zuvor ausgewählten Bereich anwenden und muss nicht die ganze Spur durchlaufen.

Und da die auswahlbasierte Verarbeitung nondestruktiv ist, werden die Prozesse nicht in die eigentliche Audiodatei, sondern nur in die Region des Logic-Projektes eingearbeitet. Das hat den Vorteil, dass die originalen Aufnahmen davon unberührt bleiben und auch die Regionen im Projekt schnell wiederhergestellt werden können – sollte man sich einmal vertan haben. Mit dieser Methode wird kostbare Rechenleistung eingespart, da der Computer die Prozesse nicht mehr live bei der Wiedergabe des Projektes berechnen muss. Das ist praktisch, denn so lassen sich zum einen auch auf etwas betagteren Rechnern reichlich Plug-ins für jede Spur verwenden und zum anderen ist es mit dieser Methode kein Problem mehr, ein Plug-in zu verwenden, das generell (auch auf schnellen Macs) als Performance-Schwein rumzickt. 

Vor dem Offline-Processing, also dem Einarbeiten der Effekte in die Audioregion, hat man die Möglichkeit, die Effekte beim Tweaken live vorzuhören, während man den Mix abspielt. Vor dem Processing bietet Logic noch Optionen, wie mit dem Pegel umgegangen werden soll: Neben den typischen Bounce-Optionen „keine Änderung“, „Normalisieren“ und „Übersteuerungsschutz“ kommt hier noch eine sehr praktische und zuverlässige „Lautstärkenkompensierung“ hinzu. Diese vergleicht den Pegel des bearbeiteten Signals mit dem des Ausgangsmaterials und passt die Lautstärke an. Das bearbeitete Signal hat dadurch die gleiche Lautstärke wie das Ausgangsmaterial! Das ist nicht nur super praktisch, um das Mischverhältnis der Lautstärke beizubehalten, sondern eignet sich auch hervorragend, um faire A/B-Vergleiche durchzuführen.

Verschmelzung von Logic X und Garageband

Zeitgleich wurde auch Garageband für iOS aktualisiert und mit dem mächtigen Softwaresynthesizer Alchemy ausgestattet. Das trifft sich gut, denn mit den Updates beider DAWs ist es nun möglich, untereinander Projekte auszutauschen – und zwar in beide Richtungen. Demnach ist es also möglich, auf dem iPad oder iPhone in Garageband ein Projekt anzufangen und später in Logic auszuarbeiten sowie auch umkehrt Logic Projekte inklusive Alchemy-Sounds unterwegs in Garageband für iOS weiterzubearbeiten. 

Wie gut das funktioniert und was das Update an praktischen Workflow-Neuheiten bereithält, schauen wir uns einmal im Praxisteil an.

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