Hersteller_API
Test
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24.09.2012

Praxis

Und damit sind wir schon mittendrin im Geschehen: Modul in die Lunchbox gesteckt (natürlich wie immer bei abgeschalteter Stromversorgung!), Mikrofon angeschlossen und den Record-Button gedrückt. Das Signal, das einem aus den Boxen förmlich entgegenspringt, überzeugt auf Anhieb mit einer dichten, rockigen Attitüde. Der 512c will auf gar keinen Fall verspielter Feingeist sein, er spielt sich mit drückender, kerniger Präsenz in den Vordergrund. Die Frequenzen erscheinen durchaus ausgewogen, aber der 512 macht viel mehr, als „nur“ den Eingang fein ausbalanciert zu verstärken. Die Bässe sind voll und sonor, die Höhen sind definitiv vorhanden und auch detailreich gezeichnet – der Fokus liegt jedoch ganz eindeutig auf einer kompakten, kernigen Mittenpräsenz. Ich habe das an sich recht nüchtern klingende Neumann KM184 des Klangbeispiels schon feiner, unaufgeregter gehört, aber der API legt eben gar keinen Wert auf Zurückhaltung. Nun denn: Wer einen weitestgehend neutralen Preamp sucht, der braucht auch keine Übertrager und Op-Amps mit Seventies-Vibe, insofern können wir hier mit allerbestem Gewissen in die Vollen gehen.

Es gibt dabei ein paar Aspekte, die am 512 schlichtweg begeistern: Zum einen sind die Höhen – man hört das an den Konsonanten – wunderschön eingebunden, trotz der „Vorwärts!“-Attitüde des Preamps klingt das Signal weder zischelig noch bissig. Zum anderen hört man ganz deutlich das „Eisen“ der Übertrager im Klang, diese gewisse, reibelige Schwere, die beispielsweise auch die guten, alten Neve-Preamps auszeichnet. Doch während Neve (in Form der klassischen Kassetten der 1073/1084-Familie) eher ins samtig-weiche changiert, behält das API-Signal eine beherzte Rauhbeinigkeit, die im Mix zu ordentlicher Durchsetzungsfähigkeit verhilft. Balladenvocals muss man nicht unbedingt mit solch einem Vorverstärker aufnehmen, aber einem Rock-Shouter dürfte dieser Ton gut zu Gesicht stehen. Und es wird ebenso deutlich, warum die API-Preamps seit jeher für Schlagzeugaufnahmen geliebt werden: Punch, Schwere, Präsenz sind allesamt Attribute, die hier sehr gesucht sind. Und dabei – nicht untypisch für einen Preamp mit dieser Schaltungstopologie – glättet der 512 bei allem Detailreichtum die Transienten, was eben für dichte, kompakte, gut eingebundene Signale sorgt, die sich hervorragend mischen lassen.

Auch das Bass-Klangbeispiel unterstreicht noch einmal die rotzig-mittige Attitüde der 512-Kassette. Es handelt sich hier um einen eher günstigen Bass mit alten Saiten, ein Instrument, das von Haus aus nicht unbedingt mit wunderschönem Sound glänzt. Doch der 512 sorgt auch hier für eine kernige Präsenz, die das Signal in jedem Fall Mix-ready erscheinen lässt. Signale mit solcher Substanz lassen sich auf jeden Fall hervorragend weiterverarbeiten.

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