Test
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20.04.2013

AMS Neve 1073LBEQ Test

API 500 Equalizer

Der Sweetener als Stand-Alone-EQ oder als Add-On zum Pre

Neben dem Preamp 1073LB ist auch der AMS Neve 1073LBEQ erhältlich. Kanalzüge aus der 1073-Familie gelten seit Jahrzehnten als Klassiker. Das liegt zu gleichen Teilen am eigentlichen Preamp und eben auch der zweiten Hälfte der Schaltung, dem EQ, den wir in diesem Test betrachten. Als Konsolen-EQ, der in den späten 60er-Jahren entwickelt wurde, ist der Equalizer des Neve-Kanalmoduls ein typisches Kind seiner Zeit. Der vollparametrische EQ zeichnete sich zwar bereits in ganz leichten Konturen am Horizont ab, aber er blieb noch Zukunftsmusik.

Sämtliche EQ-Lösungen dieser Zeit zeichnen sich also nicht nur durch die Features aus, die sie mitbringen, sondern auch durch jene, die eben nicht vorhanden sind. Oder anders gesagt: Jedes dieser klassischen Konsolen-EQ-Layouts, ob nun von API, Neve, Trident oder anderen Herstellern, hat einen speziellen Zuschnitt, der seinen Charakter ebenso definiert wie der eigentliche Klang der Audioschaltungen. Um 1970 waren Dreiband-EQs bereits allgemeiner Standard; hier macht auch der 1073 keine Ausnahme. Getoppt wurde der EQ noch von seinem Nachfolger 1084, bis dann Class-A/B-Schaltungen, ICs und vollparametrische Designs eine neue Ära einleuteten. Aber bis heute bleibt der 1073-EQ ein kraftvolles Werkzeug, das nicht viel vermissen lässt.

Details

British EQ

Ein Mischpult-EQ muss verschiedenen Anforderungen genügen: Flexibiliät, Klangverschönerung und Problemlösung. Das alles auf engstem Raum zu liefern ist keine triviale Aufgabe! Typisch für die sprichwörtlichen „britischen“ EQs dieser Ära ist eine bestimmte Auslegung dieser Anforderungen. Mit breiten Filterbändern liegt der Fokus vor allem auf dem Sweetening, also dem Verschönern und dem Ausbalancieren von Signalen. Der Vorteil: Solch ein EQ klingt fast in allen Situationen gut, und man kann kaum etwas mit ihm kaputtmachen. Auf der anderen Seite sind „chirurgische“ Operationen nicht so sein Metier, aber dem begegnete man zu seinen Hochzeiten eh mit anderen Maßnahmen: Änderung der Mic-Position oder Austausch von Mikrofon, Instrument und/oder Musiker...

Klassische 1073-Wahlfrequenzen

Der Funktionsumfang des 1073-EQs erstreckt sich über zwei Shelving-Bänder für Bässe und Höhen mit jeweils ±16 dB Amplitude sowie ein semiparametrisches Peaking-Mittenband mit einem Hub von satten ±18 dB. In den Bässen stehen vier Eckfrequenzen zur Auswahl (35, 60, 110 sowie 220 Hz), in den Mitten insgesamt sechs (360 und 700 Hz sowie 1,6, 3,2, 4,8 und 7,2 kHz). Das Höhenband ist eines der wichtigsten Distinktionsmittel im Rahmen der 1073-Familie: Während der Vorläufer 1066 hier fest bei 10 kHz greift, setzt das Höhenband des 1073 bei 12 kHz an, einer Frequenz, die bei Vocals weiter außerhalb des manchmal harschen Präsenzbereiches liegt und oftmals besser klingt – einer der Hauptgründe, warum der 1073 als populärer gilt als sein Vorläufer. Der Nachfolger, der 1084, bietet insgesamt drei Frequenzen zur Auswahl, 10, 12 und luftigste 16 kHz.

Bedienelemente anders als beim Original

Dazu verfügt der 1073 noch über ein Hochpassfilter, das über reine Trittschallanwendungen deutlich hinausgeht. Es kann bei den Frequenzen 50, 80, 160 und 300 Hz greifen und damit nicht nur Rumpeln eliminieren, sondern auch Klänge kräftig ausdünnen. Hier weicht das physische Layout des 1073LBEQ etwas vom Original ab: Höhen-Shelf und Hochpass teilen sich eines der konzentrischen Doppel-Bedienelemente, da die 500-Frontplatte aus Platzgründen nicht die klassische Anordnung ermöglicht.

RC-Glieder für die Shelf-Filter, Spule-Kondensator in der Mitte

In der Kassette arbeitet klassische Filtertechnik: Die beiden Shelving-Bänder arbeiten als aktive RC-Filter, und das Mittenband als ebenfalls aktives LC-Filter auf Basis zweier Spulen. Das ist nicht untypisch für einen EQ dieser Zeit, ein Siemens W295b ist beispielsweise ganz ähnlich aufgebaut. Auch der Hochpass bedient sich einer Spule in seiner Filterschaltung.

Als Insert im 1037LB-Preamp einsetzbar

Jenseits der Filter bietet der 1073LB elektonisch symmetrierte Ein- und Ausgangsstufen. Das ist ein Unterschied zum Original-1073 mit seinen drei Audio-Übertragern, die viel vom typischen Neve-Sound ausmachen. Doch hier sei keine Kritik geübt, denn der 1073LBEQ lässt sich auf zwei Weisen in den Signalfluss einbinden. Zum einen lässt sich das Modul eben ganz normal im Standalone-Betrieb in die Lunchbox einsetzen, dann eben mit den aktiv symmetrierten Ein- und Ausgangsstufen. Dazu lässt sich der EQ aber mittels einer zusätzlichen rückwärtigen Buchse, eines kleinen mitgelieferten Kabels und zweier Dip-Schalter aber auch direkt in den Signalfluss eines 1073LB-Preamps einschleifen. Beide Kassetten bilden dann zusammen den Funktionsumfang und das Layout einer klasssichen 1073-Kassette, und so eingebunden zwischen Preampschaltung und Ausgangsstufe des 1073LB durchläuft dann auch das EQ-Signal die Übertrager des Preamps, ganz so, wie man das von einem Original-1073 kennt. Man hat hier also die Wahl zwischen dem ganz klassischen Einsatz, zudem kann man erstmals auch die puren 1073-Filter ohne Übertragersound nutzen – auch keine schlechte Option, nur in subtilen Nuancen etwas anders gelagert.

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