Test
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31.01.2017

Allen & Heath Xone:92 Test

Vierkanal-Clubmixer

Ein Klassiker auf dem Prüfstand

Seit mehr als einer Dekade ist Allen & Heaths „Technomixer“ XONE:92 nun schon im Handel erhältlich. Das ist eine lange Zeit für ein DeeJay-Tool, sollen diese doch wie die User immer „mit der Zeit gehen“. Der britische Hersteller scheint allerdings nicht im Traum daran zu denken, die Produktion des „scheinbar in die Jahre gekommenen“ Clubmixers einzustellen. Warum auch? Bei einem großen und allseits bekannten Online-Musikalienhändler aus dem Oberfränkischen belegt er nach wie vor in seiner Kategorie den zweiten Rang der Verkaufschart.

Doch was hat „er“, was die anderen nicht haben? Und haben sich die Ansprüche der auflegenden Zunft nicht grundlegend geändert innerhalb der letzten Dekade? Nun, versucht man aus den technologischen Entwicklungen der letzten 12 -15 Jahre allgemeingültige Trends zu destillieren, kann man zusammenfassend festhalten, dass es Traktor und Co. in Kombination mit den Pioneer-CDJ-Schlachtschiffen fast geschafft hätten, DJ-Turntables aus dem Club-Kosmos zu subtrahieren. Fast – weil jener Trend zumindest eine Stagnation erfahren hat, wenn nicht sogar eine kleine Trendwende. Und diese spielt wiederum unserem heutigen Testkandidaten genau in die Karten. Klopfen wir den Technomischer schlechthin also auf die aktuellen Bedürfnisse der DJ-Zunft ab und nehmen uns die britischen Vierband-EQs, das duale Filter samt LFO-Modulation sowie die vier Phono-Preamps zur Brust. 

Details

Da ich den Mixer einigermaßen kenne, erwarten mich beim Empfang und bei der Protokollierung des Lieferumfangs keine Überraschungen, nur dass dem vorliegenden Modell das sonst beigelegte Rackmount-Set fehlt, aber es handelt sich ja auch um ein Vorführmodell des Vertriebs, was diesen Umstand erklärt. Neben dem XONE:92 haben noch eine englische Bedienungsanleitung, internationale Sicherheitshinweise und Aufkleber des Herstellers den Weg in die Kartonage gefunden.

Viele Regler, großer Eindruck

Der englische Vertreter macht schon einen mächtigen Eindruck, nicht zuletzt aufgrund seines Vollmetallgehäuses, dem daraus resultierenden Gewicht von gut 6 kg und seiner Heerschar an Drehreglern auf der Pultoberfläche. Nun kenne ich den Mixer auch schon eine Zeit lang und habe mich hier und da an den Umgang mit dem Pult gewöhnen können. Doch „long time no see“ und schon gar nicht feel, sodass ich anfänglich wie auch beim allerersten Mal aufgrund der wenig übersichtlichen Bedienoberfläche ein wenig fremdele. Ja – intuitiv ist anders. Absolute Neulinge sollten eine längere Einarbeitungszeit einplanen, doch ich finde, es lohnt sich! Auch wegen der zwei echten Stereo-Sends, mit deren Hilfe die Realisation von zwei externen FX-Engines kein Problem darstellt. Das ist auch heute noch ’ne echte Ansage.

Als echtes Alleinstellungsmerkmal

...des XONE:92 gelten seine für ihn so typischen Vierband-EQs. Einer der Gründe, warum der Mixer in der Technosparte immer noch so gefragt ist. Doch warum eigentlich genau? Die Antwort auf die Frage ist im Grunde einfach und auch naheliegend: Der Deejay hat mehr Kontrolle über das Klanggeschehen, insbesondere während der Mixphasen. Mit dem unteren Mittenband greift der EQ zentral bei 350 Hz in ein für unser Musikempfinden wichtiges Spektrum ein und kontrolliert die Intensität des Grundtonbereichs. So ergibt sich eine weitere subtraktive Komponente im Mix, die richtig angewandt zu mehr Transparenz auf dem Floor während der Mixphasen führen kann. Beispielhaft könnte man auch anführen, dass der DJ mit einem derart ausgeführten zusätzlichen vierten Band nun separate Regler für Bass und Bassdrum an die Hand bekommt.  

Die separaten Doppel-Routing-Kippschalter (Crossfader/Filter) sind auch aus heutiger Sicht noch immer kein „Standard“. Das ist schon selten und komfortabel! Haptische Leckerbissen sind im Übrigen die Cue-Taster, die mit einer roten Beleuchtung bei Aktivierung zudem über ein perfektes visuelles Feedback verfügen.

Vier 60 Millimeter lange Kanalfader ermöglichen sehr gefühlvolle Blendvorgänge. Der kinderleicht von oben austauschbare Penny & Giles Crossfader weist mit 45 Millimetern Länge einen aktuell amtlichen Arbeitsweg auf, den er leicht flutschend auf der Leiterbahn zurücklegt. Eine stufenlose Anpassung der Blend-Charakteristik liegt in Form eines links anheim gestellten und leicht versenkten Justier-Reglers vor. Hinsichtlich des Meterings gibt es ebenso keinen Grund zur Beschwerde; sämtliche vier Kanäle bringen ein eigenes, dreifarbiges aus 9 LEDs bestehendes Mono-Peakmeter mit, das sehr verlässlich die hiesigen Pegelverhältnisse ans Licht bringt.

Backpanel - hier finden sie Anschluss

Auf der Rückseite begegnen wir einigen besonderen Features des XONE:92. Über je zwei Cinch-Paare pro Kanal können insgesamt vier Plattenspieler und vier Line-Quellen an den DJ-Mischer angebunden werden. Über die beiden Zusatzkanäle können zwei Stereo-Returns über je zwei 6,35-Millimeter-Schaltklinken, die sowohl symmetrische als auch unsymmetrische Quellen zulassen, in den Mix gespeist werden. Alternativ finden hier zwei dynamische Mikrofone via XLR den Weg ins Pult. Auch die Aux-Sends sind als Schaltklinken ausgeführt, so dass sie ebenfalls selbständig symmetrisch oder unsymmetrisch ausspielen, je nachdem wie die Anschlussperipherie angebunden ist. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für den Mix 2 Out und den Booth Out. Das nenn ich mal praxisgerecht.

Da spiel ich doch mal Mäuseklavier

Wer der Meinung ist, dass die Zeit der vier Turntables nun lange vorbei ist und zwei Phonovorverstärker eigentlich ausreichen sollten, dem sei gesagt, dass es unter der Haube des Allen & Heath Mischers eine Menge Konfigurationsoptionen gibt, die allesamt über kleine Mäuseklaviere gejumpert werden. Hierzu zählt unter anderem die separate Abschaltung der RIAA-Entzerrer mit Hilfe von vier internen Jumpern. Es können also genauso gut acht Line-Quellen angeschlossen werden oder eben auch zwei Plattenspieler und sechs Line-Quellen. Interessant für Festinstallationen, aber auch für alle, denen die klassische Phono/Line-Konfiguration nichts bringt, weil keine Turntables vor Ort sind. Darüber hinaus lassen sich intern noch folgende Features (de)aktivieren: 10 dB Eingangs-Pad in allen Kanälen, die komplette Filter-Sektion und ein Limiter für die Resonanz.

Master & Monitors

Der Masterbus wird symmetrisch via XLR-Paar aus dem Mixer geleitet. Das dreifarbige Stereo-Peakmeter besteht aus 2x 9 LEDs, die für einen konkreten visuellen Eindruck sorgen. Das Meter kann aber auch genauso gut im Split/Cue-Betrieb arbeiten. Außer dem Peakmeter und einen Pegelsteller für die Ausspielung findet man in der Mastersektion nichts weiter an Ausstattung, dabei gibt es doch so viele praxisgerechte Features, die man so einer Summensektion verpassen kann. Ich denke dabei aber nur an einen Monoschalter und einen Balance-Regler, den ich auch als Mindestanforderung bei einem Beschallungspult sehe. Nobody is perfect.

Die Kopfhörersektion beherbergt zwei Ausgänge, die aber nur beide zusammen hinsichtlich des Ausgangspegels gemanagt werden können. Bemerkenswert ist hier die Auswahl des Cue-Abgriffs, der Pre- oder Post-EQ sein kann. Sehr praktisch finde ich die Ausstattung der Booth-Sektion, die neben einem Level-Poti über eine Mono-Schaltung und einen Mute-Button verfügt. „Jetzt noch einen Dim-Taster und der Monitor ist perfekt ...“, naja gut; lassen wir das. So ist auch schon dufte!

Der XONE:92 ist einer der ganz wenigen DJ-Mischer, der per MIDI-Clock als Master eines MIDI-Verbundes sein Unwesen treiben kann. Das ist toll und relativ einfach zu realisieren, indem man das Tempo eintappt und zu Beginn des Reigens den Start-Taster betätigt. Mit dem „Tempo/Data“-Regler können dann leichte Korrekturen vollzogen werden.

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