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28.11.2019

Alle Audio-Mischpulte verstehen und benutzen

Funktion von Mischpulten: analog, digital und in der DAW

Kleinmixer, Digitalmixer oder analoges Großmischpult – genereller Aufbau und Funktion endlich verständlich erklärt

Zwar gibt es das Tonstudio ohne Mischpult, bei dem Aufgaben des Mixers von anderen Geräten übernommen werden können. Doch das klassische Audiomischpult in der Musikproduktion, im Broadcast, bei der Nachvertonung, bei Live-Events und natürlich auch im Proberaum übernimmt wichtige Funktionen. Und das wird auch so bleiben. Sehr breit ist das Spektrum an verschiedenen Mischpultausführungen für die vielen Aufgaben, die ein Audiomixer übernehmen kann. Eines der aktuell kleinsten und preiswertesten ist das Behringer Xenyx 302 USB, analoge Großmischpulte können schnell mal eine halbe Million Euro kosten.

Hier lernt ihr, wie Mischpulte aufgebaut sind (ja, auch die ganz großen!), was ihre Eigenschaften sind und wie die verschiedenen Funktionen bedient werden.

Was ist ein (Audio-)Mischpult?

  • Ein Mischpult dient im Wesentlichen dazu, verschiedene einzelne Audiosignale, etwa von verschiedenen Mikrofonen, zusammenzuführen (also zu „mischen“).
  • Audiomixer gibt es in analoger Technik, als Hardware-Digitalmixer, aber auch als reine Softwarelösungen, etwa im Audioprogramm („DAW“). 

Wozu braucht man ein Audiomischpult? Welche Aufgaben und Funktionen übernimmt der Mixer?

Ein Mischpult dient in vielen Tonstudios als Schaltzentrale für alle Arten von Signalen. Wichtige typische Aufgaben:

  • Signale anpassen und verstärken (z.B. Mikrofonsignale)
  • Signale bearbeiten (vor allem mit einem Equalizer)
  • Signale zum Aufnahmesystem schicken
  • Signale zum Abhören schicken (Kopfhörer, Lautsprecher)
  • Kommunikationen mit anderen Personen herstellen
  • Signale zum externen Bearbeiten schicken (Effekte)
  • Signale zusammenfassen (in Gruppen und als Summe) 

Ein Audiomischpult ist nicht nur eine Ansammlung hunderter Regler, die alle für etwas anderes komplett zuständig sind, sondern in Bereiche aufgeteilt, die sich oftmals wiederholen. Damit ist der Mixer auch gar nicht so kompliziert und so schwer zu verstehen, wie wenn man sich ihm ohne Erklärung nähert.  

Wenn man ein Mischpult in seine verschiedenen Bestandteile unterteilt, ist es deutlich einfacher zu verstehen.

Es gibt zwar verschiedene Arten von Audiomischpulten, Spezialisierungen auf bestimmte Bereiche, und produkt- und firmenspezifische Besonderheiten – doch das Grundprinzip eines Mischpults ist immer gleich. Das ist wie bei einem Lautsprecher, der Spannungen in Schall wandelt, ganz gleich, wie er gebaut ist.

Hat man das Prinzip eines Audiomischpults einmal verinnerlicht, kann man auch komplexe digitale Konsolen und analoge Großmischpulte recht einfach verstehen.

Grober Aufbau eines (jeden) Mischpults

So gut wie jedes Mischpult lässt sich grob in zwei verschiedene Bereiche unterteilen: 

  • Mastersektion
  • Kanalzüge

Als Mastersektion (separater Artikel zur Mischpult-Masetersektion) bezeichnet man alles, was nur einmal am Mischpult vorkommt und global/zentral eingestellt wird. Ein Beispiel wäre die Wahl des Lautsprecherpärchens oder das Talkback zur Kommunikation mit den Musikern. Und natürlich Dinge wie der Pegel, der beispielsweise zu den großen PA-Lautsprechern an der Bühne gehen soll. Der Masterbereich befindet sich bei kleineren Mischpulten fast immer rechts, bei größeren eher mittig.

Zudem gibt es den Bereich der Kanalzüge (separater Artikel zur Mischpult-Kanalzügen) . Bei analogen Mischpulten lässt sich auf Anhieb erkennen, dass es einen Bereich gibt, dessen schmale, horizontal ausgerichtete Bestandteile sich wiederholen. Fast immer ist es so, dass die verschiedenen Kanäle nummeriert sind und links mit „1“ beginnen. Die jeweilige Zahl ist mehr oder weniger gut sichtbar irgendwo vermerkt. Kommt ein einzelner Kanalzug insgesamt 16 Mal vor, spricht man von einem 16-Kanal-Mischpult (oder 16-Channel-Mixer). Bei digitalen Mischpulten gibt es auch verschiedene Kanalzüge, aber deren Anzahl ist nicht so einfach sichtbar, wenn man auf die Bedienoberfläche blickt.

Üblicherweise findet man die Anzahl an Kanalzügen als Zahl in der Produktbezeichnung sowohl bei analogen als auch digitalen Mischpulten, es werden dabei immer einzelne Signale gezählt, die eher seltenen Stereokanalzüge zählen also doppelt. Ein imaginäres „Supermix 32-8-2“ hat also wahrscheinlich 32 dieser Kanalzüge, ein etwaiges „DigiConsole 16X“ sechzehn. Besonders bei etwas größeren Systemen haben sich Achterblöcke etabliert. Man findet deutlich häufiger 8-, 16-, 24-, 32- 48- und 64-Kanal-Mischpulte als etwa solche mit zehn Kanälen oder zwölf. Kleinmischer haben manchmal vier, drei oder sogar nur zwei Kanäle. Ein „einkanaliges Mischpult“ kann es nicht geben – denn da gibt es dann nicht viel zu mischen. Obwohl: Channel Strips gibt es prinzipiell auch als ausgelagerte Geräte einzeln (siehe Kaufberater Channel Strips).

Übrigens: Die Kanäle heißen in jedem Fall „Kanäle“ oder „Channels“. „Spuren“, „Wege“ und auch „Eingänge“ sind andere Dinge!

Einzelteile eines Mischpults genau dargestellt

Wir haben in zwei separaten Artikeln die Kanalzüge und die Mastersektion von Mischpulten genauer erklärt. Ihr könnt sie einfach nacheinander durcharbeiten oder euch die Information herauspicken, die ihr benötigt:

Mischpult-Typen

Mischpulte gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen und Spezialisierungen. Hier bekommt ihr einen Überblick über ihre wichtigsten Eigenschaften: 

klassische analoge Recordingkonsolen

  • viele Mikrofonvorverstärker
  • oft hohe Kanalzahl
  • viele Einzelausgänge für die Aufnahme der Signale auf MTK oder in DAW
  • umfangreiche EQ-Sektion
  • oft keine oder nur rudimentäre weitere Effekte
  • umfangreiches Bus-System, flexibles Routing
  • 4-8 Auxes, oft Pre-/Post schaltbar
  • oft umfangreiche Meter
  • teilweise Inline-Prinzip, bei dem zwei Signale im Kanalzug liegen 
  • Modusumschaltungen (z.B. "Record" und "Mix")
  • nicht ganz einfach zu erlernen
  • bisweilen sehr teuer

kleine Analogpulte

  • kompakt gebaut
  • geringere Kanalzahl
  • einfach zu bedienen
  • preiswert

digitale Recordingmischpulte

  • viele Mikrofonvorverstärker
  • oft sehr hohe Kanalzahl
  • viele Einzelausgänge für die Aufnahme der Signale auf MTK oder in DAW
  • umfangreiche EQ-Sektion
  • oft viele weitere Effekte
  • umfangreiches Bus-System, flexibles Routing
  • viele Auxes, schaltbar
  • speicherbar
  • kompakt gebaut
  • fernsteuerbar

Zudem gibt es noch viele weitere analoge wie digitale Formen, etwa für den Broadcast, FOH- und Monitormixer – aber auch sehr spezialisierte, wie etwa Keyboard-Linemixer, Installationsmischpulte und natürlich DJ-Mixer.

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