Hersteller_AKG
Test
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25.11.2013

Praxis

Verwendungszweck

Als offener Studio-Kopfhörer ist der AKG K702 für die Verwendung am Editier-, Misch- oder Masteringplatz prädestiniert. Aufgrund kaum vorhandener akustischer Isolation in beide Richtungen ist er als Monitor-Kopfhörer zur Aufnahme von Musikern tendenziell ungeeignet.

Tragekomfort

Wegen der geringen Abschottung zur Außenwelt sind offene Kopfhörer tendenziell angenehmer zu tragen als geschlossene. Der lediglich 297 Gramm schwere K702 bietet wenig Anlass zur Kritik. Die ohrumschließenden Velours Ohrpolster gewährleisten eine komfortable Luftzirkulation und verhindern bei normalen Temperaturen schwitzige Ohren. Der selbstjustierende Kopfband Mechanismus sorgt für einen angenehmen und sicheren Sitz mit einem für meinen Geschmack perfekt dosierten Anpressdruck der Ohrmuscheln. Lediglich das Kopfband ist nicht jedermanns Sache. Als ich noch mit Limahl-Frisur unterwegs war, hatte es mir keine Probleme bereitet. Jetzt als Body Double von Dr. Evil empfinde ich die Polster an der Unterseite des Lederbands nach kurzer Zeit als unangenehm. Viel besser, obwohl es unbarmherziger aussieht, ist das schmalere Kopfband der Modelle K712 Pro und der K702 65th Anniversary Edition.

Man kann allerdings selber Abhilfe schaffen, indem man die Innenseite des Kopfbandes nach „Mc Gyver-Manier“ selber polstert und beispielsweise mit Eichhörnchenfell optimiert. Das Eichhörnchen sollte eigentlich als kleiner, übertriebener Auflockerungsscherz dienen, allerdings habe ich wenige Tage nach Abschluss dieses Testberichts einen (zweifellos aus diesem „Komfort-Manko“) mit Lammfell gepolsterten K701 bei Ebay entdeckt – 3,2,1 meins? Einen weiteren Kritikpunkt gibt es noch: In seltenen Fällen kann der relativ lange, steife Mini-XLR Stecker Hemdkragen oder Schulter berühren und unerwünschten Körperschall in der linken Ohrmuschel erzeugen.

Klang

Alle von mir getesteten Kopfhörer wurden an folgenden Kopfhörerausgängen bzw. Verstärkern betrieben:

  • iPad 4
  • M-Audio Fast Track Ultra
  • SPL 2Controll
  • Lake People G93

Neben diversen akustischen Experimenten (Sinus Sweeps, Pink Noise und übliche DAW Tätigkeiten) habe ich den folgenden Mix folgender, stilübergreifender Songs auf allen zu testenden Kopfhörern gehört:

  • Charlie Haden – Cancion a Paola
  • Wolfmother – New Moon Rising
  • Alessandro Safina – Regresa A Mi
  • Johnny Cash – Desperado
  • Skrillex – Bangarang
  • Rihanna – Rude Boy
  • David Guetta – Sexy Bitch
  • Minnie Riperton – Inside My Love
  • Edward Maya – Stereo Love
  • Will.I.Am – Scream & Shout
  • Daft Punk – Loose Yourself To Dance

Frequenzgang

Der AKG K702 ist ein analytischer Kopfhörer mit einem homogenen Frequenzgang. Was bedeutet dieser Satz? Analytisch bedeutet, dass man alle Frequenzen gut getrennt voneinander wahrnimmt. Obwohl manch ein Kollege bemängelt, dass der K702/701 beispielsweise „keinen Bass“ hat, offenbart der analytische AKG Kopfhörer unzureichend getunte Bass Drums (und nicht nur die) des öfteren besser als Abhörwerkzeuge, die mehr „Wumms“ haben!

Wer diesen „Wumms“ im kreativen Entstehungsprozess z.B. Club-orientierter Musik unbedingt benötigt, für den ist der K702 also vielleicht nicht unbedingt die optimale Wahl, sondern eher der nicht unwesentlich teurere Bass-optimierte K712 Pro, der halboffene Beyerdynamic DT-880 Pro oder gar ein noch druckvollerer, geschlossener Kopfhörer, wovon es unserem Testumfeld nicht mangelt. Wer einen kritischen Blick auf einzelne Spuren oder einen kompletten Mix werfen möchte, der wird die Feinzeichnung der Frequenzen über die gesamte Bandbreite zu schätzen wissen. Der K702 setzt die Lupe tendenziell Richtung Höhenband an, wovon auch die Impulsabbildung profitiert. Im direkten Vergleich zu meinem K701 wirkt er eine Nuance frischer in den Höhen, was aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch daran liegt, dass dieser bereits einige Jahre über das „Einfahren“ hinaus ist. Ich denke, dass ich reinen Gewissens sagen kann, dass K701 und K702 exakt identisch klingen, freue mich aber auch auf eventuelle „esoterische“ Kommentare hinsichtlich der eventuellen Bauteil-Variationen bezüglich der Seriennummern und was es sonst noch Schönes gibt.

Impulsverhalten

Den Erkenntnissen aus dem Test des AKG K712 Pro ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Die Varimotion 2-Schicht-Membran sorgt für eine exakte und detailgetreue Wiedergabe von Transienten. Sounds klingen so direkt, wie sie aufgenommen wurden. Insgesamt klingt der K702 Pro auf angenehme Weise direkt und die Instrumente wirken greifbar.

Räumliche Abbildung

Hierbei handelt es sich um die Paradedisziplin offener Kopfhörer. Ich hatte mir 2007 den AKG K701 aufgrund einer kritischen Abhörposition (Studio mit Mischpult in Statistenrolle und DAW-Mischplatz vollkommen außerhalb des Stereo-Dreiecks) zugelegt, um Stützmikros zu verschiedenen Stereo-Mikrofonierungen zu positionieren. Ich bin damals selbst durch einen Testbericht auf den AKG K701 gestoßen und nicht enttäuscht worden. Beim K702 finden wir exakt die gleiche, für einen Kopfhörer ausgesprochen naturgetreue räumliche Abbildung vor. Wie ich bereits im Testbericht des AKG K712 Pro erwähnt habe, ist beim K702 die Stereomitte im direkten Vergleich etwas dezenter, wodurch ein noch räumlicherer Eindruck entsteht. Der K702 gewinnt an einem speziellen Kopfhörerverstärker wie dem Lake People G93 also nochmals eindeutig an Tiefe.

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