Test
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07.10.2017

Praxis

Aufstellung und Testumgebung

Beim Adam Audio S3V handelt es sich um einen Midfieldmonitor, der ebenfalls für einen Einsatz im Nahfeld geeignet ist und vertikal positioniert wird, wobei laut Hersteller eine horizontale Aufstellung ebenfalls möglich ist. Gemäß Aufstellungsempfehlung der Bedienungsanleitung (Wandabstand seitlich mindestens 40 cm, hinter der Box 1 m) habe zum Praxistest ein Paar S3V-Monitore in meinem Studio freistehend auf Stativen vertikal positioniert. Die Kantenlänge des Stereodreiecks betrug 1,3 m – was in etwa der Nahfeldaufstellung entspricht, in der ich meistens arbeite.

Alternativ habe ich die Monitore in meinem 35 qm großen Wohn-/Klavierzimmer freistehend in einem 2,5m-Stereodreieck aufgebaut. Zu diesem Zweck habe ich es mit diversen Akustikelementen und Akustikvorhängen präpariert. Als Audiomaterial habe ich einen stilübergreifenden Mix vertrauter Fremd- und Eigenproduktionen verwendet sowie diverse Hörproben mit Rauschgeneratoren und Sweeps durchgeführt. Als D/A-Wandler kamen das Apollo 8 von Universal Audio und ein Apogee Duet2 zum Einsatz. Die Verkabelung erfolgte ausschließlich analog mit Vovox-Kabeln (link direct S XLR).

Der erste Eindruck

Ich bin leider begeistert, weil wieder einmal etwas Hochpreisiges ganz oben auf meinem Wunschzettel steht. Der S3V-Monitor teilt die gleichen positiven Attribute, die ich auch beim Test der H-Variante vorfand, mit dem Unterschied, dass sich ein S3V-Monitor-Pärchen aufgrund der etwas kompakteren Abmessungen viel besser in meinen Nahfeld-Arbeitsplatz integriert. Mit ihren in allen Belangen überzeugenden Wiedergabeeigenschaften müssen sich diese Studiomonitore vor keinem anderen Hersteller und auch keinem weitaus teureren Modell verstecken.

Frequenzgang

Der Übertragungsverlauf des Adam S3V wird, identisch zum S3H, mit 32 Hz bis 50.000 Hz angegeben, womit technisch gesehen der hör- oder besser fühlbare Bassbereich nicht komplett abgedeckt wird, dennoch wird der Monitor vom Hersteller berechtigterweise für den Betrieb ohne Subwoofer empfohlen, weil Frequenzen unterhalb 32 Hz selten von praktischer Relevanz sind und in der Regel gefiltert werden. Obwohl auf dem Papier 500 Watt „Bass-Power“ gegenüber dem S3H (zwei 7-Zoll-Tieftöner à 500 W) Monitor fehlen, werden tiefe Frequenzen genauso satt, kompressionslos und trocken wiedergegeben, wie ich es aus dem vorherigen Test in Erinnerung habe. Ohne jetzt den direkten A/B-Vergleich zu haben, erschließen sich mir in meinen Räumen keine Vor- oder Nachteile der Basswiedergabe innerhalb beider S3-Varianten. Auch die Wiedergabe mittlerer und hoher Frequenzen ist bemerkenswert natürlich, plastisch und färbungsfrei, sodass ich aufgrund meines Hörempfindens überhaupt nicht bestrebt bin Klangkorrekturen vorzunehmen – so gut harmoniert der S3V Monitor offensichtlich mit meinen Räumen (und Ohren) und ich belasse die Monitore über weite Teile des Tests in dem Preset „Pure“, also ohne Processing.

S-Control-Remote-Software

Trotzdem ist es wahrscheinlich vermessen anzunehmen, dass sich diese Zufriedenheit auch spontan auf alle Anwender und Räumlichkeiten übertragen lässt. Klangliche Korrekturen lassen sich direkt am Monitor per Encoder/OLED-Display vornehmen, was aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten aber tatsächlich etwas unübersichtlich ist. Doch glücklicherweise gibt es mittlerweile die besagte Remote-Software zur Klangregelung und zur Bedienung einiger anderer Funktionen, die sich beim Betrachten des GUI unmittelbar erschließen.

Beim Anblick des eleganten GUI möchte man unmittelbar drauflos schrauben, allerdings hat die Verwendung der Software zwei kleine „Haken“, zumindest wenn man an das Arbeiten mit Plugins gewöhnt ist.

Haken Nr. 1: Es lässt sich immer nur ein einzelner Monitor über die Software fernsteuern, was hemmungslosen „Klang-Exkursionen“ etwas entgegenwirkt. Nach McGyver-Art wollte ich mein altes Laptop (macOS 10.9) zur Bedienung des zweiten Speakers einsetzen, allerdings ist die Software ständig abgestürzt, obwohl sie laut Hersteller ab macOS 10.8 aufwärtskompatibel sein soll. Im Verbund mit meinem Hauptrechner mit aktuellem Betriebssystem (macOS 10.11.6) funktioniert hingegen alles problemlos.

Haken Nr. 2: Änderungen am EQ erklingen nicht in Echtzeit, sondern müssen per Button zum Monitor gesendet werden, was so gesehen nicht weiter dramatisch ist. Allerdings startet der Monitor nach einem solchen Vorgang neu, woraufhin einige Sekunden verstreichen, was ebenfalls spontane Einstellungsversuche hemmt und schnelle A/B-Vergleiche unterbindet.

Damit mich hier niemand falsch versteht: Die umfangreichen Möglichkeiten der Klangkorrektur per Remote-App vornehmen zu können, ist eine grandiose Sache, allerdings sollte man vorher auf anderem Wege (gute Ohren, Messmikrofon, „provisorisches“ EQing in der DAW, o.Ä.) herausgefunden haben, welche Einstellungen vorzunehmen sind.

Klang

Die Impulswiedergabe ist knackig, präzise und auf allerhöchstem Niveau. Auch bei hohen Abhörlautstärken machen sich weder Kompressionsartefakte, noch ein Nachschwingen bemerkbar. Der S3V-Monitor klingt über die gesamte Bandbreite natürlich und souverän. Die hohe Auflösung liefert detaillierte Rauminformationen, was zu einer realistischen und lebendigen Tiefenstaffelung und Separierung einzelner Ereignisse führt. Da freut sich unter anderem der Mix Engineer, wenn er nicht im Trüben fischen muss und sofort erkennt, ob irgendwelche Eingriffe erforderlich sind. Die exakte Ortbarkeit im Stereopanorama erleichtert die sinnvolle Positionierung von Instrumenten im Mix.

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