Software
Test
10
15.10.2018

Ableton Live 10 Suite Test

DAW Software

To DAW or not to DAW

Fünf Jahre hat es gedauert, im Februar erschien dann die heiß ersehnte Version 10 von Abletons DAW Live. Waren es in den letzten Upgrades noch teilweise sehr grundlegende und grobe Neuerungen wurde jetzt noch viel feinjustiert. An einigen Ecken wurde auf Wünsche der Community eingegangen, andere lang ersehnte Features blieben jedoch weiterhin auf der Strecke. Wir haben Live für euch ganz genau unter die Lupe genommen, die neuen Devices ausprobiert und die Verbesserungen im Workflow angetestet.

Wie bei allen gestandenen DAWs waren die Erwartungen der Fangemeinde an das, was verbessert werden MUSS und das, was nicht verändert werden DARF, auch bei den Anhängern von Ableton Live unerreichbar hochgesteckt. Im offiziellen Forum gab es seitenweise Beiträge über gewünschte Features, Workflow-Diskussionen und traditionell bei jedem neuen Release, die, die laut verkünden, dass sie nun, da Feature X immer noch nicht dabei sei, zu [Lieblings-DAW] überwechseln würden, da dort das ja schon seit Jahren mit an Bord sei. So weit, so vorhersehbar.

Details

Installation und Versionen

Drei verschiedene Versionen gibt es von Ableton Live 10, Intro, Standard und Suite. Alle drei sind auf der Ableton Webseite (https://www.ableton.com/de/shop/live/) als Download und als Box-Version (mit USB-Stick) verfügbar. In der Intro-Version ist keiner der Synthesizer-Instrumente dabei, dafür zwei der Sound-Packs und die meisten rudimentären Effekte. Größte Beschränkung: Nach sechzehn Spuren oder acht Szenen in der Session-View ist Schluss.

Die Standard-Version lässt hier schon beliebig viele Spuren zu und bringt mit den Complex-Warp-Modi und den Audio-zu-MIDI-Algorithmen zwei durchaus wichtige Werkzeuge mehr mit. Die Integration von Max4Life und Synthesizer-Instrumente fehlen. Das alles und noch viel mehr gibt es in der 599 Euro teuren Suite-Version, die mit 15 Instrumenten und 24 Sample-Packs auf fast 80 Gigabyte Speicherplatzbedarf kommt. Das sehr empfehlenswerte Handbuch kommt in allen Versionen als PDF mit. Eine 30-Tage-Demoversion kann hier runtergeladen werden.

Was ist neu?

Auffälligste Änderung beim ersten Start ist ein leicht helleres Standard-Farbschema und ein Bereich oben in der Library, der sich „Sammlungen“ nennt. Insgesamt gibt es 7 Kategorien mit jeweils eigener Farbe, denen man ein Preset oder ein Plugin aus der Library zuweisen kann. So könnt ihr euch eine Reihe von Schnellzugriffsordnern zu verschiedenen Effekten oder Sounds erstellen, die ihr oft benutzt.

Bei den Packs gibt es jetzt die Möglichkeit, neue Sounds von Ableton.com direkt zu laden, ohne die DAW verlassen zu müssen. Insgesamt 10 neue Packs mit neuen Drums, Loops, Effekt-Racks und MIDI-Beats in verschiedenen Genres spendiert Ableton. Drei gibt es in allen Versionen, sieben weitere sind Besitzern der Suite-Version vorbehalten. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier.

Capture the Flag: Nie wieder Ideen verlieren

Ein weiteres neues Feature ist Capture. Es ähnelt der Logic-Pro-X-Funktion „Aufnahme behalten“. Habt ihr zum Beispiel ein Drumkit geladen und jammt ganz frei und ohne Metronom, um einen Beat zu finden, reicht danach ein Klick auf Capture, um das, was ihr gespielt habt, in einem MIDI-Clip abzuspeichern. Nicht nur die gespielten MIDI-Noten tauchen alle im Clip auf, auch stellt Ableton automatisch das Tempo ein, in dem ihr gespielt habt.

Als neues Instrument ist (nur in der Suite-Version) Wavetable hinzugekommen, ein Synthesizer, der wie seine Arbeitsweise heißt – Minimalismus auch in der Namensgebung. Angelehnt an SoftSynth-Platzhirsche wie Massive von Native Instrument oder Serum von Xfer Records, bringt das Instrument insgesamt einen warmen, sehr analogen Sound mit. Zwei Wavetable-Oszillatoren mit fast 200 Wavetables, dazu ein extra zuschaltbarer Sinus-Oszillator für Subbässe, zwei Filter, die sich seriell, parallel und pro Oszillator schalten lassen und eine Modulationsmatrix, mit der man routen kann, was das Zeug hält. Klingt für Kenner von Massive und Serum jetzt erst mal nicht sonderlich spektakulär, hat aber im Ableton-Look und den teilweise sehr analogen Sounds sein ganz eigenes Flair.

Analog Heaven: drei neue Effekte

Drei neue Audioeffekte sind dabei, die ähnlich zu Wavetable den analogen Klangcharakter von Live unterstreichen. Drum Buss gibt es in der Standard- und der Suite-Version, kommt mit verhältnismäßig wenigen Funktionen daher, ist aber, was die Wirkung auf Beats und Drumloops betrifft, ein tiefgreifender Effekt. So kann man durch die drei Verzerrungsstufen Drive, Crunch und Boom jedem Beat mehr Wucht und Präsenz verleihen – dünne Drums adé. Auch ist ein auf einen Regler reduzierter Transienten-Designer mit dabei, der entweder den Attack- oder den Sustain-Bereich verstärkt. 

Dazu ist in der Suite-Version Echo gekommen, der mittlerweile fünfte (sechste, wenn man Beat Repeat dazu zählt) Delay-Effekt Abletons, dessen Sound durch eine große Modulationstiefe Assoziationen zu Hallgeräten der 70er wie den Space Echo von Roland weckt. Über die Tabs Modulation und Charakter lassen sich die Echos eines Signals sehr stark verfremden.

Dritter neuer Effekt ist Pedal (Auch nur in der Suite), in dem verschiedene Verzerrer, die ebenfalls in den 70ern ihren Ursprung haben, kombiniert werden. Fuzz, Distort und Overdrive (OD) werden den meisten Gitarristen ein Begriff sein. Angelehnt an die Funktionsweise von Gitarrenverstärkern könnt ihr ihr hier noch bestimmen, wie stark jeweils Tiefen, Mitten und Höhen verzerrt werden.

Sehr nützlich: Kaskadierende Gruppen. Also Gruppen in Gruppen in Gruppen. Hier wird es sicher spannend sein, was sich die Community an neuen Racks und Instrumenten einfallen lässt. Außerdem ist es jetzt möglich, jede Spur per Rechtsklick auf den Pan-Regler im Split-Stereo-Modus zu kontrollieren. Die Lautstärken von rechts und links lassen sich separat einstellen. Die Lautstärken von rechts und links lassen sich separat einstellen. Und das Utility-Device hat zwei hilfreiche Funktionen bekommen: Nur der Bassbereich einer Spur oder eines Mixes lässt sich auf Mono stellen und der „Width“-Parameter ist per Rechtsklick auf einen Mitte/Seite-Modus umstellbar.

Zusätzlich hatte Ableton kurz nach dem Release noch das Pack „Creative Extensions“ zum kostenlosen Download veröffentlicht, das acht neue Max4Live-Device beinhaltete. Der MIDI-Effekt Melodic Steps ist ein aufgebohrter Step Sequencer, die Instrumente Bass und Poli bringen Sounds mit, die stark an Synthesizer wie den Minimoog oder den Juno erinnern. Die fünf neuen Audioefekte Pitch Hack, Gated Delay, Color Limiter, Re-Enveloper und Spectral Blur gehen alle insgesamt in die experimentelle Richtung und eröffnen neue Welten für Sounddesigner.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

Presonus Faderport V2 Test

Einen DAW-Controller mit einem Motorfader und 24 Tastern für unter 200 Euro? So etwas gibt es tatsächlich? Presonus hat seinen Kassenschlager, den Faderport , überarbeitet. Ob sich die neue Version lohnt, liest du im Test.

Synchro Arts Revoice Pro 4 Test

Revoice Pro ist eine Software zur professionellen Bearbeitung von Gesangsproduktionen mit einigen Alleinstellungsmerkmalen. Welches sind die Neuerungen in Version 4?

Mixed In Key Captain Plugins 2.0

Die Kompositionshelfer „Captain Plugins“ gibt es nun auch für Windows und sie ermöglichen fortan auch das Triggern von Akkorden via MIDI-Controller. Wir hatten das kostenlose Major-Update im Test.

Bitwig Studio 2.4 Test

Bitwig Studio 2 wird erwachsen! Mit einem stetigen Fluss an Updates mit neuen Sounds und Workflowverbesserungen wird der Allrounder immer reifer. Wir haben die Veränderungen in der jetzt erschienenen Version 2.4 für euch unter die Lupe genommen.

User Kommentare