Test
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25.10.2018

Praxis

Bei Auslieferung stehen im Speicher des 2Box DrumIt Three 90 Kits bereit. Die Library ist an manchen Stellen ein wenig durchwachsen, grundsätzlich finden sich aber viele verwendbare Sounds, und manche gefallen mir sogar ausgesprochen gut. Dass der Anteil des Raumklangs von Kit zu Kit zum Teil sehr deutlich variiert und es eine enorme Bandbreite zwischen einer knochentrockenen und extrem knalligen Ästhetik gibt, kann man durchaus als Bereicherung empfinden. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass sich einzelne Instrumente aus unterschiedlichen Kits nicht ohne Weiteres miteinander kombinieren lassen und zum Teil wie Öl und Wasser aufeinander wirken. Beim Antesten der Sounds fiel mir übrigens auf, dass die Hi-Hats nach dem Umschalten auf ein neues Kit vom Modul immer als geöffnet interpretiert werden, bis das Pedal bewegt wird. Eine Kleinigkeit, die sich vermutlich durch ein Update des Betriebssystems (getestet mit OS 1.32) beheben lässt. 

Die mitgelieferten Sounds

Was bei fast allen Sounds positiv auffällt, ist die auch bei den Werks-Kits recht hohe Anzahl an Velocity-Zonen. Diese Vielfalt an Nuancen sorgt für Natürlichkeit, und in dieser Disziplin kann sich das noch verhältnismäßig günstige DrumIt Three problemlos mit seinen größten und teuersten Konkurrenten messen. Was passiert, wenn man Samples aus einem virtuellen Drum-Studio importiert, zeigt der letzte Abschnitt des obigen Videos. In diesem Fall wurden die Sounds aus der Roots SDX für den Toontrack Superior Drummer verwendet. Der Speicherbedarf der importierten Sounds betrug insgesamt etwa 500 MB, wobei ein Großteil auf die Becken entfällt. Im Schnitt wurden bei den Trommeln etwa 60 Velocity-Zonen pro Artikulation verwendet. Man kann ruhigen Gewissens sagen, dass bislang kein anderes E-Drum-Modul einen so natürlichen Sound zu bieten hat. Und natürlich kann man die Sounds vor dem Import selbst mischen und weiter bearbeiten, um den eigenen Klangvorstellungen so nah wie möglich zu kommen.

 

Das Modul selbst ist im Bereich der Effektbearbeitung nur sehr sparsam ausgestattet. Die einzige Möglichkeit, den Klang der Samples zu formen, ist ein Dreiband-Equalizer mit halb-parametrischen Mitten. Sonstige Effekte wie Hall oder Kompression muss man dem FOH-Mann überlassen.

Kernfrage: Kompatibilität mit anderen E-Sets!

Da das 2Box DrumIt Three als universelles Trigger-Modul ohne zugehörige Pads angeboten wird, steht und fällt seine Attraktivität natürlich mit der Frage, wie reibungslos das Zusammenspiel mit der Hardware anderer Hersteller läuft. Die tollsten selbst importierten Multisamples bringen nicht viel, wenn sich einfach kein akzeptables Spielgefühl einstellen will. Um dies zu testen, habe ich mich in das Hauptquartier des großen und allseits bekannten Musikalienhändlers Thomann begeben und das DrumIt Three mit folgenden E-Drumsets verbunden: Roland TD-17, Roland TD-4 (ohne Mesh-Heads), Yamaha DTX582K, Alesis Strike Pro, Alesis Crimson 2 Mesh Kit, Millenium MPS-850, und ATV aD5. Für jedes Modell habe ich mir etwa 45 Minuten Zeit genommen. Die Ergebnisse, die im folgenden beschrieben werden, ließen sich durch weiteres Schrauben an den vielfältigen Parametern des DrumIt Three also vermutlich noch weiter verbessern.

Komplexeste Aufgabe: Hi-Hat Pads

Die Ergebnisse des Kompatibilitäts-Tests waren größtenteils gut, wenn auch oft nicht absolut perfekt. Die größte Herausforderung für das DrumIt Three sind unterschiedliche Hi-Hat-Modelle, bei denen es sich natürlich um die komplexesten Pads eines E-Drumsets handelt. Einen Totalausfall gab es nur bei den Hi-Hats des ATV aD5, die allerdings auch nicht auf der Kompatibilitätsliste von 2Box stehen. Ganz nah am Totalausfall bewegten sich allerdings die Hi-Hats des Alesis Strike Pro (Pad-Modell: Alesis Pro X), die im Zusammenspiel mit dem DrumIt Three extrem viele Fehltrigger produzierten – dies war allerdings auch bei der Verwendung des originalen Moduls der Fall. Beim Yamaha DTX582K (Pad-Modell: Yamaha RHH-135) machte sich bemerkbar, dass das originale Soundmodul (Yamaha DTX502) keine Abstufungen beim Öffnungsgrad erkennt und nur zwischen offen oder geschlossen unterscheiden kann. Darauf scheint auch das Pad ausgelegt zu sein, denn ab einem gewissen (sehr leichten) Öffnungsgrad waren ihm keine weiteren Werteänderungen mehr zu entlocken. Das gezielte Ansteuern von fünf Öffnungsgraden, wie sie vom DrumIt Three unterstützt werden (bei selbst importierten Sounds theoretisch sogar bis zu zehn), war also äußerst schwierig bis unmöglich. Dies dem DrumIt Three anzulasten, wäre genauso fragwürdig, wie deshalb am Pad selbst herumzumäkeln.

Hier könnt ihr euch die Kompatibilitäts-Angaben von 2Box anschauen.

Durchaus in Ordnung, wenn auch nicht vollständig perfekt, waren die Ergebnisse bei den Hi-Hats des Roland TD-17 (Pad-Modell: Roland VH-10) und des Millenium MPS-850. In beiden Fällen stellte es sich als nicht ganz einfach heraus, gezielt 1/4-offene Hi-Hats zu triggern. Vor allem bei kräftigerer Spielweise spielte das DrumIt Three hier gerne einmal versehentlich geschlossene  oder halboffene Sounds ab, was vermutlich mit der Bewegung des Pads und dem damit variierenden Abstand zum Sensor des Controllers zusammenhängt. Die Hi-Hats des Millenium MPS-850 machten sich dabei noch etwas besser als die des Roland TD-17. Der Kompromiss zwischen den klanglichen Möglichkeiten des DrumIt Three und dem Punkt, 1/4-offene Sounds nicht vollständig zielsicher ansteuern zu können, dürfte aber für viele Anwender bereits akzeptabel sein. Und auch weiteres Schrauben an den Parametern hätte hier möglicherweise noch zu einer Besserung führen können.

Das Zusammenspiel mit den Hi-Hats des Alesis Crimson 2 Mesh Kit und des Roland TD-4 verlief dagegen vollständig reibungslos. Bei beiden Hi-Hat Pads machte sich positiv bemerkbar, dass die Erkennung des Öffnungsgrades nicht über ein bewegliches Pad mit Abstands-Sensor, sondern über einen separaten Fuß-Controller erfolgt. Es sitzt also immer alles fest an seinem Platz, und das kommt der Erkennung im DrumIt Three offenbar sehr zugute.

Zonentrennung bei 2- und 3-Zonen-Pads

Viele Snare- und Tom Pads bieten neben ihrer eigentlichen Spielfläche einen zusätzlichen Rim-Trigger zum Ansteuern weiterer Sounds. Die Trennung zwischen diesen beiden Zonen ist allgemein nicht immer einfach. Oft entstehen auch im Zusammenspiel mit den originalen Modulen leichte Übersprecher, die je nach Natur der Sounds aber nicht immer störend wirken. Glücklicherweise bietet das DrumIt Three mehrere Parameter, anhand derer sich die Anzahl solcher Übersprecher minimieren lässt. Am besten verhielten sich die wahrhaft massiven Drum Pads des ATV aD5. Hier stellte sich zusammen mit den Sounds des DrumIt Three ein ausgesprochen realistisches Spielgefühl ein. Ebenfalls gut, aber eben doch nicht vollständig verlässlich, machten sich die 2-Zonen-Pads des Millenium MPS-850, des Alesis Crimson 2 Mesh Kits, des Roland TD-17 (Modelle: Roland PDX-8 und PDX-12) und zudem das Snare Pad des Yamaha DTX582K (Modell: Yamaha XP80). Etwas problematischer waren dagegen die 12-Zoll- und 14-Zoll-Pads des Alesis Strike Pro.

Ansonsten gibt es nur Erfreuliches zu berichten. Bei der Verwendung von Becken-Pads mit drei Zonen für Bell, Bow und Edge hätte ich größere Probleme erwartet. Beim Yamaha DTX582K hatte ich anfangs das Gefühl, dass die Zonenerkennung noch etwas eindeutiger arbeiten könnte, was sich nach kurzer Eingewöhnung aber legte. Alle weiteren Pads arbeiteten nach Anpassung der Parameter reibungslos mit dem DrumIt Three zusammen. Bei einfacheren Pads mit nur einer Zone (alle Kick Pads und einfache Snare-/Tom Pads) gab es ebenfalls keine Probleme.

Zusammenfassung zum Thema Kompatibilität

Im kritischen Bereich der Hi-Hat Pads empfiehlt sich für das DrumIt Three am ehesten eine Lösung, die mit einem unbeweglichen Pad und einem separaten Fuß-Controller arbeitet. Auf diesem Weg erhält man die verlässlichste Kontrolle über den Öffnungsgrad. Bei Systemen mit Abstands-Sensor gab es keine Lösung, die vollkommen reibungslos arbeitete, auf einen entsprechenden Kompromiss kann man sich bei bereits vorhandener Hardware aber möglicherweise einlassen – und Ähnliches gilt für Drum Pads mit zwei Zonen: Wer mögliche Übersprecher zwischen Schlagfläche und Rim Trigger vollständig ausschließen möchte, fährt am besten damit, einfache 1-Zonen-Pads zu verwenden und die zweite Zone auf ein Sampling-Pad (als reiner Controller) auszulagern, das über MIDI mit dem DrumIt Three verbunden ist. Auf diesem Weg kann man übrigens auch verlässlich über das Anspielen von Pads zwischen verschiedenen Kits umschalten, und dies sollte während einer Show nun wirklich nicht versehentlich passieren!

Nicht zu vergessen ist, dass viele der getesteten E-Drums nicht für so komplexe Multisamples wie die des DrumIt Three konzipiert sind und zudem auch mit ihren Original-Modulen ähnliche Unverlässlichkeiten zeigten, wie sie im Test auftraten. Eine Kombination aus beispielsweise einem günstigen Alesis Crimson 2 oder Millenium MPS-850 mit dem DrumIt Three kann aber durchaus Spaß machen. Vor allem der Klang und die dynamische Bandbreite bewegen sich selbst bei Verwendung der Factory Sounds in eine andere Dimension – ganz zu schweigen von der Qualität und der möglichen Personalisierung von Sounds aus den großen virtuellen Instrumenten.

Gute Latenzwerte!

Jedes E-Drum-Modul hat eine gewisse Latenz, denn schon alleine die Wandlung eines Digital-Signals in ein analoges Signal braucht ein wenig Zeit. Mit den vier Millisekunden, die bei meinem Test heraus kamen, positioniert sich das DrumIt Three in dieser Disziplin sehr gut, und damit gehört es zu den schnellsten Modulen seiner Art. In dieser kurzen Zeitspanne legt Schall in der Luft gerade einmal knapp 1,4 Meter zurück. Als allgemein akzeptabel wird eine Latenz unterhalb von zehn Millisekunden angesehen. 

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