DPA 2012 Test

Klein, unauffällig und ohne weitere Features, Schalter oder andere technische Spezialitäten kommt das neue DPA 2012 Kleinmembran-Stäbchen daher. Dafür soll es echte Nehmerqualitäten besitzen und sich auch und gerade an lauten Quellen wie Schlagzeug und Gitarren-Amps profilieren. Und zwar nicht nur als Distanzmikrofon, sondern auch im Close-Miking-Betrieb. Damit passt es gut zum ebenfalls ziemlich neuen DPA 4055 Kick Drum Microphone und dem frisch vorgestellten DPA 2015, beides Modelle, welche sich hohe Detailtreue bei gleichzeitiger Schalldruckfestigkeit auf die Fahnen geschrieben haben. Im Test haben wir das kleine Schwarze am Drumset und an der Gitarre ausprobiert.

DPA Stäbchen

Quick Facts zum DPA 2012

  • Kondensatormikrofon für Instrumente
  • Nierencharakteristik
  • hohe Schalldruckfestigkeit
  • hergestellt in Dänemark

Dem DPA 2012 geht es um innere Werte

Die Marke DPA ist für nüchternes Design ohne Schnickschnack bekannt und genau so kommt auch das neue 2012 daher. Sein 9,4 Zentimeter langes, mattschwarz lackiertes Metallgehäuse ist nahezu designfrei, Knöpfe und Schalter glänzen durch Abwesenheit. Der Mikrofonkopf ist fest mit dem Body verbunden, ein modulares System scheint man bei DPA also nicht im Sinn zu haben. Verpackt ist der Schallwandler in einer einfachen Nylontasche, zusammen mit einer Halterung, einer EU-Verkleinerung sowie einem Windschutz. 

Kleinmembranmikro Made in Denmark
Die Halterung des 2012 besitzt einen praktischen Gewindeverschluß.

Auch bei den technischen Daten geht es zunächst unaufgeregt zu. Ausgestattet ist das 2012 mit einer Nierenkapsel, 1,7 Zentimeter beträgt der Membrandurchmesser. Ein Frequenzgang von 20 bis 20000 Hertz ist Standard bei Mikros dieses Typs, eine Messkurve liegt dem 2012 nicht bei. 8 mV/Pa Empfindlichkeit sind kein überragender Wert, 156 dB maximale Schalldruckverträglichkeit jedoch schon. Hier zeigen nicht nur die Pressefotos, dass man das 2012 auch an Snaredrums und Amps für geeignet hält. Hören wir uns jetzt mal an, wie das Testobjekt dort klingt. 

DPA Emblem / Logo / CI
DPA steht für „Danish Pro Audio“, der Fertigungsort ist Dänemark. 

Charakteristischer DPA-Grill

Klanglich erweist sich das DPA 2012 als akkurat und flexibel

Natürlich bietet sich für Kleinmembraner die Akustische Gitarre als Schallquelle der Wahl an und so habe ich den Kollegen Michael Krummheuer zu mir ins Studio eingeladen. Praktischerweise hatten wir parallel die oben bereits angesprochenen, ebenfalls nagelneuen DPA 2015 da, ein Vergleich bot sich also an. Das 2012 läßt einen sehr detaillierten, ausgewogenen Klang hören, der den Charakter der Akustischen akkurat einfängt. Obwohl nur ein einzelnes, etwa auf den zwölften Bund gerichtetes 2012 zur Verfügung stand, entsteht ein lebendiger, räumlicher Eindruck. Im Vergleich zu den 2015 mit Breiter Niere wirkt das 2012 minimal weniger dreidimensional, gleichzeitig eine Spur bassiger. Dies dürfte jedoch daran liegen, dass die 2015 dank ihrer Bauweise wenig Nahbesprechungseffekt aufweisen. 

Audio Samples
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DPA 2012, Akustische Gitarre, Picking DPA 2012, Akustische Gitarre, Strumming DPA 2015, Akustische Gitarre, Picking DPA 2015, Akustische Gitarre, Strumming DPA 2012, Amp, Crunch SM57, Amp, Crunch DPA 2012, Amp, Clean SM57, Amp, Clean

Auch am Gitarren-Amp macht das 2012 Spaß. Wie erwartet, liefert es nicht den charakteristischen „Mitten-Schub“ des Vergleichs-SM57, dafür bildet es das Signal des 12“-Speakers plastischer und realistischer ab. Zudem liefert es mehr Fundament im Tiefmittenbereich. Speziell für cleane Einstellungen ist das 2012 damit eine echte Alternative. 

DPA Microphone
Am Amp liefert das DPA 2012 sehr transparente Ergebnisse.

Auch an der Snaredrum und der Hi-Hat kann das 2012 überzeugen 

Den DPA-Anspruch, besonders transparente Ergebnisse zu liefern, kann das 2012 auch an der Hi-Hat untermauern. Als Schallquelle kommt eine 15“ Zildjian Avedis zum Einsatz, das Referenzmikro ist einer meiner Favoriten in dieser Funktion, nämlich ein Beyerdynamic M201TG. Kurz gesagt, das DPA klingt hier hervorragend. Sehr detailreich und plastisch kommen die Ergebnisse aus meinen Monitoren, gleichzeitig ohne Schärfe und Aufdringlichkeit. Sehr positiv fällt auch die geringe seitliche Einsprechempfindlichkeit auf, während die Übersprechungen selbst kompakt und kaum verfärbt dargestellt werden. 

DPA Mikrofon an Hi Hat
Typisches Kleinmembraner-Einsatzgebiet: die Hi-Hat 
Audio Samples
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DPA 2012, Snaredrum, im Mix DPA 2012, Snaredrum, solo Telefunken M80, Snaredrum, im Mix Telefunken M80, Snaredrum, solo

An der Snaredrum trifft das Testobjekt auf mein Go-to-Mikro, das Telefunken M80. Hier fallen die Unterschiede sehr deutlich aus, denn die Neutralität des 2012 sorgt für einen wesentlich runderen Snaresound. Soll es durchsetzungsfähig zugehen, ohne den EQ bemühen zu müssen, würde die Wahl vielleicht unbedingt auf das DPA fallen. Ein großer Vorteil ist jedoch auch an der Snaredrum wieder der Detailreichtum und die geringen, exzellent klingenden Übersprechungen. Die Hi-Hat wird sehr effektiv ausgeblendet und das, was vom Signal übrigbleibt, klingt natürlich und ist im Mix problemlos integrierbar. 

DPA Mikrofon an Snare
Hier seht ihr das 2012 an der Snare, im Hintergrund das Telefunken M80 Vergleichsmikrofon.
Audio Samples
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DPA 2012, Hi-Hats, im Mix DPA 2012, Hi-Hats, solo Beyerdynamic M201, Hi-Hats, im Mix Beyerdynamic M201, Hi-Hats, solo

Alternativen zum DPA 2012 

Mit seiner Kombination aus guter Empfindlichkeit und sehr hoher Schalldruckfestigkeit nimmt das DPA 2012 eine Sonderrolle unter den Kleinmembran-Stäbchen ein. Als Alternativen in ähnlichen Preisregionen bieten sich daher nicht viele Modelle an. Eines davon wäre das bekannte Neumann KM 184, welches ebenfalls sehr vielseitig einsetzbar ist. Für noch mehr Neutralität im Nahbereich und einen etwas offeneren Klang empfiehlt sich natürlich auch das Schwestermodell DPA 2015

Test des DPA 2012: Fazit

Mit dem neuen Stäbchen-Mikro 2012 hat die dänische Firma einen vielseitigen, einfach verwendbaren und SPL-resistenten Schallwandler auf den Markt gebracht, der an verschiedenen Quellen mit transparenten, neutralen und gleichzeitig musikalisch klingenden Resultaten überzeugen kann. Neben den offensichtlichen Einsatzorten wie der Akustischen Gitarre, liefert das Mikrofon auch am Amp sehr brauchbare Signale, die zwar nicht die bekannte Färbung einiger dynamischer Instrumentemikros aufweisen, dafür aber mit Plastizizät und Realismus punkten. Steril oder harsch klingt das 2012 dabei nie. Ein großer Vorteil sind auch die präzise Richtcharakteristik und die sehr gut klingenden Übersprechungen jenseits der Einsprechachse. Ein echtes Schnäppchen ist das in Dänemark hergestellte Testobjekt zwar nicht, mit seinen Qualitäten dürfte es jedoch sowohl im Studio als auch im Live-Einsatz viele Freunde finden. 

High SPL DPA Microphone
  • Hersteller: DPA
  • Bezeichnung: 2012
  • Herstellungsland: Dänemark
  • Lieferumfang: Transport-Tasche, Halterung, EU-Gewindeverkleinerung
  • Wandlerprinzip: Kondensator, vorpolarisiert 
  • Richtcharakteristik: Niere
  • Impedanz: 60 Ohm
  • Empfindlichkeit: 8 mV/Pa
  • Frequenzgang: 20 bis 20000 Hertz
  • Besonderheiten: hohe Schalldruckunempfindlichkeit
  • Gesamtlänge: 9,4 Zentimeter
  • hergestellt in: Dänemark
  • Webseite: https://www.dpamicrophones.de
  • Preis: € 729,– (Straßenpreis am 18.4.2023)
Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • transparenter, natürlicher Klang an allen getesteten Schallquellen
  • verzerrungsarm auch an lauten Instrumenten
  • natürlich klingende Einsprechungen
  • saubere Verarbeitung
Contra
  • -
Artikelbild
DPA 2012 Test
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