Auch das neueste Plugin von Cherry Audio überrascht wieder: Tatsächlich gibt es noch Vintage-Synthesizer, von denen ihr wahrscheinlich noch nie gehört habt. Der Pentaphonic von Gleeman Instruments erschien 1981 und überzeugte mit einem satten Klang, einem unverwechselbaren Design und wegweisenden Sequenzing-Funktionen. Sein Name erklärt sich von selbst: Er bezieht sich auf seine fünf-stimmige Polyphonie. Entwickelt wurde der Pentaphonic von den Brüdern Bob und Al Gleeman in Kalifornien.

Leider gab es vom Gleeman Pentaphonic insgesamt nur rund 70 Exemplare. Einige davon gelangten in prominente Hände – so besaß beispielsweise Martin Gore von Depeche Mode einen Pentaphonic. Für die Show-Performance entwickelten die Gleeman-Brüder zudem den mobileren Pentaphonic Clear mit einem durchsichtigen Acrylgehäuse, Plexiglas-Regler und innenbeleuchteter Elektronik – ein besonders auffälliges Keytar. Heute gilt der DCO-Synthesizer als ausgesprochen seltenes Sammlerstück.
- Emulation eines sehr raren Synthesizers
- Guter Hybridsound
- Top Preis-Leistungs-Verhältnis
- Sequenzer und Effekte
- Gelungene Preset Library
- kein Contra

Offenbar wollten Gleeman Instruments mit dem Pentaphonic damals eine kompaktere und transportablere Alternative zum Sequential Prophet-5 etablieren. Der Zeitpunkt war allerdings denkbar ungünstig: Synthesizer wie der Korg Polysix und der Roland Juno-60 waren zu dieser Zeit die deutlich preisgünstigeren polyphonen Instrumente. Und nur wenig später sorgte der Yamaha DX7 mit seiner FM-Synthese für Furore – analoge Synthesizer gerieten vorübergehend ins Abseits.
Ich habe den Cherry Audio Pentaphonic für euch probiert. Die Demo-Version lässt sich für 30 Tage nutzen – ihr solltet ihn unbedingt kennenlernen. Hallo, Fremder! Wie wäre es mit einem Kurztest?
Der Cherry Audio Pentaphonic – ein Blick auf das Original
Der Gleeman Pentaphonic verfügte über fünf Stimmen mit insgesamt 15 DCOs. Zwei Intel-80186-Mikroprozessoren ermöglichten eine präzise Stimmung. Jeder Oszillator bot acht Wellenformen, darunter zwei obertonreiche „Complex“-Wellenformen. Diese basierten auf Wellenformen mit niedriger Auflösung und 32 Samples, die wiederum mit variabler Clock-/Samplerate wiedergegeben wurden. Ein digitaler LFO erzeugte auf Basis einer Dreieckswelle Modulationen für Tremolo und Vibrato.
Für den Hybridklang sorgen ein CEM 3320 4-Pol-Tiefpassfilter mit Resonanz und ein CEM 3360 VCA. Das Instrument mit 37 Tasten besaß zudem ein zugängliches Panel, einen internen Sequenzer mit einer Kapazität von 300 Noten, einen Chorus-Effekt sowie einen Joystick für Pitchbending.
Gleeman wollten im Laufe der 80er Jahre ein größeres Modell mit acht Stimmen, MIDI und erweitertem Sequenzer veröffentlichen – dazu kam es aber nicht. Dafür bringt Cherry Audio nun einen neuen digitalen Pentaphonic mit vielen praktischen Extras heraus.
Welche neuen Features stecken im Cherry-Audio-Plugin?
Der Cherry Audio Pentaphonic enthält drei verschiedene Benutzeroberflächen: Schwarz, Clear und Audities inklusive Focus Zoom. Deutlich mehr als nur eine kleine Erweiterung sind die zusätzlichen Stimmoptionen: Neben einem Unisono-Modus stehen polyphone Modi mit bis zu 16 statt fünf Stimmen zur Verfügung. Neu sind außerdem ein Oszillator-Sync, PWM und ein Rauschgenerator. Die drei DCOs erzeugen wie das Original zwei Complex-Waves sowie diverse Pulse-, Ramp, Triangle- und Sine-Formen. Ein zweiter LFO basiert auf den gleichen Wellenformen wie die Oszillatoren.

Beim virtuellen Pentaphonic gibt es ein erweitertes Filter mit 12 dB und 24 dB Tiefpass inklusive Polarität und Key-Tracking. Das Plugin unterstützt Channe- und Poly-Aftertouch zur Steuerung von bis zu 14 Parametern sowie die vollständige MIDI-Steuerung und DAW-Automation aller Bedienelemente.
Sequenzer und Effekte – was kann der Cherry Audio Pentaphonic?
An Bord der Emulation befinden sich die typischen Cherry-Audio-Zugaben: Es gibt einen dynamischen Arpeggiator mit vier Modi und Random-Option sowie einen polyphonen 16×4-Pattern-Step-Sequenzer. Als zusätzlichen Layer-Sequenzer mit 16 Steps und vier Patterns verfügt das Plugin über den Parameter-Animator, mit dem ihr etwa Filter Cutoff, Pitch und Oszillator-Gain modulieren könnt.

Das Effekt-System ist bereits durch andere Plugins von Cherry Audio bekannt. Zur Verfügung stehen 22 FX-Typen – darunter Galactica Reverb, Envelope Filter oder Tape Echo. Daneben enthält die Pentaphonic-Emulation frei konfigurierbare Effektketten mit bis zu fünf verschiedenen FX-Typen. Zusammen mit dem Sequenzer und den Effekten entstehen im Plugin komplexe Soundphrasen, von denen man in den frühen 80ern nur träumen konnte.

Wie klingt der Cherry Audio Pentaphonic?
Zugegeben, ich hatte noch nie einen echten Pentaphonic in den Fingern. Umso mehr interessiert mich, wer von euch vielleicht schon einmal in den Genuss des ausgefallenen Synthesizers gekommen ist. Schreibt es gerne in die Kommentare! Der Pentaphonic-Klang wird allgemein als extrem satt, dicht, kraftvoll oder auch kristallklar beschrieben – es heißt, dass er selbst einen Vergleich mit dem OB-Xa oder Memorymoog nicht scheuen müsse. Hören und schauen wir uns also einmal um: Der Software-Synth schafft es auf über 375 Presets in 14 Kategorien. Auch die ehemaligen Factory Patches sowie das separat erhältliche Translucent Preset Pack habe ich im Browser schnell gefunden.

Was ich allein in den Sparten Motion und Pads erlebt habe, hat mir den Tag versüßt. Hoffentlich ergänzt Cherry Audio noch die bewährte Kategorie Arpeggio. Sorry, Bonedo-Redaktion – bei weniger als zwölf Audio-Demos konnte ich einfach nicht aufhören. Dafür klingt das Plugin einfach zu schön und vielseitig – und das bei diesem unverschämt günstigen Preis. Hört selbst!
FAZIT: Pentaphonic
Cherry Audio bleibt die treibende Kraft, wenn es um die Emulation außergewöhnlicher Vintage-Synthesizer geht. Ich hatte bis zur letzten Minute des Tests meinen Spaß mit dem Pentaphonic. Er klingt erstaunlich modern und integriert sich gut in die DAW. Besonders unique aber weder das Konzept noch den Sound. Mit den erweiterten Features wie Motion und einer FX-Sektion à la Cherry Audio wirkt der Pentaphonic schnell wie eine beliebige Variante im Portfolio des Herstellers.
Vielleicht sollte Cherry Audio noch eine bewusst puristische Variante herausbringen – ähnlich wie die Emulationen von Softube. Wie auch immer, für Sammler und Vintage-Fans ist dieser Pentaphonic durchaus begehrenswert – und über den Preis brauchen wir uns sowieso nicht zu unterhalten.
Besten Dank an Cherry Audio! Kein absolutes Must-have, aber ohne den emulierten Pentaphonic würde dieser außergewöhnliche Synthesizer wohl für immer in Vergessenheit geraten.
- Emulation des hybriden Vintage-Synthesizers Pentaphonic
- Dual-Layer-Architektur, Effekt-System, Arpeggiator und Sequenzer
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 7, Mac OS X 10.13 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST, VST3, AU, AAX, Standalone.
- WEBSEITE: cherryaudio.com/products/pentaphonic-synthesizer
- PREIS: 59 Euro (Straßenpreis vom 06.10.2026)























