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Behringer SD8 und SD16 Test

Praxis

Das Anschließen der Stageboxen ist denkbar einfach. Man versorgt die Einheiten mit Strom und nutzt zur Verkabelung geschirmte CAT5e-Kabel (oder besser) mit EtherCon-Armaturen. Das ist alles. Die SD-Stageboxen arbeiten immer als „Slave“-Einheiten und beziehen ihre digitale Clock (Sync) vom angeschlossenen Mixer. Das eine gültige Verbindung besteht, zeigen grün aufleuchtende AES50-LEDs. Mehr braucht man als Anwender nicht zu tun. Routing der Ein- und Ausgänge erfolgt im Mixer.
Ein Wort zu den Netzwerkkabeln. Diese zählen für mich eindeutig zur „kritischen Infrastruktur“ eines Mischpultsystems. Daher spart man in diesem Punkt am falschen Ende, wenn man minderwertige Ware in seinem Warenkorb platziert. Die AES50-Struktur bei den Mixern Behringer X32 und Midas M32 nimmt es mit den Spezifikationen genau.

Das AES50-Format nutzt jede Ader eines CAT5e-Kabels. Vier Adern für die Audioübertragung und vier für das digitale Clocking. Zudem müssen die Kabel geschirmt sein. Ungeschirmte Kabel sind wehrlos bei statischen Aufladungen, was wiederum zu Sync-Verlusten oder hörbaren Dropouts führen kann. Wenn es schlecht läuft, dann wird sogar der AES50-Port des Mixers beschädigt. Zudem sollte man Kabel mit EtherCon-Armaturen verwenden, da die Armatur den inneren RJ45 deutlich fester in die Buchse zieht, als es der RJ45-Stecker selbst vermag.

Wir docken an, und zwar an eine Behringer WING. Diese ist mit gleich drei AES50-Ports ausgestattet und lässt mir daher die Wahl, ob ich SD8 und SD16 jeweils an einen AES50-Port anschließen, ober beide Stageboxen in einer Daisy-Chain-Konfiguration hintereinander an einem Port betreiben möchte. Für beide Szenarien gibt es plausible Gründe. Für einen normalen Band-Job dürfte die Variante mit den hintereinandergeschalteten Stageboxen am sinnvollsten sein, da in der Kombination so insgesamt 24 Eingänge, 16 Ausgänge und sechs Ultranet-Ports für die Band auf der Bühne zur Verfügung stehen. 

Behringer Wing
Behringer Wing

Aber es gibt ja nicht nur Band-Events. Vielleicht steht am nächsten Tag ein Streaming auf dem Stundenplan? Da fallen auf der „Bühne“ vielleicht nur eine Handvoll Lavalier- und Handfunken-Signale an, während man aus der Bildregie noch zusätzliche Signale von Videozuspielern oder via Zoom zugeschalteten Gästen bekommt. In diesem Fall wirft man den Video-Kollegen einfach die SD8 für die Signalübertragung vor die Füße und bekommt die Inputs über einen zweiten AES50-Port. Ich teste beide Verkabelungsszenarien und beides funktioniert auf Anhieb.

Die WING erkennt die Stageboxen nach wenigen Sekunden, und der Sync wird automatisch etabliert. Wo die Eingänge am Pulte anliegen und welche Signale die Ausgänge der Stageboxen ausspielen sollen, muss der Anwender im Source-Routing der WING einstellen. Hier lässt sich im Grunde alles frei gestalten. Bei den älteren Pulten (Midas M32 oder Behringer X32) war man mal lange Zeit in dieser Hinsicht etwas eingeschränkter, da vor allem das Eingangs-Routing in Achterblöcken vorgenommen werden musste. Mit der Firmware 4.0 (und neuer) lassen sich die Achterblöcke nun mit User-Signalen modifizieren, was viele Routing-Einschränkungen aufhebt.

Einschränkungen gibt es allerdings, was die maximale Länge des verwendeten Netzwerkkabel zwischen Stagebox und Mischpult betrifft. Für die Pulte X32 und M32 wird eine maximale Länge von 100 Metern angegeben, bei der WING immerhin noch 80 Meter. Dabei ist es wichtig zu berücksichtigen, dass jeder Adapter oder jede Zwischenverbindung die Maximallänge um einige Meter verkürzen kann. Ich selbst nutzte zwei 75-Meter-CAT5e-Kabeltrommeln und versuchte zusätzliche Adapter zu vermeiden. Wer längere Kabelwege benötigt, kann diese über einen Klark Teknik DN9610 Repeater verlängern. Wer das AES50-Signal über mehrere hundert Meter verlängern muss, für den bietet der Klark Teknik DN9620 Extender sogar eine Glasfaseroption. 

Fotostrecke: 3 Bilder Der gelbe Aufdruckt mahnt zur Verwendung von geschirmten Netzwerkkabeln

In puncto Samplerate gibt es allerdings nur wenige Optionen. Man hat lediglich die Auswahl zwischen 44,1 und 48 kHz. Man stellt die passende Samplerate am Pult ein und die Stageboxen synchronisieren sich automatisch. Sehr anwenderfreundlich und unkompliziert. Dass man auch ohne hohen Sampleraten eine niedrige Systemlatenz generieren kann, zeigen die Testgeräte ohne Zweifel. Für den Round Trip (Analog-In zu Analog-Out) braucht ein Signal im Durchschnitt gerade einmal zwei Millisekunden, je nachdem wie man das Signal leitet und ob eventuell noch Inserts mit im Signalweg arbeiten. In puncto Latenz operiert Behringer damit nahe am physikalisch machbaren.

Für Monitormixe sind die verbauten Ultranet-Ports eine valide Option, zumal die dort anliegenden Signale sich unabhängig vom Pultmix verwalten lassen. Die Ultranet-Schnittstelle hat sich bewährt und funktioniert auch in unserem Setup mit einem Midas DP48, das ebenfalls die Ultranet-Schnittstelle nutzt. Nur schade, dass man den Ports keine PoE (Power over Ethernet) spendiert hat. Damit würde man sich den Verkabelungsaufwand mit zusätzlichen Steckernetzteilen für die Personal-Monitormixer einsparen können.

Ansonsten geben sich die Stageboxen als unkompliziert und solide. Das gilt auch für den Punkt „Sound“. Verbaut sind die gleichen Preamps, wie man sie im Behringer X32 findet. Dieses Preamp-Design geht zurück auf die erste Midas-Venice-Serie, die für ihren ordentlichen Klang bekannt war. Für das letzte Quäntchen Klangqualität bei besonders kritischen Aufgaben wie Klassikkonzerte (leise Signale + hohe Verstärkung), könnte sich unter Umständen ein Upgrade zu einer Midas DL32 Stagebox lohnen. Alle tontechnischen Standardaufgaben auf der Bühne, beim Streaming oder im Studio sind allerdings problemlos mit SD8 und SD16 zu bewerkstelligen.

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Profilbild von Roberto Lang

Roberto Lang sagt:

#1 - 26.07.2022 um 18:02 Uhr

1

Ich habe die SD16 selber, die Spannungsversorgung für die P16-M funktioniert über Ultranet.

    Profilbild von Simon

    Simon sagt:

    #1.1 - 21.07.2023 um 10:05 Uhr

    0

    Kann ich zustimmen, funktioniert perfekt mit nur einem Kabel zum P16-M, nämlich dem Netzwerk-Kabel, eine zusätzliche Stromversorgung ist NICHT notwendig.

    Antwort auf #1 von Roberto Lang

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