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„Ich höre gerade Opa.“ – Vinylbestattung in Deutschland

Was nach Black Mirror klingt, ist eine reale Bestattungsform für Menschen mit Musikgeschmack: Ein Teil der Asche wird in eine spielbare Schallplatte eingearbeitet. Ob man dafür erst nach Amerika auswandern muss, oder ob das Ganze auch in Deutschland möglich ist erfahrt ihr in diesem Artikel.

© Franz van Duns / Wikimedia Commons

„Ich höre gerade Opa.“

Dieser Satz ergibt nur mit Kontext Sinn: nämlich dann, wenn die Asche eines geliebten Menschen nicht nur in einer Urne landet, sondern ein Teil davon in Vinyl gepresst wird – als echte, abspielbare Schallplatte.

Die Idee kommt nicht aus einem Marketing-Meeting, sondern aus einer ziemlich unangenehmen Familien-Tradition: Der Brite Jason Leach, in UK als „The Vinyl-Undertaker“ bekannt, erzählt, wie beim Verstreuen der Asche auf See der Wind den Staub zurück aufs Boot blies. Eklig genug, um eine Alternative zu finden: Warum nicht eine Botschaft und/oder Lieblingsmusik „für die Nachwelt“ hinterlassen – in Form einer Platte?

Was ist eine Vinylbestattung überhaupt?

Kurz gesagt: Ein Teil der Asche des Verstorbenen wird in das Material einer Schallplatte eingearbeitet, sodass am Ende eine spielbare Vinyl entsteht. Darauf kann, je nach Anbieter, Lieblingsmusik oder eine Sprachaufnahme (z. B. Abschiedsgruß, Storys, O-Ton) liegen.

Wichtig: Im engeren Sinne ist das meist keine „komplette“ Bestattung, sondern eher eine Erinnerungsform, weil der überwiegende Teil der Asche weiterhin „klassisch“ beigesetzt wird. Und genau da wird’s in Deutschland rechtlich spannend.

Wie läuft das in Deutschland ab?

Ein Berliner Bestatter beschreibt den Ablauf ungefähr so:

  1. Feuerbestattung als Grundlage (die Asche entsteht erst durch Einäscherung).
  2. Der Bestatter übernimmt die Organisation/Abwicklung (inkl. Formalitäten).
  3. Die Urne wird an einen Kooperationspartner im Ausland weitergegeben, der die Platte herstellt.
  4. Für die Pressung wird ein Teil der Asche entnommen. Der Rest kommt anschließend zurück und wird regulär (z. B. Friedhof) beigesetzt.

Das Ganze ist laut Anbieter eine Seltenheit in Deutschland – nicht zuletzt wegen der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Was kostet eine Vinylbestattung?

Bei unserem Beispiel-Anbieter „Ab unter die Erde“ kommen neben den Grundkosten noch die Vinylbestattung ab ca. 1.900 € zusätzlich dazu.

Rechtliches: Friedhofszwang, Bundesländer und warum das Thema so heikel ist

In Deutschland ist das Bestattungsrecht Ländersache. In vielen Bundesländern gilt nach wie vor ein weitgehender Friedhofszwang, auch für Totenasche.
Gleichzeitig wird das System an manchen Stellen offener: Rheinland-Pfalz hat den Umgang mit Totenasche zuletzt liberalisiert; dort ist unter Bedingungen sogar Aufbewahren, Aufteilen oder Verstreuen möglich – aber nur, wenn der Wunsch zu Lebzeiten ausdrücklich festgelegt wurde.
Auch andere Länder haben Ausnahmen/Bewegung (z. B. Bremen mit erlaubtem Verstreuen unter Voraussetzungen; Sachsen-Anhalt mit Entnahme kleiner Ascheteile für Schmuck).

Quick-Check: Für wen könnte das passen?

-Menschen, die über Musik trauern (Lieblingssongs, Band-Geschichte, gemeinsame Konzerte)
-Familien, die eine Botschaft konservieren wollen
-Leute, denen „Urne + Grab“ zu wenig persönlich ist

Und musikalisch? Das ist der Punkt: Erinnerung, die man hören kann

Die Vinylbestattung ist im Kern eine sehr musiknahe Trauerform: Statt Fotoalbum oder Urne im Regal wird der Abschied zu etwas, das man ritualisieren kann: Platte auflegen, Nadel senken, kurz dem Verstorbenen nahe sein.

Aber: Nicht alle finden die Idee schön. Ein Bestatter wird im Deutschlandfunk zitiert mit dem Hinweis: Für viele sei das eher eine emotionale Sache und „nicht für Audiophile“.
Das trifft’s eigentlich ganz gut. Es geht weniger um „Hi-Fi“, mehr ums Herz.

3 Fragen, bevor du „Ja“ sagst

  1. Was soll auf die Platte? Stimme, eigene Aufnahme, Playlist?
  2. Wie soll der Rest der Asche beigesetzt werden? (Friedhof, See, Wald – je nach Recht)
  3. Ist der Wunsch schriftlich festgehalten? (Bestattungsverfügung/Testament – je nach Bundesland sinnvoll)
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