1010music’s Bento ist eine kompakte, stylische und leistungsfähige Standalone-Groovebox: 7-Zoll-Touchscreen, viele RGB-Buttons und acht Endlosregler über dem Display treffen auf Sampling, Timestretching, Clip-Launching, Granularsynthese, Mixing und Performance-Effekte – und das alles Akku-betrieben.

Der Start war holprig, inzwischen wirkt das System deutlich gereift. Zeit für eine faire Einordnung. Bitte folgen Sie mir unauffällig!
- Kompaktes, gutes Design
- Engines der Blackbox, Lemondrop und Fireball inside
- Granulare Synthese der nanobox Lemondrop
- Wavetable-Synthese der nanobox Fireball
- Multisample Wizard
- Responsiver 7″-Touchscreen
- Schnelle Ladezeiten von Projekten
- Stabile Synchronisation im MIDI-Verbund
- Audioloops mit Timestretching
- Lange Netzunabhängigkeit dank starkem USB-C-Akku
- Fehlende Funktionen werden mit konstanten Updates nachgereicht
- Firmware noch unfertig, viele Bugs
- Patches können nicht einfach ausgetauscht werden
- Tracks können nicht untereinander verschoben werden
- Audioloops spielen manchmal unbeabsichtigt weiter
- Samplebearbeitung sehr rudimentär
Eine „Bentō-Box“ ist eine japanische Lunchbox, in der kleine Köstlichkeiten appetitlich angerichtet werden. So versteht es wohl auch 1010music: ein Happen Sampling von der 1010music Blackbox und Tangerine, paar Slices Mixing von der 1010music Bluebox, ein Spritzer Granular-Synthese von der 1010music nanobox Lemondrop und – mit Firmware 1.3 – auch ein Wavetable-Synth à la 1010music nanobox Fireball.
Das kommt formschön verpackt in einem kompakten Gehäuse, das wie das Lovechild aus Novation Circuit und Ableton Move aussieht. Schauen wir doch mal genauer hin!
DETAILS
Bento in a Box
Schon die Kartonverpackung macht Lust aufs Auspacken. Im Lieferumfang enthalten sind neben der bento ein USB-C-Kabel, ein USB-Splitterkabel, zwei MIDI-Adapter und eine SanDisk Ultra 16 GB microSD-Karte, die in einem Slot an der rechten Gehäuseseite eingeschoben wird. Ein QR-Code lädt zum Firmware-Upgrade ein. Der Test begann mit Version 1.0.2 (sehr unausgereift) und endete mit Version 1.3.4 (durchaus appetitlich).
Outfit
Wie der Ableton Move verfügt die bento über RGB-Pads. Zwar nur zwei Achterreihen, dafür aber kombiniert mit einem sehr crispem, sieben Zoll großen Touchscreen, der auch von der Seite gut ablesbar ist. Er ist nicht ganz so responsiv wie z. B. ein iPhone-Touchscreen, kann aber ähnlich wie ein Handyscreen durch Pinch-Gesten mit zwei Fingern gesteuert werden, z. B. zum Rein- und Rauszoomen von Sequenzen oder Sample-Wellenformen.
Die stylische Oberfläche wird mit 16 Gummitastern bedient, die hintergrundbeleuchtet beschriftet sind, sodass man auch auf dunkler Bühne alles im Griff hat. Über diese erreichen wir die Funktionsebenen wie Tracks, Launch, Song, Mixer, FX, Projekt, Instrument, Sequenz, Scene sowie die drei Transportbuttons für Record, Stop und Play. Bitte alle diese Begriffe gut merken, sie werden im Laufe des Tests noch abgefragt.
Anschlüsse satt
Die bento verfügt über superviele Anschlüsse: vier Stereo-Audioausgänge (inkl. Kopfhörerausgang), drei Audio-Eingänge sowie je zweimal MIDI In und Out, alle als Miniklinken ausgelegt. Dazu gesellen sich zwei USB-Anschlüsse – einer zur Computeranbindung und Stromversorgung (Device), einer zur Einbindung eines USB-Controllers (Host).
Bei so vielen Anschlüssen wäre eine klar lesbare Beschriftung gut. Leider sind die Anschlussbezeichnungen nur aufgeprägt. Hier sollte man sich mit Aufklebern die Lesbarkeit – und das Leben – einfacher machen.

Im Speicher der bento befindet sich jeweils ein Projekt. Jedes Projekt verfügt über acht Tracks, und es stehen bislang sieben Track-Typen zur Verfügung:

- Multisampled Instruments
- One-Shot (z. B. für Drumkits)
- Loop (für timestretched Audioloops)
- Slicer (für geslicte Loops)
- Granular (entspricht einer nanobox Lemondrop)
- Wavetable (entspricht einer nanobox Fireball)
- External (Einbindung externer Instrumente, ähnlich wie bei Ableton Live)
Um die CPU nicht zu großem Stress auszusetzen, empfiehlt 1010music, nur einen Granular-Synth und maximal zwei Wavetable-Synths pro Projekt einzusetzen. Die Sampling-Engine kennen wir bereits aus der Blackbox, das Reverb entstammt der Bluebox.

Power of Eight
Ein Projekt hält maximal 576 Wave-Files. Ein Song besteht aus acht mal acht Sequenz-Clips, die sich in acht Scenes organisieren lassen. Wir können aber auch – wie in Ableton’s Session View – einfach munter Clips launchen und achtsam jammen.
Ein wenig entzweit die Harmonie allerdings, dass durch die RGB-Pads stets nur 2 × 8 Clips im direkten Zugriff stehen, denn die Zweierreihen werden in vier Schritten durchgeschaltet. Clips in Reihe 2 und 3 sind also z. B. niemals im direkten Zugriff über die RGB-Pads. Wir können die Clips aber auch über den Touchscreen launchen – ein wenig Fingerfertigkeit vorausgesetzt, denn die Clip-Felder sind schmal und klein.

Version 1.3.4
Die ersten Firmware-Versionen der 1010music bento wurden den Erwartungen nicht gerecht, welche das gelungene Hardware-Design geschürt hatte. Hier wurde ein unausgereiftes Produkt zu früh veröffentlicht. Early Adopters fühlten sich als Beta-Tester ausgenutzt, und viel Vertrauen wurde verspielt.
So viel kann ich sagen: Mit Version 1.3.4 (derzeit noch Beta) funktioniert die bento in vielen Bereichen nun endlich wie versprochen und hat auch ein paar neue Tricks im Ärmel.
So kann bento endlich in den SD-Reader-Mode versetzt und vom Computer als USB-Speichermedium gelesen werden. Man muss also nicht mehr umständlich die microSD-Card herausfummeln und dem Computer mit einem externen Card-Reader zugänglich machen. Das macht es so viel einfacher, Backups für bento-Projekte zu erstellen oder bento neue System-Updates zugänglich zu machen.
Endlich gibt’s auch Patch Preview, also das Vorhören von Sounds, bevor man sie lädt. Aber nach wie vor kann man Sounds nicht einfach austauschen: Wird z. B. das Patch des Granular-Synths gewechselt, werden auch alle Sequenzen des Tracks gelöscht. Say whaaaat?!?

More Synths
Mit Version 1.3 kann der Granular-Synth jetzt nanobox-Lemondrop-Presets laden. Außerdem hat 1010music der bento einen Wavetable-Synth spendiert, der dem 1010music nanobox Fireball entspricht – natürlich mit vielen Wavetables.
Der Synth kann sowohl Fireball-Presets als auch eigene WAVs als Wavetable laden, allerdings nur Mono-WAVs in 24 oder 32 Bit. Externe Hardware-Instrumente werden ähnlich wie bei Ableton eingebunden. In- und Outputs für Audio und MIDI werden im Config-Track-Menü eingestellt.
Damit bietet sich bento als zentrale Steuereinheit für kleinere Live-Sets geradezu an und lässt viel Liebe zum Detail aufblitzen: So kann in den Global Settings die Polarität der MIDI-Miniklinken von Type A auf Type B umgeschaltet werden.

Looptracks und Multisample-Instrumente
Eine Looptrack-Spur kann 16 Loops aufnehmen. Theoretisch wären also 8 × 16 = 128 (!) Loops in einem bento-Projekt möglich. Aber warte – die bento kann doch 576 Wave-Files pro Projekt verwalten. Richtig, und die können nötig sein, wenn wir in einen Track ein Multisample-Instrument laden oder mit dem Sample-Wizard selbst erstellen. Spoiler: Das funktioniert super.
Die Polyphonie ist übrigens CPU-abhängig: 24 Stimmen Polyphonie werden von 1010music in Aussicht gestellt. Das ist nicht massiv viel, aber für den Zweck gerade noch ausreichend.

Mixer und Effekte
Im Effekte-Maschinenraum geht es etwas mager zu: Es gibt einen globalen Insert-Effekt (derzeit Chorus, Phaser und Flanger + Distortion) und zwei Send-Effekte (Delay und Reverb), die von den einzelnen Tracks und Pads individuell beschickt werden können. Leider gibt es (noch?) keinen Equalizer, um die Sounds zu bearbeiten, und auch Panning sucht man vergebens.
Spektakuläre Performance-Effekte à la Kaoss-Pad, Octatrak oder Maschine+ sucht man hier ganz vergebens. Immerhin kommen uns hier die bis zu vier Stereo-Audioausgänge zupass, mit denen wir einen externen Mixer beschicken können.
Auf der Mixer-Page finden wir auch den (Master-)Compressor, der uns mit Parametern wie Attack, Release, Threshold, Ratio, Gain, Automakeup und Peak Limit etwas Arbeit beim Abfedern der Transienten abnimmt.

Dreifachmodulation
Bis zu drei Quellen können als Modulation angewählt werden. Bei sample-basierten Instrumenten stehen Velocity, LFO, das Modulationsrad, MIDI-Volume und MIDI-Pan zur Verfügung. Beim Granularsynthesizer gibt es zusätzlich zu Velocity noch Pressure, Envelope 1 und 2, LFO 1 und 2, Mod Seq, Key, Mod Wheel bis hin zu Macro X und Y.

Zentrale Steuerungseinheit
Für viele bedeutet der Verzicht auf einen Laptop weniger Ablenkung, schnelleres Arbeiten und mehr Fokus auf den kreativen Prozess.
Und bento will dank seiner vielen Ins und Outs mehr als eine Groovebox sein – nämlich das steuernde Gehirn für elektronische Setups. Mit umfangreichen Audio- und MIDI-Schnittstellen lassen sich externe Geräte wie Synths, Drum Machines oder Sampler problemlos integrieren. Das Gerät ist darauf ausgelegt, sowohl als Clip-Launcher, Sequencer und Recorder als auch als Steuerzentrale für komplexe Setups zu funktionieren. Ideen lassen sich in Echtzeit festhalten oder direkt in eine Performance einbauen – ohne umständliche Menüführung oder externe Tools.
Dabei lässt bento viel Flexibilität aufblitzen: So kann in den Global Settings die Polarität der MIDI-Miniklinken von Type A auf Type B umgeschaltet werden.
Kleiner Wermutstropfen: Natürlich waren so viele Audio- und MIDI-Anschlüsse aufgrund des kompakten Formfaktors nur mit Miniklinkenanschlüssen zu realisieren. Einige Adapter und Spezialkabel sollten also stets mitgeführt werden.
Auch der interne Sequencer ist vielseitig: Klassische Step-Programmierung, Piano Roll und Funktionen wie Wahrscheinlichkeitsverteilung oder Parameter-Locking ermöglichen komplexe, lebendige Patterns, und der Touchscreen erlaubt Programmierung wie auf Smartphones oder Tablets.
Andererseits gibt es auch hier noch einiges zu verbessern. Aber das schauen wir uns besser im wirklich großen Praxistest an. Holt euch noch schnell einen Kaffee und klickt weiter.










