​Rupert Neve Designs OptoFET – Der doppelte RND

Der Rupert Neve Designs OptoFET bringt zwei klassische Kompressordesigns auf eine Höheneinheit und hat darüber hinaus noch spannende Features zur Klangformung an Bord. Hier erfahrt ihr, ob die graue Kiste im Test überzeugen und dem großen Namen Neve alle Ehre machen kann.

Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • Klang und Verarbeitung auf Neve-typisch hohem Niveau
  • zwei Kompressoren in einem 1HE-Gerät
  • Routing- und Klangformungsoptionen
Contra
  • kein echtes Contra, aber separate Ein- und Ausgänge für beide Sektionen würden das Package richtig perfekt machen

Quick Facts zum RND OptoFET

  • Was ist der RND OptoFet? Der OptoFET vereint zwei Kompressoren in einem Gehäuse und bietet zusätzliche Sättigungsoptionen.
  • Was ist das Besondere am RND OptoFET? Die Kompressor-Sektionen können entweder im Dual Stage Modus seriell hintereinander geschaltet oder im Dual Band Modus zur Multibandkompression verwendet werden.
  • Was ist das Produktversprechen des RND OptoFET? Der Hersteller verspricht, dass dieser vielseitige Kompressor nicht nur mehrere Geräte ersetzen, sondern dabei auch noch Rackspace sparen kann.
  • Was sagt der Test? Der RND OptoFET wird seinem Anspruch voll gerecht und ist viel mehr als „nur“ zwei Kompressoren.

​Aus 2 und 3 mach 1

Machen wir uns nichts vor: DER Opto-Kompressor ist der Teletronix LA-2A und sein FET-Pendant der Urei/UA 1176. Beide sind absolute Studiolegenden und werden seit jeher gerne im Duo verwendet, weil sie sich perfekt ergänzen. Der RND OptoFET will das und noch mehr in einem Gerät vereinen – und das auf nur 1HE im Rack (LA-2A: 3HE / 1176: 2HE).

Die FET-Sektion
Rechts ist der Optikompressor untergebracht

​Konzept des RND OptoFET

Rupert Neve Designs haben den OptoFET „Dual Stage Compressor“ getauft. Die FET- und Opto-Sektionen können einzeln gebypasst, in ihrer Reihenfolge getauscht und sogar im Frequenzspektrum aufgeteilt werden, z.B. die FET-Sektion für alle Frequenzen unterhalb des eingestellten Crossovers und die Opto-Sektion darüber oder umgekehrt – im Prinzip also Multibandkompression.

​Spezielle Features

Darüber hinaus haben Rupert Neve Designs dem OptoFET noch einige praxisgerechte und spannende Features spendiert: Beide Sektionen verfügen über einen eigenen Blend-Regler zur Parallelkompression, ein Sidechain Highpass Filter und ein jeweils anderes kreatives Feature: In der FET-Sektion kann GRIT, in der Opto-Sektion BLOOM aktiviert werden. Beide erzeugen auf unterschiedliche Art harmonische Verzerrungen und werden als Waveshaper vermarktet. GRIT darf sicher als Hommage an den legendären „All Buttons-Mode“ beim 1176 verstanden werden.

​Bedienelemente von FET und Opto

Bis auf die Mittel-Sektion dürfte alles selbsterklärend sein: Pro Sektion stehen gerasterte Regler für Threshold, Attack (FET: 100 µs – 50 ms / Opto: 5 – 50 ms), Release (beide 50 ms – 1,5 s) und Makeup-Gain sowie jeweils zwei unterschiedliche Ratios zur Verfügung: 4:1 und 8:1 beim FET, 2:1 und 5:1 beim Opto. GIT und BLOOM sowie das SC HPF werden jeweils per Knopfdruck aktiviert. ZU guter letzt stehen globale Regler für Input und Output zur Verfügung – letzterer ist wie bei allen RND-Geräten übertragersymmetriert.

​Die Mittel-Sektion

Hier wird es spannend. Neben einem globalen Bypass kann hier per FLIP-Button die Reihenfolge beider Kompressoren geändert werden – sowohl im Dual Stage als auch im Dual Band-Modus. Diesen aktiviert man Mit X-OVER IN und kann den Crossover-Punkt zwischen 50 und 500 Hz stufenlos einstellen.

Die Mittel-Sektion: Alle Einstellungen werden im Betrieb durch die LEDs angezeigt.

​Der RND OptoFET in Praxis und Vergleich

Als Vergleichsinstanzen lasse ich schon mal unseren UA Reissue LA-2A und Urei 1176 Rev. H im Rack aufwärmen und nehme ein Akustikgitarrenfile zur Hand. Ihr Bassbereich ist etwas boomy, ich bin gespannt, wie der RND damit umgeht. Zuerst checke ich ur die FET-Sektion: Attack auf 9 Uhr, schnellste Release, Ratio 8:1, aktivierter SC HPF. Man hört im Vergleich sofort, dass der Urei bei gleicher Kompression mehr pumpt, weil er das komplette Lowend handlen muss.

Der OptoFET im Studio
Audio Samples
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Akustikgitarre unkomprimiert Akustikgitarre RND FET 8:1, SC-HPF Akustikgitarre Urei 8:1


Dann widme ich mich der Opto-Sektion: Attack ebenfalls auf 9 Uhr, wieder schnellste Release, Ratio 2:1. Der Vergleich zum LA-2A zeigt, dass der Kompressionscharakter wirklich sehr ähnlich ist. Anschließend aktiviere ich sowohl das SC HPF als auch das BLOOM-Feature, das subtiler greift als erwartet und das Signal mild verdichtet.

Audio Samples
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Akustikgitarre, RND Opto 2:1 Akustikgitarre LA-2A Akustikgitarre RND Opto 2:1, Bloom, SCH-HP

​Ein Klassiker: Dual Stage für Vocals

Die Kombination aus 1176 und LA-2A ist vor allem auf Rock-Vocals ein Evergreen im Tonstudio. Während die ultraschnelle FET-Kompression Signalspitzen abfängt, verdichtet die gutmütige Opto-Kompression das Signal auf musikalische Weise. Am OptoFET drehe ich den Input auf, um schon den FET heiß anzufahren, justiere Threshold und Makeup-Gain so, dass beide Sektionen 3 bis 5 dB komprimieren. Attack und Release lasse ich unangetastet. Zum Vergleich hört ihr die Vocals durch 1176 und LA-2A.

Audio Samples
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Vocals unkomprimiert Vocals RND FET 4:1 und Opto 5:1 Vocals 1176 und LA-2A

​Crunchtime

Der OptoFET kann bis hierhin absolut überzeugen. Beide Sektionen klingen so, wie man es von einem guten Kompressor der jeweiligen Gattung erwartet, Headroom ist kein Thema und die Bedienung geht schnell und intuitiv von der Hand. Natürlich will ich mich jetzt aber den besonderen Features widmen und „Knöppe drehen“: Die Vocals reichere ich mit etwas Grit an, bei der Gitarre aktiviere ich den Dual Band-Modus und lasse den FET unter 200 Hz und den Opto darüber komprimieren. Zum Schluss nehme ich ein Drum-Dirtmic und pumpe es mit allem auf, was die Kiste hergibt.

Audio Samples
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Akustikgitarre RND FET 4:1 und Opti 2:1, X-Over Vocals RND 4:1 Grit und Opto 2:1 Drums unkomprimiert Drums RND FET 8:1 Grit und Opto 2:1 X-Over

​Da geht was!

Auch wenn ich zugeben muss, dass ich trotz der simplen Bedienung und LED-Statusanzeige in der Mittelsektion im Dual-Band kurz überlegen musste und auch nicht darauf vorbereitet war, dass ich den „GRIT“-Anteil über den Threshold steuere, während die Pegelreduktion sich wie ein Distressor im „British Mode“ verhält: Der RND OptoFET bedient sich kinderleicht und vor allem intuitiv. Für meinen Geschmack genau die richtige Anzahl an Reglern und Features, um nach kurzer Eingewöhnung in Sekunden zu tollen Ergebnissen zu kommen. Wie knackig und aufgeräumt die Akustikgitarre klingt und wie fett und bollerig das Dirtmic – hier ist alles möglich!

​Alternativen

Die offensichtliche Alternative zum RND OptoFET ist der etwas günstigere Black Lion B172A. Was er nicht kann, ist der „Dual-Band“ Modus des OptoFET. Dafür wiederum hat der Black Lion separate Ein- und Ausgänge für beide Sektionen, was der OptoFET nicht hat. Darüber hinaus bleiben nur Nachbauten von 1176 und LA-2A.

​Test des RND OptoFET: Fazit

Ganz ehrlich: Zwei hochwertige Kompressoren mit coolen Extra-Features auf einer HE in Neve-Qualität – was gibt’s da nicht zu mögen? Zumal es das Package zu einem fairen Preis gibt, für den man weder einen originalen 1176 noch einen LA-2A kaufen kann. Natürlich landet man mit guten Clones beider Geräte in ähnlichen Preis-Gefilden, hat aber die smarten Extra-Features des OptoFET nicht. Zusätzliche Ratios habe ich nicht vermisst, da man mit dem Blend-Regler gegensteuern kann. Separate Ein- und Ausgänge für beide Sektionen wären das i-Tüpfelchen gewesen, aber die Stärke des OptoFET liegt ja gerade in der Kombination aller Features. Langer Rede kurzer Sinn: Wer an der Kompressorfront nicht schon allumfassend abgedeckt ist, sollte das Ding antesten!

  • Dual Stage Kompressor mit FET- und Opto-Sektion
  • Dual Band Modus mit variablem Crossover von 50 – 500 Hz
  • Reihenfolge der Sektionen kann per FLIP getauscht werden
  • Attack, Release, Threshold, Gain und Blend über gerasterte Potis in 41 Schritten einstellbar
  • Attack-Zeiten: 100 µs – 50 ms (FET), 5 ms – 50 ms (Opto)
    Release-Zeiten: jeweils 50 ms – 1,5 s
  • Blend-Regler für Parallel-Kompression pro Sektion
  • Sidechain Highpass Filter bei 125 Hz pro Sektion
  • Bloom- und Grit-Schaltung für harmonische Sättigung
  • am Ende
  • hergestellt in: Deutschland
  • Webseite: rupertneve.com
  • Preis: € 2159,– (Straßenpreis am 23.03.2026)
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