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Test
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24.05.2019

tc electronic TC2290-DT Test

Delay-Plugin mit Remote

Der schönste Dongle der Welt?!

Früher war nicht alles schlecht: Delays zum Beispiel. Die waren gerade in den 80ern richtig gut und in Form dicker 19-Zoll-Kisten entsprechend „en vogue“. Je mehr man davon hatte, umso weiter oben stand man in der Nahrungskette. Das TC 2290 und auch das Korg SDD-3000 waren solche Boliden, die entsprechend auch heute noch gern genutzt werden.

Auf dem Gebrauchtmarkt muss man für diese Teile aber entsprechend ordentlich abdrücken, Vintage-Delays sammeln ist also kein günstiges Hobby. Hersteller, die solche Geräte wieder aufleben lassen, sollte man also feiern – aber irgendwie wollen uns die Hersteller einfach nicht 1:1 geben, wonach wir dürsten. Und so gab es das Korg SDD-3000 auch nur als Pedal und das TC 2290 bisher nur halbherzig als TC D-Two. Ja, und jetzt gibt es das TC2290-DT. Plug-in, Remote, Dongle? Wir finden es heraus!

Details

Geschichtsstunde

Das Digitaldelay TC Electronic 2290 (19 Zoll, 2 HE) wurde 1985 eingeführt und bis ins Jahre 2005 grundsätzlich unverändert weiter produziert. Damit war es eines der am längsten produzierten Rackeffektgeräte überhaupt und eines der beliebtesten Delays sowieso.

Das lag aber nicht nur an der maximalen Verzögerungszeit von 32 Sekunden, sondern vor allem an den vielen Modulationsfunktionen und der fantastischen Klangqualität. Ein echter Industriestandard also.

Alles neu, macht der Uli

Es ist kein Geheimnis mehr: TC gehört mittlerweile zur Music Group und damit Uli Behringer. Und der hat Business im Blut und TC auch endlich aus seinem etwas elitären Winterschlaf geholt. Algo-Know-how haben die Dänen ja nicht erst seit TC Works, aber seit dem System 6000 blieben die großen Studioknaller eben leider aus. 

Nun also eine Plug-in-Serie, welche natürlich teilweise auch wieder die Algorithmen des Reverb 6000/M5000 aufwärmt. Kombiniert wird das Ganze mit kleinen Hardware-Units, die nicht nur als Controller und Remote fungieren, sondern vor allem auch als Dongle dienen. Ähnlich, aber eben nicht direkt vergleichbar mit der Console 1 von Softube

Und so gibt es für jedes Plug-in auch eine eigene Hardware und neben dem TC2290-DT den „Spatial Expander + Stereo Chorus/Flanger“ TC1210-DT, ein „Best-of der TC-Reverbs“ mit dem TC8210-DT und ein „Digital Vintage Reverb“ TC DVR250-DT (Emulation des legendären EMT 250, besser bekannt als „Weltraumheizung“).

Allesamt sind das schicke kleine Kisten mit Micro-USB-Anschluss und für die Formate VST2, AU und AAX Native sowie für Betriebssysteme ab Windows 7 und macOS 10.10.

Don’t copy me

Dongle? Ihr habt richtig gehört. Leider. Der Hauptzweck der kleinen schicken schwarzen Kisten ist und bleibt ein nerviger Kopierschutz. iLok probiert es zwar mittlerweile ohne – TC/Behringer hingegen reisen „zurück in die Zukunft“ und verpassen ihren Plug-ins wieder einen physischen Kopierschutz. Na ja, wie dem auch sei: Ohne sie funktionieren die Plug-ins nicht richtig – und das hat zwei offensichtlich mehr als gewollte Gründe.

Zum einem bieten die Plug-in-GUIs nur einen Bruchteil der Bedienelemente und können auch nur mit der Hardware richtig bedient und editiert werden. Zum anderen fragt das Plug-in regelmäßig nach der Hardware – zum Glück aktuell nur alle 60 Tage. Das Plug-in könnt ihr dafür aber auf beliebig vielen Maschinen installieren und nutzen. Den Mix auf dem Laptop ohne Hardware-Remote in den Urlaub mitnehmen ist also möglich, ihr könnt dann aber leider nur eingeschränkt Parameter verändern. Presets durchballern geht allerdings auch ohne Hardware und davon gibt es wirklich mehr als genug!

So fern und doch so nah

Wie man sieht, ist das GUI-Design des TC2290-DT Plug-in von der Optik der alten Hardware inspiriert, ja eigentlich sehen sogar alle neuen Kistchen so aus. Das virtuelle Layout ist jedoch ein gänzlich anderes und einen Expert-Mode oder Ähnliches gibt es auch nicht. Warum, bleibt mir ein Rätsel. Das Plug-in lässt sich also wirklich nur über die Hardware richtig bedienen, was in der Praxis überraschenderweise aber dann doch gar nicht so umständlich ist, wie es sich anhört. Man kann so natürlich auch mehr als eine Instanz nutzen und bedienen, am Gerät wechseln kann man dann aber wieder nicht. Das geht auch nur mit einem Klick ins Plug-in und mit Griff zur Maus. Aber auch das ist in der Praxis durchaus verschmerzbar. 

Und zur Sicherheit: In der Hardware selbst wird nix berechnet, entsprechend gibt es auch keine Audio I/Os oder dergleichen – die Micro-USB-Buchse ist die einzige Buchse am Gerät. Die Hardware ist einwandfrei verarbeitet und hinterlässt einen überraschend hochwertigen Eindruck. Sie liegt gut in der Hand, steht dank der Gummifüße aber auch nicht sicher auf dem Produktionstisch. Trotz des Mini-Formfaktors (13,5 x 10,9 x 4,3 cm) ist die Remote einwandfrei zu bedienen und selbst dickere Wurstfinger sollten unbeabsichtigt keine zwei Tasten drücken. Außerdem ist sie zum Nutzer geneigt, aus Metall gefertigt und entsprechend 400 Gramm schwer. Ebenfalls schick sind die feinen Pegelanzeigen für den Stereo-Ein- und -Ausgang.

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