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Test
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16.12.2020

Korg Opsix Test

FM-Synthesizer

Wie renoviert Korg das klassische FM-Konzept für die Gegenwart?

Den aktuellen Korg Opsix Synthesizer haben wir erst kürzlich in einer exklusiven Test Preview vorgestellt. Jetzt unterziehen wir den neuen FM-Synthesizer einem detaillierten Test und starten nochmals mit den wichtigsten Fakten: Digital Synthesizer, FM-Synthese (und mehr) mit sechs Operatoren, Filter, Effekte, Sequenzer und Arpeggiator. Slogans wie „FM neu gedacht“, oder „Altered FM“ lassen natürlich aufhorchen – wir sind gespannt womit der Opsix trumpfen möchte.

Details

Auspacken

Der Korg Opsix besitzt den gleichen Formfaktor wie schon der Korg Wavestate Synthesizer, somit ist er auch sehr leicht, kompakt und angenehm zu transportieren. Kompaktheit und Preis fordern an manchen Stellen ihren Tribut, denn an dem Instrument wurde viel Kunststoff verbaut und die Tastatur reduziert sich auf einen Tonumfang von (nur) 37 Tasten in Normalgröße. Alles in allem vermittelt Opsix einen stabilen Eindruck in Verbindung mit einem eher konservativen Äußeren.

Das Bedienfeld

Die Bedienoberfläche des Synthesizers wirkt sehr aufgeräumt und wird auf der linken Seite vom Operator-Mixer und den dazugehörigen (Schiebe)-Reglern dominiert. In der Mitte sitzt das Display mit dem Programmwahl-Regler und rechts die sechs Eingabe-Elemente, deren Funktion je nach aufgerufener Seite variiert. 

Wieder darunter befinden sich sechs Taster, welche die verschiedenen Funktionseinheiten des Opsix abrufen. Die untere Hälfte zieren 16 Taster für die Sequenzer-Steps; sie dienen gleichzeitig als Abrufeinheit für die 4x 16 Favorites, die man nach Belieben füllen kann. Das Display stellt im Normalfall sechs Parameter (zwei Dreierreihen) dar, die mit den sechs Reglern korrespondieren.  

Korg Opsix – FM und mehr!

Grundstein der FM-Tonerzeugung, die bereits Yamaha im Jahr 1983 mit dem DX7 etablierte, sind 6 Operatoren, die in 40 Algorithmen organisiert sind. Weitere Varianten kann der Anwender selbst definieren (!). Jedem Operator wird eine aus einem Fundus von 21 Schwingungsformen (Sinus, Rechteck Sägezahn u.v.m.) zugeordnet. Es stehen also nicht nur ein Sinus, sondern direkt viele schon mehr oder weniger obertonreiche Schwingungen zur Verfügung. Da bei der FM-Synthese das Level eines Operators (wenn er Modulator ist) von klanglicher Bedeutung ist, besteht ein Operator quasi aus einem Oszillator und einer Hüllkurve. Dies gilt es im Hinterkopf zu behalten. Bevor es in die Tiefe geht, sollten wir uns mit dem Operator-Mixer befassen, der ohne Zweifel ein Highlight des Korg Opsix ist.

Der Operator Mixer

Der Operator Mixer umfasst sechs Schieberegler sowie sechs Drehregler und ermöglicht einen sehr direkten, intuitiven und ebenso nachvollziehbaren Eingriff in die Klangstruktur. Der eigentliche Knaller ist, dass man damit in den Sound eingreifen kann, ohne tiefergehende Kenntnisse über FM haben zu müssen. Das befreit einen FM-Synth etwas von dem Vorurteil, „nur eine Presetschleuder“ zu sein. Das Prinzip ist ganz einfach: Zwei entscheidende Parameter werden auf die oberste Bedienebene gehoben. Mit den Schiebereglern bestimmen wir nichts anderes als die Amplitude (Level) jedes einzelnen Operators mit dem Effekt, dass je nach Algorithmus die Modulationsintensität oder die Lautstärke eines Operators beeinflusst werden.

Damit man als Anwender stets darüber informiert ist, welche Funktion ein Operator hat, wechselt sowohl die LED-Beleuchtung der Schieberegler, als auch die der Drehregler entsprechend: „Blau“ bedeutet „Carrier“ und „Rot“ kennzeichnet einen Modulator. Man weiß also stets, ob man mit einem Regler den Klang oder die Lautstärke beeinflusst. Es gibt noch Spezialfälle, bei denen ein Operator gleichzeitig Carrier und Modulator ist, was dann mit „Lila“ angezeigt wird. Die farbliche Kennzeichnung gilt zusätzlich für die sechs Ratio-Regler, welche die Tonhöhe der Operatoren beeinflussen. An dieser Stelle ist die Veränderung der Tonhöhe (nur) im Verhältnis (Ratio) 1:1, 2:1, 3:1, …n:1 zum Grundton möglich, was der harmonischen Obertonreihe entspricht. Andersherum lässt sich die Stimmung eines Operators auch oktavweise nach unten bewegen. Diese „Einschränkung“ ergibt an dieser Stelle Sinn, da der Operator-Mixer ja nur einen vereinfachten Zugang verschaffen soll. Auf der Menüseite „Pitch“ (s. u.) kann die Stimmung feiner bearbeitet werden.

Mehr als FM

Kein Zweifel, die Frequenzmodulation steht beim Opsix im Vordergrund. Trotzdem erweitern weitere Syntheseformen bzw. Operatoren-Modi das klangliche Spektrum in interessanter Weise. Das müssen wir uns jetzt nicht so vorstellen wie beim Waldorf Iridium, der vollkommen verschiedene Synthesen vereint. Hier sind es doch eher Varianten, die klanglich bereits Verwandtschaften haben. Je nach Art wechseln zudem die Parameter im Display, wobei jedoch nie mehr als eine Page belegt ist. Und, ganz wichtig: Diese Auswahl kann je Operator unterschiedlich sein.

Ring Modulation

Hier wird nicht die Frequenz moduliert, sondern die Amplitude. Machen wir das mit einem LFO, dann entsteht ein Tremolo. Geht die Frequenz des Modulators in den Audiobereich, dann bildet sich in Form eines „Hochgeschwindigkeits-Tremolos“ (O-Ton Korg) eine eigene Klangfarbe, die sich wie FM für metallische sowie glockenartige Sounds eignet.

Filter FM

Filter FM, die Modulation der Cutoff-Frequenz des Filters. Mit einem LFO generieren wir so etwas wie einen Wah-Wah-Effekt. Auf hoher Frequenz entsteht damit ein eigener Klang. Auch dies ergibt ungewöhnliche, metallische und sogar verzerrte Sounds, die FM ähneln, aber ihren eigenen Charakter haben. Wie im Hauptfilter stehen hier elf Filter-Varianten zur Wahl.

Wavefolder

Der Wavefolder sorgt für aggressiven und einen verzerrten Sound, da er Schwingungsformen ab einem bestimmten Level (Threshol/Gain) „runterklappt“ und spiegelt. 

Filter

Das Filter ist im Prinzip eine VA-Engine mit verschiedenen Filtertypen, Cutoff und Resonance.  Schaltet man z. B. nur zwei Operatoren als Carrier aktiv, könnte man da z. B. zwei Sägezahnschwingungen mit Filter programmieren.

Journey to the Center of the Korg Opsix Universe

Die Reise beginnt mit dem Algo/Home-Button. Wir sehen den aktuellen Algorithmus im Display und können das Angebot mit dem ersten Regler variieren. An dieser Stelle sollte man einfach bei einem Preset-Sound alle Varianten durchhören, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche klanglichen Veränderungen die verschiedenen Algorithmen zur Folge haben. Hier begegnet uns bereits mit den Parametern Attack und Decay die erste Hüllkurve, die auf den Gesamtklang wirkt. Gleichzeitig kann man hier jeweils die Effekttiefe von Chorus, Reverb und dem 3-Band-EQ verändern. 

Sechs Funktionsebenen

Weitere Parameter des Korg Opsix verteilen sich auf sechs Funktionsbereiche, welche über die sechs Taster, die sich unterhalb der bereits angesprochenen Regler befinden, abgerufen werden. Diese Taster haben Doppelfunktionen, die man über Druck auf die Shift-Taste erreicht. Dazu kommen wir später. Die Funktionen der ersten drei Taster betreffen dabei Parameter, die sich auf jeden einzelnen Operator separat beziehen. Die Parameter der weiteren drei Bereiche beeinflussen den Gesamtklang. 

Modus (separat für jeden OP)

Das Display zeigt den aktuellen Algorithmus, der angewählte Operator wird weiß gekennzeichnet. Die Operator-Nummer wird nicht mit Ziffern dargestellt, sondern mit Punkten nach Art eines Würfels. 

Modus bestimmt die Art der Synthese (FM, Wave Folder etc.). In Abhängigkeit davon wechseln die möglichen Parameter. Dazu wählt man hier die passende Schwingungsform aus einer Liste von 21 Möglichkeiten.

Pitch (separat für jeden OP)

Bestimmt und moduliert die Tonhöhe eines Operators. Coarse ist dabei identisch mit dem Regler Ratio im Operator-Mixer. Etwas missverständlich mag die Tatsache sein, dass man ein- und denselben Parameter im Mixer mit „Ratio“ und im Modus mit „Coarse“ bezeichnet. Ergibt nicht wirklich Sinn. Egal, dazu lässt sich die Tonhöhe in Halbtonschritten und zusätzlich fein justieren. Hinzu kommt noch ein Detune-Regler. Wie wir wissen, verändert das Tuning bei einem Modulator entscheidend das Klangbild. Gehen wir vom ganzzahligen Vielfachen ab, dann erzeugen wir unharmonische Obertöne, die bei vielen FM-Klangfarben den Reiz ausmachen. Gerade hier sollte man mal ausgiebig experimentieren.

Entscheidend ist dann der dynamische Verlauf der Stimmung, wofür LFO1 und EG1 (ADSR-Form) bereitstehen. Hier muss man etwas bedenken: Die Einstellungen von LFO1 und EG1 sind für alle Operatoren identisch, lediglich die Modulationsintensität ist individuell. Ebenso lässt sich Velocity hinzuschalten – entweder auf Fine oder auf Coarse (Ratio). 

Level/EG (separat für jeden OP)

Dieser Bereich bemüht sich um das Level (Amplitude) jedes Operators, wobei der Parameter „Level“ wiederum identisch mit dem Fader des Operator-Mixer ist. Geht es um die Amplitude, benötigen wir zur Steuerung eine Hüllkurve (ADSR). Hier aufgepasst! Diese ist nicht identisch mit EG1 aus der Pitch-Sektion und ist für jeden Operator separat einstellbar! Aus diesem Grund wird die Hüllkurve an dieser Stelle auch grafisch dargestellt und kann zusätzlich von linear auf exponentiell umgestellt werden. Und nochmals gedanklich zurück: Die Level-Änderung eines Modulators erzeugt Klangveränderungen!

Diese Funktionseinheit beinhaltet aber noch weitere Seiten. Das Level eines Operators lässt sich ferner in Abhängigkeit des Key-Trackings setzen, womit man beispielsweise die Modulation eines Operators im Tastaturverlauf verstärken oder abschwächen kann. Jetzt fehlen nur noch die Einstellungen der Velocity und die Intensität der Modulation durch LFO1.

Mod (Modulation) – Gilt für alle Operatoren gleich

Wir haben gesehen, dass bei den drei vorangegangenen Bereichen die Werte von LFO1 und EG1 für alle Operatoren gleich sind, nur die Intensität der Modulation ist individuell einstellbar. Diese Sektion sorgt sich um die Parameter der drei Hüllkurvengeneratoren (EG1-3) und der drei LFOs (1-3). Werksseitig liegt EG1 auf der Tonhöhe der Operatoren, EG2 auf dem Filter und EG3 ist frei zuweisbar. Im gleichen Modus ist die Anordnung der drei LFOs zu sehen. Auch hier steht bei den EGs die ADSR-Variante und eine grafische Darstellung zur Verfügung. Die Auswahl der Schwingungsformen der LFOs ist mehr als erschöpfend, die sich zudem syncen lassen.

Filter – Wirkt auf den Gesamtsound

Hat man den Klang mit FM und Co. erstellt, so kann dieser – wie bei der subtraktiven Synthese – noch durch ein Filter mit Cutoff und Resonance bearbeitet werden, was die klangliche Vielfalt des Opsix natürlich wunderbar abrundet. Wie von Korg nicht anders zu erwarten, beschränkt man sich nicht auf ein einfaches LowPass-Filter, sondern hat dem Instrument eine große Filterauswahl mit auf den Weg gegeben. Darunter befinden sich 6-, 12- und 24-dB-Varianten, bis hin zu einer Emulation des Korg MS-20 Filters inkl. Keytracking und umfangreicher Filtermodulation.

Effekte – Wirken auf den Gesamtsound

Wem das alles nicht reicht, der kann noch bis zu drei Effekte dazugeben. Und hier ist die Auswahl äußerst umfangreich. Je nachdem, welchen Effekt man abruft, stehen bis zu vier Parameter je Effekt-Typ bereit.

Zur Wahl stehen: Chorus, Ensemble, Phaser, Phaser BPM, Auto Pan, Auto Pan (BPM), Flanger, Flanger (BPM), Rotary Speaker, Auto Wah, Exciter, Enhancer, LFO Filter, 3Band-EQ, Distortion, Guitar Amp, Decimator, Grain, Limiter, Compressor Delay, Delay BPM, Autopan Delay, Autopan Delay (BPM), Tape Echo, Early Reflection, Reverb, Shimmer Reverb, Spring Reverb. Noch Fragen? Je nach Effekt gibt es einen Level- oder einen Dry/Wet-Regler.  

+ Weitere Pages +

Wie bereits erwähnt, haben die Auswahltaster Doppelfunktionen, die man durch Druck auf die Shift-Taste erreicht:

V.Patch

V.Patch = Virtual Patch oder anders gesagt, die Modulationsmatrix mit dem erwarteten Aufbau: Links stehen die Modulationsquellen, rechts die Modulationsadressen. Dazwischen wird die Intensität der Modulation eingestellt. Dafür stehen dann je Programm zwölf Slots zur Verfügung. Ja, man muss die Zuordnung „zu Fuß“ machen, ein automatisiertes Patching ist nicht möglich. Da die Liste der Quellen und Adressen umfangreich ist, benötigt die Programmierung schon eine gewisse Zeit. Dafür lässt sich dann eigentlich alles modulieren, was irgendwie Sinn ergibt. Das geht bis dahin, dass man z. B. die LFO-Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der Anschlagdynamik setzen kann. Und ja, man muss dann immer den nächsten Slot aufrufen, um eine weitere Verbindung herzustellen.

Der Arpeggiator

Der Arpeggiator arbeitet wie man es erwartet. Sieben Patterns stehen zur Wahl, auch Latch ist möglich.

Das Tempo regelt man über Tap auf der Bedienoberfläche. Will man die BPM einstellen, muss man (leider) in das Arpeggiator-Menü. Die Vorgehensweise finde ich bei dieser Funktion umständlich, das hatte mich schon beim Wavestate ein wenig gestört.

Der Sequenzer

Die Funktionalität des Opsix-Sequenzers geht deutlich über das hinaus, was man normalerweise von einem Sequenzer-Add-on bei Synthesizern erwartet. Da wird man schon nach kurzer Zeit bedauern, dass der Opsix nur über maximal 16 Steps verfügt. Die Aufnahme erfolgt in Realtime oder Step-by-Step. Leider nicht mit verschiedenen Klangfarben, da das Instrument nicht multitimbral arbeitet. Dabei sind Overdubs möglich, bis die maximale Stimmenzahl von sechs erreicht ist.

Positiv überrascht hat mich die Auflösung der Realtime-Aufnahme. Hier ist „Echtzeit“ jetzt keine Floskel.  Der Bereich konkurriert sicherlich nicht mit der Auflösung einer DAW, aber selbst Trigger Glissandi und andere schnelle Tonereignisse werden übernommen, und man wird nicht auf 16tel oder 32tel quantisiert. Dazu gesellt sich dann noch die Möglichkeit, das Geschehen zu quantisieren. Bei der Tempoeinstellung gilt übrigens das Gleiche wie beim Arpeggiator.

Festhalten lassen sich nicht nur Töne, auch die Aufzeichnung von Parameterbewegungen (Motion-Sequenzer) in bis zu sechs Lanes ist möglich. Aufnahme und Play erfolgen auf der obersten Ebene, für eine tiefergehende Programmierung muss man schon in die Untermenüs eintauchen. Die Sequenzen werden übrigens mit dem Programm abgespeichert. Das Manko, nur 16 Steps zur Verfügung zu haben, wird dadurch relativiert, eine laufende Sequenz über die Tastatur transponieren zu können. Das ist dann so eine Art Live-Song-Mode.

Voice

Die Voice-Parameter erlauben auch ein monophones Spiel, z. B. für Lead-Sounds, u. a. mit Portamento. Dazu können bis zu acht Stimmen übereinandergelegt und gespreizt werden, was einen deutlich fetteren Klang ergibt.

Global

Im Global-Menü wird die Gesamtkonfiguration des Synthesizers vorgenommen.

Speicherplätze

Die Programme werden mit dem Endlosregler neben dem Display aufgerufen. Insgesamt 500 Speicherplätze stehen zur Verfügung, wovon 250 bereits ab Werk – allerdings überschreibbar - belegt sind. Um z. B. von Program #12 auf Program #456 zu springen, muss man in Kauf nehmen, den ganzen Bereich dazwischen scrollen zu müssen. Für die Bühne bedient man sich dann der 4 x 16 Favorites, die über die 16 Taster oberhalb der Tastatur abrufbar sind. Verändert man ein bestehendes Programm, kann man ohne Probleme wieder auf dessen Ursprungseinstellung zurückkommen. Ferner stehen für die eigene Programmierung Init-Programs und Templates zur Verfügung.

Anschlüsse

Die Anschlussseite des Opsix ist schnell besprochen. Diese befindet sich auf der Rückseite des Instruments und liefert 5-Pol Din MIDI In/Out, USB-B, 2 x Line-Out (Klinke), Kopfhörer, Pedal und den Anschluss für das mitgelieferte Netzteil.

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