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Test
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26.01.2017

ZT Amplifiers Lunchbox Acoustic Test

Akustik Combo

Henkelmann

Der Lunchbox Acoustic Combo zählt sich zu den Verstärkern im Handtaschenformat, die sich mittlerweile einen festen Platz auf der Bühne erobert und ihren Nimbus als reine Übungsverstärker abgelegt haben. Der Aufstand der Zwerge begann schon vor Jahren mit den Amps von Polytone (Mini-Brute), AER (Compact), Roland (AC) und einigen mehr.

Auch ZT Amplifiers, ein Hersteller aus Kalifornien, bietet in Sachen Kleincombo inzwischen mit der Lunchbox Junior, dem Club und der Lunchbox Electric drei leistungsfähige Mini-Verstärker für den Elektrogitarristen. Auf der Basis der Lunchbox Electric hat ZT nun die Lunchbox Acoustic entwickelt, die sich heute zum Überlebenstraining im bonedo-Studio eingefunden hat.

Details

Überblick

Gut verpackt im quaderförmigen Kunststoff-Chassis mit den Maßen 192 x 249 x 196 mm (H x B x T) möchte auch unser aktueller Testkandidat uneingeschränkte Mobilität mit dem ultimativen Klang verbinden. Die Lunchbox Acoustic tritt mit zwei getrennt regelbaren Kanälen an, um einem Sänger und/oder Instrumentalisten daheim und/oder unterwegs die überlebenswichtigsten Tools an die Hand zu geben. Eine leistungsfähige Transistorendstufe treibt einen kleinen 6,5" Breitbandlautsprecher (Custom Ultra-High Performance Speaker) nach vorne. Da der Speaker auch sehr hohe Frequenzen überträgt, wurde dem Amp kein separater Hochtöner implantiert. Zerrsounds kann man dem Amp jedoch nicht entlocken. Aber das ist auch nicht der eigentliche Sinn eines Akustikverstärkers. Der soll im Gegenteil das Signal, das ein Tonabnehmer oder eine Stimme generiert, nach Möglichkeit klar und linear transportieren, weshalb unser Testmodell auch eher den Vergleich mit einer Hi-Fi-Anlage zulässt, auch wenn es nur mit einem Speaker bestückt ist und in mono verstärkt.

Mit einer Ausgangsleistung von 200 Watt dürfte unser Henkelmann auch in größeren Räumen nicht verhungern. Auch ist die Endstufe mit dieser Leistung keinesfalls überdimensioniert, sondern nutzt das große Potential, um auch bei größerer Lautstärke genügend Reserven zu haben, um clean zu bleiben. Eigentlich schade, dass man dem Amp keine Batterien implantiert hat, denn auch Einkaufsstraßen oder Fußgängerzonen könnte er mit einer derart großen Ausgangsleistung zumindest partiell beschallen. Zum reinen Stubenhocker sollte man die Lunchbox deshalb aber nicht degradieren, obwohl sie natürlich auch als Übungsverstärker einsetzbar ist. Dabei sollte man bedenken, dass ein Akustikverstärker meist erst dann zum Einsatz kommt, wenn das Natursignal einer Akustikgitarre oder Stimme zu schwach bzw. zu leise ist oder wenn Effekte essentieller Bestandteil einer Performance sein sollen. Das Natursignal einer Vollakustikgitarre kommt in der guten Stube in der Regel auch ohne Verstärkung aus.

Details

Die Lunchbox wirft 5,4 kg in die Waagschale, kaum mehr als eine dicke Akustikgitarre mit Koffer und deshalb ist der Transport auch kein Fall für Zwei. Mit dem Kunststoff-Henkel an der Oberseite lässt sich der Combo auch einhändig von A nach B bewegen. Mit dem Chassis sollte man aber möglichst nicht anecken, denn das abgerundete Gehäuse verfügt nicht über die notwendigen Protektoren. Eine Schutzhülle o. ä. gehört aber auch nicht zum Lieferumfang. Auch wird der kleine Speaker nur notdürftig von der Stoffbespannung geschützt, die höchstens als Staubfänger taugt. Zugang zum Speaker erhält man auch ohne Schraubenzieher, denn der aufgesteckte Rahmen an der Vorderseite lässt sich problemlos entfernen. Auf einen Mikrofonständer kann der Anwender den Amp leider nicht aufbocken, weil die entsprechende Gewindebuchse an der Unterseite fehlt. Ansonsten ruht der Amp stabil auf vier Gummifüßen und macht im cremefarbenen Chassis mit Holzoptik einen tadellosen und wertigen Eindruck.

Das Bedienfeld

Zwei getrennt regelbare Kanäle ermöglichen den gleichzeitigen Betrieb eines Mikrofons und eines Instrumentes (Akustikgitarre, Mandoline, Violin etc.) oder ggf. auch von zwei Instrumenten mit magnetischen und/oder piezokeramischen Tonabnehmern. Das Paneel, unsichtbar für den Zuschauer an der Oberseite gelegen, ist logisch gegliedert. Dort findet man sämtliche Potentiometer übersichtlich in Zweierreihen angeordnet und identisch für beide Kanäle (Gain, Bass, Treble, Reverb) ausgelegt. Die gummierten Drehknöpfe sind beschriftet und gut lesbar, wenn man vor dem Lautsprecher steht. Ein Klinkeneingang (6,33 mm) für das Instrument wartet an der Oberseite ganz links auf Anschluss. Die Basiseinstellungen für den Instrumentenkanal werden mit vier Potis in der oberen Reihe vorgenommen. Gain bestimmt den Pegel des Eingangssignals, die tonale Feinabstimmung erfolgt mit einem 2-Band EQ (Bass, Treble). Wer jetzt auf ein üppiges 5-Gänge Menü mit zuschaltbaren Effekten wartet, der wird in dieser Hinsicht auf Diät gesetzt, denn lediglich ein Reverb im Stil eines Plattenhalls dient als Geschmacksverstärker. Die Effektstärke wird mit dem entsprechenden Poti geregelt.

Der Mikrofonkanal in der unteren Reihe bietet einem verwöhnten Sänger ebenfalls eher Diätkost. Ob sich mit einem 2-Band EQ ein differenziertes Bild der Stimme erstellen lässt, wollen wir noch offen lassen.

Zwei Mikrofoneingänge befinden sich an der Rückseite des geschlossenen Chassis. Dort kann man wahlweise einen Klinkeneingang (6,33 mm) oder einen symmetrischen XLR-Eingang belegen, der mit einem Schalter bei Bedarf Kondensatormikrofone per Phantomspeisung mit Energie versorgt. Im Bedarfsfall könnte der Klinkenkanal statt eines Mikrofons auch zur Verstärkung eines zweiten Instrumentes dienen. Ein Umschalter für Instrumente mit hoher oder niedriger Impedanz braucht das Gerät nicht, laut Hersteller kann nahezu jedes Eingangssignal mit dem weitreichenden Gainregler optimal angepasst werden. Ein Feedback-Cut-Regler an der Oberseite schneidet per Notch-Filter die Frequenzen aus dem Klang, die üblicherweise für Rückkoppelungen bei Akustikgitarren verantwortlich sind. Und last, but not least bestimmt der Volume-Regler die Ausgangslautstärke des kleinen Verstärkers. Mangelnde Flexibilität kann man unserem Probanden also nicht unterstellen.

Zudem zeigt sich die Rückseite ebenfalls extrem praxisorientiert und vereint auf kleinstem Raum diverse nützliche Ausstattungsmerkmale und Tools.

Serieller Effektweg

Mit den üblichen Send- und Return-Klinkenbuchsen lassen sich externe Effekte einschleifen, sodass der Klang mit Echo, Chorus, Delay und weiteren Effekten gewürzt werden kann. Da kein zusätzlicher Regler zur Verfügung steht, müssen Intensität und Mischverhältnis der angeschlossenen Effekte am externen Gerät selbst angepasst werden. An der Send-Buchse lässt sich übrigens bei Bedarf das Signal wie bei einer DI-Box auch für PA oder Aufnahme-Equipment abgreifen.

Aux-In

Mit einem Playback könnte die Performance auch noch unterstützt werden. Der Amp kommuniziert nämlich auch mit externen Geräten wie z.B. Smartphones, Computer oder CD-Player. Mit einer kleinen Stereoklinke kann man den Aux-Eingang füttern. Auch das Aux-In Signal wird am Ausgang des externen Gerätes gepegelt.

Kopfhörer-/Line-Ausgang

Über den an der Rückseite implantierten Kopfhöreranschluss freuen sich auch die Nachbarn, vorausgesetzt, man ist im Besitz einer Thinline-Akustikgitarre, die nur mit minimalistischer Naturlautstärke aufwartet. Der interne Lautsprecher wird aber nicht automatisch abgeschaltet, wenn der Eingang belegt wird. Funkstille herrscht erst dann, wenn der Volume-Regler an der Oberseite auf Null zurückgesetzt wird. Ein Volume-Regler an der Rückseite bestimmt die Lautstärke des Kopfhörers.

Andererseits dient der Kopfhöreranschluss bei Bedarf auch als Linie-Out und liefert ebenfalls das Signal an Aufnahmegerät oder Mixer. In diesem Fall passt der rückseitige Volume-Regler das Ausgangssignal an. Der Master-Volume-Regler an der Oberseite hat keine Auswirkungen auf die Lautstärke des Line-Out-Signals.

Lautsprecherausgang

Abgerundet wird das Ganze mit einem Lautsprecheranschluss, der die Lunchbox erheblich aufwertet, wenn man gegen E-Gitarren und Schlagzeug ankämpfen muss. Der interne Speaker wird aber erst abgeschaltet, wenn ein kleiner Kippschalter an der Rückseite von intern nach extern umgelegt wird. Zwei Lautsprecher können nicht gleichzeitig in Betrieb genommen werden.

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