Drums Hersteller_Zildjian
Test
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08.08.2016

Zildjian A Avedis 2016 Cymbals Test

Becken Serie

A wie Avedis

Die amerikanische Beckenfirma Zildjian bringt eine neue Beckenserie heraus, benannt nach dem Inhaber und Geschäftsführer Avedis Zildjian. Moment, da stimmt doch was nicht, die Avedis Serie gibt es doch schon lange, außerdem ist Avedis Zildjian der Dritte doch schon 1979 hochbetagt gestorben? Sehr richtig, allerdings ist es gerade absolut en vogue, einer bewegten Markengeschichte durch das Herausbringen alter Klassiker Tribut zu zollen. Bei der neuen A Avedis Reihe (die regulären Modelle heißen offiziell A Zildjian) handelt es sich demnach um optisch und technisch auf alt getrimmte Instrumente, die sich an jenen Modellen orientieren sollen, die Avedis Zildjian ab den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hat, um sein Unternehmen auf die wachsende Nachfrage nach Drumset-Becken vorzubereiten.

Bis zu dem Zeitpunkt wurden Becken nämlich in erster Linie im Marching- und Klassikbereich verwendet, in der Popularmusik waren sie als Puls- oder Akzentinstrumente noch eher wenig verbreitet. Das änderte sich mit der rasant steigenden Beliebtheit des Jazz in Amerika. Avedis Zildjian erkannte den Trend und arbeitete intensiv mit den damals aufstrebenden Jazzdrummern wie Papa Jo Jones und Chick Webb zusammen. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Becken der Avedis-Serie immer wieder an die musikalischen Trends angepasst und um neue Modelle erweitert. Mit der A Avedis Serie stellt man nun eine kompakte Modellreihe vor, die sich zwar technisch an den regulären, modernen A Zildjian Becken orientiert, klanglich aber an die dünnen, handgemachten Avedis-Instrumente der 40er und 50er Jahre angelehnt sein soll. Helfen soll dabei nicht nur eine andere Art der Hämmerung, auch eine spezielle Oberflächenbehandlung soll dem klassischen Ton zuträglich sein. Ob ihr euch die Jagd nach den alten Originalen jetzt sparen könnt, lest ihr auf den folgenden Seiten.

Details

Dezente Logos und eine mattierte Oberfläche prägen das Erscheinungsbild

Mag es beim Studieren der Serienbezeichnung noch Verwirrung gegeben haben, schafft das Auspacken der Zimbeln schnell Klarheit: zumindest optisch haben die neuen A Avedis kaum etwas mit ihren normalen Geschwistern mit Namen A Zildjian gemein. Ein Grund dafür ist das leicht grau mattierte Erscheinungsbild der Becken. Was mit Istanbul Agops Om Reihe begann und kürzlich auch von Paiste bei ihren klassisch inspirierten Black Big Beat 2002 (LINK) Becken umgesetzt wurde, ist jetzt also auch bei Zildjian zu bestaunen. Es scheint sich hier um eine Art Graphitpulver zu handeln,welches in die Oberfläche des Beckens einpoliert wird. Jedem Exemplar liegt eine auf Karton gedruckte Empfehlung bei, auf Reinigungsmittel doch lieber zu verzichten. Insgesamt gibt es zur Zeit acht Modelle, drei Hi-Hats in 14, 15 und 16 Zoll, sowie fünf Crash/Rides in 18,19, 20, 21 und 22 Zoll. Aufgedruckte Typenbezeichnungen gibt es nicht bei den A Avedis, auf den Unterseiten findet sich stattdessen die jeweilige Größenangabe, eine eingravierte Seriennummer sowie das ab den 70er Jahren verwendete Hollow Logo, welches deutlich dezenter wirkt als die komplett schwarzen Zildjian-Schriftzüge. Auf den Oberseiten steht in geschwungenen Lettern der Name Avedis', laut Zildjian ein Abzug seiner Signatur aus einem Pass von 1939. All dies trägt zu einem traditionellen Erscheinungsbild bei, welches an "gut abgehangene" Instrumente erinnert und nicht nur Vintage-Fans ansprechen dürfte. Mir persönlich gefällt es gut, natürlich gealterte Becken sehen allerdings doch noch etwas anders aus.

Die A Avedis Becken sind von unten gehämmert

Alle Becken wirken bezüglich ihrer Bearbeitung zunächst eher unauffällig, was nicht nur am feinen und nicht allzu tiefen Abdrehmuster liegt, sondern auch an der von oben kaum sichtbaren Hämmerung. Erst der Blick auf die Unterseiten offenbart eine deutliche, durchaus gleichmäßige Bearbeitung, welche mich tatsächlich ein bisschen an Zildjian Cymbals der 50er Jahre erinnert. Der Grund für diesen merkwürdig vertauschten Eindruck ist dann auch schnell ausgemacht: anders als die meisten anderen Becken, sind diese Instrumente nicht von der Oberseite gehämmert, sondern von unten. Interessant, man darf also auf den Praxisteil gespannt sein! Alle Testbecken sind übrigens einwandfrei verarbeitet.

Mit traditionellem Profil kommen 14er, 15er und 16er Hi-Hats daher

Mit klassischer Anatomie kommen die drei Test Hi-Hats daher, deren Gewichtung als medium-thin bezeichnet werden darf. 914 und 1132 Gramm bei der 14er, 1106 und 1430 Gramm bei der 15er und 1238 sowie 1526 beim 16 Zoll Modell lassen auf eine mittlere Tonlage und schnelle Ansprache schließen. Die deutlich schwereren Bottom-Becken sollen den getretenen Sound präsenter gestalten, bei den alten Originalen gab es diese Gewichtsunterschiede nicht. Alle drei Modelle verwenden die gleiche Kuppenform, welche recht stark konturiert ist, allerdings eher kompakt wirkt. Eine ähnliche Form findet man oft an Becken aus den 40er und 50er Jahren. Da die Größe der Kuppe bei allen Typen gleich ist, wirkt sie insbesondere an den 16er Exemplaren relativ klein. Bei der Formgebung des Profils ist eine Tendenz zum "Regenschirm" (umbrella profile) zu verzeichnen, was den Becken Stabilität und damit vermutlich auch einen höheren Grundton verleihen wird.

Die 18, 19, 20, 21 und 22 Zoll großen Crash/Ride-Becken besitzen die gleichen Kuppen

Was für die Hi-Hats gilt, finde ich auch bei den Crash/Rides wieder. Sowohl die Kuppenform als auch ihre Größe ist bei allen fünf Modellen identisch. Wie auch bei den Hi-Hats spricht Zildjian hier von einer Vintage-Form, ein direkter Vergleich des 20 Zoll Crash/Rides mit einem neuen A Zildjian Medium Ride gleicher Größe offenbart allerdings - wenn überhaupt - nur geringe Unterschiede im Profil. Interessanter ist die Tatsache, dass das reguläre A Zildjian Ride gute 200 Gramm schwerer ist. Mit 1326 Gramm beim 18er, 1575 Gramm beim 19er, 1912 Gramm beim 20er, 2128 Gramm beim 21er und 2580 Gramm beim 22er ist klar, dass diese, als Allround Cymbals ausgelegten, A Avedis Becken in die Kategorie thin fallen. Damit sollen sie sowohl als schnell ansprechende Crashes funktionieren als auch als ausreichend definierte Rides.

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