Test
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27.09.2019

Yamaha FP9C und FP9D Single und DFP9C Double Bass Drum Pedale Test

Fußmaschinen

Auf blauen Sohlen

Drei nagelneue Yamaha Fußmaschinen namens FP9C, FP9D sowie DFP9C haben sich heute im bonedo Teststudio eingefunden. Bei den ersten beiden Modellen handelt es sich um Einzelpedale mit Ketten- und Direct-Drive-Antrieb, die dritte Maschine im Bunde ist als doppelte Version mit Kettenantrieb ausgelegt. Das alles klingt erstmal wenig spektakulär, wer sich die Teile allerdings ansieht, erkennt schnell, dass Yamaha hier ziemlich radikal mit alten Traditionen bricht. Denn die bisherigen Pedale der Marke kann man durchaus als eher konservative, solide Arbeitsgeräte bezeichnen. Statt auf grelle Auftritte oder spektakuläre Bezeichnungen setzte man eher auf japanisches Understatement. Zumindest optisch verlassen die Testobjekte diesen Pfad, blaue und sogar goldene Farbakzente sowie polierte Trittplatten senden deutlich aggressivere Botschaften an die Freunde des zügigen Bassdrum-Spiels. 

Das allein würde dem erfahrenen Pedalvirtuosen natürlich nur ein müdes Lächeln entlocken, und so hat sich Yamaha auch technisch einiges einfallen lassen, um die neuen Maschinen nicht nur besonders schnell zu machen, sondern sie auch in puncto Einstellungsmöglichkeiten und Bedienkomfort auf ein deutlich höheres Niveau zu heben als die bisherigen Yamaha Topmaschinen der 9500er Serie. Was die auffälligen Geräte tatsächlich können und ob sie der Konkurrenz etwas entgegenzusetzen haben, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details & Praxis

Von oben einstellbare Federspannung, variable Beatergewichtung                  

Von insgesamt vier neuen Pedalen hat mir Yamaha Deutschland drei zum Test zugesandt. Bei der FP9C handelt es sich um ein Einzelpedal mit Kettenzug (C für Chain), das FP9D ist baugleich, besitzt jedoch eine starre Antriebsverbindung. Das D im Namen steht also für Direct Drive. Beide Modelle sind auch als Doppelpedale (auch als Linksfüßerversionen) erhältlich, allerdings war zum Zeitpunkt des Tests nur die DFP9C Kettenvariante verfügbar. Alle Maschinen kommen in stabilen, innen blau ausgeschlagenen Taschen, mit einem Stimmschlüssel, einer Anleitung sowie zusätzlichen Beatergewichten, auf die ich später noch eingehen werde. Bei den Kettenmaschinen finde ich zudem noch Nylon Straps, mit denen sich die FP9Cs auf Bandzug umrüsten lassen. Sehr schön. Beginnen wir nun mit dem grundlegenden Aufbau der Maschinen. Das Rad erfindet Yamaha mit den 9er Maschinen nicht neu, der Vergleich mit den 9500er Versionen zeigt allerdings, dass hier ein großer Teil der Komponenten neu designt wurde. Bodenplatten besitzen natürlich alle Pedale, ins Auge fallen jedoch die großen, polierten Alu-Trittplatten mit ihren dynamisch wirkenden Ausfräsungen und dem weiß abgesetzten Yamaha-Logo. 34 Zentimeter messen die Teile und sollten damit für eine Vielzahl von Spieltechniken geeignet sein. Das Fersenteil ist mehrteilig ausgelegt und soll, dank einer speziellen Aufhängung, ein besonders niedriges Profil bieten. Diese Aufhängung ist aus blau eloxiertem Alu gefertigt und beherbergt die Lager.

Anders als bei anderen Pedalen dieser Preisklasse stelle ich jedoch ein leichtes, seitliches Spiel der Trittplatten fest. Das ist kein Beinbruch, sollte jedoch nicht vorkommen. Daneben liegen zwei ausfahrbare Dornen für den Fall, dass die vollflächige, aus blauem Gummi bestehende Bodenplatten-Beschichtung nicht ausreicht, um die Pedale vor dem Wandern zu bewahren. Am vorderen Teil der Bodenplatte sitzt eine handliche Schraube, mit welcher die Maschine am Spannreifen arretiert wird. Schön: Die Klemmung selbst ist jetzt ebenfalls gummiert und schützt die Bass Drum somit vor Kratzern. Beim Slave-Teil des Doppelpedals fällt diese Klemmung natürlich weg, stattdessen hat Yamaha einen zusätzlichen Halteschlitten montiert, um auch hier ungewollte Absetzbewegungen zu verhindern. Kommen wir nun zu einer echten Neuheit, nämlich der Einstellung der Federspannung. Bei den meisten Pedalen wird diese durch das Kontern zweier Muttern erreicht. Dafür muss man sich auf den Boden setzen oder sehr weit nach unten bücken. Yamaha hat dieses System nun einfach, aber effektiv modifiziert. Das Ergebnis ist eine zum Spieler zeigende Rändelschraube, welche sich selbst sichert und keine beidhändigen Verrenkungen nötig machen soll. 

Ohne Modifikationen an der Antriebseinheit lässt sich kein neues Edelpedal verkaufen, also hat Yamaha einige interessante Neuerungen verbaut. „Axle Stabilizing Bearing Chamber“ lautet hier das Zauberwort, was am ehesten mit „achsenstabilisierende Kugellagerkammer“ übersetzt werden kann. Die Kugellager werden dabei nicht direkt in die Rahmen gepresst, sondern bekommen eigene, ebenfalls blau gefärbte Kapseln, welche mit den Rahmenstützen verschraubt werden. Diese getrennte Konstruktion soll für besonders sauber laufende Achsen sorgen. Auf den Achsen selbst sitzen die jeweiligen Cams, deren Clou die Justierbarkeit der Antriebscharakteristik darstellt. Mithilfe eines Stimmschlüssels lassen sich die Abstände zwischen Kette beziehungsweise Direct Link in drei Stufen verstellen. Weiterhin bieten die 9er Pedale natürlich auch die Möglichkeit, Trittplatten- und Beaterwinkel getrennt voneinander zu justieren. Bei den Kettenversionen geschieht dies jeweils an den Cam-Aufhängungen, bei den D-Versionen wird die Trittplatte an den Aluzügen eingestellt, jedoch nicht stufenlos.

Ein weiteres, besonders unter Geschwindigkeitsoptimierern verbreitetes Feature stellt die Möglichkeit dar, die Beater mit Gewichten zu beschweren. Dass die schwarzen Filzbeater mehr können als zunächst vermutet, deuten bereits die orangefarbenen Unterlegscheiben auf der Oberseite an, spannend wird es jedoch auf der Unterseite. Dort lässt sich ein Kunststoffkragen nach unten ziehen, welcher bei Bedarf eine von zwei mitgelieferten Metallscheiben arretiert. Aluminium (leicht) und Messing (schwer) stehen zur Verfügung und verleihen den Schlägeln zusätzliches Gewicht und damit Punch.        

Die Welle des Doppelpedals ist vollständig kugelgelagert

Auch dem Doppelpedal hat Yamaha eine Neuentwicklung spendiert. Sie betrifft die Kardanwelle, welche, im Gegensatz zu den 9500er Modellen, vollständig kugelgelagert ist – eine Konstruktion wie sie auch bei anderen High-End-Maschinen verwendet wird. Gleichzeitig ist das Teil sehr leicht und soll somit zu einem möglichst identischen Spielgefühl der Slave-Seite auch bei stärkeren Knickwinkeln beitragen. Den geschulten Testerfingern entging ein minimales Spiel an einem der Verbindungspunkte allerdings nicht. 

Solides, leichtes Spielgefühl bei allen Pedalen

Im Einsatz zeichnen sich alle drei Testmaschinen durch ein sehr leichtgängiges Spielgefühl und einen direkten Antritt aus. Sie erinnern mich damit stark an die 9500er Modelle, fast noch mehr allerdings an die älteren Yamaha Flying Dragon Maschinen. Das ist eindeutig positiv gemeint, denn die Teile gefielen mir damals außerordentlich gut. Die großzügig dimensionierten Boden- und Trittplatten sorgen für ein solides, festes Spielgefühl ohne nennenswerte Kraftverluste. Dank der flach auslaufenden Fersenteile kommt sogar ein ganz bisschen Longboard-Feeling auf. 

Obwohl sie in der Grundform identisch sind, unterscheiden sich die Ketten- und Direct-Drive-Modelle in puncto Spielgefühl doch erheblich voneinander. Auch blind dürften die meisten Drummer den Unterschied schnell merken. So besitzen die Kettenversionen ein ausgesprochen rundes, organisches  Spielgefühl, welches sich mit der Verschiebung der Cam nach vorne noch klassischer gestalten lässt. Am anderen Ende der Skala liegt die Direct-Maschine mit der Cam nahe an der Welle. Damit „nickt“ sie schnell und giftig und dürfte damit besonders Spieler ansprechen, die zügig unterwegs sind und den Beater kaum ganz zurückkommen lassen. Allerdings ist mir ein Phänomen aufgefallen, welches ich auch schon beim Konkurrenzmodell von Tama, der Dyna-Sync, beobachtet habe. Bewegt man die Cam in die andere Richtung, um ein organischeres Feeling zu bekommen, stößt sie bei einigen, vorne angehobenen Bass Drums an das Fell. Kurioserweise passiert dies ausgerechnet bei meiner alten Yamaha Recording Bass Drum. Bei einer anderen Test-Bassdrum, einer 20er Wahan, bleibt zumindest ein minimaler Abstand zum Fell. Dies ist natürlich unglücklich, denn das leichte Abheben der Trommel vom Boden verbessert nicht nur den Sound, sondern sorgt auch dafür, dass der Beater senkrecht auf das Fell trifft. Wer sein Setup beibehalten möchte, könnte sich damit behelfen, das Pedal nicht ganz auf den Spannreifen zu schieben. Optimal ist das jedoch auch nicht. Damit bleiben beim Direct-Modell im Zweifelsfall effektiv nur zwei Cam-Positionen nutzbar. 

Sehr gut gefällt mir hingegen die bequeme Verstellung der Federspannung. Verrenkungen auf dem Boden gehören damit für Yamaha FP9-Spieler der Vergangenheit an. Pluspunkte verdient auch der gute Lauf und der sichere Stand des Slave-Pedals an der DFP9C. Hier scheint sich die aufwendige Welle auszuzahlen, auch stärkere Knicke wirken sich nur geringfügig auf das Spielgefühl aus. 

Kommen wir nun zu den „gelochten Münzen“, welche für die Beschwerung der Beater zuständig sind. Ihre Montage gestaltet sich einfach, ihre Wirkung fällt subtil (Aluminium) bis spürbar (Messing) aus. Einzig der Haltering aus Plastik wirkt nicht besonders hochwertig, auch könnten die Gewichte etwas konkreter einrasten. Beide Gewichte gleichzeitig sind nicht verwendbar. Sollte der Wunsch nach mehr Punch aufkommen, würde ich persönlich wohl eher zu einem schwereren Kunststoff- oder Holzbeater greifen. Der klassische Sound dieser Filzbeater gefällt mir jedoch gut, auch scheinen die Teile recht haltbar zu sein. 

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