Workshop_Thema
Workshop
3
20.03.2017

Workshop: Musikproduktion mit dem Einsteiger-Keyboard

Hits mit der Hupe: Ein Selbstversuch!

"Wake me up" von Avicii

Kann man mit einem günstigen Keyboard aktuelle Hits produzieren? Geht es auch ohne teures Equipment? Aufmerksame Leser der Keyboard-Sparte bei bonedo erinnern sich vielleicht: Vor nicht allzu langer Zeit habe ich zwei Einsteiger-Keyboards von Yamaha getestet. Dabei erwies sich das etwas teurere PSR-E343 gegenüber dem Budget-Modell PSR-E243 nicht nur wegen seiner anschlagsdynamischen Tastatur als die bessere Wahl: Es verfügt über Split- und Layerfunktionen und bietet mehr aktuelle Klänge. Doch kann man damit auch – jenseits von vorgefertigten Styles und MIDI-Files – die ersten Schritte als Produzent tun?

Beiden Keyboards gemein ist die Möglichkeit, mittels der kostenlos erhältlichen iOS-App SoundControl einige am Instrument nicht regelbare Klangparameter wie Filter-Cutoff und Hüllkurve zu steuern, was bei Einsteiger-Keyboards längst nicht selbstverständlich ist und schon ein bisschen in Richtung Synthesizer-Features geht. Wenn man es geschickt anstellt, müsste man die beiden dann ja vielleicht auch zum Produzieren gebrauchen können, oder? Ich habe das mal ausprobiert und versucht, einen Teil von Aviciis Sommer-Megahit „Wake Me Up“ auf dem PSR-E343 nachzubauen – eine Art Produce-alike „Portable Keyboard Edition“. Quasi nebenbei beschäftigen wir uns dabei mit ein paar Grundlagen der Erstellung von MIDI-Files.

Setup

Obwohl man beim PSR-E343 am Instrument selbst per Dual- und Split-Funktion nur maximal drei Voices gleichzeitig zum Spielen auf der Tastatur zur Verfügung hat, ist das Keyboard unter der Haube ein 16-fach multitimbraler Klangerzeuger, der bis zu 16 verschiedene Sounds auf 16 MIDI-Kanälen gleichzeitig spielen kann. Das muss auch so sein: Im „normalen“ Einsatz als Arrangerkeyboard werden diese „versteckten“ Kanäle für die Style-Begleitspuren bzw. das Playback von MIDI-Files benötigt. Um sie gezielt ansprechen und mit Sounds belegen zu können, brauchen wir aber weitere Hilfsmittel, am Instrument selbst lassen sich diese Kanäle nicht manuell konfigurieren.

Deshalb kam neben dem PSR-E343 ein Computer mit Logic Pro X zum Einsatz, der über USB mit dem Keyboard verbunden war. Die Software wurde als reiner MIDI-Sequencer benutzt – hier habe ich die einzelnen MIDI-Spuren aufgenommen und bearbeitet. Außerdem sendet Logic die nötigen Bank- und Programmwechselbefehle an das Keyboard, um die „versteckten“ Kanäle mit den passenden Sounds zu belegen. Die App SoundControl habe ich hingegen nicht verwendet: Es handelt sich bei ihr um eine MIDI-Fernbedienung, die bestimmte Klangparameter über MIDI Control Changes (CC) steuert. Da ich sowieso Logic als MIDI-Sequencer verwende, kann ich die entsprechenden Steuerbefehle auch in der Software erzeugen und brauche die App nicht, was gleichzeitig das Dilemma löst, dass sich Computer und iPad nicht simultan mit dem Keyboard verbinden lassen.

Damit das Keyboard von Logic aus über MIDI angesteuert werden kann, muss in der MIDI-Umgebung ("Environment”) ein entsprechendes “virtuelles” MIDI-Instrument erzeugt werden, das sich auf 16 MIDI-Kanälen gleichzeitig (multitimbral) ansprechen lässt. Dazu öffnet man das Environment (Tastaturbefehl cmd-0), wählt den Layer MIDI-Inst. aus und ruft dann den Menüpunkt Neu -> Multi-Instrument auf. Es wird ein Multi-Instrument erzeugt, dessen 16 Kästchen die 16 verfügbaren MIDI-Kanäle repräsentieren. Um die Kanäle zu aktivieren, müssen sie alle einzeln angeklickt werden, sodass sie nicht mehr durchgestrichen erscheinen. Nun muss das Multi-Instrument noch dem richtigen MIDI-Ausgang zugewiesen werden, in diesem Fall dem über USB angeschlossenen Keyboard. Dazu selektiert man das Multi-Instrument und wählt in der Parameterbox auf der linken Seite bei Port (ggf. den Informationsbereich mit dem Tastaturbefehl "I" einblenden) den Eintrag Digital Keyboard aus (unter diesem Namen meldet sich das Yamaha-Keyboard bei Logic an). Nun kann man für jeden MIDI-Kanal des Keyboards eine Spur im Arrangierbereich erzeugen. Bei anderen Sequencer-Programmen wie Cubase, Pro Tools oder Sonar funktioniert das anders, was ihr jeweils in der Hilfe oder dem Handbuch zur Software nachschlagen könnt.

Das Keyboard wird in den Modus „Local Off“ versetzt, wodurch die Tastatur von der Klangerzeugung entkoppelt wird. Die Tastatur arbeitet nun als reiner Sender von MIDI-Daten, die an den Sequencer geschickt werden, und es klingt nicht jedes Mal der Sound auf MIDI-Kanal 1 mit, wenn man darauf spielt. Diese Einstellung verbirgt sich beim PSR-E343 weit hinten im Function-Menü.

1 / 2
.

Verwandte Artikel

User Kommentare