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31.08.2018

Workshop Inserts: Send und Return verstehen

Effekte Einschleifen am Mischpult leicht gemacht

ISR – Insert-Send-Return benutzen

Ganz gleich, ob ihr mit einem Studio- oder einem Live-Mischpult arbeitet oder den virtuellen Mixer einer Software-DAW nutzt: In zahlreichen (wenn nicht sogar den meisten) Fällen habt ihr die Möglichkeit, in einzelnen Kanälen und/oder im Master-Bus auf einen Insert-Weg zurückzugreifen. Hier erfahrt ihr, was genau Inserts sind und wie ihr sie einsetzen könnt.

Insert-Send-Return-Prinzip erklärt

  • Was ist ein Insert-Weg?
    Bei einem Insert-Weg wird das Audiosignal aus einem Kanalzug herausgenommen, zu einem Effekt geführt und an die gleiche Stelle zurückgeleitet.

 

Wie die Bezeichnung „Insert“ verdeutlicht, geht es bei diesem Signalweg darum, etwas einzufügen (engl. „to insert“). Damit ist in der Regel ein bearbeitetes Signal gemeint. Um ein bearbeitetes Signal zurückführen zu können, muss es jedoch erst einmal aus dem Mischpult herausgeführt werden. Und so leistet eine Insert-Buchse am Mischpult dann auch beides: Zum einen greift sie das Signal eines Kanals ab und führt es nach „außen“. Zum anderen speist sie das extern bearbeitete Signal wieder in den betreffenden Mischpultkanal ein. In der beistehenden Grafik könnt ihr sehen, dass das wesentlich einfacher ist, als es sich anhört.

Spezielles Kabel für den Insert-Send-Return 

  • Was ist ein Insert-Kabel / ein Y-Kabel?
    Ein Insert-Kabel besitzt einen Stecker für die ISR-Buchse und splittet sich auf ein Kabel für den Input und eines für den Out eines Effektgeräts.
    Deswegen werden sie auch Y-Kabel oder Split-Kabel genannt.

 

Normalerweise wären für einen Output und einen Input ja zwei Buchsen erforderlich, so wie es auch bei Send- und Aux-Wegen der Fall ist. Bei diesen schickt nämlich eine Buchse das Signal aus dem Mischpult heraus („Send“), und eine andere Buchse greift das extern veränderte Signal wieder auf (Return). Bei einem Insert werden dagegen beide Funktionen von nur einer speziellen Insert-Buchse abgedeckt, die zugleich zum Abgreifen und Rückführen des Audiosignals dient. Das ist auch der Grund dafür, dass es spezielle Insert-Kabel gibt, die als Y-Kabel aufgebaut sind. Sie haben an einem Ende einen 3-poligen-Klinkenstecker und am anderen Ende zwei Mono-Klinkenstecker. Auf diese Weise wird auf der Mischpult-Seite nur eine einzige Buchse benötigt, während auf der anderen Seite des Kabels Eingang und Ausgang eines externen Geräts angeschlossen werden können.

Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Und so gibt es nichtsdestotrotz durchaus auch Mischpulte, an denen symmetrische Inserts zur Verfügung stehen. Diese sind dann in der Regel mit zwei separaten XLR-Buchsen für Send- und Return-Weg bestückt.

Wofür Insert-Wege gut sind  

  • Wozu werden Inser-Send-Returns genutzt?
    Über Insert-Send-Return werden Effekte eingeschleift. Typische Insert-FX sind Kompressoren und EQs, weil dort das ganz Signal hindurchlaufen soll.  

 

Ein „Insert“-Weg im Mischpult dient also dazu, das Signal eines Kanals aus diesem herauszuführen und bearbeitet wieder in ihn einzuspeisen. Warum sollte man das tun wollen? Das ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn ihr das Audiosignal eines Mischpultkanals mit Effekten aufbereiten oder bearbeiten möchtet, die das Mischpult nicht bietet. Denkbar ist auch der Einsatz einer Insert-Bearbeitung, wenn statt des Sounds integrierter Mischpult-Effekte die charakteristische Klangfarbe oder spezielle Funktionen externer Outboard-Geräte gewünscht wird. Das Einschleifen von Effekten in einen Mischpultkanal über den Insert-Weg kann aber auch dann sinnvoll sein, wenn sich die interne Anordnung der Bearbeitungsmöglichkeiten im Mischpult nicht verändern lässt. So zum Beispiel bei typischen Insert-Effekten wie Kompressoren und Equalizern. Nehmen wir einmal an, die Reihenfolge der Mischpult-internen Effekte ist auf „Kompression vor EQing“ festgelegt. Fressen nun starke Bassanteile bei der Kompression zu viel Energie, kann es sinnvoll sein, einen Equalizer im Insert-Weg einzuschleifen, um den Bassanteil des Signals noch vor der Kompression per Insert-EQ abzusenken. Das Resultat ist dann ein Kompressor, der ohne die Bass-Energie des Signals wesentlich relaxter arbeiten kann.

Wesentliche Unterschiede von Insert-Send-Return zu Aux-Send

Insert-Send-Return Aux-Send
nutzt das gesamte Signal greift einen Teil des Signals ab
gesamtes Signal wird bearbeitet ein Teil des Signals bleibt "trocken"
vor allem für EQ, Kompressor etc. vor allem für Hall und Delay
nur ein Signal aus Kanal oder Bus wird bearbeitet Signale aus unterschiedlichen Kanälen können gemeinsam bearbeitet werden

Worauf muss ich beim Insert-Einsatz achten?

Während bei Send-Effekten Signalanteile mehrerer Kanäle anteilig in den Send-Weg gemischt werden können, werden Insert-Effekte nur von einem Kanal gespeist und das zu 100 %. Ihr solltet euch deshalb klarmachen, dass das Signal des betreffenden Kanals unterbrochen wird, sobald ihr ein Kabel in dessen Insert-Buchse steckt. Wird dieses Signal dann nicht durch externes Outboard-Equipment geführt und wieder zurück in den Insert-Weg des Mischpultkanals eingespeist, bleibt der Kanal stumm. Außerdem solltet ihr im Hinterkopf behalten, dass Insert-Kabel gemeinhin unsymmetrisch beschaltet sind. Ihr solltet also allzu lange Kabelwege vermeiden.

Welche Mix-Tricks ermöglichen Insert-Wege?

  • Wie funktioniert der Aux-Send-Trick?
    Ein Kabel wird nur "halb" in die ISR-Buchse gesteckt und dient dadurch als unsymmetrischer Direct Out.

 

Wenn ihr einen externen Effekt mit Wet/Dry-Regler nutzt, sollte dieser in der Regel auf 100 % Wet stehen. Schließlich wollt ihr das Signal in den meisten Fällen vollständig bearbeiten. In einigen Fällen kann es aber auch sinnvoll sein, das Wet/Dry-Verhältnis an die speziellen Bedürfnisse eurer Situation anzupassen. Setzt ihr beispielsweise Kompression per Multieffektgerät als Insert-Effekt ein, könnt ihr ohne aufwendige Verkabelung eine Parallelkompression einbinden, die ihr über das Wet/Dry-Verhältnis am externen Gerät regelt. Ein weiterer Trick besteht darin, den 3-poligen Stecker des Y-Insert-Kabels nicht ganz in die Buchse hineinzustecken, sondern nur soweit, bis dass nur seine Spitze den Insert-Kontakt berührt (Der Stecker darf also nicht einrasten!). Auf diese Weise lässt sich das Signal aufgreifen und als Direct-Out des Mischpultkanals nutzen, ohne dass dessen Signalfluss unterbrochen wird. Aufgrund des dann nur locker sitzenden Steckers ist dieser Trick allerdings nichts für dauerhafte Installationen.

Wie immer ist es auch bei Insert-Wegen eurer eigenen Kreativität überlassen, wie ihr sie in euren Live- und Studio-Produktionen gewinnbringend einsetzt. Zwar werden Effekte wie Delay, Reverb, Chorus, Flanger & Co. klassischerweise in Send-Wegen genutzt. Es spricht aber im jeweiligen Fall vielleicht nichts dagegen, beispielsweise einem Signal mittels eines geringen Hallanteils über den Insert-Weg ein wenig mehr Räumlichkeit zu verleihen, falls es zu „trocken“ Klingt. Erlaubt ist, was gefällt!

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