Workshop
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25.04.2016

Workshop Drum Recording Basics: Drums aufnehmen & mischen #2

Recording-Tutorial: Schlagzeug aufnehmen für Einsteiger: Erzeugen des Stereopanoramas und aufräumen per EQ

Um das Erzeugen eines Stereopanoramas und den Einsatz eines Equalizers zum „Aufräumen“ eurer ersten selbst aufgenommenen Schlagzeugspuren geht es in diesem zweiten Teil des bonedo-Tutorials. Und obwohl das noch nicht so irre spannend klingt, werden diese ersten Bearbeitungsschritte einen erstaunlichen Effekt auf die Räumlichkeit und die Transparenz eurer Aufnahme haben. Je nach Musikrichtung und Qualität des Rohmaterials ist manchmal kaum mehr nötig, um einen präsenten und großen Drumsound zu erreichen.  

Besserer Sound durch weniger Frequenzen, wie geht das?

Es ist an der Zeit, das erste Plug-In zu öffnen! Und zwar natürlich nicht irgendeines, sondern einen parametrischen Equalizer. Der ist bei eurer DAW dabei und darf als eines der wichtigsten und grundlegendsten Tools zur Audio-Bearbeitung bezeichnet werden. Seine Einsatzmöglichkeiten sind geradezu unendlich, wir benutzen ihn hier allerdings für eine recht übersichtliche Aufgabe, nämlich das Entfernen bestimmter Frequenzen. „Aber wie soll sich dadurch der Sound verbessern?“ werdet ihr euch fragen. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Wir können einen Frequenzbereich von etwa 20 bis 20000 Hertz hören und das Schlagzeug kann einen Großteil dieses Bereiches abdecken. Eine große, tief gestimmte Bassdrum kann hörbare Geräusche um 40 Hertz erzeugen, während Becken bis zu 14000 Hertz erreichen können. Mit unseren Mikrofonen möchten wir zunächst natürlich alles so realistisch wie möglich einfangen, damit auch alles zu hören ist, was gespielt wird. Allerdings benötigen wir nicht auf allen aufgenommenen Spuren den gesamten Frequenzumfang. Eine Snaredrum beispielsweise erzeugt ihr Hauptgeräusch etwa zwischen 180 und 7000 Hertz, da ist es nicht nötig, Frequenzen im Mix zu behalten, die deutlich darunter oder darüber liegen. „Aber das schadet doch nicht oder ist vielleicht sogar gut, wenn alle Frequenzen hörbar sind“, mag man da einwenden. Die Antwort ist: es schadet doch. Denn das Snaredrum-Mikro ist nicht das einzige Mikrofon, welches Frequenzen in dem Bereich aufnimmt. 

Kampf dem „Mumpf“ mit High- und Low-Pass-Filter

Fast alle Mikros am Set nehmen jeweils also deutlich mehr auf, als für ihre Position eigentlich gebraucht wird. Wenn ihr eure Spuren mal auf „solo“ stellt, werdet ihr feststellen, dass auf allen das ganze Set zu hören ist. Natürlich in unterschiedlichen Lautstärkeverhältnissen, Tatsache ist jedoch, daß es zu Überlagerungen verschiedener Frequenzbereiche kommt, wenn ihr alle Spuren gleichzeitig abhört. Und diese Überlagerungen führen in den meisten Fällen zu unerwünschten Effekten wie dem gefürchteten „Mumpf“, zu Maskierungen, also Überdeckungen oder sogar zu Phasenauslöschungen. Um es kurz zu machen: Weder auf euren Overheads noch auf dem Snaredrum-Mikrofon braucht ihr Frequenzen unterhalb von etwa 80 Hertz, trotzdem sind sie vorhanden und sorgen so möglicherweise dafür, dass eure Bassdrum im fertigen (Drum-)Mix wenig Druck oder Bass hat oder es ihr an Definition mangelt. Je nach Mikrofonierung nimmt aber auch euer Bassdrum-Mikro viel mehr hohe Frequenzen auf, als ein guter Bassdrumsound braucht, gleichzeitig können diese Frequenzen wiederum die Klarheit und Präsenz des restlichen Kits beeinträchtigen. Im folgenden Abschmitt lest ihr, wie ihr bei den einzelnen Spuren vorgehen könnt. 

Bassdrum-Mikrofon mit Equalizer bearbeiten

Ladet nun zunächst einen parametrischen EQ in den Effekt-Bereich eures Bassdrum-Kanals. In den meisten Plug-Ins findet ihr bereits Symbole für Low Cut (auch „High Pass“ genannt), High Cut (andersherum auch Low Pass genannt) und diverse hier zunächst nicht benötigte Mittenbänder. Jetzt aktiviert ihr diese Filtersymbole, dadurch weiß das Plug-In, dass es ans Absenken von Frequenzen geht. Stellt nun die Bassdrum-Spur auf solo und hört euch eure Aufnahme an. Nun schneidet ihr zunächst die hohen Frequenzen ab, indem ihr die „Grenzfrequenz“ verändert. Hört genau darauf, ab wann der Attack-Sound des Schlägels dumpf wird. Geht dann wieder etwas zurück, bis er komplett hörbar ist. Übertreibt ihr es, verliert die Bassdrum Durchsetzungskraft und Definition. Bei etwa 5000 Hertz liegt der Schlägel-Anschlag. Jetzt wendet ihr euch der Begrenzung der tiefen Frequenzen zu, denn selbst eine Bassdrum braucht in aller Regel keine Frequenzen unterhalb von etwa 40-50 Hertz. Diese können von den meisten Systemen sowieso kaum wiedergegeben werden und begrenzen den möglichen Headroom eurer Aufnahme unnötig. Der so geliebte tiefe „Bumms“ entfaltet sich erst zwischen 60 und 80 Hertz.

EQing der Snare-Drum

Bei der Snaredrum verfahrt ihr genauso wie bei der Bassdrum, die sogenannten Cutoff-Frequenzen liegen hier naturgemäß woanders. Ich selbst entferne meist alles oberhalb von etwa 7000 bis 9000 Hertz und alles unterhalb von 120 Hertz. Aber auch hier gilt es, viel zu experimentieren und auch mal die Extreme zu erforschen. Dadurch bekommt ihr ein Gefühl dafür, wie welcher Frequenzbereich in eurer Aufnahme klingt.

Equalizer benutzen, um die Signale der Overhead-Mikrofone zu verbessern

Auch bei den Overhead-Mics wiederholt sich das Spiel, hier solltet ihr allerdings nach oben mehr Luft lassen, möglicherweise empfiehlt sich ein Cut nur dann, wenn ihr eure Becken etwas entschärfen möchtet. Wieviel ihr nach unten hin begrenzt, hängt wiederum davon ab, ob ihr die Toms extra abgenommen habt und welchen Gesamt-Sound ihr anstrebt. Sollen die Overheads also reine „Becken-Mikrofone“ sein, weil ihr einen eher geschlossenen und sauberen Drumsound anstrebt, oder möchtet ihr, daß sie den Gesamtklang abbilden? Im zweiten Fall wäre es dumm, die unteren Frequenzen zu stark zu beschneiden, denn dann wird mindestens euer tiefstes Tom zu dünn klingen. Hier schlage ich 80 Hertz als Cutoff-Frequenz vor. Wollt ihr Toms und Snare aus den Overheads eher heraushalten, solltet ihr einfach experimentieren, am besten mit allen Spuren zusammen. Dann könnt ihr beim Anhören genau beurteilen, ab wann es insgesamt gut klingt, oder ob eventuell „Löcher“ im Drumsound entstehen. 

Tom-Mikrofone und der EQ

Da die Toms in regulären Grooves nicht so oft vorkommen, empfehle ich euch, zunächst etwas aufzunehmen, mit dem ihr alle eure Trommeln gut beurteilen könnt. Ihr solltet darauf achten, daß die Trommeln für sich gut zu hören sind, irrsinnig schnelle Fills oder sich überlagernde Figuren sind also nicht perfekt geeignet. Dann geht ihr vor wie bei den anderen Spuren auch. Bei euren großen Toms kann der Körper des Klanges bei 80 Hertz liegen, bei kleineren dann eher bei 150 bis 250 Hertz, der Attack-Sound ist im Bereich von 3000 bis 5000 Hertz zu finden. Auch hier gilt: Schärft euer Gehör, indem ihr herausfindet, ab wann beim Wegschneiden der Tom-Sound selbst „leidet“ und geht dann etwas zurück. Nachdem ihr jetzt eure Spuren erfolgreich um Frequenzen bereinigt habt, die am Ende euerem Sound schaden können, geht es jetzt an das Erschaffen eines Stereopanoramas. 

Was ist Phase?

Schall breitet sich in Wellen aus und diese Wellen sorgen dafür, dass sich höherer und niedrigerer Luftdruck abwechseln. Außerdem braucht Schall Zeit, um von der Quelle zum Ohr oder zu einem Mikrofon zu gelangen. Schlagt ihr nun beispielsweise auf eure Snare und nehmt diese mit einem Snare-Mikro und einem oder zwei Overhead-Mikrofonen auf, so wird der Schall beim Snaredrum-Mikrofon früher ankommen als bei den Overhead-Mikrofonen. Das liegt in der Natur der Sache und läßt sich mechanisch nicht anders lösen. Zum Problem kann es allerdings kommen, wenn die aufgenommenen Schallwellen – zusammen abgespielt – nicht deckungsgleich sind. In unserem Beispiel äußert sich der Effekt dieser Phasenverschiebung in einer auffallend dünn klingenden Snaredrum. Besitzen bestimmte Frequenzen nämlich gegenläufige Phasen, löschen sie sich ganz oder teilweise aus. Bei der Snare trifft es dann meistens den „Bauch“ also den unteren Mittenbereich von 120-250 Hertz. Was ihr dagegen tun könnt? Hier haben die DAW-Entwickler vorgesorgt und liefern eine Funktion mit, welche meistens nur aus einem Knopf besteht, nämlich dem „Phase-Reverse-Button“ (auch „Inv.“ oder „180°“ betitelt). Dieser ist manchmal schon direkt in den einzelnen Spursteuerungen eingebaut, bei Logic muss man erst ein Plugin namens „Gain“ öffnen. Schaltet nun euer Snare- sowie die beiden Overhead-Mikrofone auf Solo und startet das Playback. Dann betätigt ihr die Phasenumkehr. Wird der Klang der Snare voller, bestand ein Phasenproblem und ihr lasst den Knopf aktiviert. Ändert sich nichts oder wird der Sound dünner, war vorher schon alles in Ordnung und ihr schaltet die Phasenumkehr einfach wieder ab. Fertig. 

Wie erzeuge ich ein Stereopanorama und was ist das überhaupt?

Im Grunde bis in die 1960er Jahre wurden Platten in Mono gemischt und gepresst, die meisten Wiedergabegeräte verfügten damals über nur einen Lautsprecher. Das ist heute natürlich anders, Stereo hat sich etabliert und für uns aufnehmende Trommler bedeutet das, dass wir uns überlegen müssen, wie wir unsere Mikrofonsignale auf beide Kanäle verteilen wollen. Technisch ist das in allen Aufnahmeprogrammen (DAWs) sehr anschaulich gelöst. In jedem Kanalzug eures virtuellen Mischpultes werdet ihr eine Art „Balance-Regler“ finden, mit dem ihr bestimmen könnt, ob zum Beispiel die Snare akustisch in der Mitte bleiben, oder eher aus dem linken oder rechten Lautsprecher kommen soll. Meistens sind diese Regler mit „PAN“ abgekürzt, das steht für Panorama, oder – englisch – panning. 

Wo gehören die einzelnen Instrumente des Kits im Panorama hin?

Hierbei gibt es zwei Ansätze, wobei der gängigere der beiden davon ausgeht, dass der Hörer die Publikumsperspektive einnimmt. Bei einem Rechtshänderschlagzeug käme die Hi-Hat entsprechend von rechts, während das Standtom stärker vom linken Ohr wahrgenommen wird. Die Snaredrum und die Bassdrum kommen aus der Mitte. Im zweiten Ansatz nimmt der Hörer die Drummer-Perspektive ein, somit kommt die Hi-Hat nun von links. Für welche der beiden Varianten ihr euch entscheidet, hängt vom Einsatzgebiet ab. Wollt ihr ein reines Audio-Demo aufnehmen, ist es sicherlich Geschmackssache und ihr könnt wählen, was euch natürlicher erscheint. Läuft allerdings eine Kamera mit und ihr möchtet das Video später mit dem Ton zusammen schneiden, würde es unnatürlich wirken, wenn euch die Cam von vorne aufnimmt, man aber das Standtom aus dem rechten Lautsprecher hört.

Hier kommt eine Standardverteilung aus Publikumsperspektive, die mir persönlich meistens gut gefällt:

Bassdrum: Mitte

Snaredrum: Mitte

Overhead/Hi-Hat-Seite: ganz rechts

Overhead/Ride-Seite: ganz links

 

Wenn ihr auch die Toms mikrofoniert habt, dürfte diese Verteilung gut funktionieren:

Hänge-Tom 1: etwa drei Uhr

Hänge-Tom 2: Mitte

Standtom: neun Uhr.

Ihr könnt hier natürlich nach Lust und Laune variieren, solltet aber im Hinterkopf behalten, dass die meisten Produktionen sowohl die Bassdrum als auch die Snare in der Mitte positionieren. Das liegt nicht nur daran, daß diese beiden Instrumente auch im Set relativ mittig stehen, sondern auch daran, dass sie in Backbeat-orientierter Musik so wichtig sind.

Viel Spaß beim „Cutten und Pannen“ Im nächsten Teil unseres Basics-Kurses erfahrt ihr, wie ihr den Equalizer gezielt einsetzen könnt, um den Sound eures aufgenommenen Drumkits zu formen. 

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