Test
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01.08.2016

Wes Audio Dione Test

Series 500 Bus-Kompressor

Dynamik der "Next Genereation" im Titan-Rack

Die „Next Generation 500 Serie“ von Wes Audio bekommt Zuwachs – und zwar in Form des Buskompressormoduls Dione, eine VCA-Dynamikeinheit. In der griechischen Mythologie ist Dione die Mutter der Aphrodite, und man nimmt an, dass sie ursprünglich gar als weibliche Entsprechung des Zeus galt, sie wandelte also ganz oben auf dem Olymp. Gleiches kann man auch für das Vorbild des Wes-Moduls feststellen. Denn was sich optisch auch nicht verhehlen lässt, Pate für das Dynamikwerkzeug hat der ehrwürdige SSL-Buskompressor gestanden, ein frühes VCA-Prachtstück. Zunächst mit DBX-VCAs ausgestattet, ist der SSL-Stereocomp ein Kind der 70er, so richtig berühmt wurde er aber in den frühen 80ern, als die SSL-Konsolen der 4000er-Reihe ihren Siegeszug antraten – und diese Dynamikeinheit als Buskompressor mit an Bord war. „Sounds like a record“ ist seit diesen Tagen das ultimative Qualitätssiegel für einen Stereokompressor, war dies doch oftmals die letzte klangbestimmende Baugruppe, die einen Mix von seinem Mastermedium trennte.

Details

Wes' ng500 mit digitaler Steuerung

Verschiedene Hersteller entwickeln ähnliche Konzepte, doch Wes Audio hat sich hier besonders weit exponiert: Mit den Geräten der „Next Generation 500“-Serie (ng500) soll endlich zusammenwachsen, was zusammengehört, und zwar die analoge und die digitale Welt des Tonstudios. Mit vollanalogen Signalwegen ausgestattet, liefern die Wes-Module den klassischen Sound, den man von einer 500-Kassette erwartet, aber sie bieten dazu eine digitale Steuerung und Bedienoberfläche, die über ein Plug-in aus jeder DAW angesprochen werden kann: Mithin soll hier das beste beider Welten angeboten werden, analoger Sound mit Total Recall und bequemer DAW-Einbindung. Zu diesem Zweck verfügen die ng500-Module über eine Mini-USB-Buchse auf der Frontplatte. Wer kein Freund von USB-Kabeln vor dem Rack ist, der kann auch den Modulträger Titan von Wes Audio erwerben. Dieser bietet 10 Slots in einem 19“-Gehäuse, und die ng500-kompatiblen Kassetten können hier dann über eine rückseitig angebrachte Ethernet-Schnittstelle angesprochen werden.

SSL-Anleihen offensichtlich

Doch zurück zu Dione: Das charakteristische VU-Meter verrät bereits auf den ersten Blick die SSL-Ahnenreihe, und auch ansonsten bietet die Frontplatte viele bekannte Bedienelemente. Die Parameter Threshold (±20 dB), Wet/Dry-Mix sowie Make-up (+20 dB) sind mit weißen LED-Kränzen kodiert, welche den jeweiligen Wert anzeigen. Denn hier handelt es sich nicht um herkömmliche Potis, sondern um Drehgeber, welche die digitale Steuerungsebene der eigentlichen analogen Audioschaltung beeinflussen. Dazu gibt es die für ein Gerät dieser Bauart typischen Zeitkonstanten, und zwar 0,1, 0.3 ,1 ,3 ,10 und 30 ms für den Attack sowie 0,1, 0,3, 0,6, 0,9, 1,2 plus eine Auto-Funktion für die Release.

Der Kompressor arbeitet mit den Raten 1,5:1, 2:1, 4:1 und 10:1 und bietet darüber hinaus noch ein paar Zusatzfunktionen. Ein Sättigungsschaltkreis bietet wahlweise 1% und 4% THD, und ein Sidechain-Filter bietet die Eckfrequenzen 60, 90 sowie 150 Hz. Dazu gesellen sich noch zwei spezielle Tilt-Filter, die nicht nur auf den Tiefbass des Detektorsignals Einfluss nehmen. Angenehmer Nebeneffekt der digitalen Steuerung ist, dass das Modul selbst bereits über die beiden Presets A und B verfügt, auf Knopfdruck also zwei völlig unterschiedliche Settings abgespeichert und abgerufen werden können. Sämtliche dieser Schaltfunktionen werden über grüne LEDs visualisiert.

Blechwinkel etwas dünn

Mit der weißen Frontplatte, dem kühl-weiß per LED beleuchteten VU-Meter sowie den grünen und weißen LEDs um die Bedienelemente gibt sich das Modul einen klaren, modernen Look, bei dem doch die Vintage-Provenienz unverkennbar bleibt. Insgesamt erscheint die Hardware wertig, jedoch mit einem kleinen Manko: Das Modul kommt in offener Bauform, und als tragende Struktur, also als Rückgrat, kommt ein L-förmiger Blechwinkel zum Einsatz, an dem die Steuerungskomponenten der Frontplatte sowie die beiden Platinen der Audioschaltung montiert wurden. Dieser Blechwinkel ist jedoch nicht starr genug, so dass es, weil er sich dabei etwas durchbiegt, zum Geduldsspiel wird, das Modul in einen Träger einzuschieben – vor allem dann, wenn die Messerleistenkontakte etwas schwergängig sind. Sobald das Modul einmal fest installiert ist, sind hier keine weiteren Probleme zu erwarten, aber für die einfache Installation hätte man dem Modul etwas mehr Metall auf den Rippen spendieren dürfen.

THAT-Baustein wie im Original

Versöhnlich stimmt einen dann jedoch der interne Aufbau. Die ganze Schaltung ist sehr sauber aufgebaut, und zwar mit einem Mix aus SMD- und konventionellen Komponenten. Herzstück der Kompressorschaltung ist der 2181C-Baustein von THAT, welcher sowohl im Audioweg als auch im Sidechain verbaut wurde, und in praktisch allen Kompressoren des SSL-Typs zum Einsatz kommt, inklusive der Original-Unit von Solide State Logic selbst.

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