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23.09.2014

Waves Chris Lord Alge CLA Vocals Test

Vocal FX PlugIn

Don’t mix vocals without it‎!

Waves, PlugIn-Hersteller der ersten Stunde, bringt schon seit Längerem Signature-Bundles heraus, die in Zusammenarbeit mit weltbekannten Mixing-Engineers entstanden sind. Einer von ihnen heißt Chris Lord Alge, der unter anderem für den Sound von Green Day, Billy Talent und unzähligen anderen äußerst bekannten Artists und Bands verantwortlich ist. Somit gehört er auch zu den höchstbezahlten Engineers, die es zurzeit gibt. Trotz dieser hochkarätigen Besetzung,  werden die Waves Signature Bundles von vielen Producern belächelt und auch ein wenig schlecht geredet - richtig eingesetzt sind einige von ihnen aber wahre Wunderwaffen!

Ich möchte euch heute ein PlugIn aus dem Chris Lord Alge Bundle vorstellen, das durchaus von vielen Producern eingesetzt wird, so richtig zugeben möchte es aber keiner. Ich habe damit allerdings keine Probleme, denn am Ende zählt ja, ob ich das Ziel erreicht habe - und nicht, was ich auf dem Weg dahin gemacht habe. 

DETAILS UND PRAXIS

Das Waves CLA Vocals ist ein PlugIn für die Schnittstellen AU/VST/VST3/RTAS/AXX und sowohl für den Mac als auch den PC in 32Bit- und 64Bit-Versionen erhältlich. Das PlugIn ist dabei einzeln oder im Signature-Bundle mit fünf weiteren CLA PlugIns käuflich.

Schauen wir uns zunächst das GUI des CLA Vocal-PlugIns an, beginnend bei dem Fader ganz links:

Input Sens

Hier wird der Eingangspegel eingestellt: Fader langsam hochziehen und die LED über dem Fader beobachten. Solange die LED keine Farbe hat, ist das Eingangssignal zu leise, wird die LED grün, ist der Pegel gut, gelb wiederum ist optimal, und nur wenn die LED rot leuchtet, ist der Pegel zu heiß.

Bass

Beim Bass hat man folgende Optionen, um die tiefen Frequenzen der Vocals zu bearbeiten:  Sub, Lower und Upper, was den jeweiligen Einsatzfrequenzbereich definiert, und natürlich einen Fader zum Anheben bzw. Absenken (+/- 10 dB).

Treble

Das gleiche gibt es natürlich auch nochmal für die Höhen: Hier hat man Bite, Top und Roof als Frequenzoption und auch einen Fader zum Anheben bzw. Absenken der hohen Frequenzen zur Hand. (+/- 10 dB). 

Compress

Kommen wir zum Kompressor. Chris Lord Alge ist ja für seinen „IN YOUR FACE“ Vocal-Sound bekannt.

Somit haben wir auch hier die Wahl zwischen Push, Spank und Wall. Push bringt, wie der Name schon sagt, die Vocals schön nach vorne, Spank wiederum komprimiert nochmal eine Stufe härter und aggressiver. „Wall“ hingegen macht den Kompressor zum Limiter, wobei die Vocals dann wie eine Eins stehen. Nichts bewegt sich mehr!

Reverb / Delay / Pitch

Der Reverb hat folgende Algorithmen: Tight, Large oder Chamber, das Delay bietet Slap, Eight oder Quarter, und der Pitch hat die Programmpunkte Stereo, Wide und Spreader auf Lager. Die FX-Sektion des PlugIns ist für ein schnelles Demo sicherlich ok, für den amtlichen Mix aber eher uninteressant. Denn zum einen möchte ich meine Effekte auf den Sends liegen haben, und zum anderen gibt es einfach auch bessere Reverbs, Delays und Pitch-PlugIns, die mit Sicherheit auch jeder von uns bereits sein Eigen nennt.

Output

Hier wird der Ausgangspegel eingestellt.

Warum funktioniert das PlugIn so gut mit Vocals?

Bevor man irgendetwas einstellt, durchläuft das Signal zunächst Chris Lord Alges Standard-Studio-Kette, nur eben digital von den Waves-Developern nachgebildet. Und die sieht so aus: Vocal Track > SSL Style EQ (High Pass 80Hz mit einem 8K „Smooth Boost“) > 1176 Style Compressor (4:1 Ratio, Slow Attack, Fast Release) > Brick Wall Limiter (L1 oder L2 style).

Meine Praxis-Empfehlung für den Umgang mit dem PlugIn:

Das PlugIn auf eine Vocal Spur laden, dann das Preset „Face 2 Face Dry“ aufrufen, das bei mir in der Regel als Ausgangspunkt dient. Anschließend sollte man den Eingangspegel einstellen bis die LED gelb leuchtet, um dann wiederum mit den Fadern an Compress, Treble und Bass so lange herumzuspielen, bis einem das Ergebnis gefällt. Wenn die Vocals gut aufgenommen wurden, hat man so in nur wenigen Minuten einen wirklich amtlichen Vocal-Sound am Start. Wurden die Vocals hingegen einmal nicht so toll aufgenommen, würde ich auf jeden Fall noch einen zusätzlichen EQ vor das CLA Vocal-PlugIn einfügen, um damit dann ein wenig zu kompensieren bzw. vorzuentzerren. Falls die Vocals hingegen ohne Kompressor aufgenommen wurden, also sehr bzw. zu dynamisch sind, würde ich wiederum, z.B. mit einem Waves Vocal Rider oder einem ähnlichen Kompressor vor dem CLA-PlugIn zusätzlich komprimieren, um die Dynamik schon im Vorfeld etwas einzuschränken, damit das Vocal-PlugIn besser arbeiten kann. Prozessoren wie Saturation, Tape und Limiter hingegen ergänze ich oft nach dem CLA Vocal-PlugIn.

Und spätestens jetzt sollten wir uns das CLA Vocal-PlugIn auch einmal anhören:

Im ersten Beispiel hört ihr die Original-Gesangsaufnahme mit Playback, die mit einem Shure SM7B und ohne Kompressor aufgenommen wurde.

Als Nächstes gibt es die Original Vocalaufnahme mit dem CLA Vocal-PlugIn (Preset „Face 2 Face Dry“).

Da die Gesangsaufnahme nicht so gut ist, setze ich jetzt einen DMG Audio Equilibrium EQ vor das CLA-PlugIn und ziehe ein paar Frequenzen heraus.

Nun setzte ich einen Waves L1 Limiter hinter den EQ und das CLA , um die Vocals noch weiter nach vorne zu holen - der Limiter fängt hier nur die Peaks ab.

Zum Abschluss packe ich noch einen DeEsser (Waves Manny Marroquin TripleD) dahinter, um die S-Laute zu verringern.

FAZIT

Der eine oder andere wird sich bestimmt denken: „Das kann ich doch mit meiner eigenen PlugIn-Kette genauso machen“. Klar, kann man mit Sicherheit - wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Sehr oft kopiere ich deshalb meine Main Vocal Spur, nachdem ich sie einmal testhalber durch das CLA-PlugIn laufen gelassen habe und bearbeite die Vocals dann auch nochmal ohne CLA, aber mit dem CLA-Sound im Ohr. Manchmal wird mein eigenes Ergebnis dann besser, manchmal aber auch nicht - und ich bleibe bei dem CLA-Sound. Ich sehe das PlugIn deshalb auch eher als Vocal-Tool, da man durch den CLA-Sound zumindest schnell einen guten Anhaltspunkt bekommt – quasi, um die Ohren zu tunen. Ich war anfangs sehr skeptisch gegenüber den Waves Signature Bundles und habe sie auch nur auf Empfehlung eines befreundeten Producers ausprobiert. Im nachhinein muss ich jedoch sagen, dass sowohl das Chris Lord Alge als auch das Manny Marroquin und das Tony Maserati Bundle einige sehr brauchbare PlugIns für den Studio-Alltag bieten.

  • PRO:
  • einfache, schnelle Bedienung
  • moderner „IN YOUR FACE“ Vocal Sound
  • CONTRA:
  • kein Mono Component (nur Stereo und Mono to Stereo)
  • FEATURES:
  • Chris Lord Alge Vocal Sound Plugin
  • EQ, FX, Compressor/Limiter

  • PREIS:

  • 150 US-Dollar (Waves Store)
  • Auch oftmals günstiger zu finden, wie z.b. bei Audio Deluxe und/oder bei den wöchentlichen Waves Deals

Weitere Informationen unter: www.waves.com/plugins/cla-vocals

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