Hersteller_Warm_Audio
Test
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16.04.2014

Praxis

Der WA76 sieht aus wie ein 1176 und verhält sich prinzipiell auch so – so könnte man den praktischen Einsatz des Gerätes wohl zusammenfassen. Es lohnt sich dennoch, bei der Betrachtung etwas mehr ins Detail zu gehen, denn der Warm-Audio-Limiter hat ein paar ausgesprochen positive und auch einige nicht ganz so schöne Eigenschaften.

Gut ist erst einmal, dass man ohne Startschwierigkeiten loslegen kann. Das Layout eines Limiting Amplifiers des 1176-Typs dürfte den meisten Lesern hinreichend bekannt sein. Das bedeutet: Man muss nicht erst einmal die Bedienung eines völlig neuen Gerätes erlernen, sondern man direkt in die Vollen gehen. Dies funktioniert auch insofern recht gut, als dass der WA76 nicht nur aussieht wie das UA-Original, sondern in den Grundzügen auch die Charaktermerkmale eines solchen Gerätes gut erkennen lässt. Insbesondere das Regelverhalten ist ziemlich gut getroffen. Der Warm Audio liefert durchaus die typischen Klangresultate, die sich aus der eigentümlichen Abstimmung des 1176 ergeben: ultraschnelle Zeitkonstanten, recht heftige Ratio-Presets, bei alledem aber ein Feedback-Design, das hilft, ein allzu krasses Dynamik- und Hüllkurvenshaping etwas zu verrunden. Gleich, wie man solch einen Kompressor einstellt, man hat nie das Gefühl, dass er sein Regelverhalten dem Audiomaterial so brutal überstülpt wie mancher VCA-Kompressor. Auch wenn ein 1176 sehr zuverlässig Transienten hält, er gibt sich dabei nicht starr und rigide, sondern er „geht mit dem Audiomaterial mit“ – und diesen Effekt liefert auch der WA76. Das macht also auch diesen Kompressor grundsätzlich zu einem Arbeitspferd mit Anwendungsmöglichkeiten von den Leadvocals bis hin zum Drum Room. 

Auch wenn die Kompression selbst gut getroffen ist, der Grundklang des Gerätes kann leider in letzter Konsequenz mit dem Vorbild nicht mithalten. Ein 1176 klingt durchaus hell, muskulös, „vorwärts“ und manchmal auch ein bisschen aggressiv, aber in den allermeisten Fällen behält er doch eine smoothe Note, welche die zackige Kompression schön ausgleicht. Damit kann der WA76 aber nicht dienen: Im Direktvergleich klingt er mehr grainy, etwas bissiger und zweidimensionaler – liefert also ein Klangverhalten, dass ein Signal im Mix zwar nach vorne bringen kann aber dabei nicht unbedingt im audiophilen Sinne schöner macht. Dies sind zwar Nuancen, welche sich anhand der Klangbeispiele im Vergleich mit unseren Audiofiles zum UA-1176 gut nachvollziehen lassen, aber sie dürfen nicht unerwähnt bleiben.

Ebenso kann die Hardware des WA76 nicht rundum überzeugen, hier gibt es ein paar Ungereimtheiten: Ganz generell können insbesondere die Potis und Potikappen nicht verhehlen, dass bei der Fertigung doch sehr auf den Endpreis geschielt wurde. Das Input-Poti ist gerastert, das Output-Poti aber nicht. Die Attack/Release-Potis haben in der 12-Uhr-Position eine Rastung, welche beim Original so nicht vorkommt – und die dort auch keinen wirklichen Sinn macht. Klar, der niedrige Preis muss irgendwo herkommen, aber ich persönlich würde lieber 50 Euro mehr ausgeben und dann ein Gerät bekommen, das sich bei der Bedienung auch wirklich gut anfühlt.

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