Gitarre Hersteller_Walrus_Audio
Test
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13.05.2018

Praxis

Das Warhorn wird nun vor einen clean eingestellten Sovtek MIG-50H geschaltet, der mit einer Marshall 4x12 Box (Celestion G12M Speaker) verbunden ist und die mit einem Neumann TLM 103 abgenommen wird.

Wir starten den Praxistest mit allen Reglern in der mittleren Position. Das Warhorn ist im Vergleich zum Bypass-Sound nicht hundertprozentig klangneutral, der Höhenanteil ist bei eingeschaltetem Effekt etwas geringer. Dieses Klangverhalten ist natürlich von Vorteil, wenn man mit einem recht höhenbetonten Amp spielt, denn dann wird der Zerrsound nicht allzu grell. Beim Umschalten des Compression-Switch muss der Pegel etwas nachgeregelt werden. Legt man den Schalter nach hinten, erhält man den vom Hersteller beschriebenen offenen Sound, der mit einem recht kraftvollen Pegel ausgestattet ist. Der komprimierte Grundsound ist geringer in der Lautstärke und muss mit dem Level-Regler etwas gepusht werden. Für schnelle Wechsel zwischen den beiden Modes auf der Bühne ist das natürlich unvorteilhaft, lässt sich aber noch verkraften. Klanglich ist der offene Sound (Schalter nach hinten) mein klarer Favorit.

Die Klangregelung greift unterschiedlich ins Geschehen ein. Der Bassregler hat einen etwas geringeren Wirkungsgrad als der Höhenregler. Mit ihm lässt sich bei zurückgedrehtem Poti ein sehr knackiger unterer Frequenzbereich einstellen, bei dem die Anschläge auf den Saiten sehr transparent hörbar sind. Im letzten Viertel des Regelweges wird der Sound recht muffig und die Anschläge entsprechend weniger definiert. Aber auch bei voll aufgedrehtem Bassregler ist der Sound nicht wummerig. Der Höhenregler greift dafür wesentlich stärker ins Geschehen ein. Bei Linksanschlag sind die Höhen sehr weit zurückgenommen, der Klang ist extrem dumpf, ab 15 Uhr werden sie extrem angehoben und der Ton kommt sehr spitz aus dem Speaker. Damit lässt sich sehr gut arbeiten und die Klangfarbe kann optimal an Gitarre und Amp angepasst werden.

Von der Gainstruktur her liefert das Warhorn die Bandbreite von einer leichten Übersteuerung bis zum Mid-Gain-Sound. Der Drive-Regler justiert den Zerrgrad sehr feinfühlig, den Klangcharakter würde ich als rau bezeichnen - also kein schönfärbender Overdrive, sondern einer mit dem gewissen Reibeisen-Ton im Gepäck. Gefällt mir persönlich sehr gut.

Die dynamische Ansprache lässt keine Wünsche offen, vor allem, wenn der Compression-Switch nach hinten zeigt. Der Zerrgrad lässt sich sehr gut über das Volume-Poti an der Gitarre oder die Anschlagstärke beeinflussen. Außerdem fallen feine Spielnuancen beim Warhorn nicht unter den Tisch. Der Anschlag, Pick oder Finger, die Position, also näher an Steg oder Hals, alles wird mit kleinen Unterschieden im Klang klar und deutlich übertragen, so wünscht man sich das.

Neben der Tätigkeit als reines Overdrive-Pedal kann man das Warhorn natürlich sehr gut als Boost- und Anfeuerungspedal für bereits verzerrte Amps benutzen. Durch den Klangcharakter mit leicht abgesenkten Höhen kann man es zum Beispiel entspannt vor einen crisp angezerrten Vox-Amp schnallen, ohne dass dem Zuhörer die Ohren klingeln.

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