Gitarre Hersteller_Victory_Amplification
Test
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23.11.2016

Praxis

Sound

Als ich den kleinen Amp aus seinem Gigbag nahm, war es zuerst einmal die optische Schlichtheit, die mich erstaunte. Gleichzeitig hatte ich die Befürchtung, dass die Klangregelung nicht genug Eingriffsmöglichkeiten bieten könnte. Das Ganze hat sich aber schnell in Wohlgefallen aufgelöst, weil die Schaltung des BD1 von Leuten abgestimmt wurde, die ihren Job verstehen. So ist der Grundsound unglaublich ausgewogen und die gesamte Wiedergabe erstaunlich impulsfreudig und dynamisch.

Richtig clean kann man den Amp allerdings nicht einstellen, auch wenn man den Gainregler sehr weit zurücknimmt, bleibt der Ton immer rotzig und leicht angezerrt. Um den Sound völlig unverzerrt hinzubekommen, muss man das Lautstärkepoti der Gitarre zurückdrehen. Deshalb eignet sich der Amp auch nicht für Hank Harvin Jünger oder beinharte Jazzer. Im ersten Beispiel stelle ich euch die cleanste Einstellung des Amps vor. Obwohl ich den Gainregler hier so weit wie möglich zurückgenommen habe, ist der Ton schon leicht angezerrt. Damit ihr einen Eindruck davon bekommt, wie sich der Amp mit Singlecoils und Humbuckern macht, habe ich für jede Einstellung jeweils ein Audio mit meiner 77er Stratocaster und mit meiner Gibson SG eingespielt. Zuerst hört ihr die Stratocaster und im zweiten Audiobeispiel die Gibson SG.

In der 10-Uhr-Position des Gainreglers bringt der Amp bereits eine beachtliche Verzerrung, die für gemäßigte Blueser schon fast zu viel des Guten sein könnte. Dabei bleibt der Sound jedoch immer luftig und reagiert sehr gut auf den Anschlag und die verwendete Gitarre.

Halbgas-Gain deckt bereits etliche Stilistiken ab, wenn man, wie die Gitarrenhelden der 70er Jahre, mit dem Volumepoti arbeitet. Mich erinnert der Sound des BD1 an einen frisierten AC 30 mit Marshall-Anleihen. Im Unterschied zum Vox-Klassiker ist der Sound in den Höhen zwar längst nicht so fein aufgefächert, aber die Marschrichtung ist klar erkennbar.

Der Contour-Regler ist Dreh-und Angelpunkt für die Frequenzverteilung des Victory BD1. Je weiter man ihn nach links dreht, um so mehr Fundament geht verloren. Im umgekehrten Fall wird der Ton bis 15 Uhr allmählich immer fetter. Bei Einstellungen, die darüber hinaus gehen, werden die Mitten leicht ausgehöhlt und der Bass wirkt künstlich aufgeblasen und etwas schwammig. Im folgenden Beispiel stelle ich euch drei Settings des Contour-Reglers vor. Zuerst hört ihr die 9-Uhr-Einstellung, gefolgt von der 12-Uhr- Position und im letzten Drittel die Vollgasvariante.

Egal, wie weit man den Gainregler auch aufdreht, der Ton bleibt immer transparent und klassisch. Der Amp hat einem modernen Touch und kann auch bedingt für Metalleskapaden eingesetzt werden. Obwohl der BD1 konträr zu seiner äußeren Erscheinung sehr erwachsen klingt, kommt er an die Brachialität eines JCM 800 bauartbedingt nicht heran.

Zum Schluss gibt es noch einige Audios mit der maximalen Verzerrung des Amps. Selbst hier macht der Verstärker keine Anstalten, sich klanglich zu verschlucken. Die Saitentrennung bleibt vollständig erhalten. Klasse! Die Endstufenverzerrung des BD1 ist übrigens nicht unbedingt nötig, um einen wirklich guten Sound hinzubekommen. Ganz im Gegenteil hat mir der Amp bei Halbgaslautstärke, also wenn der Master auf 12 Uhr steht, am besten gefallen. Erst ab 15 Uhr wird die Kompression der Endstufe dann für meinen Geschmack etwas zu heftig. Aber dank der 28 Watt Röhrenpower wird man bei Clubgigs kaum in die Verlegenheit kommen, die Endstufe in die Sättigung zu fahren. Dazu ist der Amp einfach zu laut.

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