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Test
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17.02.2012

Vestax VCI-400 Test

4-Deck MIDI-Controller

Jugglers Delight?

Als Vestax vor knapp fünf Jahren den MIDI-Controller VCI-100 einführte, glich dies einer Revolution für das bis dato zarte Pflänzchen Controller-Deejaying. Eine Kommandozentrale für MP3-Jockeys in dieser Qualitätsstufe? Neugierige Blicke, wenn man mit der Kiste durch das Nachtleben zog, waren nicht gerade selten - die Kommentare breit gefächert. Doch der Erfolg gab Wegbereiter Vestax recht. Andere Hersteller zogen nach, der VCI erlangte Kult-Status, die Szene ist seitdem immens gewachsen. Hard- und Software dutzender Manufakturen verkaufen sich wie warme Semmeln und machen CD-Spielern und Turntables in manchen musikalischen Genres das Leben schwer. Auch im Jahr 2012 wird mit harten Bandagen gekämpft, Innovation wird groß geschrieben und es sind nicht nur die großen Namen der Szene, die mit Build- und Feature-Quality locken. Im professionellen Einsatz überzeugen zu können, das steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier.

Mein heutiger Testkandidat Vestax VCI-400 ist ein DJ-Controller, der sich an Multideck-Artisten und Controllerism-Deejays wendet. Ausgestattet mit professionellen Audio-Schnittstellen und einer eindrucksvollen Armada an Bedienelementen für kreative Tanzflur-Gewitter peilt der Kandidat nichts Simpleres an, als die Spitze der Controllercharts zu erstürmen. Als Softwaredreingabe kommt Virtual-DJ LE in einer speziellen Vierdeck-Variante zum Einsatz, Serato DJ-Intro ist im Download mit von der Partie. Die Preisempfehlung liegt bei stattlichen 951 Euro - nicht gerade ein Betrag, den jeder potenziell Interessierte aus der Portokasse bezahlen wird. Zu den direkten Konkurrenten zähle ich Pioneers Traktor Controller DDJ-T1 (UVP: 899 Test hier), Numarks Itcher NS6 (UVP: 1199 Test hier), Native-Instruments Traktor-Kontrol S4 (UVP: 899 Test hier) und den Denon MC-6000 (UVP: 799 Test hier). Ob der Vierhunderter das Potenzial hat, in die großen Fußstapfen seiner Brüder zu treten?

DETAILS

Unser Muster wird in einem knallroten Karton angeliefert, der neben einem aufgedruckten Vestax-Logo, der Typenbezeichnung und einigen technischen Hinweisen, den Schriftzug Professional Midi & Audio Controller trägt. In der Verpackung finde ich neben der Steuerkonsole, zwei Silberlinge mit Atomix-Software und ASIO-Treibern für die integrierte 24Bit/48KHz USB-Soundkarte sowie ein Benutzerhandbuch samt Installations-Sheet im obligatorischen blauen Umschlag. Eine Postkarte fordert zum kostenlosen Download der Serato DJ Intro Software auf. Dem komme ich gern nach.

Gemäß der Weisheit: „Das beste Controller-Mapping orientiert sich am eigenen Workflow“ schält sich ein Satz Klebefolien aus dem Karton, denn der VCI verzichtet weitestgehend auf Funktionsbeschriftungen. Damit der Käufer dennoch sofort im Bilde ist, erklärt ein Poster die werkseitig implementierten Steuerbefehle für VDJ7LE und SDJI in Englisch und Japanisch. Auf der Internetseite steht zudem eine Konfigurationsdatei nebst PDF für Trecker Fahrer bereit. Der VCI-400 legt ein Kampfgewicht von 4.5 Kilogramm an den Tag und misst 457 x 328 x 61 Millimeter, womit mancher Rucksack eines Wander-DJs vielleicht überfordert sein könnte. Er ist aber deutlich kompakter als ein Pioneer DDJ-T1. 

Schon auf den ersten Blick lässt sich unschwer erkennen: Die Verarbeitung ist sehr gut. Grate oder Schnittkanten kann ich nicht ausmachen. An den Ecken sitzen champagnerfarbene Kantenschützer, die Einheit steht rutschfest auf vier Gummiplatten. Ihre Bedienelemente machen im Trockenlauf einen sehr guten Eindruck, allen voran die einstellbaren Jogwheels. Griffige Potis mit natürlichem Drehwiderstand schmiegen sich an sanfte Fader, deren silberne Kappen dann vielleicht doch Geschmackssache sind. Dicke handliche Filterknöpfe, hintergrundbeleuchtete Tasten und LED-Anzeigen für die Einzelkanäle und den Master runden das Bild ab. Einzig die drei kleinen vorderseitig positionierten Drehregler sind an meiner Test-Unit etwas wackelig geraten. Womit wir beim Frontpanel angelangt wären.

Front und Backpanel
Neben den zuvor erwähnten Knöpfen auf der rechten Seite, welche sich der Kalibrierung des Touch-Sensors und der Crossfader-Curve verschrieben haben, finden wir links einen 6,3-Millimeter-Kopfhörerausgang nebst wunderbar großen und versenkbaren Reglern für Cuemix und Lautstärke. Ferner wurde auf jeder Seite ein Schalter eingesetzt, der den Modus-Operandi (oder sagen wir besser die MIDI-Events) für die untere Button-Riege bestimmt.

Am rückseitigen Anschlussfeld sehe ich im Westen zwei separat pegelbare Neutrik XLR-Kombibuchsen für Mikrofone, die mittels gemeinschaftlichem Switch direkt auf den Master geschaltet oder in die Software eingeschleift werden können. Dort stehen ihnen neben Effekten unter anderem auch Equalizer zur Verfügung, die ich lieber an der Hardware gesehen hätte. Der gleiche Funktionsumfang ist den Line-Eingängen (Cinch, keine Phono-Option) zugedacht. Auch hier übernimmt ein Switch die simultane Verschaltung, auch hier heißt es Line zu Master oder zu Software, auch hier vermisse ich eine richtige Mischpult-Funktion. Denn sollte der Computer im laufenden Betrieb abstürzen, ist der DJ mit einem oder zwei Notfall-Playern zwar gut gewappnet, jedoch kann er sie nicht adäquat ineinander mixen. Die Erkenntnis folgt auf den Fuß: Der VCI ist nicht die erste Wahl für Working-DJs, Allroundern oder Hochzeitsjockeys, die mit externen Zuspielern und Moderation arbeiten. 

Der Master-Ausgang liegt doppelt vor, und zwar als 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse, sowie als XLR-Out. Cinch-Ausgänge sind nicht an Bord, also ist es anzuraten, immer einen Satz Adapter im Gigbag parat zu haben. Ein getrennt regelbarer Booth-Ausgang ist ebenfalls nicht verbaut. Gerade unter professionellen Gesichtspunkten hätte dieser aber durchaus eine Existenzberechtigung. Es muss also für unterschiedliche Beschallungspegel/Räumlichkeiten ein Mischpult am Start sein oder man muss bei schwankendem Besucheraufkommen im Verlauf des Abends an den Aktiv-Monitoren oder der Endstufe hantieren.

Der VCI-100 ist mit dem beigelegten Netzteil zu betreiben. Eine Speisung über den USB-Port allein ist nicht angedacht, wofür wir in Anbetracht der Schnittstellen und Knöpfchenflotte vollstes Verständnis haben. Daher finden sich an der Rückseite, neben der USB-Buchse Typ-B und einer Ausfräsung für ein Kensington-Lock (damit sich der VCI nicht ungewollt unter den Armen eines Unbekannten aus dem Staub macht) noch eine Anschlussvorrichtung für das externe Netzteil samt Einschaltknopf wieder. Der Stecker kann im Übrigen um 360 Grad gedreht werden, falls es mal eng in der Verteiler-Leiste wird. Sehr schönes Detail. Das Kabel indes könnte ruhig etwas länger ausfallen.

Zum Klang gibt es nicht viel zu sagen. Der ist nämlich- vom Kopfhörer bis zum Master Out - schlichtweg druckvoll und detailreich und gehört mit zum Besten, was mir bisher an einem DJ-Controller mit integriertem Audio-Interface untergekommen ist. Profiniveau und absolut clubtauglich.

Aufstellung und Taktik
Das Layout ist bis auf wenige Ausnahmen spiegelsymmetrisch gehalten und zeigt in der Mitte eine großzügig angelegte Mixersektion. Ein Kanalzug startet mit dem klassischen Gain, gefolgt von einem Regler-Trio, welches den Dreiband-EQ der Software bedient. Load befördert die Auswahl des zentralen Browser-Encoders in das zugehörige Deck, Sync gleicht Tempo und Takt der ausgewählten Softwareplayer an. Ein waschechter Eyecatcher ist das dicke rote Filter-Poti aus Aluminium. Hier standen offensichtlich Vestaxs bewährte Rotary-Fader Pate. Einmal angefasst spürt man sofort, dass die Knöpfe sehr grazile Parameterfahrten mit einer entsprechend feinfühligen Software garantieren. Ein rotes Lämpchen signalisiert obendrein, ob das Kombifilter aktiv ist oder nicht. 

Darunter kommt ein Tasten-Duo zum Vorschein, welches Effektsektionen am Kanal scharf schaltet, sowie ein PFL-Button. Er schickt das Signal auf den Kopfhörer. Sehr interessant: Vestax baut die Pegelmeter für die Einzelkanäle direkt neben, oder besser gesagt in die Aussparungen für die 45-Millimeter-Flachbahnregler. Die Anzeigen arbeiten unabhängig von der Fader-Stellung Post Gain/EQ und decken sich mit der grafischen Anzeige in der Softwareoberfläche. Kanäle A und B illuminieren gelb, wohingegen die Übrigen rot leuchten. In der Praxis sind sie jedoch etwas unscharf abzulesen und können meiner Meinung nach nicht mit der klassischen Ampel-Variante gleichziehen. Sie erhöhen zwar durchaus den Überblick und setzen auch als visueller Effekt Akzente, jedoch sollte die Kontrolle auf dem Kopfhörer erfolgen, was in professionellen Gefilden wohl auch kaum jemand anders machen wird. Für die Hauptlautstärke wählt der Hersteller ein traditionelles Stereo-Display mit elf Schritten (8x grün, 1x orange, 2x rot), das auf eine Zahlenskala verzichtet. Darüber thront ein rot leuchtendes Vestax-Logo. Ferner finden wir auf 12 Uhr Position den Lautstärkeregler für den Master nebst Kopfhörerbutton. Darunter ist ein weiterer Satz von vier Tasten und einem Mini-Fader positioniert. Wenn der sich mal nicht zur Verwendung mit dem Traktorschen Loop-Recorder oder VDJs Video-FX aufdrängt. Ein Fall für den Praxisteil. Den Abschluss der Mixersektion bildet ein leichtgängiger Crossfader mit softwareseitiger Curvecontrol. Das Fader-Modul lässt sich im Übrigen über das Service-Fach im Falle eines Defektes schnell austauschen.

Jogwheels
125 Millimeter messen die Handräder im Durchmesser. Ihre berührungssensitive metallene Auflagefläche ist etwas kleiner, weil am äußeren Rand etwa sieben Millimeter Plexiglas frei bleiben. Wodurch einerseits die rote LED des ausgelösten Touch-Sensors im Betrieb besser zur Geltung kommt, andererseits ein gewisser Sicherheitsabstand zur Metallplatte beim seitlichen Anschieben des Tellers im Vinyl-Mode ohne Scratch-Vorhaben gewährleistet ist. 

Die Jogwheels lassen sich, wie schon beim VCI-100 MK2 (Test hier) durch eine zentrale Stellschraube hinsichtlich ihrer Haptik justieren, was den persönlichen Vorlieben an den entgegengebrachten Drehwiderstand zugutekommt. Ferner lässt sich die Empfindlichkeit des Touch-Sensors selbst einstellen. Jedoch stellt sich heraus, dass von der Off-Stellung auf 19 Uhr bis etwa 23 Uhr nicht wirklich viel passiert (Firmware 152). 

Die Teller liegen prima in der Hand, sind gut aufgelöst und ermöglichen im Rahmen der Leistungsfähigkeit der Betriebssoftware präzises Scratching und Bending sowie exakte Positionierungen im Track. Ob in Zeiten automatischer Synchronisation überhaupt Jogwheels nötig sind, und falls ja, ob sie dann an solch zentraler Position in der unteren Deckhälfte von Vorteil oder Nachteil für den Einzelnen sind, möchte ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Das muss am Ende jeder selbst entscheiden. Ich jedenfalls möchte sie dort nicht missen - sei es für klassische Kick-Abwürfe, Navigation oder Pitch-Bending. Denn kein Beatcounter ist perfekt, keine Sync-Funktion absolut zuverlässig, wenn der DJ nicht selbst die Grids der Titel seiner Sammlung überprüft, oder manuell anlegt hat. Und ob dafür vor jeder Session Zeit ist?

Die Pitchfader zur manuellen Tempo-Abgleichung kommen beim zuvor geschilderten Szenario natürlich gerade recht. Sie liegen an den oberen Außenflanken und ihr Regelweg beträgt einvernehmliche 60 Millimeter. Entgegen gängiger Gepflogenheiten verzichtet Vestax auf eine einrastende Nullstellung zugunsten eines roten Lämpchens. Von dort aus sind leichte Deadzones von knapp einem Millimeter in jede Richtung auszumachen, die aber in der Praxis kaum ins Gewicht fallen. Am nördlichen Ende des Fader-Weges wurde zudem eine grüne Indikator-LED für den Pickup verbaut. Schaltet der DJ mit dem darunter liegenden Schalter zwischen den Decks um, wird die Position im Controller gespeichert. Verschiebt er den Pitch und schaltet dann zurück, beginnt das Pickup-Lämpchen zu blinken, wobei der Pitch-Prozess solange unterbrochen wird, bis der DJ die ursprüngliche Stelle des Faders anfährt, um den alten Wert abzuholen. Vor unbeabsichtigten Parametersprüngen ist man also gefeit. 

Tasten
Unterhalb der Jogwheels halten nun erstmalig bei einem VCI-Modell weiche Gummi-Tasten anstelle von Hartplastik-Ausführungen Einzug. Geschundene Fingerkuppen danken herzlichst. An dieser Stelle möchte ich den Produktentwicklern ein Lob aussprechen, denn neben der Möglichkeit, die Decks mittels Kippschalter von A nach C und von B nach D zu wechseln, wurde durch die vorderseitigen Mode-Switches ermöglicht, die zuvor erwähnte Tastenreihe dreifach (ohne Modifier!) zu belegen. So könnte der Beschallungsverantwortliche trotz Deckstellung A, sein Deck C, respektive D einstarten, Hotcues oder Samples abfeuern. Unterschiedliche Farbzustände der Horizontalen geben ein visuelles Feedback zum Ereignis. Erlaubt ist, was gefällt. Wie sich die werkseitigen Vorgaben im Detail verhalten, klären wir im Zusammenspiel mit den betreffenden DJ-Programmen im nachfolgenden Praxisteil. Dass dieser dann in Anbetracht der Tatsache, dass sich gleich drei Betriebsprogramme anbieten, etwas länger ausfällt, bitte ich zu verstehen.

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