Drums
Test
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24.08.2016

Vergleichstest 15 Zoll Snaredrums

Snares von Pearl, Tama, Ludwig und Beier

Darf's ein bisschen mehr sein?

Snaredrums gibt es buchstäblich wie Sand am Meer, selbst erfahrene Trommelsüchtige verlieren sich mittlerweile in der Modellflut. Dass ständig neue hinzu kommen, macht die Sache nicht einfacher. Wer sich heute auf die Suche nach einer neuen Snare macht, kann allein im Bereich der 14 Zoll Standardgröße zwischen hunderten von Serienmodellen wählen. Und waren 13er, 12er oder gar 10er vor noch nicht allzu langer Zeit eher unüblich, haben fast alle Hersteller mittlerweile auch für Freunde der kleineren Durchmesser diverse Modelle im Programm.

Dass es 15 Zoll Snares gibt, wissen viele Drummer hingegen oft gar nicht. Dabei war diese Größe von den Anfangstagen des Drumsets am Beginn des letztens Jahrhunderts bis in die 50er Jahre sehr beliebt. Blättert man alte Kataloge durch, stellt man fest, dass es fast alle Snaredrum-Modelle eben auch in der etwas größeren Variante gab. Besonders Swing-Drummer schätzten die erweiterte Besenspielfläche, und in Blues- und Bigband-Musik lieferten die Kessel etwas mehr Lautstärke und Dynamik, was in den damaligen – meist unverstärkten – Spielsituationen von Vorteil war. Im Laufe der letzten Jahrzehnte setzte sich allerdings die 14er Größe als Standard durch, klangliche Variation wurde fortan eher durch die Veränderung der Tiefe, der Konstruktion und durch die Wahl die Kesselmaterialien erreicht. Ganz verschwunden sind die Schnarrtrommeln in Übergröße allerdings nie, besonders Studiodrummer schwören für manche Projekte auf das zusätzliche Zoll im Durchmesser. Hier kommt ein kurzes Video mit allen vier Teilnehmern.

 

Die Idee, doch mal einen großen Vergleichstest mit 15 Zoll Snaredrums zu veranstalten, um dieser Minderheit zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, lag also nahe. Das Wort „groß“ musste allerdings gestrichen werden, auf ganze drei, in Deutschland in Serie verfügbare, Modelle kommen wir, eine Custom Snaredrum aus den USA erweitert das Feld auf immerhin vier Typen. Im Test finden wir heraus, was sie können und ob ihre geringe Popularität möglicherweise nur dem Umstand geschuldet ist, dass sie nicht problemlos in jeden Snare-Ständer passen.

Alle Modelle im Kurz-Check

Beier 1,5 Steel 15“x5,5“

Mit ihrem in Handarbeit verschweißten Stahlkessel erzeugt die Beier jede Menge Power und Druck. Sie ist eine Rocksnare par excellence, die aber auch durch feine Ansprache und tolle Dynamik überzeugen kann. Zum Verkaufspreis von 550 Dollar müssen noch etwa 25 Prozent Einfuhrabgaben und Versand hinzu gerechnet werden, inbegriffen ist dann aber auch der persönliche Kontakt zum Erbauer der Trommel.

Pearl Sensitone Premium African Mahogany 15“x5“

Mit sehr ausgewogenen und holzigen Klangeigenschaften kann das einzige Holzmodell in unserem 15er Snare Special punkten. Die Pearl Premium African Mahogany klingt in allen Stimmlagen gut und ist damit vielseitig verwendbar. In Funk, Jazz, Blues und HipHop macht sie eine besonders gute Figur. Von allen Testmodellen besitzt sie das kompakteste Klangbild.  

Tama Kenny Aronoff Super Piccolo 15“x4“

Ihr Messingkessel ist nicht nur graviert, auch ihre flache Bauhöhe sowie ihre Spannreifen aus Messing machen sie noch etwas exotischer als die anderen Modelle im Test. Klanglich verbindet sie die Eigenschaften einer tieferen Messing-Snare mit der direkten Ansprache und kontrollierten Tonalität einer Piccolo. Mit fettem, aber kontrolliertem Sound und sehr guter Ansprache dürfte sie für viele Stilistiken geeignet sein, auch tief gestimmt klingt sie ausgewogen und musikalisch. 

Ludwig Supralite 15“x5“

Die günstigste Snaredrum im Test soll mit ihrem Namen an die meist aufgenommene Snare überhaupt erinnern, an die Ludwig Supraphonic. Mit einem luftigen und gleichzeitig präsenten Sound erinnert die Trommel tatsächlich an das berühmte Vorbild aus Aluminium. Dass hier verschweißter Stahl verbaut wird, tut der gelungenen Vorstellung keinen Abbruch, einzig der montierte Snare-Teppich trübt das Bild etwas. 

Fazit

Einen wirklich überzeugenden Grund für die geringe Verbreitung von 15er Snaredrums habe ich im Test nicht finden können, im Gegenteil. Insgesamt gibt es hier von fast allem etwas mehr als bei den populären 14 Zoll Kollegen. Die Trommeln sind bei Bedarf lauter, ihre Ansprache ist mindestens genauso präsent, und auch aufgenommen klingen sie in vielen Situationen einfach etwas „saftiger“. Ein paar Nachteile lassen sich allerdings schwer wegdiskutieren. Da wäre zunächst das Gefummel mit den Körben der meisten Standard-Snare-Stative. Abgesehen von den wenigen Modellen, deren Arme man stufenlos verlängern kann, haben die Hardware-Hersteller die Übergröße offenbar nicht auf der Rechnung. Ein zweiter – wie ich finde, objektiver – Nachteil sind die recht matten Rimclick-Sounds. Hier scheint die große Fellfläche einer knackigen Entfaltung entgegen zu wirken. Und der dritte Aspekt wäre das etwas weichere Spielgefühl. Wer den Rebound einer 14er Snare erreichen möchte, muss die Trommeln unter Umständen in Bereiche stimmen, in denen sie sich tonal nicht mehr voll entfalten können. Als Allrounder oder als alleinige „Workhorse“-Snare würde ich eine 15er daher nicht empfehlen. Wer aber auf der Suche nach neuen Inspirationen und Klangfarben ist, sollte sich unbedingt mal eine anhören. Ich werde so ein Monster über kurz oder lang jedenfalls  brauchen. 

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