Test
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06.02.2019

Praxis

Die Est.1931 besitzen einen eigenen Charakter

Aus meiner eigenen Erfahrung mit Ufip Becken weiß ich, dass sie einen speziellen Klangcharakter besitzen, welcher ganz offenbar stark mit der Fertigungsmethode zu tun hat. Als klar und solide, aber nicht aufdringlich, mit der Tendenz zu einer gewissen Mittigkeit, würde ich den Grundsound beschreiben. Diese Charakteristik finde ich auch bei den Est.1931 Modellen wieder, allerdings ergänzt um jene komplexen und leicht trashigen Klanganteile, die aktuell im Trend liegen. Auffällig ist die sehr rasche Ansprache aller Modelle und die Tatsache, dass alle Kuppen noch über eine klare Tonalität verfügen, eine Eigenschaft, die vielen stark gehämmerten und dünnen Becken fehlt. Auch das Spielgefühl gefällt mir bei allen Testbecken sehr gut, denn sie bieten eine tolle Rückmeldung bei gleichzeitig weichem Feeling. 

Die Hi-Hats lösen sehr fein auf und bieten ein direktes Spielgefühl

Schon vom Spielgefühl her präsentieren sich die beiden Hi-Hats sehr interessant. Ihre stark gewölbte Anatomie in Kombination mit den sehr dünnen Rändern sorgt nämlich für einen soliden Rebound, den man solch leichten Modellen nicht unbedingt zutrauen würde. Geschlossen liegen Top- und Bottom-Becken perfekt aufeinander, auch das trägt zum Gefühl bei, sehr gut kontrollierbare Hats zu bedienen. Die Ansprache fällt nicht nur beim 14er Modell, sondern auch bei der 15er Hi-Hat äußerst direkt aus. Auch leichte Anschläge bei geöffnetem Spiel werden sofort in ein fein aufgelöstes, jedoch nicht allzu tiefes Rauschen übersetzt. Geschlossen erzeugen beide Instrumente einen „tickigen“, holzigen Anschlagston, schnelle Figuren lassen sich mühelos umsetzen und bleiben klanglich differenziert. Müsste ich die Hi-Hats jemandem beschreiben, der die Marke nicht kennt, würde ich sagen, dass sie wie eine Mischung aus einer 15er Istanbul Agop Om und einer modernen Paiste 2002 Medium Hi-Hat klingen. 

Die Crashes: leicht trashig, aber mit lebendigen Obertönen

Vor vielen Jahren habe ich bei einem Sonderpostenverkauf eines Musikladens ein interessantes, ungelabeltes Crash-Becken erworben. Es hatte einen sehr dünnen, fast scharfen Rand und eine dicke Kuppe. Damals hatte ich keine Ahnung, welcher Hersteller es gebaut hatte, klanglich war es aber sehr überzeugend. Es hatte eine ungewöhnlich schnelle Ansprache, klang dabei komplex, aber überhaupt nicht belegt oder dunkel, im Gegenteil. Heute weiß ich, dass es sich um einen Ufip Prototypen handelte. Und unsere Test-Crashes erinnern mich sehr an dieses Becken. Mit dem Unterschied, dass sie aufgrund der großen und tiefen Hammermale über eine stärkere Modulation und ein kürzeres Sustain verfügen. Das 16er besitzt den saubersten Ausklang, während das 20er mit dem höchsten „Trash“-Anteil im Sound aufwartet. Gleichzeitig kann es auch als leichtes Ride überzeugen, nicht zuletzt aufgrund der gut nutzbaren, klar klingenden Kuppe. Auch die tonale Abstimmung der drei Modelle untereinander finde ich gelungen. Im Set gespielt, ergibt sich so eine musikalisch klingende Abstufung.   

Die Rides sind sehr gut kontrollierbar

Kommen wir nun zu den drei Ride-Becken. Sie besitzen im Vergleich den trockensten und kontrolliertesten Charakter, klingen aber trotzdem nicht matt. Alle Modelle lassen einen holzigen, leicht mittig-nasalen Attack sowie einen rauchigen, sehr musikalischen Ausklang hören. Besonders gelungen finde ich das 22er, welches mich ein ganz bisschen an mein eigenes Zildjian Constantinople Bounce Ride erinnert. Am kontrolliertesten spielt sich erwartungsgemäß das 21er Sizzle Ride, dessen Nieten dem Becken zwar das charakteristische Rauschen und damit ein verlängertes Sustain verleihen, der hörbare Beckenton selbst verklingt aber am schnellsten, womit es sich auch für kurze Crash-Akzente in einem schnellen Ride-Pattern eignet. Den höchsten Pitch besitzt das 20er, welches aufgrund dieses Umstands auch gefühlt etwas präsenter klingt als das größere 22er. Weiterhin besitzt es aufgrund seiner etwas ausgeprägteren, mittigen Kehligkeit den typischsten Ufip Sound. Alle drei Rides harmonieren sowohl untereinander als auch im ganzen Set nahtlos.  

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