Recording
Test
2
07.10.2021

Trinnov Audio D-Mon 6 Test

Monitor-Controller mit Raumkorrektur

Digitaler Akustikprozessor für Surround-Sound & Immersive Audio

Der Optimizer von Trinnov Audio ist DIE Instanz, wenn es um das Thema Akustikprozessoren und komplexe Raumkorrektur geht. Er findet sich in ausnahmslos allen Produkten der Franzosen, angefangen bei Hi-Fi und Heimkino über Produkte fürs Studio bis hin zum „ganz großen Kino“ – je nach Anzahl der Kanäle unterschiedlich bepreist, versteht sich. 

Vor einer Weile haben wir bereits das Erfolgsprodukt ST2 getestet, das als Vier-Kanal-Prozessor für Stereo-Setups, Subwoofer und auch als Crossover gedacht ist. Surround bzw. Immersive Audio wird aber immer mehr zum Thema, sodass neben dem essentiellen Mehr an Channels auch umfangreiches Bassmanagement sowie deutlich mehr Monitor-Controller-Features nötig werden. Und genau das soll der D-Mon leisten, den wir hier zum Test geladen haben.

Details

Kurzer Überblick

Der Trinnov Audio D-Mon ist ein Monitor-Controller mit Bassmanagement und Akustikprozessor zur digitalen Raumkorrektur. Insbesondere für Surround-Setups liefert er in zwei Ausbaustufen genügend „Trinnov Optimizer“-Power für angeschlossene Lautsprecher. Der D-Mon 6 bedient mit seinen sechs Channels bestens traditionelle 5.1 Setups, der D-Mon 12 wiederum Dolby Atmos, aber aktuell nur bis 7.1.4.

Kurz nachzählen: 7+1+4=12; die Zahl im Produktnamen erklärt die maximale Anzahl an Optimizer-Kanälen – check! Es muss nicht zwangsläufig Surround sein, denn der D-Mon kann auch Stereo-Setups handeln – theoretisch könnten sich Projektstudios sogar einen Prozessor für ihre Stereobelange teilen. Darüber hinaus können mehr Speaker angeschlossen werden, als Optimizer-Channels vorhanden sind, – dann allerdings nur noch inklusive Delay und Gain.

Physische I/Os gibt es am Gerät reichlich, und zwar in Form von Sub-D-25. Im Falle des D-Mon 6 sind es acht analoge und acht digitale Eingänge sowie acht digitale Ausgänge und zwölf analoge Ausgänge. Im Falle der analogen Ausgänge sind die ersten acht außerdem in XLR ausgeführt. So ist man hinsichtlich der Monitoranschlüsse zunächst mal flexibel. Via MPIO gibt es u.a. auch einen Kopfhörer-Ausgang, zwei Talkbacks mit 48Volt und MIDI.

Zusätzlich kann man über die restlichen I/Os jede Menge Cue- und Down-Mixes bereitstellen, Listen- und Talkbacks (max. 2) konfigurieren und alternative Speaker, Rooms bzw. Quellen bedienen. Bis zu 14 individuelle Sub-Mixe sind möglich, welche aus Quellen und anderen Mixen bestehen bzw. gemischt werden können, darunter einzelne Kanäle eines Surround-Streams. Alle Zuweisungen werden flexibel via Software erledigt, die parallel zur Optimizer-Software auf der proprietären Hardware läuft.

Apropos Hardware: Im Prinzip sind alle Trinnov-Produkte angepasste Linux-Rechner mit spezielleren I/O-Konfiguration. Und mit Rechner meine ich PC, denn wenn man sich die Rückseite genau anschaut, erkennt man die Standardschnittstellen eines Motherboards. Am schicksten dürfte die Altitude-Serie die Computer verpacken, welche als A/V-Receiver und Decoder arbeiten, also nicht nur Speaker-Outs, sondern auch reichlich HDMI I/Os mitbringen – aber das nur am Rande.

 

ST-2 auf Steroiden oder reduzierter MC Pro

Die umfassenden Anpassungsmöglichkeiten des Optimizers und seine präzisen Frequenz-, Phasen- und Impulskorrekturen hab ich bereits im Test des ST-2 herausgearbeitet. Geändert hat sich daran grundsätzlich nix, außer, dass es hier eben mehr parallele Channels für mehr gleichzeitige Speaker sowie die umfangreichen Monitor-Controller-Features gibt.

Jeder Speaker wird während der Kalibration einzeln ausgemessen und anschließend bearbeitet – das Gesamtergebnis wird darauf basierend optimiert. Mit dem aufpreispflichtigen Trinnov 3D-Mic wird besonders detailliert gemessen: Durch Triangulation der einzelnen Mics werden sogar die Positionen der Speaker im Raum auf Grad und cm genau bestimmt, Tweeter, Midspeaker sowie Azimut und Öffnungswinkel werden erkannt. 

Anschließend übernimmt der Prozessor die Auswertung und optimiert einzelne Speaker plus Raum. Dabei wird zunächst eine statische Laufzeitkorrektur und Frequenzanpassung vorgenommen, sprich die Korrektur der Amplitude im Übertragungsverlauf, so wie man das von den meisten Systemen her kennt. Bemerkenswerter ist die zusätzliche Korrektur über die Zeit, also die Anpassung des Phasengangs, der Gruppenlaufzeit sowie die Impulskorrektur. So werden sogar Early Reflection Patterns weitestgehend herausgerechnet. Da kann Sonarworks oder REW einpacken, zumal Performance und Latenz ebenfalls besser sind. Aktuell auf dem D-Mon aber nur bis maximal 96 kHz. 

Darüber hinaus – und das ist mein Highlight – kann man detailliert auf den Processing-Algorithmus Einfluss nehmen bzw. der Korrektur Grenzen vorgeben, Filterarten eingrenzen etc. Eine Schnurgerade auf dem Frequenzschrieb mag beeindruckend aussehen, gut „klingen“ tut sie in den seltensten Fällen… Mit welchen Details die Anpassungen hier möglich sind, ist beeindruckend. Insofern ist der Trinnov Optimizer ein mächtiges Tool, das aber – ohne den versierten Techniker bzw. Akustiker – allein auch keine Wunder verbringt.

To remote or not to remote

Der Optimizer kann traditionell über den Anschluss eines Monitors sowie über Maus und Tastatur auf der Rückseite der 19-Zoll-Unit erreicht werden. Eine virtuelle Verbindung via VNC und Netzwerkkabel ist ebenso möglich und außerdem praktischer. Die Bedienung erfolgt so über den Browser des Hosts bzw. mit einer kleinen App auf Mac OS. 

Schön ist die GUI des Optimizer nicht unbedingt, eher pragmatisch und nicht sonderlich hochauflösend. Die Software für die Monitor-Controller-Features wiederum ist stylisher, sieht besser aus, also modern und übersichtlich, und ist frei skalierbar. Das ist gut, denn im Alltag hat man mehr mit ihr zu tun, den Optimizer sieht man hingegen nur beim Einrichten, danach eher nicht mehr. Eine Einbindung in Eucon/AVID ist ebenfalls vorhanden, sodass sich der Trinnov in eine S6 oder dergleichen perfekt einbinden lässt – aus Ermangelung einer solchen Bedienhilfe kann ich dazu aber leider nicht viel mehr sagen.

Elegant ist außerdem die Steuerung mit der optionalen „La Remote“, einer edlen und kabelgebunden Fernbedienung mit Display. Genau wie „Consumer-Geräte“ der Heimkino- und Hi-Fi-Sparte von Trinnov ist sie hochwertig und schwer verarbeitet. Sie lässt sich umfangreich „customizen“, sogar an eine Option für das eigene Logo wurde gedacht. Die Franzosen haben ja durchaus ein Händchen für Ästhetik; der 19-Zoll-Klotz kann dann getrost im Maschinenraum verschwinden. Muss er aber nicht zwangsläufig, denn trotz Lüfter blieb er während meines Test stets leise.

Und wo wir gerade bei den Äußerlichkeiten sind: Schauen wir auch einmal direkt rein!

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare