Hersteller_Triad
Test
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30.05.2013

Praxis

Bevor es an den ersten großen Feldversuch mit dem Triad-Orbit-System geht, ist der Termin im Fotostudio angesagt. Dabei fällt auf, dass T1, T2 und T3 in identischen Verpackungen geliefert werden. Entgegen meiner ersten Annahme, dass sich die Stative nicht kleiner zusammenlegen lassen, ist es aber doch möglich. Sehr klein sogar! Für Verleiher, die viel unterwegs sind, ist der geringe Platzbedarf eine gute Nachricht, weil sich eben viele Stative in einem kleinen Case unterbringen lassen (für den, der das Case nachher schleppen muss, ist diese Nachricht freilich nicht so gut).

Unter der Blitzbeleuchtung geben nahezu alle Produkte ihre optischen Mängel preis, seien sie auch noch so klein. So auch die Triad Orbits. Zwar wirkt die Verarbeitung der Hardware durchweg sehr gut, doch hat man beim Lack offenbar nicht gegeizt, so dass sporadisch kleinste Unregelmäßigkeiten, Bläschen, Verläufe und Nasen zu erkennen sind – aber nichts, was man wirklich ankreiden müsste. Und: Im Vergleich zu deutscher High-End-Qualität, wenn es um das Thema Oberflächenbehandlung geht, können sich andere Produkte eben meist nur hinten anstellen. Die Triad-Orbits sind diesbezüglich „typisch amerikanisch“. Habe ich etwa gerade „dick aufgetragen“ gesagt? Ich meinte natürlich den Lack! Was wichtiger ist: Die Gewinde sind allesamt präzise geschnitten, die Kugeln absolut rund, es gibt keine Grate oder sonstige funktionelle Ungereimtheiten – an keinem der Produkte, die ich zum Test hatte. Dreht man einen Kugelverbinder fest, sind auch bei langen Galgenauslegern keine Höhenveränderungen feststellbar, die im tontechnisch relevanten Bereich liegen würden: Die Konstruktion hebt sich durch das von unten an den Ball ansetzende sphärische Metallstück nur unwesentlich.

Der Aufbau des Systems und die Bedienung sind – einschließlich der Umbaumöglichkeiten – kinderleicht. Dass fremde Engineers oder Musiker rätselnd vor den Stativen stehen, ist nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Häufig sieht man, dass besonders unerfahrene Personen (gerne Sprecher auf Veranstaltungen!) am Stativmaterial herumnesteln und die Galgen „verstellen“ wollen, ohne jedoch die Verschlüsse zu öffnen. Ich bin mir recht sicher, dass dies langfristig die Verschleißursache Nr.1 bei üblichen Stativen ist. Möchte man hingegen auf diese Art den Galgen eines Triad-Orbit bewegen, bewegt man direkt das gesamte Gebilde. Sowohl die Lagen, als auch die Größen der Bedienelemente sind sehr stimmig. Die Knebelschrauben sind groß genug, die Gewindeschaft-Verschlüsse sind derart üppig dimensioniert, dass man auch mit der verschwitzten Hand immer guten Grip hat – die Riffelung ist ebenfalls äußerst griffig. Lediglich die kleinen runden Drehgriffe an den Mikros fallen diesbezüglich etwas ab, vor allem wegen ihrer geringen Baugröße. Hier ist aber ein derartiger Kompromiss notwendig, denn je nach Einstellung (und da gibt es ja bekanntlich viele Möglichkeiten) wären sich Mikrofon und Schraube sonst gegenseitig im Weg. Beim O1 kann es passieren, dass sich Gewindeschaft-Manschette und Knebel in die Quere kommen und man ein wenig fummeln muss, wenn man den Orbit-Arm an die Knebelschraube anlehnt. Schlimm ist aber auch das nicht: Sieht man diese Gefahr, dreht man einfach den kompletten Orbit auf dem Drehteller um 180° und den Galgenarm mit dem Kugelgelenk ebenfalls, schon ist der Fall erledigt.

Grandios ist die Fußverstellung (zumal sie so einfach zu bewerkstelligen ist). Einerseits kann dadurch tatsächlich in vielen Situationen ein Galgen eingespart werden, andererseits lassen sich mehrere Stative schön ineinanderstecken oder so aufbauen, wie halt eben Platz ist. Bei der Mikrofonierung des Drumkits konnte ich besonders vor der Bassdrum von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen, wie man auf den Bildern gut erkennen kann.

Selbstredend nimmt die Stabilität eines Mikrofonständers ab, wenn man die Beine steiler stellt und somit näher an den Mittelpunkt rückt, jedoch wird das erst im Zusammenspiel mit sehr schweren Mikrofonen oder weit ausgelegten Galgen relevant. Ohne Galgen sollte man beim Tilten bedenken, dass man eine stabilere Konstruktion hat, wenn man nicht ein einzelnes, dem Mikrofon opponiertes Bein steiler stellt, sondern zwei. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt des Ständers über das vorgestellte Bein und nicht genau zwischen zwei; im Ergebnis steht der Aufbau stabiler. Allerdings geht das bei der Verwendung von Floorboards nicht, sondern nur, wenn man das vorangestellte Bein irgendwo unterschieben kann, wie etwa bei Drumkits, so geschehen bei der Floortom und der Hi-Hat. Apropos Hi-Hat: Ein drehbares Bein, wie es manche Hi-Hat-Maschinen anbieten, wäre eine spitzenmäßige Lösung. Bei der Verwendung von Galgen und nicht allzu langen Auslegewegen kann man sogar entgegen der Mikrofonrichtung tilten, um den Schwerpunkt zu zentrieren und den Aufbau noch weiter zu stabilisieren.

Wer es sich leisten kann, der könnte eigentlich statt T2-Stativen direkt T3 anschaffen. Einmal ist die Luftfederung sehr hilfreich, durch den dreifachen Auszug kann beim T3 zudem eine insgesamt geringere Höhe erreicht werden. Und was Bodennähe angeht, ist das T1 leider gar nicht so klein, wie man es sich für manche Tiefst-Mikrofonierung wünschen würde: 57 Zentimeter Minimalhöhe bei Einstellung der Füße auf den flachsten Winkel sind für manche Cabinet- und Bassdrum-Mikrofonierungen schon zu viel. Zwar lässt sich mit Micro M1 oder M2 oder einem O2 die Mikrofonposition etwas näher an den Boden bringen, doch das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Der O1 ist natürlich sehr praktisch: Er lässt sich hervorragend positionieren, weit ausziehen und behält dank der großflächigen Fixierung der Kugel auch bei hohen Gewichten und weitem Auszug seine Position. Richtig genial ist aber der O2, denn mit ihm lässt sich so manches Stativ einsparen – denn ein Mikrofon kommt ja selten allein. In der Kombination T1/O2 an der Snare ist der Doppelgalgen die absolute Idealbesetzung! Auf großen Ständern lassen sich von MS über XY, ORTF, NOS bis zu größeren Laufzeitverfahren verschiedenste Stereo-Mikrofonierungen durchführen. Auf den Bildern der Schlagzeug-Mikrofonierung sieht man, wie tapfer die Arme das (wirklich sehr hohe!) Gewicht der beiden als Shoulderheads verwendeten Coles 4038 stemmen.

Ebenfalls gut geeignet ist der Orbit O2 für die Lautsprecher-Mikrofonierung mit zwei Mikrofonen. Besonders bei paralleler Ausrichtung lassen sich (vor allem bei Verwendung zwei identischer Mikrofontypen) schön Kammfilter erzeugen und über den Abstand von Kapsel zu Kapsel (und somit das Delay) genau einstellen. Ein wenig schade ist hingegen, dass sich die beiden Arme nur begrenzt unterschiedlich lang einstellen lassen. Bei einem Ausziehbereich eines Galgens von 43 bis 61 cm beträgt die Differenz nur 18 Zentimeter, das sind sieben Zoll. Bedenkt man, dass eine Bassdrum im Regelfall mindestens doppelt so tief ist, wird es mit der kombinierten Mikrofonierung von Schlagfell und Resonanzfellhöhe mit dem O2 leider nichts. Sicher kann man noch ein bisschen Strecke hinzumogeln, indem man den O2 etwas neigt und schrägstellt sowie Micro M1 verwendet, doch dazu gesellt sich ja noch die Schwierigkeit, dass selbst der T1 als Basis für den O2 zu hoch ist, um einen der Galgen parallel zum Boden in die Bassdrum hineinzuführen. Aber wer weiß, vielleicht ist da bei Triad-Orbit ja noch etwas im Busch, schließlich ist die Bassdrum-Mikrofonierung mit mehr als einem Mikrofon nicht unüblich.

Die Luftfederung des T3 – der Videotechnik entlehnt – ist zweifelsohne eine hilfreiche Sache und wird so manches Mikrofonleben verlängern, doch löst man einen der Ball Joints eines Orbit-Galgens, kann man sein teures Mikrofon eben doch ins Licht schicken. Es geht auch anders: Kugelköpfe für Foto- und Videoapparate beispielsweise (bekanntlich oft ebenfalls verdammt teuer und verdammt schwer) können mit einer einstellbaren Friktion ausgerüstet sein. Die Italiener von Manfrotto und das deutsche Unternehmen Novoflex beispielsweise bieten derartige „Bremsen“ für ihre Kugelköpfe an, die übrigens nicht nur ein spontanes Wegrutschen des ihnen anvertrauten Werkzeugs verhindern, sondern durch den etwas erschwerten Gang ganz nebenbei auch noch ein sehr genaues Positionieren ermöglichen. Der Nachteil ist allerdings (Na, weiß es jemand? Genau:) der Preis derartiger Lösungen. Nur langfristig lässt sich feststellen, ob zwischen Ballaufnahme und Metallball bei den Swivel-Joints Schmutz eintreten kann und in der Folge anfängt, an der Kugeloberfläche zu reiben – wodurch ein Ausschlagen möglich wäre.

Bei der Schlagzeug-Mikrofonierung hatte ich die Möglichkeit, viel auszuprobieren und viel zu kombinieren. So hatte ich an der Bassdrum auch ein T1/O2 und ein T1 „solo“ im Einsatz, aber so, wie ihr es auf den Bildern seht, kann man vorzüglich die praktischen Füße zeigen. Bei der ganzen Kombiniererei war es ungemein hilfreich, das IO-Stecksystem zur Verfügung zu haben, denn manche Wechsel vollzogen sich wirklich im einstelligen Sekundenbereich! Sowohl live als auch im Studio ist dieses System der absolute Timesaver! Manche Studios haben ihre Mikrofone zwar einsatzbereit auf Stativen, doch was, wenn sie dann eben doch bis unter die Decke sollen oder in das Schallloch der Cajón? Denkbar ist, Mikrofone auf IO-Kupplungen oder M1/M2 aufzubewahren, also quasi pre-fitted. „Nimmst Du statt des MD-441 unter der Snare bitte mal das C414EB?“ „Ja klar, eine Sekunde!“ (Klick, klock) „Fertig!“ Zwar muss man die Sechskantstifte präzise positionieren (und sich vergewissern, dass sie auch eingerastet sind!), doch hält das System dann absolut hervorragend!

Die Verwendung von Micro M1 oder M2 ist zwar oftmals eine riesige Hilfe, gerade dann, wenn wenig Platz ist. Doch so manche Halter, die mit den Mikrofonen geliefert werden, sind in Kombination mit M1 oder M2 dann doch zu viel des Guten. Eine Vielzahl Gewindeanschlüsse und redundante Neigungsmöglichkeiten machen kein Gesamtsystem stabiler und besser zu handhaben, zu erkennen am Equitek-Mikrofon an der Ride, dessen Halter per se schon sehr flexibel ist. Gut ist allerdings, dass man mit denamerikanischen Triad-Orbit-Systemen endlich die Möglichkeit hat, durchgängig das größere 5/8"-Gewinde zu verwenden und auf die nervtötenden Adapter zu verzichten. Fast jedem Produkt von Triad-Orbit sind dennoch Reduzieradapter auf 3/8" beigelegt, falls es – wie bei der Test-Mikrofonierung zeitweise mit dem antiken Sennheiser MD21 – ein Mikrofon oder einen Halter gibt, der den kleinen Anschluss verlangt.

Ihr habt im Laufe des Textes wohl bemerkt, dass ich hier bewusst Nadeln in Heuhaufen suche – und auch einige Exemplare finden konnte. Allerdings waren diese recht stumpf. Während des ersten Tests mit dem Triad-Orbit-System habe ich mich mehrfach beim Murmeln von „cool“ oder sogar „geile Scheiße“ erwischt (tut mir leid um den Kraftausdruck, aber das entspricht eben der Wahrheit). Meine Entscheidung für die Neuanschaffung von Mikrofonständern für die Arbeit im Studio würde eigentlich feststehen, wenn sie denn anstünde.

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