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Test
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03.06.2021

Traveler Guitar Redlands Dreadnought 450E SB Test

Reise-Westerngitarre mit Tonabnehmer

Dreadnought für die Hutablage

Die Traveler Guitar Redlands Dreadnought 450E bietet im Gegensatz zu ihren maximal reduzierten Familienangehörigen einen echten Westerngitarren-Korpus. Die Firma Traveler Guitar mit Sitz in Redlands in Kalifornien produziert seit 1992 Reisegitarren mit kompakten Abmessungen, die primär für den Backpacker, Busker, Camper und überhaupt für alle Gitarristen konzipiert sind, die im Urlaub nicht einrosten wollen. Im Akustikgitarren-Line-Up finden wir aktuell neben Reisegitarren aus der Escape- und der Ultra Light-Serie auch Akustikgitarren aus der Redlands Serie, die mit allen Vor- und Nachteilen einer Vollakustikgitarre gesegnet sind und ganz aus Holz bestehen. Dabei ist die Full-Scale-Mensur bei allen Modellen "gesetzt".
Hergestellt werden die Instrumente auf hohem Fertigungsniveau in China.
Unsere Testkandidatin, die Redlands Dreadnought, entstammt der Redlands Serie und kommt, wie der Name schon verrät, in Gestalt einer Dreadnought, fällt aber sichtlich kompakter aus als das Original. Ob eine vollakustische Gitarre in dieser Größenordnung einen fulminanten Natursound freisetzen kann oder am Ende dann doch nach "Ukulele" klingt, werden wir noch eruieren. Jedenfalls kann sich die Redlands Dreadnought notfalls auch komfortabel mit einem integrierten aktiven Tonabnehmersystem Gehör verschaffen. Aber nun der Reihe nach.

Details

Korpus

Eine genaue Miniatur der Martin-Dreadnought ist unsere Kandidatin nicht, denn es gibt zahlreiche Konstruktionsmerkmale, die sie vom berühmten Mutterschiff unterscheiden. Aber die eckigen Schultern und die breite Taille erinnern dann doch an den Korpus einer Dreadnought, denn auch die Proportionen stimmen, wobei die Größenverhältnisse um ca. 22 % reduziert wurden. Dem entsprechen die Abmessungen von 39,30 (L) x 30,75 (B) cm an der Decke. Auch an der Zarge hat unsere Reisebegleitung mächtig abgespeckt, denn die Aufbauhöhe beträgt nur noch 9,5 cm und mit einer Gesamtlänge von 83,2 cm ist sie nicht viel größer als ein Tennisschläger. Die Reduktionsmaßnahmen haben ihren Preis, denn die Redlands Dreadnought musste ihre Kopfplatte opfern. Dazu unten mehr.

Da unsere Testkandidatin mit Präzision und viel Liebe zum Detail konstruiert wurde, sollten sich Vergleiche mit Spielzeuginstrumenten verbieten, zumal die Gitarre mit Stahldrähten bespannt wurde und sich mit Normalmensur präsentiert. Von der traditionellen Holzbauweise hat sich unser Testmodell jedenfalls gar nicht so weit entfernt, auch wenn das Instrument ohne Kopfplatte sehr futuristisch anmutet.

Für den vergleichsweise grundsoliden Naturton macht sich eine zweiteilige Fichtendecke stark. Die mittig verlaufende Nahtstelle ist gekonnt kaschiert, bleibt aber sichtbar. Eine klassische Sunburst-Färbung hübscht die Decke auf und versiegelt sie hochglänzend. Der Farbverlauf mit fließenden Übergängen beginnt am Deckenrand mit einer dunkelbraunen deckenden Farbschicht. Es folgt eine transparente, schmale, rötliche Farbschicht in der Mitte und eine transparent-honiggelbe im Zentrum, und das Ergebnis kann sich sehenlassen. Ein schmucker authentischer Teardrop schützt die Decke vor unkontrollierten Schlagmanövern.

Ansonsten präsentiert sich die Redlands Dreadnought bescheiden, lediglich mit einer schlichten Schalllochverzierung, der Rest kommt ohne weitere preistreibende Einlegearbeiten aus. Da auf eine Reisegitarre an jeder Ecke Gefahren lauern, sollte sie nicht unbedingt allzu teuer sein. Mit runden 500 Euro kratzt die Redlands Dreadnought meines Erachtens aber an der Schmerzgrenze. Zwar befindet sich im Lieferumfang ein Gigbag, das dem Instrument unterwegs einen gewissen Schutz bietet, aber auf der sicheren Seite ist man damit nicht.

Weniger Einfluss auf den Ton nehmen Boden und Zarge aus Mahagoni. Der Body wurde mit einer dicken dunkelbraunen Lackschicht überzogen und abschließend hochglänzend poliert, die Strukturen bleiben aber überall sichtbar. Die Stoßkanten werden rundum mit einem Streifen aus hartem Ebenholz geschützt.

Die Stimmmechaniken hat man an den unteren Korpusrand verlegt, da dem Instrument die Kopfplatte abhandengekommen ist. Das hauseigene "Streamline Tuning-System" erinnert an das Steinberger-Patent aus den 80er Jahren. Die Hardware, die mit drei Schrauben mittig am Korpusrand befestigt ist, dient einerseits als Saitenhalter und andererseits als Träger der Stimmmechaniken. Die Saiten werden dort unter der Abdeckung mit den Ball-Ends eingehängt. Auf der gegenüberliegenden Sattelseite werden sie an einer Halterung mit Schrauben arretiert. Darüber hinaus dienen am Sattel drei Saitenniederhalter mit Schraubmechanismus dazu, die Saitenpärchen stabil in den Kerben zu halten. Es können herkömmliche Akustikgitarrensaiten eingespannt werden, die aber nicht mehr (umständlich) aufwickelt, sondern passgenau auf die gewünschte Länge gekürzt werden, nachdem sie die Führungen passiert haben. Ersatzsaiten, den passenden Inbus und entsprechendes Werkzeug sollte man sich noch besorgen, bevor es auf die Insel geht.

Die Hardware in Antik Bronze macht einen robusten Eindruck und sieht sehr edel aus. Die Stimmvorrichtungen arbeiten präzise, bewegen sich mit ihrer Schubladenmechanik im Rückwärtsgang aber nicht gerade leichtgängig. Der aufgeleimte Steg aus Schwarznuss hat seine Funktion als Saitenhalter verloren und dient nur noch als Schwingungsüberträger. Mit dem geschwungenen Oberbauch unterscheidet sich sein Design übrigens auch formal vom Steg einer Dreadnought. Die einteilige längenkompensierte Stegeinlage sorgt dafür, dass die Gitarre auf ganzer Länge oktavrein bleibt.

Interieur

Rötlich-braun schimmerndes Mahagoni gibt im Inneren den Ton an. Herzstück der Konstruktion ist der Halsblock, der die Decke, den Boden, die Zargen und den Halsfuß zusammenhält. Die Decke wurde standardgerecht mit zwei robusten Streben aus Fichtenholz stabilisiert, die sich hinter dem Schallloch kreuzen. Zwei flache Leisten stärken den fragilen Bereich rund um das Schallloch.
Die Reifchen zur Vergrößerung der Verleimstellen am Decken- und Bodenrand sind rundum sauber und gleichmäßig eingesetzt, Leimreste sind nirgends zu entdecken. Vier quer eingebaute Leisten aus Fichtenholz tragen dafür Sorge, dass sich die beiden Bodenhälften nicht voneinander ablösen. Einen Bodenmittelstreifen hat man unserer Probandin nicht geschenkt, aber einen fragilen Eindruck macht sie deshalb nicht. Der Hersteller hat jedenfalls keine Bedenken, die Redlands Dreadnought mit einem kräftigen Satz D'Addario EXP-16 (.012 - .053) zu bespannen.

Elektronik

Das aktive Tonabnehmersystem bietet sich optional zur Verstärkung des Naturtons an. Das System, bei dem der piezokeramische Untersatteltonabnehmer unsichtbar unter der Stegeinlage parkt, wurde von der Firma Traveler Guitar konzipiert. Den Preamp mit leicht zugänglichen Bedienelementen findet man in der oberen Zarge. Zur Steuerung werden mit den Klangreglern Bass, Middle, Treble, Presence und einem Controller für Volume die obligatorischen Tools aufgefahren. Darüber hinaus hat der Preamp einen Tuner und einen Phasenumkehrschalter an Bord. Die Bedienelemente sind übersichtlich und benutzerfreundlich angeordnet. Der Tuner arbeitet präzise, der Referenzton (A = 440 Hz), kann aber nicht kalibriert werden. Beim Aktivieren des Tuners wird der Ton automatisch am Ausgang abgeschaltet. Der Presence Controller gibt ihm den Glanz im oberen Frequenzspektrum zurück, der in der Regel beim Spiel mit einem Untersatteltonabnehmer/Preamp verloren geht. Die Eingangsbuchse ist zusammen mit dem Batteriefach auf einer Grundplatte aus Kunststoff in der unteren Zarge montiert. Eine LED meldet sich (rotleuchtend), wenn dem 9 V-Block der Saft ausgeht.

Hals und Griffbrett

Hals und Griffbrett aus verwindungssteifem Mahagoni haben nicht im gleichen Maßstab an der Verzwergung des Korpus teilgenommen. Die Normalmensur hat man deshalb dem Instrument gelassen, was einer ausgewachsenen Hand entgegenkommt.
Ein eingelegter Halsstab verleiht dem Hals die nötige Stabilität. Mit dieser Vorrichtung wird ggf. auch die Halskrümmung (im unteren Drittel) justiert. Die Stellschraube dafür befindet sich im Schallloch unter dem Griffbrett. Der flache Halsfuß wurde stabil mit dem Korpus verleimt.
Das Griffbrett aus Schwarznuss wurde passgenau auf dem Hals verleimt und es fühlt sich gut an, zumal die Einbindung mit Ebenholzstreifen den Spielkomfort erhöht. Die Griffbrettwölbung ist mit 9,5" vergleichsweise stärker ausgeprägt, aber nicht so stark wie bei E-Gitarren (z. B. von Fender). Die insgesamt 20 Jumbobünde treten an den Seiten nicht aus, die Bundkronen wurden sauber abgerichtet und poliert. Punktmarkierer auf dem Griffbrett und an der Einbindung weisen dem Spieler den Weg beim Lagenwechsel. Der Hals-Korpus-Übergang befindet sich bei diesem Modell am 15. Bund (!), wodurch die oberen Bünde auch ohne Cutaway leichter zugänglich sind, zumal ein flacher Halsfuß dem Spieler mehr Freiraum gibt. Der Sattel wurde sorgfältig bearbeitet und passgenau eingesetzt, ist mit 44,5 mm aber breiter als der einer normal dimensionierten Westerngitarre. Dem entspricht ein vergleichsweise dünner Hals mit einem Halsumfang von 11,5 cm am Sattel. Hals und Halsfuß wurden mit einer dicken schwarzbraunen Lackschicht überzogen und abschießend hochglänzend poliert.

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