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22.03.2020

Meistersaal

Der Meistersaal ist sozusagen das historische Aushängeschild der Rooms of Hansa SDX. Er bietet eine Grundfläche von 266 Quadratmetern bei einer Deckenhöhe von sieben Metern und einen entsprechend „großen“ Raumklang, wobei die Holzvertäfelungen an den Wänden und der Decke mit Sicherheit ihren Einfluss auf die Akustik haben. Gemessen an der reinen Größe des Aufnahmeraumes liegt der Meistersaal zwischen der Rock Foundry SDX bzw. der Rock Warehouse SDX (beide aufgenommen in den Warehouse Studios in Vancouver) und der Core-Library des Superior Drummer 3 (aufgenommen in den Galaxy Studios in der Nähe von Brüssel). Heute ist der Meistersaal vor allem ein Veranstaltungsort. Als Aufnahmeraum wird er von den Hansa Studios nur noch nebenbei genutzt.

Im Meistersaal wurde das erste Prototyp-Drumset des deutschen Drum-Tuning-Gurus und Trommelbauers Udo Masshoff aufgenommen. Das Twin Shell Kit nutzt für seine Kessel eine äußerst ungewöhnliche Kombination aus Ahorn und Stahl und bietet einen Sound, der von Produzent Michael Ilbert als weitgehend mixfertig bezeichnet wird. Für Kick und Snare gibt es jeweils zwei Optionen und zusätzlich wurde das komplette Instrument mit Mallets gesampelt.

Live-Room

Beim Live-Room handelt es sich um den aktuell eigentlichen Hauptraum der Hansa-Studios. Mit seiner Größe von 130 Quadratmetern und moderaten Deckenhöhe bietet er eine lebendige aber gleichermaßen kontrollierte Akustik. Die zugehörige Teil-Library bietet den am meisten naturbelassenen Drumsound der gesamten SDX, wobei das unten zu hörende Default-Preset verhältnismäßig trocken gemischt ist – daran lässt sich im Mixer des Superior Drummer 3 natürlich noch etwas ändern.

Das im Live-Room aufgenommene Drumset von Camco stammt aus den 1970ern und ist eines der beiden Vintage-Kits der Rooms of Hansa SDX. Es kommt mit tendenziell großen Trommeln, bietet einen warmen Grundklang und ist im breiten Bereich von Rock/Pop durchaus vielseitig einsetzbar – nicht zuletzt dank der jeweils drei Optionen für Kick und Snare.

Marble-Room

Der mit Marmor verkleidete Marble-Room ist noch einmal deutlich kleiner als der Live-Room und bietet dank der harten Oberflächen an den Wänden und der Decke einen knalligeren und aggressiveren Raumklang, der sich besonders gut für Rock-Drums eignet. Auch in Hinblick auf das Recording hat Michael Ilbert seine EQs und Kompressoren hier offenbar etwas deutlicher zupacken lassen.

Das Default-Kit des Marble-Room ist das auch im Meistersaal aufgenommene Twin Shell Kit von Udo Masshoff, wobei die Unterschiede beim Drum-Tuning, Raumklang und Recording sehr deutlich sind. Als zweites Kit wurde ein Supreme Classic Acrylic von Wahan gesampelt, wobei es sich hier um das persönliche Kit von Grönemeyer-Drummer Armin Rühl handelt, das von ihm für mehrere Tourneen und Aufnahmen (u.a. für das Album „Mensch“) genutzt wurde. In Hinblick auf die Extras ist der Marble-Room mit jeweils fünf Kicks und Snares, vier Octabans und einem Satz Rototoms der in Hinblick auf das Instrumentarium vielfältigste Part der Library.

Vocal-Booth

Als vierter und letzter Raum der Hansa Studios wurde auch die dortige Vocal-Booth zum Drum-Recording zweckentfremdet, und das ist eine weitere echte Besonderheit. Einen so kleinen und doch umfangreich und detailliert gesampelten Aufnahmeraum findet man im Repertoire des Superior Drummer 3 mit all den ihn umkreisenden SDX-Libraries sonst nicht. Wer nach ultra-trockenen und transientenstarken Drum-Sounds sucht, die fast schon so kompromisslos definiert wie Electro-Sounds klingen, dabei aber lebendig und detailliert bleiben, der wird hier glücklich. Ich persönlich habe seit langem auf eine vergleichbare Library für den Superior Drummer gewartet!

Das Default-Kit der Vocal-Booth kommt vom kalifornischen Hersteller Sugar Percussion, der sich darauf spezialisiert hat, Custom-Drums aus ganzen Blöcken von Massivholz zu fertigen – in diesem Fall aus Mahagoni. Als zweites Drumset wurde ein weiteres Stück aus dem Besitz von Armin Rühl aufgenommen – und zwar ein italienisches Meazzi Wooding Kit aus den 1960er Jahren. Der Part der Vocal-Booth kommt mit insgesamt drei Kicks und vier Snares.

Artikulationsreichtum variiert pro Library-Part

Wie man das vom Superior Drummer und seinen Erweiterungen kennt, wurden alle Instrumente in unterschiedlichen Spielweisen aufgenommen – und wenn sich SDX-Libraries in ihrem Artikulationsreichtum unterscheiden, dann betrifft das vor allem die Becken und insbesondere die Hi-Hats, die durch das zugehörige Pedal besonders nuanciert gespielt werden können. Innerhalb der Rooms of Hansa SDX gibt es hier eine gewisse Varianz, wobei der Marble-Room mit insgesamt 27 Artikulationen für die Hi-Hats ganz vorne liegt und damit der Core-Library des Superior Drummer 3 entspricht. Live-Room und Vocal-Booth folgen mit jeweils 24 Artikulationen und bieten statt acht Öffnungsgraden für Bow, Edge und Bell „nur“ sieben Öffnungsgrade. Der Meistersaal verzichtet dagegen vollständig auf die Bell-Artikulation und bietet somit 17 Spielweisen für die Hi-Hats. Wenn es um Rockmusik geht, dann kann man sich damit aber problemlos arrangieren.

Ein interessanter Punkt ist, dass die Ride-Becken aus allen Library-Parts in je acht Artikulationen verfügbar sind und gleich zwei Bow-Tip-Artikulationen bieten. Die Beckenfläche kann also an zwei unterschiedlichen Stellen angespielt werden, und das gab es bisher in keiner Library für den Superior Drummer 3. Kicks, Snares und Toms entsprechen mit ihren Spielweisen weitgehend der Core-Library und selbstverständlich kann man der Rooms of Hansa SDX genauso wie allen anderen erhältlichen SDX-Libraries einen allgemein ausgesprochen hohen Detailgrad bescheinigen, der extrem realistisches Programming möglich macht.

Vielfalt auch bei den Mixer-Channels

Während sich der Library-Part des Meistersaals in Hinblick auf den Artikulationsreichtum am zurückhaltendsten verhält, bietet er im Gegenzug die größte Vielfalt an Mixer-Channels. Mit insgesamt 29 Kanälen (davon 11 Stereo) übertrifft er sogar die Core-Library des Superior Drummer 3. Neben den Close-Mics der Instrumente stehen hier vielfältige Raumkanäle (u.a. das Treppenhaus der Hansa Studios und mehrere Kanäle für Surround-Mixes) und mehrfache Kompressions-Kanäle zur Verfügung, wie man sie beim Superior Drummer und dessen Erweiterungen in letzter Zeit eher selten fand.

Die Anzahl der Raumkanäle nimmt beim Live-Room und Marble-Room ab, und natürlich wurden die Drums in der ohnehin trockenen Vocal-Booth nicht mit einem großen Array aus Raummikros aufgenommen. Mehrfache Kompressions-Kanäle sind dagegen in allen Library-Parts vorhanden, und bei diesen ist zu beachten, dass während des Samplings der einzelnen Drums natürlich keine echte Summenkompression stattfindet. Beispielsweise duckt sich ein nachklingendes Becken also nicht unter einer kräftigen Kick weg, die den Kompressor triggert. Der Gesamtklang solcher Kanäle kann demnach nicht ganz authentisch sein und funktioniert vor allem dann sehr gut, wenn einzelne Instrumente (z.B. Kick oder Snare) parallel komprimiert werden sollen.

Presets, Presets, Presets!

Wie vielfältig eine Library für den Superior Drummer 3 klingen kann, lässt sich besonders gut an den enthaltenen Presets erkennen, die unterschiedliche Zusammenstellungen von Instrumenten mit teils komplexen Einstellungen im Mixer kombinieren – und der Punkt, dass die Rooms of Hansa SDX aus vier sehr unterschiedlich klingenden Parts besteht, macht sich in Hinblick auf die Vielfalt natürlich deutlich bemerkbar. Über die verschiedenen Aufnahmeräume verteilt steht die erfreulich hohe Anzahl von insgesamt 81 Presets bereit, die natürlich auch als Grundlage für eigene Kreationen dienen können.

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