Hersteller_Toontrack Software
Test
10
15.12.2015

Praxis

Drums, Drums, Drums…

Die Ausstattung der einzelnen Drumsets des Toontrack Prog SDX variiert von Kit zu Kit, von einer Art Understatement oder Minimalismus, wie das bei der zuletzt veröffentlichten Indiependent SDX der Fall war, kann man aber keinesfalls sprechen. Eine gute Nachricht für alle, die sich für die EZX-Version interessieren, ist, dass bei der Größe der verfügbaren Drumsets keine Abstriche gemacht wurden. Nur die Auswahl der alternativen Sounds ist natürlich eingeschränkt.

Das Default-Kit beider Versionen ist ein DW Collector's Series aus Ahorn, das als einziges Drumset der Library alle fünf Tom-Slots belegt. Der Sound wirkt modern und ist, wie für ein Default-Kit zu erwarten, sehr variabel einsetzbar. Von einer Beschränkung auf Prog-Rock oder gar Metal kann vor allem bei der unbehandelten SDX keine Rede sein, und im Zusammenspiel mit entsprechend softeren MIDI-Grooves würde das Kit vermutlich auch in einer Singer/Songwriter-Ballade eine gute Figur machen. Die vorbearbeitete EZX-Variante schielt dagegen schon weit deutlicher in Richtung Heavy-Rock.

Mit vier etwas stärker gedämpften Toms und einer tiefer gestimmten Bassdrum erzeugt das Ludwig Stainless Steel einen wuchtigeren Klang mit leichtem Vintage-Flair, ohne dabei eindeutig in Richtung Retro-Drums abzudriften. In Bezug auf die Trommelgrößen werden an dieser Stelle genauso wie beim Rest der Library keine allzu ausufernden Abenteuer mit Übergrößen gestartet. Nur einige der Extra-Snaredrums aus der SDX beeindrucken mit ungewöhnlich tiefen Kesseln.

Für die Anwender der Progressive EZX handelt es sich beim Pearl Masters Extra Maple bereits um das letzte Drumset. Mit einer etwas höheren Stimmung wirkt es „kleiner und wendiger“ als die vorherigen Kits, und dementsprechend wird es im Kontext von rasantem Metal mit dichter Rhythmik sehr gut funktionieren. Für die SDX-Variante gilt aber ein weiteres Mal, dass sich dank der vielen Kanäle so manches mit den Samples anstellen lässt. So wäre das Pearl-Kit mit einer passenden Snare beispielsweise auch für einen funkig angehauchten Rock-Track eine sehr gute Wahl. Interessant ist zudem, dass für die Variante mit gelöstem Snare-Teppich nicht etwa nur die entsprechende Snare, sondern gleich das gesamte Kit gesampelt wurde. So viel Liebe zum Detail ist wirklich ungewöhnlich.

Ebenfalls mit zusätzlicher Snares-Off-Option wurde ein Drumset aufgenommen, das aus einer Kick von WFL (Company von William F. Ludwig) und drei Toms von Rogers zusammengestellt wurde. Im Menü des Superior Drummer wird dieses Set als Ludwig&Rogers Kit bezeichnet. Der Klang lässt sich in diesem Fall weit eindeutiger als beim Ludwig Stainless Steel der Vintage-Ära zuordnen, vor allem die zwar 24 Zoll große, aber nur 14 Zoll tiefe Bassdrum hat einen sehr schönen Retro-Charakter. Die trockenen Toms passen sich gut ein, insgesamt wirkt das Set vielseitig einsetzbar, wobei es sicher nicht die erste Wahl für härteren Metal ist. Bei den Audio-Beispielen darf die geschätzte bonedo-Leserschaft ausnahmsweise bis fünf zählen.

So wie das Ludwig&Rogers-Kit für eine weitere Alternative für einen wuchtigen Klang mit Vintage-Flair steht, lässt sich das Yamaha Absolute Birch als eine weitere Möglichkeit für einen etwas offeneren und je nach MIDI-Material bissigeren Sound verstehen, wie er schon vom Pearl Masters angeboten wird. Dies hängt nicht nur mit der mittleren bis hohen Stimmung zusammen, sondern auch damit, dass die Bassdrum sowie die drei vergleichsweise kleinen Toms aus Birke gefertigt sind, was für einen ausgeprägten Attack und zurückhaltende Mitten sorgt.

Mixer-Channels und Presets

Eine große Library beansprucht natürlich entsprechend viel Arbeitsspeicher. Wer das DW-Kit in der SDX mit allen Toms und Becken lädt und gleichzeitig alle Übersprecher aktiviert, kommt auf einen Arbeitsspeicherbedarf von stolzen 9,5 Gigabyte. Allerdings wird man in der Praxis selten alle Kanäle auf einmal verwenden. Bei den fünffach mikrofonierten Bassdrums mit drei Kick-In-Varianten, Kick-Out und Sub-Kick kann ein Mischen aller vorhandenen Channels zwar noch Sinn machen, bei den fünf verschiedenen Overheads (4x Stereo und 1x Mono) entscheidet man sich meiner Ansicht nach aber für eine Variante. Die vier Ambience-Kanäle klingen hervorragend und lassen sich wie gewohnt wunderbar mischen, zwei weitere Effekt-Kanäle wurden deutlich komprimiert bzw. angezerrt und können in manchen Fällen für das „gewisse Etwas“ sorgen.

Überblick zu den Mixer-Channels

Eine solche klangliche Flexibilität wird von der EZX natürlich nicht geboten. Die Anpassungsmöglichkeiten sind weit grundlegender, wobei je nach Preset durchaus einige Effekt-Kanäle (Compression, Distortion etc.) im Angebot stehen, die aber nicht auf Samples aus der Recording-Session basieren, sondern in Echtzeit berechnet werden.

Zum Abschluss des Tests gibt es noch einige der Combined-Presets aus der SDX bzw. der Standard-Presets aus der EZX zu hören. Vor allem der SDX darf man in dieser Hinsicht ein dickes Lob aussprechen, denn sie bietet insgesamt 25 äußerst komplexe Voreinstellungen, die zeigen, wie man mit der roh klingenden Library zu einem fertigen Drumsound kommen kann.

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