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Test
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15.12.2015

Toontrack The Progressive Foundry SDX und Progressive EZX Test

Sample-Library-Erweiterung für Superior Drummer 2 und EZdrummer 2

The Metal Foundry 2

The Metal Foundry SDX war eine der ersten Erweiterungen für den Toontrack Superior Drummer 2 und zählt nach wie vor zu den beliebtesten ihrer Art. Beim Release im Jahr 2009 konnte die Library vor allem mit einer großen Auswahl an Instrumenten und einem natürlichen und weitgehend unbehandelten Grundklang punkten. Sechs Jahre später präsentiert der schwedische Hersteller mit der Progressive Foundry SDX nun einen Nachfolger. Ob er sich seines Erbes als würdig erweisen wird?

Da unter dem Titel Progressive EZX gleichzeitig auch eine schlankere Version für den EZdrummer 2 veröffentlicht wurde, wird diese in den Test mit einbezogen, das Hauptaugen- und Ohrenmerk richten wir aber auf die große Ausbaustufe für den „Übertrommler“.

Details

Überblick

Bei der Progressive Foundry SDX handelt es sich um das mittlerweile zehnte Add-On für den Superior Drummer 2. Als kleine Orientierungshilfe werfen wir vorab einen Blick auf die bislang erhältlichen Librarys (nach ansteigendem Alter geordnet): Indiependent SDXMetal Machinery SDX, The Rock Warehouse SDX, The New York Studios Vol. 3 SDXRoots SDXMusic City USA SDXCustom & Vintage SDXThe Metal Foundry SDXThe New York Studios Vol. 2 SDX und Core-Library (The New York Studios Vol.1).

Audio-Beispiele sagen natürlich mehr als tausend Bilder. Deshalb gibt es nun ein MIDI-File zu hören, das unter minimalem Drehen und Schrauben durch die Default-Presets der Core-Library und der verschiedenen Erweiterungen gejagt wurde.

Im direkten Vergleich zur Metal Foundry SDX wirkt die Pogressive Foundry SDX ein ganzes Stück wärmer und in sich runder. Ansonsten lässt sich am Grundklang der Librarys aber durchaus eine klare Verwandtschaft erkennen, denn beide wirken weitgehend unbehandelt und entsprechend neutral. Auf den Einsatz von Kompressoren wurde während des Recordings abgesehen von einigen wenigen Kanälen vollständig verzichtet, ein wenig grundlegendes und vorsichtiges EQing darf man aber wohl ohne Gewissensbisse unterstellen, denn die einzelnen Kanäle wirken größtenteils recht sauber.

Progressive Foundry SDX und Progressive EZX

Dass es von den umfangreichen SDX-Librarys für den Superior Drummer 2 kleinere Ausbaustufen für den EZdrummer 2 gibt, ist nicht ungewöhnlich. Letztere waren bisher allerdings schon weit früher erhältlich, eine wie in diesem Fall gleichzeitige Veröffentlichung beider Titel ist bei Toontrack ein Novum.

Die Progressive Foundry SDX ist die bisher umfangreichste Library für den Superior Drummer – zumindest gemessen am reinen Datenvolumen. Mit sage und schreibe 63 Gigabyte wird der bisherige Rekord, der durch die Roots SDX (Sticks) aufgestellt wurde und bei 36 Gigabyte lag, deutlich eingestellt. Dass die Software in all ihrer Datenpracht nur auf einem USB-Stick erhältlich und ein Download nur partiell möglich ist, macht also durchaus Sinn. Die Progressive EZX fällt mit ihren 3,2 Gigabyte für eine Erweiterung für den EZdrummer zwar ebenfalls recht stattlich aus, im direkten Vergleich wirkt sie aber äußerst unscheinbar. Alternativ zur guten alten DVD-Version in der Pappschachtel lässt sie sich beim Online-Kauf auch vollständig aus dem Netz herunterladen.

Ein großer Unterschied der beiden Versionen liegt in der Anzahl der Instrumente. Während die Rüstkammer der Progressive Foundry SDX fünf komplette Drumsets bietet, von denen zwei zusätzlich mit gelöstem Snareteppich aufgenommen wurden, gibt es in der kleinen Variante nur drei Kits. Auf die wirklich sehr breite Auswahl an Extra-Trommeln und -Becken (insgesamt 17 Snaredrums, 9 Bassdrums, 31 Becken und 5 Hi-Hats) muss man bei der EZX ebenfalls verzichten, und natürlich ist auch die Anzahl der Alternativ-Samples pro Instrument deutlich reduziert, was auf Kosten von Lebendigkeit und Realismus des Klangs geht.

Mit 26 Kanalzügen im virtuellen Mixer, die insgesamt 33 Mono-Kanäle in sich zusammenfassen, stellt die Progressive Foundry SDX einen weiteren Rekord unter den Toontrack-Librarys auf, wobei die Roots SDX (30 Mono-Kanäle) hier nur knapp abgehängt wird. In dieser Hinsicht ist die EZX-Version wesentlich Workflow-orientierter. Sie basiert auf 14 Presets, die wie gewohnt unterschiedliche Kombinationen von Kanälen anbieten. Zudem wurden die Samples der kleinen EZX deutlich vorbearbeitet, was dafür sorgt, dass sich der Sound auch ohne viel Drehen und Schrauben schon sehr nah an einer fertigen Produktion bewegt. In der SDX-Version hat man dagegen noch viel mehr Spielraum, um einen eigenen Charakter in den Klang zu bringen. 

Die MIDI-Library der Progressive Foundry SDX ist wie gewohnt in Songstrukturen gegliedert und bietet eine angenehm breite Auswahl an sehr lebendigen Grooves und Fills. Das Material klingt eindeutig nach Prog-Rock und zeigt eine stiltypische Neigung zum Komplexen. Wer auf der Suche nach dem simplen „Bumm-Tschack“ ist, wird hier also nur begrenzt fündig – davon gibt es in den anderen Librarys aber bekanntlich schon mehr als genug. Vor allem der Punkt, dass auch reichlich Odd-Meter-Grooves in 5/4, 6/4 und 7/8 vorhanden sind, macht die Zusammenstellung sehr interessant. Die Groove-Library der Progressive EZX fällt dagegen ein wenig schlanker aus und bewegt sich ausschließlich im guten alten 4/4-Takt. Es handelt sich dabei allerdings um anderes Material als bei der SDX-Version und nicht etwa nur um eine verkleinerte Sparbrötchen-Variante. Im Praxis-Teil wird es haufenweise Hörbeispiele geben, die MIDI-Files aus Progressive Foundry SDX und Progressive EZX verwenden und entsprechend gekennzeichnet sind. Zunächst aber noch ein paar Worte zu den Hintergründen.

Studio, Team und Equipment 

Für die Aufnahmen der Samples verschlug es das Toontrack-Team diesmal nach Down Under. Beeindruckt vom Drumsound auf einem Album der Prog-Metal-Band Karnivool buchte Mastermind Mattias Eklund die Sing Sing Studios in Melbourne, in denen schon so manches Aushängeschild der australischen Musikszene zu Gast war – beispielsweise machten die Bands Airbourne, INXS, Midnight Oil und Nick Cave and the Bad Seeds dort Aufnahmen für ihre Alben. Die Drums standen in einem 10 x 8 m großen Live-Room, dessen Boden, Wände und Decke zum Teil mit Holz verkleidet sind. Selbstverständlich kam eine breite Auswahl von High-End-Mikrofonen zum Einsatz, die größtenteils durch ein Neve 1073 Pult liefen. Zusätzlich wurden eine Neve VR 60 Konsole und einige externe Preamps aus den Häusern API, GML, AEA und Focusrite verwendet.

Aber nicht nur auf die Wahl des Studios, sondern auch auf die Besetzung des Teams hatte die Band Karnivool ihren Einfluss. So wurde Forrester Savell, der auch mit den Bands Dead Letter Circus, I Am Giant und Skyharbor arbeitete, als Producer und Engineer verdingt. An den Drums saß der Karnivool-Drummer Steve Judd persönlich. Fans der Band werden bei dieser Software also auf ihre Kosten kommen.

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