Test
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18.06.2019

the t.amp Quadro 500 DSP Test

4-Kanal Digitalendstufe

Vier gewinnt!

Dank der modernen Class-D-Technik ist es möglich, viel Leistung auf kleinem Raum zur Verfügung stellen zu können. Doch nicht immer braucht man das volle Brett mit mehreren Tausend Watt Verstärkerleistung. Es gibt neben massiven Subwoofer-Arrays und fetten Horntopteilen auch noch die Kleinbeschallung. Nicht wenige Boxen sind mit 500 Watt an vier Ohm bestens versorgt. Genau die Leistung, wie sie unsere Testendstufe the t.mix Quadro 500 DSP zur Verfügung stellt.

Das Ganze gleich viermal und aus nur einer Höheneinheit. Damit ist die Endstufe prädestiniert für kleinere Topteile, Infills/Outfills/Delay-Lines und lässt sich auch als Antrieb für Studiomonitore, Installationsboxen oder gar im Heimkino verwenden. Ausgestattet mit einem extrem günstigen Euro/Watt-Verhältnis und einem internen DSP (-Controller) geht die Quadro 500 DSP Endstufe auf die Bondeo-Teststrecke.

Details

Kompliment an die Design-Abteilung: Man sieht der Quadro 500 DSP ihren günstigen Preis nicht an. Im Gegenteil: Die fette, schwarze Frontplatte aus gebürstetem Aluminium sieht cool aus und vermittelt eine hohe Wertigkeit. Das gilt auch für das übrige Metallgehäuse der Endstufe, welches mit circa 45 cm allerdings recht tief ausfällt. Möchte man die Stecker und das Netzkabel gesteckt lassen, benötigt man ein 19-Zoll-Rack mit mindestens 50 cm Einbautiefe. Das sollte man beachten.

Ebenfalls Beachtung verdient der Netzschalter auf der Vorderseite. Dieser stiehlt mit seiner blauen Beleuchtung dem rechts daneben angesiedelten Display fast sie Show, könnte sich aber auch als Showstopper erweisen, da er recht weit aus dem Gehäuse herausragt und mit etwas Pech auf einer engen Bühne vielleicht unabsichtlich ausgelöst wird. Dafür wurde das 4 x 2cm große, beleuchtete Display versenkt angebracht.

Es wäre auch eine Schande, wenn dieses verkratzen würde, denn es dient als Tor zum On-Board-DSP der Endstufe. Das Display ist ungewöhnlich hell und kontrastreich, sodass es sich auch unter schlechten Bedingungen (z. B. Sonnenlicht) noch gut ablesen lässt.

Bedient wird die Endstufe durch einen einzelnen Push-Encoder, der sich rechts neben dem Display auf der Vorderseite befindet. Herkömmliche analoge Gain-Potis sucht man daher vergebens, was Kontrollfanatiker vielleicht mit Argwohn notieren. Wie sich das in der Praxis auswirkt, werde ich noch genauer überprüfen. Erst mal sehen, was die Rückseite zu bieten hat.

Hinten

Auf der Rückseite des Quadro 500 DSP befindet sich nur das Notwendigste. Die Stromversorgung ist über eine Kaltgerätebuchse realisiert. Ein passendes Kaltgerätekabel stellt zusammen mit einer gedruckten Bedienungsanleitung den Lieferumfang dar.

Für die Signalaufnahme stehen vier XLR-Buchsen parat. Erstaunlich: Alle verbauten Armaturen stammen aus dem Hause Neutrik, was in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist. Das gilt auch für die vier Speakon-Ausgänge, die rechts neben den XLR-Eingängen platziert sind. Anstatt einer Sicherung wird bei der Quadro 500 DSP ein so genannter Breaker verwendet. Löst dieser aus, kann man versuchen durch einen Druck auf den Taster den Betrieb wiederaufzunehmen. Das ist jedenfalls einfacher, als auf einer dunklen Bühne zu versuchen, eine defekte Schmelzsicherung zu ersetzten.

Innen

Neben dem gut verarbeiteten Gehäuse kann die Endstufe auch mit inneren Werten aufwarten. Die verbauten Class-D-Module stellen je Kanal 500 Watt an vier Ohm (4 x 250 Watt/8 OHM) zur Verfügung. Ein Betrieb unterhalb der Nennimpedanz von 4 Ohm ist nicht zulässig, daher sollte man es vermeiden, mehr als zwei Boxen (mit je einer Impedanz von 8 Ohm) an einem Kanal zu betreiben. Es ist allerdings möglich, je zwei Kanäle zu brücken. Im Brückenbetrieb stellt die Quadro 500 DSP zweimal 1.000 Watt an 8 Ohm zur Verfügung.

Im Brückenbetrieb werden die Signale über die Speakon-Buchsen 1&3 (Kanal A&C) mit der Steckerbelegung 1+/2+ ausgespielt. Der Brückenbetrieb verlangt der Endstufe einiges ab, vor allem, wenn man sie am Limit betreibt. Ein durchdachtes Lüftungskonzept ist bei einer solchen Anwendung wichtig. Hier habe ich allerdings einige Zweifel, ob das Kühlkonzept der Quadro 500 DSP in der Praxis aufgeht. Vertikale Lüfter für 1 HE große Endstufen drehen sehr hoch und sind daher fast immer nervig laut.

Bei der Quadro 500 DSP hat man sich dagegen folgendes überlegt: Zwei große Lüfter liegen fast waagerecht im Gehäuse und ziehen Frischluft über die seitlichen und unteren Lüftungsschlitze im Gehäuse. Man muss nicht unbedingt Physik studiert haben, um zu folgenden Schlussfolgerung zu gelangen. Ist die Endstufe in einem Rack eingebaut und es befindet sich ein weiteres Gerät unterhalb des Amps im Rack, dann verbleiben nur noch die seitlichen Luftschlitze, um Frischluft anzuziehen. Ob das für genügend Kühlung sorgt, haben wir in der Praxis getestet. Doch zunächst checken wir die „Weichware“.

Software

Elite Partner für Tontechniker: Die USB-Buchse auf der Gerätevorderseite möchte sich gerne mit deinem Windows-Rechner zwecks Fernsteuerung verbinden. Dafür musst du aber erst nach einem USB-Kabel suchen, denn im Lieferumfang ist keines vorhanden. Die passende Software steht als kostenloser Download auf der Thomann-Website zur Verfügung.

Was die Wahl des Rechners betrifft, scheint die Software etwas zickig zu sein. Mein Audio-Rechner mit einem zugegeben sehr abgespeckten Windows 10 – 64 Bit will die Oberfläche der Remote-Software nicht richtig darstellen. Daher installiere ich die Software alternativ auf einen alten Lenovo T410 Laptop unter Windows 7. Korrekt! Das funktioniert auf Anhieb. Im Gerätemanager müssen wir nur noch den richtigen COM-Port auslesen und können uns verbinden. Die Software ist einfach und übersichtlich. Vor allem weil sich alles auf einer Seite abspielt. Keine Untermenüs oder weitere Seiten, das ist selbsterklärend.

Der Funktionsumfang ist für ein so günstiges Gerät überraschend groß. Jeder Kanal ist mit einem vollparametrischen 8-Band-EQ ausgestattet. Das Duo HPF & LPF vervollständigt die Entzerrung und stellt darüber hinaus die bekannten X-Over-Filter (Butterworth, Linkwitz-Riley, Bessel) bis 48 dB Flankensteilheit zur Verfügung. Jeder Kanal ist zudem mit einer Dynamiksektion (Kompressor & Gate,) ausgestattet. Der Kompresser kann natürlich auch zum Limiter umfunktioniert werden.

Komplettiert wird die Ausstattung der Kanäle durch ein Laufzeiten-Delay (bis 21 Meter), mit dessen Hilfe sich die Eingangssignale verzögern lassen. Ideal für den Laufzeitenausgleich unterschiedlicher Treiber in einer Box oder für den Einsatz von Delay-Lines. 

Gut, dass man eine Copy-und-Paste-Funktion nicht vergessen hat. Somit lassen sich alle Einstellungen von einem Kanal auf einen oder mehrere Kanäle übertragen. Getätigte Einstellungen können entweder auf eine der 16 User-Speicherplätze im Gerät abgelegt oder auf dem Rechner gespeichert werden. Einfach, aber gut.

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