Bass Hersteller_TC_Electronic
Test
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06.09.2012

TC electronic BH250 Test

Bass-Topteil

Flexible Bass-Power im Handtaschen-Format

Bei der beachtlichen Anzahl von kompakten Class-D Basstops, die mittlerweile auf dem Markt um die Gunst der Tieftöner buhlen, ist es für die Hersteller sicherlich von Vorteil, wenn sie ihr Produkt mit einer pfiffigen Idee von den Geräten der Konkurrenz absetzen können. Und an pfiffigen Ideen scheint es den Audiospezialisten der Firma TC Electronic nicht zu fehlen, denn mit ihrer Bass 2.0 Offensive und der Einführung des Topteils RH450 haben die Dänen eindrucksvoll bewiesen, dass sie die Basswelt mit neuen und gut umgesetzten Features in Entzücken versetzen können.

Der neueste Coup aus dem Hause TC sind die 2011 vorgestellten „Toneprint“-Effektpedale, denen der User via Rechner oder Smartphone die Effekteinstellungen berühmter Zeitgenossen einverleiben kann. Aber es geht noch weiter. Mit dem B250 Combo und dem heute zu testenden BH250, einem ultrakompakten 250 Watt starken Class-D Head, stellte TC auf der Namm Show 2012 gleich zwei Bass-Amps vor, die ebenfalls über das Toneprint-Feature verfügen. Die Amps sollen Bassisten zu Soundexperimenten verführen und kommen darüber hinaus mit einer sehr einfachen aber überaus effektiven Klangregelung, ordentlich Leistung und einem äußerst attraktiven Preisschild. Wir haben nachgehört!

Details

Schon optisch ist das Alleinstellungsmerkmal des brandneuen Winzlings sehr gut zu erkennen: Im Gegensatz zu den drei „gewöhnlich“ schwarzen EQ-Reglern strahlt der Toneprint-Regler nämlich in makellosem weiß und schiebt sich so ganz bewusst in den Mittelpunkt des Interesses. Und das mit gutem Grund, denn dank des smarten Features hat man, anders als bei den Effekt-Pedalen, nicht nur die Möglichkeit verschiedene Settings eines Effektes in das Gerät zu beamen, bei Bedarf lässt sich gleich der ganze Effekttyp austauschen. Zurzeit stehen sechs verschiedene Effekte zur Verfügung: Chorus, Flanger, Oktaver Vibrato und zwei Features, die wir schon von anderen TC Amps kennen, die Röhrensimulation „Bass Drive“ und der Multibandkompressor „Spectracomp“.

Für jeden dieser Effekte stehen zum Testzeitpunkt (September 2012) bereits mehrere Toneprints mit verschiedenen Einstellungen zur Auswahl, sodass die zu erzielende Klangvielfalt jetzt schon ziemlich groß ist. Außerdem stellt TC immer neue Toneprints online, die Bibliothek wird also stetig anwachsen. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass man mit dem Amp immer nur ein Setting abrufen kann (es sein denn, man erwirbt den separat erhältlichen Switch 3), dafür sind die Bedienung und der Wechsel zu einem anderen Setting aber traumhaft einfach.

Der etwas umständlichere Weg geht über den Rechner via USB. Schneller klappt es mit einem Smartphone und der kostenlosen „Toneprint App“ von TC. Mithilfe des Smartphones lassen sich die Toneprints über die Tonabnehmer des Instruments in den Verstärker beamen, Kabel oder sonstiges Zubehör sind nicht nötig. Das eigentliche Procedere ist kinderleicht. Über ein Menü der App wählt man zunächst den gewünschten Sound aus. Nach einigen Bestätigungsklicks wird man dann aufgefordert, den Lautsprecher des iPhones nahe an einen Pickup des an den Verstärker angeschlossenen Instruments zu halten. Den Amp sollte man allerdings vorsichtshalber leiser drehen, denn die magnetischen Impulse, die übertragen werden, erzeugen recht heftige Geräusche, die an alte analoge Modems erinnern. Und genau das ist das Prinzip: Die für nichtdigitale Ohren unangenehm klingenden Sounds beinhalten die Datensätze des gewünschten Toneprints und übertragen diese auf den Amp. Am Verstärker lässt sich der neue Effekt dann stufenlos mit dem Toneprint-Regler zumischen - und fertig.

Zurück zu den anderen Features des Amps: Die Klangregelung des BH250 wirkt sehr simpel, der Ton wird mit einem 3-Band-EQ für Bass, Mitten und Höhen geformt. Dahinter steckt aber etwas mehr Funktionalität, als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten mag. Anders als bei „herkömmlichen“ EQs sind die Center-Frequenzen bei allen drei Bändern nämlich nicht fix, sodass beim Absenken andere Freqenzen bearbeitet werden als beim Anheben. Dreht man den Bassregler nach links, werden tiefe und eventuell wummerige Frequenzen um 80 Hz ausgefiltert, rechtsrum boostet man bei ca.100 Hz, um den Sound anzudicken. Die Funktion des Mittenreglers ist noch eine Spur ausgetüftelter. Der Regler senkt die Frequenzen bei einem Linksdreh um bis zu 24 dB bei ca 500 Hz, gleichzeitig aber auch die Hochmitten um 800 Hz (allerdings nur auf dem halben Reglerweg) bis 12 dB. Dadurch wird verhindert, dass der Sound bei einer starken Mittenabsenkung im Nichts verschwindet, denn Hochmitten sind für die Definition und Ortbarkeit bekanntermaßen extrem wichtig. Fehlt uns noch der Höhen-Regler. Dieser senkt relativ weit unten im Spektrum (bei 1800 Hz), um so Vintage-artige Sounds zu realisieren. Nach rechts gedreht wird bei 3150 Hz geboostet, was dem bereits von anderen TC Amps bekannten „Tweetertone“-Feature entspricht, das die Wirkungsweise eines Tweeters bei Bassboxen simulieren soll. Das hört sich in der Theorie ja alles sehr sinnvoll an. Ich bin gespannt, wie sich die Klangreglung in der Praxis macht - später dazu mehr.

Eine weitere Besonderheit aller TC Verstärker ist das integrierte Stimmgerät, und so haben die Designer auch dem ultra-kompakten BH250 einen Tuner spendiert, um uns den Alltag zu erleichtern. Die Ausführung ist - platzbedingt - zwar etwas spartanisch, stimmt aber Vier-, Fünf- und sogar Sechssaiter zuverlässig durch. Der Tuner ist permanent aktiv und zeigt mit vier LEDs die zu stimmenden Saiten E, A, D oder G an. Bei einem tiefen H leuchten die E- und A-LED zusammen auf, bei einer hohen C-Saite die D- und G-LED. Zwei weitere LEDs zeigen die korrekte Stimmung an, indem sie ebenfalls zeitgleich leuchten.

Die restliche Ausstattung des BH250 ist schnell beschrieben: Links auf der Front sitzt die Input-Buchse mit einem kleinen Schalter für die Anpassung an verschieden starke Signale aktiver oder passiver Bässe. Ganz rechts hat TC den Masterregler für die Endlautstärke und einen kleinen Mute-Switch zum Stummschalten aller Ausgänge platziert.

Sämtliche Anschlussmöglichkeiten sind natürlich auf der Rückseite zu finden. Die Boxen werden an eine Speakonbuchse gehängt. Für die Recording-Session oder die Signalweiterleitung zum Livepult gibt es eine symmetrische XLR-Buchse samt Pre/Post EQ-Taster. Die Übeeinheit im Wohnzimmer wird mit zwei Miniklinken zum intimen Erlebnis - dabei dient die Erste dem Anschluss einer externen Soundquelle, die zweite ist für die Verbindung mit einem Kopfhörer zuständig. Wer die Toneprints mit dem Rechner auf den Amp schicken will, findet für diesen Zweck eine geeignete USB-Buchse, ein USB-Kabel liegt lobenswerterweise im Karton.

Nicht im Karton liegt der Fußschalter, mit dem man den Verstärker stummschalten und den Toneprint aktivieren kann, eine passende Klinkenbuchse mit der Bezeichnung „Pedal“ parkt aber schon mal auf der Rückseite des BH250. Wer sich den passenden Fußschalter „Switch 3“ von TC als Sonderzubehör gönnt, bekommt gratis noch ein BH250-Feature mitgeliefert. Mit dem dritten Schalter des „Switch 3“ kann man nämlich zwischen zwei Toneprints wechseln, da sich der BH250 immer die zwei letzten Toneprints merkt. Tolle Sache, aber dennoch schade, dass man für diese Möglichkeit nochmal ins Portemonnaie greifen muss. Dafür braucht man aber garantiert kein zusätzliches Budget für eine Tasche einzuplanen, denn mit seinen Maßen von 22 x 23 cm und einer Höhe von 6,3 cm passt der zierliche BH250 garantiert in jede Gigbagfronttasche und fällt mit 1,8 kg auch gewichtsmäßig nicht negativ auf - was ihn zweifellos zu einem der transportfreundlichsten Amps seiner Klasse macht.

Das Metallgehäuse ist rundherum fest verschraubt, Konstruktion und Verarbeitung sind genauso tadellos, wie ich es von anderen TC-Produkten kenne. Zwar ist die Qualitätsanmutung des BH250 vielleicht nicht ganz so hoch wie bei den höherpreisigen Verstärkern von TC, bei normaler Behandlung wird er aber sicherlich eine lange Lebensdauer haben und bestens funktionieren.

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