Test
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20.04.2020

Praxis

Die online bestellte Speicherkarte ist kaum ausgepackt, steckt sie auch schon im SD-Slot. Model 16 fragt direkt, ob der Datenträger denn formatiert werden soll, was ich mit einem Tastendruck quittiere. Nun können endlich die Firmware-Updates aufgespielt werden und zwar schön eines nach dem anderen bitte. Ich habe probiert, die beiden 11er zu überspringen, aber da wird nix draus, weil das Update-File nicht als solches erkannt wird. Für das Prozedere muss zuerst Model 16 in den externen Storage-Modus versetzt werden, um dann vom PC aus die heruntergeladene und anschließend entpackte Firmware in den Utility Folder zu kopieren, Laufwerke trennen, ausschalten, kurz abwarten, im Update-Modus booten, ausführen, ausschalten, kurz abwarten, booten und das alles dreimal und dabei natürlich keinen Fehler machen, ist klar. Und das Ganze funktioniert ohnehin ja nur mit eingesetzter SD-Karte, aber nun gut. Hört sich umständlich an, ist es auch ein bisschen, aber dafür klappt alles auf Anhieb. Das habe ich auch schon ganz anders erlebt, aber gewiss nicht bei Tascam. So auch hier.

 

Aufgenommen wird wahlweise mit 44,1 oder 48 kHz Sampling-Rate und 16 oder 24 Bit Quantisierung. Das wird vor Beginn einer Session beim Anlegen eines Songs bestimmt und betrifft dann sowohl die interne Aufzeichnung als auch die Übertragung an den Rechner.

Aufgezeichnet werden alle scharfgeschalteten Spuren. In Frage kommen hierfür die acht Monokanäle, die Stereo-Channels 9/10 und 11/12, Aux-Kanal 13/14 sowie die Stereosumme. Die Subgruppe kann nicht mitgenommen werden, was mir auf Anhieb und auch nach längerem Überlegen nicht einleuchten will. Dafür kann der Aux-Bus mitgeschnitten werden, für den Model 16 ist aber nicht einmal eine Aufholverstärkung (Gain) bereitstellt.

Darüber hinaus kann ich nicht so recht nachvollziehen, warum der analoge Abgriff für die Wandlung vor dem EQ stattfindet und nicht danach. Fader-Einstellungen finden so bei der Aufnahme natürlich ebenfalls keine Berücksichtigung, aber: Die Einstellungen der integrierten One-Knob-Kompressoren werden wenigstens somit übernommen.

Ich würde mir für die Zukunft eine Wahlmöglichkeit wünschen, den Aux- oder den Subgruppen-Bus aufzunehmen, sowie einen globalen Schalter, der hinsichtlich der Aufzeichnung/Übertragung entscheidet, ob die Signale pre oder post EQ oder meinetwegen post Fader abgegriffen werden. Für den Main-Bus gibt es so einen Schalter, der die Optionen pre oder post Fader anbietet (!).

Hinsichtlich der Vorverstärkung kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass die acht vollausgestatteten Channels so ziemlich alles (und auch ein wenig mehr) bieten, was man in dieser Preisklasse verlangen kann. Die Signale klingen ausgewogen und transparent, was sowohl für Line- als auch Mikrofonsignale gilt. Die Stereokanäle (9/10 & 11/12) rauschen hingegen ein wenig mehr als die ersten acht reinen Mono-Vertreter, insbesondere auf dem letzten Viertel des Regelwegs. Hier ist man gut beraten, laute Signale zu verwenden, um gar nicht in diesen Bereich vorzustoßen und das Rauschen gering zu halten.

Die One-Knob-Kompressoren sind naturgemäß leicht zu bedienen, aber natürlich ist ihr Betrieb bei komplexen Signalen mit Kompromissen behaftet, wenn auch weniger, als man im Vorhinein vermuten könnte. Leicht dosiert, kann man mit ihnen so ziemlich alles komprimieren. Bei manchen Klängen, wie zum Beispiel Drums, sprich Sounds mit ordentlich Transienten, laden sie sogar ein wenig zum Sounddesign ein, wie man in folgenden Klangbeispielen hören kann.

Die Equalizer klingen für mein Dafürhalten adäquat und lassen weitreichende Eingriffe ins Klanggeschehen zu. Bei den semiparametrischen Mitten gibt es immer ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Güte Q und der Stärke des Eingriffs. Das Mittenband ist von 100 Hz bis 8 kHz durchstimmbar und auf dem Papier gibt es zum High-Shelf-EQ ein kleines „Frequenzloch“, weil dieses erst bei 10 kHz ansetzt. Mir ist das aber in keiner Phase während des Tests negativ aufgefallen. Wirklich schade, dass er nicht mit aufgezeichnet werden kann; das wäre in meinen Augen im Hinblick auf die Nutzung als Playout Engine bei Live-Gigs ein großer Zugewinn.

Das interne Effektgerät liefert altbewährte „Brot- und Butter“-Effekte wie zum Beispiel einige Hall-Algorithmen, Delay sowie Kombinationen aus den beiden. Hinzu gesellen sich selbstredend natürlich auch Modulationen wie Chorus oder Flanger. Alle 16 FX-Presets können hinsichtlich eines Parameters (Time) editiert werden, viel kreativen Spielraum sucht man hier also vergebens. Sollte man aber auch nicht wirklich erwarten, denke ich. Das Delay und auch die Modulationen sind auch in einem „seriösen“ Mix zu gebrauchen, wenn sie sich denn so wenig adaptierbar, wie sie vorliegen, in einen Mix einbetten lassen. Beim Hall fehlt mir allerdings ein wenig Dichte und Diversität, so dass der Eindruck von Tiefe eher mittelmäßig ist. 

Für einen Kopfhörermix kann der Raumeffekt selbstverständlich benutzt werden, womöglich auch bei einem Live-Gig auf dem Main, wenn die Location dies zulässt. Für einen daheim erstellten ambitionierten Mix hingegen kommt er in meinen Augen nicht in Frage. Zu groß ist da der Pool weit besserer Alternativen.

Der Aux-Channel dient für externe Zuspieler, mit denen sich z. B. vorproduzierte Intros auf Audio-CD oder Ausgänge von DJ-Pulten ins klangliche Geschehen einbinden lassen. Darüber hinaus taugt er auch als spontane Aufnahme für MP3-Player oder Mobiltelefone, um mal in den Umbaupausen ein wenig Fahrstuhlmusik hineinplätschern zu lassen. Der analoge Eingang klingt wie erwartet gut, ebenso seine „Funk“-Partnerin, die Bluetooth-Schnittstelle. Einfach und unkompliziert gelingt das Pairing und sowohl der nötige Pegel als auch der Klang können sich absolut sehen lassen. Da gibt’s nicht viel zu meckern. Dennoch hätte ich mir für einen für die Aufnahme relevanten Zuspieler zumindest einen Gain-Controller gewünscht.

Ein Wort noch zur Übersteuerungsfestigkeit sämtlicher on-board befindlicher Busse, denn die ist wirklich vorbildlich. Fast könnte man von einem Übersteuerungs-„Fest“ sprechen. Ne, mal im Ernst. Die Busse lassen sich locker um mehr als 10 dB überfahren, ohne dass es knackt oder kracht, von toller analoger Sättigung will ich gar nicht mal sprechen, aber es wird nie wirklich unangenehm. Selbstverständlich ist das auch im Jahr 2020 nicht bei einem Feature-Flaggschiff wie dem vorliegendem, vor allem nicht in diesem Preissegment.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem integrierten Kopfhörerverstärker, der mit sattem Sound und genügend Reserve (2x 80 mW an 32 Ω) die Ohren des „Mischlings“ zum Qualmen bringen kann, aber ohne dabei zu verzerren. Und ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber weder Sennheisers HD 25 noch Yamahas HPH-MT7 waren in der Lage, den integrierten Headphone-Amp zu überfordern. Selbst mein K702 von AKG, der schon ein wenig anspruchsvoller ist als die zuvor genannten Kollegen, konnte Model 16 nicht aus der Reserve locken.

Optionales Zubehör

Mit einem Fußschalter lässt sich für mein Dafürhalten das Tascamsche Multifunktions-Tool noch entscheidend pimpen. Dieser kann für diverse elementare Funktionen herhalten, was im Setup von Model 16 auszuwählen gilt. Zum einen kann er bei Punch-Aufnahmen (Overdubs bis zu 8 Spuren) die Aufzeichnung ein- und ausschalten, die Multitrack-Wiedergabe starten und pausieren sowie den internen Effekt (de)aktivieren. Alle Funktionen werden sowohl im Proberaum/Studio als auch bei Live-Auftritten häufig benötigt und wer keine Hand mehr frei hat, schaltet eben mit dem Fuß, wenn die Koordination es zulässt und wer über einen passenden Fußschalter verfügt, den Tascam selbstredend als optionales Zubehör anbietet. Ein Dritthersteller tut es aber natürlich auch.

Darüber hinaus lässt sich Model 16 auch in ein 19-Zoll-Rack einbauen und eine passende Staubschutzhülle gibt es auch (optionales Zubehör für Model 16: siehe folgende Bilder). 

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