Hersteller_Tascam
Test
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10.10.2012

Praxis

Ein mobiler Digitalrecorder schreit zwar geradezu nach Mobilität, doch ich nutze die Transportabilität zunächst einfach nur im Haus – da kann man auch herumlaufen. Zwei Druckempfänger machen den Tascam DR-05 vor allem für Atmoaufzeichnungen interessant, und da hält Welt ja nun so einiges bereit. Also erst einmal ab auf die Dachterrasse zum Blumengießen:

Wenn man sich das File anhört, fällt wirklich sofort die enorme Natürlichkeit auf, die man so wirklich nur mit Druckempfängern erhält. Das Blumengießen selbst geschieht wirklich genau 90° rechts, durch die gewinkelten Kapseln kann man den Ort des Geschehens recht gut erkennen. Für das im DR-05 verbaute Empfängerprinzip erscheinen die Mikros aber einigermaßen windanfällig.

Weitere Aufnahmen dieser Art zeigen, dass der Mini-Recorder mit Atmos seine Bestimmung gefunden zu haben scheint. Bei der Espresso-Atmo kommen unweigerlich Assoziationen zu "Adam's Psychedelic Breakfast" von Pink Floyd.

Zwar ist bei der Feinzeichnung noch viel Luft nach oben, und der Kapselabstand sollte für viele Aufgaben eigentlich deutlich größer sein, um ein konkreteres Stereobild zu zeichnen, doch hätte ich keine allzu heftigen Bauchschmerzen, wenn mit dem Gerät aufgenommene Atmos beispielsweise für Hörspiele oder Film und TV verwendet würden.

Es gibt aber noch andere Anwendungsfelder für einen Recorder dieser Art, daher lege ich den DR-05 hinter das Schlagzeug – etwa in mittiger Schulterhöhe. Das Drumkit klingt zwar naturgetreu, doch ist die Ortung sehr verwaschen, es kann bei manchen Hörern sogar zu klaren Fehlortungen kommen. Das ist kein Wunder bei der derart kleinen Mikrofonbasis, aber was hätten Tascam machen sollen, etwa die Kapseln mit Inspector-Gadget-Armen auseinander halten? Immerhin hat man ja den Vorteil, das Gerät in einer Hand halten und sogar in Jackentaschen transportieren zu können.

Der Orange-Amp des E-Pianos ist in einem Meter Abstand aufgezeichnet, was sich mit richtenden Mikrofonen hätte besser bewerkstelligen lassen. Bei einem derart tonalen Signal fallen auch die Unebenheiten im Frequenzgang eher auf: In den unteren Mitten ist es ein wenig viel, was das DR-05 da aufzeichnet. Die Klangeigenschaften lassen sich abschließend mit der menschlichen Stimme besonders gut feststellen: Das Tascam-Recorderchen ist tendenziell bauchig, hat – überspitzt dargestellt – manchmal etwas "dengelige" Anteile, die eventuell Gehäuseresonanzen oder den Kapseln selbst zuzuordnen sind, und ein bisschen zu wenig ausgeprägtes Air-Band. Aber nochmal: Das, was sich hier vielleicht nicht so positiv liest, ist zu diesem Preis kaum anders zu machen – und ganz weit davon entfernt, "schlecht" zu sein.  

Was bei der Arbeit mit dem DR-05 wirklich Spaß macht, ist, die Umgebung einzufangen. Mit einem derartigen Recorder durch die Straßen zu laufen, U-Bahn zu fahren, im Wald spazieren zu gehen, Konversationen, Interviews, gesprochene Reisetagebücher zu erstellen oder Bandproben und Konzerterlebnisse einzufangen, kann dank der Druckempfängerkapseln in einer guten Natürlichkeit geschehen. Und selbst, wenn man einen nahen Sound ohne Umgebungsgeräusche und mit wenig Rauminformation benötigt, liefert das preiswerte Gerät durch die Mikrofonbuchse diese Möglichkeit.

Sehr gefallen hat die einfache Bedienung mit dem Daumen, auch technisch Unbedarfte oder mit Mobilrecordern noch nicht Vertraute können für die Standard-Bedienung das dicke (und übrigens gedruckte und sehr gute!) Handbuch sein lassen und direkt loslegen. Das Auswählen von Speicherorten sowie der Export auf den Computer – all das läuft natürlich total problemlos.

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