Hersteller_Tama
Test
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09.12.2017

Tama Roadpro & Roadpro Light Hardware Test

Snareständer + Beckenständer

One for the road

Als die japanische Firma Tama in den 1970er Jahren auf der Bildfläche erschien und die bis dahin vorherrschenden amerikanischen Hersteller, allen voran Ludwig, nach und nach von den vorderen Plätzen verdrängte, lag das nicht nur an den exzellenten Trommeln, sondern zum großen Teil an der äußerst robusten und gleichzeitig innovativen Hardware – ein Aspekt, der angesichts der immer größer und schwerer werdenden Sets seinerzeit von großer Bedeutung war. Nicht wenige Drummer hängen ihre Becken noch heute auf die damals erworbenen Stative aus der Titan-Reihe, was unmissverständlich für deren Qualität spricht.

40 Jahre später ist Tama Hardware immer noch für viele Drummer, die Wert auf Funktionalität und Stabilität legen, die erste Wahl. Von den derzeit fünf erhältlichen Hardware-Linien bildet die Roadpro bzw. Roadpro Light Serie mit der größten Auswahl den Schwerpunkt. Alle fünf erhältlichen Beckenständer, mit und ohne Galgen, sowie drei der vier lieferbaren Snareständer wurden uns vom Meinl-Vertrieb für diesen bonedo Test zur Verfügung gestellt. Ob sich die Anschaffung lohnt, könnt ihr im Folgenden nachlesen.

Details

Interessante Details versprechen Langlebigkeit

Beginnen wir mit den Gemeinsamkeiten der fünf Beckenständer. Alle Modelle sind in der Höhe zweifach ausziehbar und verfügen über dieselbe Art der Beckenaufnahme. Diese besteht aus einer Kunststoffhülse, auf der zwei Beckenfilze aufliegen. Die Hülse wurde so konzipiert, dass sie, wenn sie durchgescheuert ist, einfach umgedreht und weiter verwendet werden kann. Sehr praktisch! Anstatt einer Flügelmutter wurde, um Metall-Metall-Kontakt zu vermeiden, ein Schnellverschluss montiert, der durch seitliches Zusammendrücken der orangefarbenen Knöpfe mit einem Handgriff aufgesetzt und abgenommen werden kann. Der Tilter zum Justieren des Neigungswinkels besteht aus mehreren übereinander gelegten Metallscheiben und ist stufenlos einstellbar. Die Manschetten, welche die Rohre aufnehmen, sind kunststoffgefüttert und werden mit einer Kombination aus M8-Sechskantschraube und Flügelmutter fixiert. Sollte also mal ein Gewinde das Zeitliche segnen, kann unkompliziert und kostengünstig Ersatz im Fachhandel beschafft werden. Drei der fünf Testkandidaten verfügen über Galgenarme, die im Mittelrohr versenkbar sind. 

Die Roadpro Modelle gibt es in drei Varianten

Aus der regulären Roadpro Serie, optisch leicht durch die doppelstrebigen Beine von den Roadpro Light Stativen zu unterscheiden, bekamen wir die Modelle HC82W, HC83BW und HC84BW zum Test. Alle drei sind mit kräftigen Gummifüßen versehen und haben einen Durchmesser von 28,6 Millimetern am unteren Rohr, wodurch sie nicht gerade als Leichtgewichte zu bezeichnen sind. 

Das 82W Modell ist ein gerader Beckenständer, der Zusatz „B“ (Boom) bei den anderen beiden Stativen weist auf den Galgenarm hin. Dieser ist geriffelt und beim HC83W Ständer 45 Zentimeter lang, beim HC84BW sind es knapp 69 Zentimeter.

Eine Vertiefung am Ende des Galgenarms dient zur Aufnahme des gut ein Kilogramm schweren Gewichts, das nicht, wie in früheren Zeiten, aufgeschraubt, sondern mit einer gefederten Klemme einfach aufgesteckt wird. Das Schrägstellen des Galgens funktioniert über eine herkömmliche Rasterung. Auch an dieser Stelle gibt es die Kombination aus Sechskant-DIN-Schraube und Flügelmutter. Eine Sicherung gegen unbeabsichtigtes Verdrehen des Galgenarms ist nicht vorhanden.

Bei den Roadpro Light Modellen wurde 25% Gewicht eingespart

Die zwei Beckenständer aus der Roadpro Light Serie hören auf die Namen HC82LS und HC83BLS. Im Unterschied zu den Roadpros handelt es sich hier um einstrebige Stative, bei denen das untere Rohr einen Durchmesser von genau einem Zoll, also 25,4 Millimeter, hat. Daraus resultiert beim geraden 82LS Modell ein Gewichtsunterschied von einem Kilogramm im Vergleich zum „großen Bruder“, dem ansonsten identischen 82W. Beim HC83BLS wurde zusätzlich der Galgenarm, hier mit 40 Zentimetern etwas kürzer als beim 83BW, in der Bauweise verändert. Er ist nämlich hier nicht massiv, sondern innen hohl, was eine Ersparnis von weiteren 200 Gramm bedeutet. 

Für jeden Zweck der Richtige: Die Roadpro Snareständer

Insgesamt vier Snareständer, allesamt in doppelstrebiger Ausführung, umfasst das Roadpro Programm (eine Light Variante gibt es hier nicht), wobei das hier nicht getestete HS80PW Modell lediglich die auf 10“ bis 12“ Snares abgestimmte Variante des HS80W ist.

Alle Modelle sind mit denselben Rohraufnahmen wie die Beckenständer ausgestattet und ermöglichen die Rotation des Snarekorbs per Vierkantschraube. Der Korb fasst Snares von 12 bis 15 Zoll Durchmesser und zeichnet sich durch asymmetrisch, also in unterschiedlichen Winkeln angeordnete, Haltearme aus. Dadurch soll es leichter möglich sein, die Snare so zu platzieren, dass die unteren Stimmschrauben sowie die Abhebung frei zugänglich sind. Zur Verbesserung des Resonanzverhaltens liegen die Gummipuffer an den Enden der Arme nicht direkt auf dem Metall auf, so dass die Snare quasi „luftgefedert“ im Korb ruht. Während die Einstellung des Neigungswinkels bei den 80er Modellen, wie auch bei den Beckenständern, über den stufenlosen Quick Set Tilter erfolgt, entschied man sich beim HS800W Ständer für das bewährte Omniball-Prinzip, dass eine noch flexiblere Positionierung ermöglicht.

Die Stative im Praxistest

Die Verarbeitung der in China hergestellten Tama Roadpro Hardware gibt keinen Anlass zur Kritik. Alle Stative sind sauber verchromt und weisen keinerlei Bearbeitungsspuren auf. Die Sorgfalt bei der Herstellung wirkt sich auch auf die Funktionalität aus. Sämtliche Schrauben sind leichtgängig und greifen bereits bei minimalem Kraftaufwand zuverlässig, allerdings wäre eine zusätzliche Sicherung an den Galgenarmen der Beckenständer wünschenswert. Durch das konsequente Vermeiden von Metall-zu-Metall-Kontakt werden mögliche Nebengeräusche, beispielsweise durch Vibrationen der Becken, wirksam eliminiert, und auch das Aufklappen der Stative verursacht kaum Geräusche, was den Kunststoffeinsätzen an den Streben der Dreibeinkonstruktionen zu verdanken ist. Überzeugend ist auch die Standfestigkeit vor allem der doppelstrebigen Roadpro Beckenständer, die mit ihren kräftig dimensionierten Rohren auch durch schwere Becken nicht aus der Ruhe zu bringen sind. Wem diese Modelle zu schwer sind, der kann auch zu den verschlankten Roadpro Light Modellen greifen, die unter normalen Bedingungen ebenso gut ihren Dienst verrichten, dafür aber das Gewicht der Hardware-Tasche in der Summe um einige Kilogramm schrumpfen lassen. 

Welchem Roadpro Snareständer man den Vorzug gibt, hängt letztlich von den persönlichen Präferenzen ab, denn qualitativ nehmen sich die drei nicht viel. Für Besitzer überdurchschnittlich tiefer Snaredrums führt am HS80LOW Modell kein Weg vorbei, und wer auf die multidirektionale Positionierung des Omniball Tilters beim HS800W Modell verzichten kann, wird auch mit dem deutlich preisgünstigeren HS80W glücklich.

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