Test
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09.06.2018

Praxis

Make Hardware-Transport great again!

Mein persönliches Hardware-Case besitzt das Privileg, die mit Abstand größte und schwerste meiner Gigtaschen zu sein. Um diese kleine Truhe und meine Bassdrum gruppieren sich im Auto alle anderen Dinge herum, ihr Transport ist besonders dann beschwerlich, wenn es gilt, Höhenunterschiede zu überwinden. In der Tasche befinden sich maximal zwei einstrebige Beckenstative, das Hocker-Unterteil, ein Snare-Ständer, eine Hi-Hat-Maschine sowie eine Fußmaschine, also ein eher kleines Setup. Trotzdem bringt sie ein beträchtliches Gewicht auf die Waage. Ganz anders gestaltet sich die Handhabung beim Tama Classic Hardware Set. Nach der ersten Fahrt zu meinem Studio muss ich die kleine Tasche kurz im Auto suchen, weil ich nicht mehr weiß, wo ich sie hingelegt habe. Gelegt wohlgemerkt, nicht gewuchtet. Mit dem handlichen Ding in der Hand unterhalte ich mich noch kurz mit einem Kollegen, bevor es ernst wird. Bis hierhin bekommt das Classic Hardware Set die volle Punktzahl.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten funktioniert die Hardware in der Praxis sehr gut.

Zunächst entferne ich meine eigenen Stative, zwei Yamaha 700er Galgenständer, einen 900er Snare-Ständer sowie eine DW 5000er Hi-Hat-Maschine. Es folgt der Zusammenbau der Classic Hardware, welcher mit ersten Zweifeln einhergeht, ob die – im Vergleich nochmal schmächtiger wirkenden – Röhrchen der Aufgabe gewachsen sind. Kurz gesagt: Sie sind es, sofern man sich die physische Situation verdeutlicht. Generell bietet die Classic Hardware alle konstruktiv bedingten Vor- und Nachteile von Flatbase Hardware. Neben der einfachen Handhabung gehört dazu ein geringer Platzbedarf und optische Zurückhaltung im Drumset. Bei den Teststativen ist dieser „Fußabdruck“ nochmals deutlich kleiner als bei einigen Konkurrenzprodukten, gleichzeitig ist aber zu bedenken, dass sich mehrere Stative nicht so problemlos miteinander verschränken lassen, weil sich dann die horizontal über dem Boden verlaufenden Streben in die Quere kommen. Auch die Möglichkeit, eine Beckenstativ-Basis mittels Multiklammern maximal auszunutzen, bieten die Tama Ständer in der Praxis nicht, ausgenommen sind hier Kleinteile wie Percussion Add-ons oder Splash-Becken. Alles andere bringt die kleinen Stative aus der Balance, dafür sind sie auch nicht gebaut.

Davon abgesehen, können die Tamas fast alles, was ihre mehrfach schwereren Kollegen auch können. Mittelschwere Ride-Becken bis 22 Zoll sind möglich, sofern die Stative nicht voll ausgezogen und die Zimbeln nicht brachial bearbeitet werden. Stark schwankende Untergründe wie Riser oder sehr dicke Teppiche reduzieren die Stabilität der Ständer allerdings fühlbar, hier macht sich der geringe Standradius bemerkbar. Für den Rock'n'Roll Festivalgig sind die Teile also nichts. Sehr gut gefällt mir die Hi-Hat-Maschine, die sich deutlich weniger fragil anfühlt als sie aussieht. Das Spielgefühl ist angenehm direkt und ausreichend genau, auch kräftige Fußarbeit und das sogenannte „Splashen“ lassen die Konstruktion unbeeindruckt. Die Handhabung gestaltet sich einfach und komfortabel, was auch an der modernen Ausstattung liegt. Mir gefällt auch der Klang meiner Hi-Hat-Becken sehr gut, die Maschine selbst scheint nur wenig Sound zu absorbieren. Im Praxiseinsatz kann auch der Snare-Ständer überzeugen. Trotz seiner Federgewichtsklasse trägt er auch schwerere Metall-Snares sicher, sofern er nicht ganz ausgezogen oder mit einer Glockenbronze-Trommel beschwert wird. Etwas fummelig gestaltet sich nur das Platzieren der Korbstreben, zumindest dann, wenn man das einfache Aufklappen einer modernen Konstruktion gewöhnt ist.

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