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Test
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28.09.2018

Synchro Arts Revoice Pro 4 Test

Stimm- und Gesangsbearbeitung

Dopplungen auf Knopfdruck

Revoice Pro von Synchro Arts gibt es bereits seit 2012 und ist mit seiner etwas speziellen Funktionalität ein sehr eigenständiges, wenn nicht sogar konkurrenzloses Produkt. Revoice ist dabei eine Weiterentwicklung des inzwischen seit über 20 Jahren populären Programms VocAlign, welches ursprünglich zur Nachsynchronisierung von Filmen entwickelt wurde.

Es hat allerdings nicht lange gedauert, bis Musikschaffende diese Technik zum Kreieren ultra-tighter Gesangsproduktionen zweckentfremdet haben. Revoice Pro ging dann 2012 noch einen entscheidenden Schritt weiter, indem auch Tonalitäten in die Bearbeitung miteinbezogen wurden, wodurch der musikalische Anwendungsradius deutlich erweitert wurde. Inzwischen handelt es sich bei Revoice Pro 4 um eine umfassende Software, die in Bezug auf eine professionelle Gesangsbearbeitung eigentlich kaum Wünsche offen lässt.

In dem noch gar nicht so alten Testbericht zu Revoice Pro 3 meines bonedo-Kollegen Alexander Eberz werden viele der immer noch aktuellen Funktionen bereits so detailliert und verständlich erklärt, dass ich in diesem Testbericht den Fokus eher auf die Neuerungen des Updates sowie auf die Verwendung und Einbindung des Stand-Alone-Programms in verschiedenen DAWs legen möchte.

Details

Das Grundprinzip

Der primäre Einsatzzweck von Revoice Pro ist das (zeiteffiziente) Erarbeiten und das automatische Generieren von Dopplungsspuren. Diese Spuren, auch Dub-Spuren oder einfach Dubs genannt, sind ein wesentlicher Bestandteil von professionellen Gesangsproduktionen, die in fast jeder Produktion zu hören sind. Selbst wenn sie (vom Konsumentenohr) nicht unmittelbar wahrzunehmen sind, klingt es ohne diese Spuren dann plötzlich wie ein mittelklassiges Demo. Das Ziel ist also ein vollerer, wärmerer und druckvollerer Stimmsound durch tonale und zeitliche Abweichungen der Dopplungen zur Hauptstimme (Lead Vocal). Das Problem mit diesen Spuren ist, dass der Grat zwischen einer Verbesserung und einer Verschlechterung der Gesangsproduktion ziemlich schmal ist, was in vielen Fällen wiederum ein zeitaufwändiges, manuelles Editieren und Anpassen erfordert. An genau diesem Punkt setzt Revoice Pro an, indem es anhand diverser Parameter (auch mit Hilfe sinnvoller Preset-Einstellungen) Dopplungs-Takes an eine als Guide definierte Hauptstimme automatisch angleicht.

Darüber hinaus ist es ebenfalls möglich, aus einer einzigen Gesangsspur Dopplungen zu erzeugen, indem Variationen (z.B. Tonhöhe, Timing, Formanten) in die Kopien eingerechnet werden. Im Prinzip entspricht das verschiedenen Doubler- oder ADT-Effekten, wobei die Ergebnisse mit Revoice Pro, soviel vorweg, dann doch um einige Nuancen authentischer klingen.

Weitere Features

Seit seinem Erscheinen bis zur aktuellen Version hat sich Revoice Pro fast zu einer All-In-One-Lösung gemausert und bietet in der Warp-Ansicht eine Reihe von Features zur generellen Bearbeitung und Korrektur einzelner Gesangsspuren. Diese sind der Nachbearbeitung mit Celemony Melodyne nicht ganz unähnlich. Neben der manuellen Tonhöhen- und Timingkorrektur bestehen beispielsweise gezielte Bearbeitungsmöglichkeiten von Zischlauten und Atmern und auch das Kreieren von Hamonien aus einer Hauptstimme und eine Spektralanalyse selektierter Bereiche lässt sich mit Revoice Pro bewerkstelligen.

Merkmale von Revoice Pro

Wie ich bereits erwähnte, handelt es sich um eine Stand-Alone-Software, welche sich je nach verwendeter DAW auf unterschiedliche Weise in den Workflow integriert. Weiterhin gibt es je DAW teilweise verschiedene Möglichkeiten zum Austausch von Audiomaterial zwischen beiden Programmen, auf die ich im Praxisteil noch eingehen werde. Obwohl je nach Betriebssystem und Host verschiedene Revoice Plug-ins (Audio Suite, AAX, AU, VST3) vorhanden sind, dienen diese lediglich dem Audiotransfer, d. h. das Stand-Alone-Programm muss zur Bearbeitung immer geöffnet sein (oder öffnet sich automatisch beim Insertieren des Plug-ins). dadurch sind in der Regel ein paar Handgriffe mehr erforderlich  als bei der Plug-in-basierten Bearbeitung mit Melodyne.

Die zum Zeitpunkt dieses Tests fortschrittlichste Verzahnung von Revoice Pro und DAW findet mit Studio One 4 von Presonus (sowie Reaper) statt, da beide Programme mit der ARA2-Schnittstelle ausgestattet sind. Dadurch verhält sich die Synchro Arts Software tendenziell so , als wäre sie ein Bestandteil des Audio Editors der DAW. Obwohl auch Logic Pro X 10.4 die ARA2-Schnittstelle besitzt, ist die Integration, die sich  im Übrigen von einer Produktionssoftware zur anderen durchaus unterscheiden kann, noch nicht fertiggestellt worden. Das wird auf der Homepage aber bereits als kommendes Update (ohne konkreten Termin) angekündigt. Immerhin ist ARA2 noch ziemlich neu und zählt auch zu den hinzugekommenen Features der Programmversion 4. Welche Neuerungen bietet Revoice Pro 4 denn sonst noch?

Was ist neu in Version 4?

Ein Update mit Ziffernwechsel vor dem Komma ist häufig mit plakativen Neuerungen verbunden. Als Revoice Pro User der ersten Stunde, der allerdings nie ein kostenpflichtiges Update erworben hat und dessen Version so einige Jahre auf dem Buckel hat, war ich deshalb überrascht, dass das Interface auf den ersten Blick noch genauso aussieht wie 2012. Diese erste Vertrautheit finde ich begrüßenswert. Unter der Motorhaube aber und dazu noch in verschiedenen, neu hinzugekommenen Menüs befindet sich eine Vielzahl neuer Features gegenüber der mir bekannten Urversion und natürlich gegenüber der Revoice Pro 3. Was ist also neu?  Neben der bereits erwähnten ARA2-Schnittstelle, den obligatorischen Bug Fixes und zahlreichen Detailverbesserungen, die explizit in den Release Notes nachzulesen sind, stechen die folgenden Verbesserungen heraus:

Neue APT Modes

APT steht für „Audio Performance Transfer“ und bezeichnet den Angleichungsprozess aller relevanten Parameter, wie z. B. Tonhöhenverlauf, Transienten, Lautstärke und Timing zum Optimieren der Dopplungs-Takes. Hierzu bietet Revoice Pro neue, anwendungsspezifische Modi (Music, Dialog) und erweiterte Zugriffsmöglichkeiten, wie z. B. skalenbasiertes Pitch Editing.

Neue Warp Funktionen

Warp bezeichnet die manuellen Korrekturmöglichkeiten (Tonhöhe, Timing, etc.) innerhalb einer Spur. Erfolgen Anpassungen innerhalb der Guide-Spur, so werden diese unmittelbar auf aktive APT-Prozesse, sprich Dopplungen, übertragen. Hier bietet das aktuelle Update neue Tools, Grafikverbesserungen sowie eine bemerkenswerte Funktion zum natürlichen Dehnen (und Stauchen) von Vibratos. Hierbei handelt es sich um ein allgegenwärtiges Problem, da gesungene Schwankungen der Tonhöhe durch Timestretching ab einem gewissen Grad sehr unnatürlich klingen. Revoice Pro schafft es, beim Stretchen die ursprüngliche Frequenz des Vibratos beizubehalten!

iLok Cloud

Mit dem Update auf Version 4 ist kein physikalischer iLok Dongle mehr zur Benutzung von Revoice Pro notwendig. Dieser hat mir in den letzten Jahren schon so einiges an Problemen, Stress und Zusatzausgaben verursacht, sodass diese Neuerung absolut zu begrüßen ist!

Konfigurierbare Tastaturkommandos

Aufgrund der inzwischen hohen Funktionsvielfalt von Revoice Pro gibt es eine beträchtliche Anzahl an Tastaturkommandos, die ab sofort auch frei konfiguriert werden können.

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