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Test
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02.06.2016

STORY / LIVE CHECK – Das richtige Equipment für Straßenmusik

Travel Light – Play Hard: laut ohne Strom in die Fußgängerzone?

Als Straßenmusiker braucht man nicht nur gutes und zuverlässiges Equipment – auch Gewicht und Abmessungen spielen eine viel größere Rolle, als im „normalen“ Live-Einsatz. Vor allem, wenn man sein Instrumentarium allein durch die Einkaufsstraßen der Republik bewegt. Und schnell einsetzbar muss es natürlich sein: Am besten einfach hinstellen, einstecken - loslegen! Und gleich gut klingen, natürlich... Also jede Menge Anforderungen, die das „ideale Equipment“ erfüllen muss. Das galt es zu finden, und wurde beim Bardentreffen in Nürnberg gleich einem 3-tägigen Härtetest unterzogen! Ein Selbstversuch:

Straßenmusik mache ich eigentlich nicht, aber das Nürnberger Bardentreffen ist eines der größten Umsonst-und-draußen Musik-Festivals in Deutschland, wenn nicht sogar von der Welt. Die ganze Innenstadt ist voll mit Bühnen, richtig guten Musikern und es gibt sogar ein gedrucktes Programm fürs interessierte Publikum. Anders als sonst, wo man sich zum Musikmachen erst mal Genehmigungen holen muss, ist es während des Bardentreffens möglich, sich einfach so in die Fußgängerzone zu stellen, ohne Erlaubnis und mit Verstärker. Das führt natürlich zu einer ungeahnten Band- und Musikerdichte im Zentrum Nürnbergs, zu der ich diesmal auch mit beitragen werde!

Kaum ist der Entschluss gefasst, gehen auch schon meine Überlegungen los, was man da so mitnehmen kann, soll, muss, darf: Der Musiker an sich, also ich, ist Gitarrist und Sänger, braucht also eine Gitarre, ein Mikro und irgendwas, was das Ganze lauter macht. Alles kein Problem, sollte man meinen, allerdings gibt es hier einige Stolpersteine, die man umschiffen muss:

Zum Beispiel die Auflagen der Stadt:

  • KEIN Netz, kein Generator, nur Akku oder gänzlich unplugged
  • maximal 50 Watt pro Musiker
  • alle 1.5 Stunden Platzwechsel (Man muss also spontan mobil sein)  

Es kommen zwar trotzdem immer wieder die Panflöten-Indianer mit Generator und 1000W-Vollplayback („Tränen lügen nicht“ im Mechiko-Tarnanzug…), die komischerweise nie des immer gleichen Platzes verwiesen werden, aber ich bin ja Rocker UND gesetzestreuer Bürger: ich halt mich dran.  

Ich habe natürlich auch eigene Auflagen ans Equipment:

  • Hall muss sein
  • Schleppen ist doof
  • Möglichst wenig Einzelteile
  • Akkus: von 14-23 Uhr maximale Spielzeit pro Tag, also fast 6 Stunden netto zumindest theoretisch möglich

Details

1) Der mobile Verstärker

Ich spiele eigentlich schon immer einen AER Compact 60, laut genug für fast alles, mit EQ für Gesang und Klampfe, einem guten Hall und, ganz wichtig, Phantomspannung für Kondensatormikros. Leider braucht der AER 240V, bevorzugt Ökostrom. Na klar, diesen Amp gibt es ab Werk auch mit Akku, das nennt sich dann

AER Compact Mobile

Warum nicht einfach einpacken und das Thema Amp ad Acta legen? Der AER ist wohl der König der Akkubomben, hat aber leider drei Nachteile:

  • Nach vier Stunden ist der Akku vermutlich durch, und man kann ihn nicht wechseln. Für mich als Ortsansässigen auf dem Bardentreffen ist das total egal, aber für den tourenden Musiker, der unter Umständen zwischen zwei Auftritten über Nacht im im Billig-Bus oder auf der Almhütte nicht an eine ordentliche Stromquelle kommt, eher uncool.
  • 14 kg Lebendgewicht sind ebenfalls königlich. Ohne Rollen ermüdend. Ihr sagt Trolley? Sackkarre? Habt ihr schon mal das Kopfsteinpflaster in Nürnberg gesehen? Oder meine muskelfreien Oberarme? Kein Spaß.
  • Der Anschaffungspreis: 1.300 EUR wären natürlich kein Problem für so einen so wohl situierten Rockstar wie mich… aber von Musik lebende Normalsterbliche müssen hier zwei mal nachdenken. Vor allem, wenn man schon einen Compact 60 hat UND der nächstbilligere Amp Roland BA-330 gerade mal die Hälfte kostet:

Der Roland BA-330

Roland ist wohl die heimliche Heimat der Akku-Mucker. Kein anderer Hersteller hat ähnlich viel (mehr oder weniger) tragbares kabelfreies im Angebot, und besagter BA-330 stellt wohl die größte und teuerste Lösung dar. Genau das richtige für mich und mein Ego. 30 Watt Leistung, Unmengen an Eingängen für Mic, Inst. und Stereo (ja, ist er) Line-Signale von Effekt-Geräten und/oder Playback-MP3-Gedudel-Versorger. Ein zentral einstellbarer Hall, grobe Ton-Korrektur für die Kanäle und ein zentraler 2-Band-EQ.

Was für mich soviel heißt: Man KANN und sollte sich mit externem Equipment seinen Sound mit allem Pipapo zurechtbiegen und vom BA-330 nur laut machen lassen, man KANN aber im Ernstfall auch mal direkt rein, falls das Outboard-Equipment den Geist aufgibt oder, wie in diesem Fall... keinen Strom kriegt.  

Strom? Ach ja, die Rolands genehmigen sich allesamt AA-/Mignon-Batterien, in diesem Fall 8 an der Zahl, gut zugänglich im Akkupack.

Batterien (8x1,5V = 12V) oder NiMH-Akkus (8x1,2V = 9,6V) ist dem BA-330 egal. Angeblich reicht das ganze dann für bis zu 10 Stunden Badabumm. Die ganz Ängstlichen können auch Lithium-Batterien (Energizer/Varta etc) reinstopfen, das ist dann das Maximum an Leistung und Laufzeit.

Ach schick, klick, bestellt. Alles andere ist entweder noch schwachbrüstiger oder ohnehin irgendwie nicht lieferbar. So, jetzt aber einen Haken drunter und zum nächsten Thema:

2) Die mobile Gitarre

Klar, Akustikgitarren für fast umsonst und trotzdem aus Holz und mit Pickup gibt es wie Sand am Meer. Aber normale Gitarren sind, vor allem in einem SSV-Gedränge wie dem Bardentreffen, zzgl. Koffer–drum–rum schnell lästig. Weil man einfach überall hängenbleibt. Einfach zu groß. Und wer als Tourender mit öffentlichem Nahverkehr und DB unterwegs ist, weiß, wie schnell einen das nerven kann. Daher meine erste Wahl: die Travelerguitar Eclipse Escape!

Travelerguitar Eclipse Escape

Noch kleiner und nicht albern geht nicht: Richtige Mensur, Headless, Mechaniken im Korpus, passt mit Tasche sogar ins Handgepäck vom Billigflieger. Shadow Pickup/Preamp mit 2-Band EQ. Ziemlich kostspielig, aber… bestellt. Außerdem habe ich ja noch meine Johnson Trailblazer, die ich für super angelegte 70 € mit Shadow NanoMag nachgerüstet habe:

Klein, Leicht, nicht schade, wenn’s Macken bekommt. Nachteil: Kein EQ etc. Für diesen Test hier eigentlich völlig unbrauchbar, weil aus aus dem Programm genommen, ergo: Kann man nicht mehr kaufen. EGAL! Das Ding ist einfach Bombe, vor allem in der ersten Fassung, die ich noch habe (legt das Teil gefälligst wieder auf!). Instrumente also Haken dran!  

3) Das mobile Gesangs-Mikrofon

Ich verwende ja seit neuestem eigentlich ein Audix OM7, toll, pfeift nie, aber: Mikrofon mit Stativ? Nein, zu viel Schlepp inklusive Ausschluss spontaner Mobilität – und das Kabel fungiert als Stolperfalle. Daher lieber mein altes, höllisch unbequemes AKG C520 Headset, das Ihr alle aus meiner AUCH DAS NOCH Kolumne kennt.  

Achtung, Falle! Mein Headset benötigt Phantomspannung. Und fast alle anderen auch. Und der BA-330 liefert keine, so wie fast alle anderen auch. Lediglich der AER Compact Mobile versorgt den potentiellen Sängerknaben mit Volt.  

Das bedeutet: besorg Dir ein kabelgebundenes, dynamisches Headset. Au Backe. Da findet man zwar viel für stark schwitzende Aerobic-Trainer oder LAN-Killerspielspieler, aber für Sänger? Ja eines (!): das Shure WH20XLR!

Shure WH20XLR

Für 111€ machbar, soll laut Usermeinungen eine starke Bassabsenkung (Nahbesprechung!) und nervig starke Höhen haben. Passt also auf dem Papier super zu meiner eher muffigen Stimme. Bestellt. Noch was? Ja, leider.

Mit Headset singen bedeutet, dass man Pegelunterschiede verschiedener Gesangslagen nicht mehr mit Abstandsveränderungen hinbiegen kann. Da muss ein Kompressor her. Hab ich schon, in Form eines TC Helicon T1.

TC Helicon T1

Eine Auto-Tonkorrektur für Mikros, mit Single-Knob Kompressor/Deesser. Der hat aber kein Batteriefach, daher schnell zum Elektrofachhandel und einen Batterie-Halter für 10xAA incl Kabel zum Selberlöten organisiert. 10x1,2V Akkus passen genau auf die 12V, die der TC will, und 2000mA Akkus sollten  eine Weile halten!

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